International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa07524984 Special forrces prepare to defuse a suspected bomb in fort area in Colombo, Sri Lanka, 24 April 2019. According to police, at least 359 people were killed and hundreds more injured in a coordinated series of blasts during the Easter Sunday service at churches and hotels in Sri Lanka on 21 April 2019.  EPA/M.A. PUSHPA KUMARA

Sicherheitskräfte konnten in Sri Lanka mehrere Bomben entschärfen. Trotzdem starben über 300 Menschen bei mehreren Anschlägen. Bild: EPA/EPA

Experte zu Sri Lanka: «Die Verkündung eines Sieges über den ‹IS› war verfrüht.»

Der IS galt militärisch als besiegt. Nun reklamiert die Terrormiliz die Anschläge in Sri Lanka – bei denen mehr als 300 Menschen getötet wurden – für sich. Terror-Experte Fabien Merz erklärt die neue Strategie des «IS» und dessen Verbindungen nach Asien im Interview.



Der «IS» beansprucht die Anschläge für sich. Ist das bloss Propaganda?
Fabien Merz:
Die Videobotschaft, in der die vermutlichen Attentäter dem «IS»-Kalifen die Treue schwören, ist ein Indiz dafür, dass der IS entweder direkt beteiligt war, oder aber zumindest die Attentäter inspiriert hat.

Bild

Bild: eth

Zur Person:

Fabien Merz ist Wissenschaftler am Center for Security Studies der ETH. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf Sicherheitspolitik und Terrorismusbekämpfung im Nahen Osten sowie in Nordafrika.

Nun sagen Kritiker dieser These, der «IS» habe sehr lange gewartet, bevor man sich zum Anschlag bekannte.
Das stimmt, normalerweise bekannte sich der «IS» relativ rasch zu seinen Taten. Dies könnte aber auch ein Zeichen dafür sein, dass die Organisation unter den Verlusten in Syrien und im Irak gelitten hat. Mit dem «Kalifat» wurden auch wichtige Strukturen zerschlagen, das könnte die verlängerte Reaktionszeit erklären.

Wie stark ist der «IS» in Sri Lanka?
Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig einzuschätzen. Die Attentäter könnten schlicht vom Modell des «IS» inspiriert worden sein. Es ist aber nicht unmöglich, dass unter den Attentätern oder denjenigen, die sie unterstützt haben, auch Rückkehrer aus Syrien oder dem Irak waren. In diesem Fall wäre auch eine stärkere Verbindung zum «IS» denkbar.

Ist denn eine konkrete Unterstützung in Form von Sprengstoff oder Geld denkbar?
Auch das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Es würde aber in den Modus Operandi des «IS» passen, dass die Attentäter zum Beispiel mit «IS»-Anhängern in anderen Ländern in Kontakt stehen und bei der Planung und der Durchführung der Anschläge unterstützt werden.

Rückt Asien nun stärker in den Fokus?
Der «IS» sucht seine Ziele auch aus Opportunismus aus. Er schlägt dort zu, wo er kann und versucht dabei vorhandene religiöse Spannungen noch weiter anzuheizen und für seine eigenen Ziele zu nutzen.

Die «Sunday Times» deckte Anschlagspläne in der Schweiz auf. Ist ein «IS»-Anschlag in Basel realistisch?
Das ist nicht unmöglich. Die Schweiz gehört als neutrales Land, welches sich nicht an den Militäroperationen gegen den «IS» beteiligt, sicher nicht zu den prioritären Zielen für den «IS». Trotzdem wird die Schweiz vom «IS» als Teil der «westlichen Welt» wahrgenommen und gilt somit auch als legitimes Ziel für Anschläge.

Vor wenigen Monaten verkündete man noch das Ende des Kalifats. Nun zeigt sich, es war nicht das Ende des «IS», oder?
Territorial ist der «IS» weitestgehend besiegt. Ideologisch jedoch nicht. Nun kehrt die Terrormiliz zu seinen Wurzeln zurück und rückt wieder in den Untergrund. Die Verkündung eines Sieges über den «IS» war damit verfrüht.

Ein «IS» zurück im Untergrund. Macht ihn das auch gefährlicher?
Das ist schwer zu sagen. Einerseits könnte es durch den Verlust des Territoriums für den «IS» schwieriger werden, grossangelegte Anschläge wie etwa in Paris aus Syrien und dem Irak zu planen und durchzuführen. Andererseits kann es aber auch sein, dass der «IS» nun vermehrt auf Terror ausserhalb der Region setzen wird, um damit die Territoriumsverluste zu «kompensieren». Denn der «IS» hat mit dem Verlust seines sogenannten «Kalifats» in Syrien und im Irak auch den Faktor verloren, den ihn von anderen dschihadistischen Terrororganisationen abgehoben hat. Damit hat er sicher auch an Attraktivität für potentielle Anhänger verloren.

