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Interview

«Es ist ein letzter verzweifelter Versuch, den Brexit zu retten»

Boris Johnson schafft Chaos, um einen No-Deal-Brexit zu erzwingen. Der irische Autor Fintan O'Toole erklärt, warum der Premierminister bei vielen Briten so gut ankommt.

Marcus Gatzke / Zeit Online



epa07760448 British Prime Minister Boris Johnson ahead of a meeting with King Abdullah II of Jordan at 10 Downing Street in London, Britain, 07 August 2019.  EPA/WILL OLIVER

Bild: EPA

Ein Artikel von

Zeit Online

Herr O'Toole, der Brexit hat Grossbritannien in ein Labyrinth gestürzt, aus dem es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. Was wird bis zum 31. Oktober passieren, dem jüngsten Ultimatum der Europäischen Union?
Fintan O'Toole: Ich denke, die Strategie von Boris Johnson, sofern er überhaupt eine hat, besteht darin, die EU mit absurden Forderungen zu konfrontieren, von denen er weiss, dass sie sie nicht akzeptieren kann und will – beispielsweise den Backstop aus dem Austrittsvertrag zu streichen. Er möchte den Eindruck erwecken, es gehe um Grossbritannien gegen den Rest der Welt: Die Europäer sind unvernünftig, die Iren sind unvernünftig, die Remainer im britischen Parlament sind unvernünftig.

So will er einen EU-Austritt ohne Abkommen durchsetzen?
Es gibt keine Mehrheit für einen No-Deal-Brexit im britischen Unterhaus. Das weiss Boris Johnson. Er hofft, dass ihn jemand aufhalten wird.​

Bild

Fintan O'Toole ist Kolumnist der «Irish Times» und Autor von «Heroic Failure: Brexit and the Politics of Pain». Sein neues Buch «The Politics of Pain: Postwar England and the Rise of Nationalism» erscheint im November.

Aufhalten?
Ja, mit einem Misstrauensvotum beispielsweise. Die Labour-Partei wird genau das im September versuchen, da bin ich sicher. Johnson hofft, so genug Chaos zu schaffen, um vielleicht eine vorgezogene Neuwahl zu erzwingen, falls er die Vertrauensabstimmung verliert. Dann könnte er verkünden, der Wille des britischen Volks werde missachtet und er brauche eine grosse Mehrheit im Parlament, um den Brexit endlich durchzusetzen.

Gibt es nicht schon genug Chaos in Grossbritannien?
Ja, das Parlament und die Öffentlichkeit sind gespalten, es gibt keine Mehrheit für irgendeine Art von Brexit. Deshalb ist Johnsons Strategie extrem riskant. Es ist überhaupt nicht klar, ob er eine solche Wahl gewinnen würde.

Johnson ist in einem Paradox gefangen. Er möchte den Europäern und den Iren Angst machen, deshalb redet er so viel über einen No-Deal-Brexit. Aber natürlich kann man die Europäer und Iren nicht erschrecken, ohne auch die Briten zu verschrecken. Derzeit gibt die Regierung viel Geld für öffentliche Informationskampagnen aus. Das Motto: Bereiten Sie sich auf einen No-Deal-Brexit vor. Auch wenn viele Anhänger eines Brexits in Grossbritannien immer noch nicht wissen, was das wirklich bedeutet, könnten sie zu dem Schluss kommen, dass das vielleicht doch keine ganz so gute Idee ist. 

Reicht die Zeit überhaupt, um bis Ende Oktober noch mal zu wählen?
Das ist die entscheidende Frage. Meine Hauptsorge ist nicht, dass Johnson eine vorgezogene Neuwahl gewinnt und so einen No-Deal-Brexit durchdrückt. Meine Sorge ist, dass er in Grossbritannien ein riesiges Chaos anrichtet und eine Neuwahl erzwingt, die das Land gleichzeitig in eine umfassende Verfassungskrise stürzt.

Was hält die Jugend vom Brexit?

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Video: srf

Und dann würde Grossbritannien ohne Abkommen aus der EU fliegen, weil es keine funktionierende Regierung und kein Parlament gibt?
Genau. Es wäre eine Art von Sex-Pistols-Anarchie in Grossbritannien. In einem solchen Machtvakuum ist das Ergebnis am 31. Oktober automatisch ein EU-Austritt ohne Abkommen.

Boris Johnson hat sich 2016 nur wenige Monate vor dem Referendum entschlossen, das Leave-Lager zu unterstützen, obwohl er dachte, es würde verlieren. Jetzt gibt er sich als harter Brexit-Befürworter. Was ist seine persönliche Motivation als Politiker? Hat er irgendwelche Prinzipien?
Johnson wurde einmal gefragt, ob er eine Überzeugung habe. Er antwortete: «Nur eine: Gas geben». Er ist sehr egozentrisch, fast ein Soziopath. Er denkt stets nur daran, was für ihn und seine Ambitionen von Vorteil sein könnte. Und wie US-Präsident Donald Trump glaubt er, dass er vom Chaos lebt. Aus seiner Sicht hat er natürlich recht: Das Chaos hat ihn zum Premierminister gemacht.

Die Brexit-Frage spaltet Grossbritannien

Was könnte die Opposition Johnson im Parlament entgegensetzen?
Sie könnte sich zusammenraufen und sagen: Es reicht jetzt, wir müssen das jetzt stoppen. Lasst uns alle zusammenarbeiten und ein zweites Referendum versuchen. Sie könnte den Austrittsvertrag, den Theresa May ausgehandelt hat, im Parlament mehrheitlich durchwinken und ihn dann dem britischen Volk zur Abstimmung stellen. Aber ob die Opposition die Nerven dafür hat, weiss ich nicht. In der Vergangenheit hatte sie es jedenfalls nicht.