epa06233220 (FILE) - A handout photo made available from a video released by the militant group calling itself Islamic State (IS), purportedly showing the caliph of the self-proclaimed Islamic State, Abu Bakr al-Baghdadi, giving a speech in an unknown location (reissued 28 Spetember 2017). According to media reports on 28 September 2017 Islamic State militants have released what appears to be an audio recording of Abu Bakr al-Baghdadi. Russian and Iranian claimd the IS leader is dead but this is disputed by the US authorities.  EPA/ISLAMIC STATE VIDEO / HANDOUT BEST QUALITY AVAILABLE HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES *** Local Caption *** 53641801

Abu Bakr al-Baghdadi gilt gemeinhin als Anführer des «IS». Bild: EPA/IS

Das «IS»-Territorium ist zwar weg, die Anführer aber bleiben. Wie wichtig sind al-Baghdadi und Co. überhaupt noch?
Auch das ist schwierig zu beantworten. Bei einer dezentralen Funktionsweise hätte die Festnahme von al-Baghdadi zwar keinen grossen Einfluss auf die operationellen Fähigkeiten des «IS», wohl aber einen starken symbolischen Effekt.

Inwiefern symbolisch?
Einerseits wäre es für die Anti-IS-Koalition ein grosser Erfolg, den «IS»-Führer zu fassen. Andererseits wäre das auch ein harter Schlag gegen den «IS» selbst. Wenn dieser nicht einmal mehr seine Anführer schützen kann, dürfte er in der Dschihadisten-Szene weiter an Prestige und somit auch an Anziehungskraft verlieren.

Jürgen Todenhöfer: «Das ist kein islamischer Staat»

abspielen

Video: watson

Abonniere unseren Newsletter

23
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • wolge 25.04.2019 00:48
    Highlight Highlight Das meine ich damit, dass die Medien ihre Verantwortung nicht war nehmen:

    Nach jedem Anschlag bringt jede Zeitung, Radio-, Tv-Station x Meldungen darüber...

    Eine perfekte Plattform für die Terroristen. Gratiswerbung...
  • P. Silie 24.04.2019 21:33
    Highlight Highlight IS oder nicht IS - who cares! Die UNO kennt 220 Terroristische Gruppierungen, wovon knapp 160 islamische sind. Diese haben das Ziel vorallem Christen und Juden zu vernichten. Ob das jetzt IS, Hamas, Hezbollah, Al Qaeda oder die grünen Schlümpfe sind ist vollkommen egal! Die Geheimdienste westlicher Staaten gehen insgesamt von zwischen 350,000 und 400,000 muslimischen Terroristen aus. Das sind 0.02% der muslimischen Weltbevölkerung.
  • Pafeld 24.04.2019 20:03
    Highlight Highlight Der IS reklamiert auch einen Anschlag für sich, wenn ein Muslim sich im Restaurant verschluckt und dem Kellner ins Gesicht hustet.
    Wenn man sieht, mit wie wenig Mittel die RAF oder der NSU die deutschen Behörden in Bewegung hielt, wird eigentlich ziemlich deutlich, wie wenig militärische Stärke notwenig ist, um erfolgreich Terrorismus zu betreiben. Es gibt keinen erfolgreichen Krieg gegen den Terror. Der IS ist sogar aus dem letzten "erfolgreichen" Krieg gegen den Terror im Irak entstanden. Das einzige, was uns bleibt, ist diesen Idioten nicht die Deutungshoheit über ihr "Werk" zu überlassen.
  • Do not lie to mE 24.04.2019 19:11
    Highlight Highlight IS rückt wieder in den Untergrund? Ich verstehe nicht was damit gemeint ist. Solange in den saudischen Schulbücher und dass bereits ab der ersten Klasse der gleiche Text steht wie die letzte Video Botschaft vom Selbstmordattentäter (Prediger Mohamed Zaharan) können wir doch nicht von Untergrund reden.
    • Xonco 25.04.2019 08:49
      Highlight Highlight Bei Priestern die Kindern vergewaltigen können wir nicht von Einzelfällen reden.

      Wenn in deren Büchern selbst geschrieben steht das wer immer eine Frau vergewaltigt ein Anrecht auf Sie als Gattin kriegt wenn Sie unverheiratet war.

      Wenn Sie Verheiratet war muss ihr Mann und die Frau getötet werden, da Sie untreu war (Vergewaltigung) und der Mann Sie nicht beschützt hat.

      Kein Wort aber über den Vergewaltiger.

      Moll, Toller Glauben dieses Christentum, zeigt mir auch was du für einer bist.

      Tolles Land diese Schweiz das für diesen "Verein" Geld eintreibt.

      Moll, Toll dieses kleingeistige.
  • Gregor Hast 24.04.2019 18:45
    Highlight Highlight Die Terrorgruppe IS ist grundsätzlich abgekürzt von ISIS. Nach meiner Recherche soll ISIS in Ägypten gelebt haben und von den Menschen als Muttergöttin angesehen worden sein. Sie war ein Symbol der Liebe, der Magie und des Lebens, da es ihr gelang ihren Gatten zusammenzusetzen und wieder aufstehen zu lassen. Die ISIS Terroristen haben natürlich gar nichts mit dieser Göttin der Liebe zu tun.
    • decibel 25.04.2019 02:09
      Highlight Highlight Das hat auch überhaupt nichts miteinenader zu tun. ISIS ist die Abkürzung für Islamic State of Iraq and Syria.
      Falls dir das bewusst ist, was soll der Vergleich? Die UNO heisst auch wie ein Kartenspiel aber ich suche deswegen nicht nach Unterschieden in den Regeln.
    • Jonas Schärer 25.04.2019 03:41
      Highlight Highlight Bist du wirklich so einfältig oder machst du das extra?

      Troll hoch 10! Was soll der ISLAMIC STATE mit einer ägyptischen Göttin zu tun haben? Hat dir das Trump auf Twitter erklärt?
    • SeboZh 25.04.2019 04:22
      Highlight Highlight Die Medien wussten halt zu Beginn noch nicht wie man dieses (vom Westen erstellte) Gebilde nennen soll. ISIS, ISIL, DAESH oder einfach kurz IS.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lezzelentius 24.04.2019 18:32
    Highlight Highlight Was ist die Essenz in den Aussagen des Interviewers und mit welchen wertvollen Gedanken wartet er auf?

    - Schwer zu sagen.

    Wann soll man denn einen Sieg verkünden? Wann gilt eine Ideologie als vernichtet? Wenn es den letzten Fanatiker und Anhänger nicht mehr gibt?

    Ich schätze, terroristischen Islamismus wird es nach dem IS geben, wie es ihn auch davor gab. Unter welchen Namen ist für die Opfer wohl irrelevant.
    • Lezzelentius 25.04.2019 10:32
      Highlight Highlight Meinte den Interviewten. Verzeihung, Leo!
  • Max Dick 24.04.2019 18:28
    Highlight Highlight Schlaumeier dieser Experte. Ich habe nie jemanden gehört, der den IS als Terrororganisation für besiegt erklärte. Dass er noch zuschlagen kann und auch wird (auch in Europa), sei es direkt oder über Inspiration, ist glaubs klar. War ja mit Kaida genau gleich.
    • Wander Kern 24.04.2019 19:12
      Highlight Highlight Naja, mir kommt spontan einer in' Sinn, der derart zu äussern genötigt sich sah...
    • Saraina 24.04.2019 19:36
      Highlight Highlight Trump hat den IS für besiegt erklärt. Und seinerzeit, am Ende des Irak-Kriegs hat Bush die Kaida als besiegt erklärt. Ich erinnere mich noch gut, wie er mit diesem ihm eigenen dümmlichen Gesichtsausdruck auf einem Kriegsschiff der USA stand, und den Sieg verkündete. Damals war man ja noch naiv, aber heute ist klar, dass du völlig recht hast. Zumal ja in den Lagern in Syrien immer noch die nächste Generation heranwächst, die ausser Terror und Krieg nichts kennt, und von der niemand weiss, wohin damit.
    • Butschina 24.04.2019 20:22
      Highlight Highlight Ich habe Trump gehört
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bruno S.1988 24.04.2019 18:24
    Highlight Highlight Man kann eine Idee nicht besiegen. Man kann keine Ideologie weg bomben. Man kann Hass nicht mit Waffen bekämpfen. Mann kann nicht immer das Gleiche machen und ein anderes Ergebniss erwarten. Der Krieg gegen Terror ist aussichtslos.
    • decibel 25.04.2019 02:31
      Highlight Highlight Darum muss man nicht den Terror bekämpfen, sondern die Ursachen, die zu diesem führen. Das kann man m.M.n. nur über die Bildung, und über einen längeren Zeitraum. Von heute auf morgen geht das nicht.
      Leider wurde in den letzten Jahren (oder Jahrzehnten) nicht gerade gute Arbeit geleistet und die Kriege im Irak und in Syrien (und im Jemen, usw.) haben den IS überhaupt erst möglich gemacht in dieser Form. Das Bildungsniveau in Syrien war relativ hoch vor dem Krieg. Nun liegt alles in Trümmern und die Folgen kriegen wir alle zu spüren.

Das Gefecht zum Waffenrecht: «EU will Entwaffnung» – «Schützen haben Kindergartenniveau!»

Wenn die Schweiz die neuen EU-Waffenregeln nicht übernimmt, droht ihr der Ausschluss aus dem Schengen-Abkommen. Steht wirklich die Sicherheit der Schweiz auf dem Spiel? Im Streitgespräch schiessen Grüne-Nationalrätin Aline Trede und SVP-Politiker Hans-Ueli Vogt scharf gegeneinander.

In Bern entlockt Grünen-Nationalrätin Aline Trede (35) mit ihrem Humor auch mal bürgerlichen Ratskollegen ein Lächeln. Als sie in der watson-Redaktion auf ihren Kontrahenten, den SVP-Nationalrat und Rechtsprofessor Hans-Ueli Vogt (49) trifft, reisst sie keine markigen Sprüche. Zu aufgeladen ist das Thema.

Kommen wir gleich zur Sache: Wann haben Sie zum ersten Mal in Ihrem Leben eine Flinte hervorgeholt? Hans-Ueli Vogt: Als 14-jähriger Sekschüler ging ich ins Armbrustschiessen. Danach machte …

Artikel lesen
Link zum Artikel