Wie sollte die restliche EU mit Boris Johnson umgehen?
Johnson sucht die Bühne. Deutschland und Europa sollten sich dessen bewusst sein. Er will das Drama aufführen können, dass Grossbritannien gedemütigt wurde. So nach dem Motto: «Wir sind vollkommen vernünftig und werden von allen anderen abgelehnt. Daher haben wir keine andere Wahl.» Die EU darf dieses Spiel nicht mitspielen, sie darf nicht zum Darsteller in seinem Theaterstück werden. Cool bleiben, nett sein, sich nicht reinziehen lassen. Als ich jung war, gab es ein pazifistisches Plakat: «Stell dir vor, es ist Krieg und niemand geht hin.» Genauso sollte sich die EU verhalten.

Sie haben Boris Johnson als einen komischen Antipolitiker beschrieben. Viele seiner Anhänger scheinen ihn genau deshalb zu lieben, weil er so exzentrisch und zuweilen clownesk ist. Was macht ihn so anziehend?
Johnson ist definitiv ein sehr kluger Mann. Er ist kein Dummkopf, obwohl er so rüberkommt. Johnson vereint zwei Stareigenschaften in sich: Eine ist seine Berühmtheit – für viele Briten ist er einfach nur Boris. Er hat eine fiktive Figur seiner selbst geschaffen, indem er genau das Gegenteil von dem tat, was man im Allgemeinen von einem Politiker erwartet. In einer Zeit, in der Politiker immer langweiliger, farbloser und kontrollierter werden, gibt er sich unkontrolliert und exzentrisch. Man darf nicht vergessen, dass Johnson seine Haare absichtlich verwuschelt, bevor er vor die Kameras tritt.

Und seine zweite Stareigenschaft?
Er kombiniert dieses Verhalten mit einer altenglischen Ehrerbietung vor der Oberschicht. Johnson geht viel offener mit seinen Klassenprivilegien um als beispielsweise David Cameron. Johnson zeigt allen, dass er eine gute Ausbildung genossen hat und recht wohlhabend ist. Viele Leute in Grossbritannien finden das gut, sie hätten gern etwas mit ihm zu tun. Jemand hat mir mal gesagt: Alle mögen Boris Johnson, ausser den Leuten, die ihn wirklich kennen.

Johnson spricht aus, was wir denken, also ist er einer von uns, obwohl er aus der Oberschicht stammt?
Ja. Ich würde sagen, für viele Engländer verkörpert er Freiheit. Und das bringt uns zurück zum Brexit: Die ganze Debatte über den Brexit ist eine Debatte über Freiheit. Europa hat Grossbritannien angeblich unterdrückt, mit schrecklichen Vorschriften und Regulierungen. Davon müssen wir uns befreien. Es ist ein sehr altes Selbstbild der Engländer, dass sie angeblich freier sind als andere Menschen, insbesondere freier als die sklavischen Europäer. Deshalb wird Johnsons exzentrische Natur von vielen nicht als Problem angesehen, sondern als Verkörperung einer speziell englischen Art von persönlicher Freiheit.

Und dann ist es auch schon egal, dass er immer wieder lügt und Tatsachen ignoriert?
Hier ist Boris Johnson wirklich brillant: Man weiss nie, ob er es ernst meint oder nur einen Witz macht. In Wahrheit spielt es auch keine Rolle, dass er unfassbare Lügen über die EU erzählt, solange es lustig und surreal ist. Für Johnson geht es bei der EU nicht um Regierungsführung, Demokratie oder internationale Zusammenarbeit, sondern um Chips mit der Geschmacksrichtung Krabbencocktail. (Anmerkung der Redaktion: Johnson hat einmal als Journalist behauptet, die EU wolle sie verbieten. Das stimmte nicht.)

epa07760458 British Prime Minister Boris Johnson meets with King Abdullah II of Jordan at 10 Downing Street in London, Britain, 07 August 2019.  EPA/WILL OLIVER / POOL INTERNATIONAL POOL

Bild: EPA

Sie haben einmal geschrieben: Wenn die Dinge zu ernst sind, um sie nüchtern zu betrachten, schick den Clown rein. Sind wir an diesem Punkt?
Ja. Es ist ein letzter verzweifelter Versuch, den Brexit zu retten. Das Projekt war in dem Moment tot, als es geboren wurde, weil es in gewisser Weise niemals ein echtes Projekt war. Jeder wusste, dass es keine Substanz, keine Hoffnung, keinen Plan und keinen wirklichen Vorschlag gab. Der Brexit konnte die Begegnung mit der Realität nicht überleben. Und in den vergangenen drei Jahren haben wir gesehen, wie das Zombieprojekt verzweifelt am Leben gehalten wurde. Es wird immer alberner und immer verzweifelter.

Warum sagen dann viele Menschen in Grossbritannien trotz der harten wirtschaftlichen und sozialen Folgen immer noch: Lasst uns notfalls auch ohne Abkommen gehen?
Ich habe viel Zeit in Grossbritannien verbracht und mit vielen Menschen gesprochen. Ein grosser Teil der Bevölkerung lehnt einen No-Deal-Brexit ab. Es gibt aber auch viele Menschen, die das Vertrauen in die Politiker und die Institutionen verloren haben. Sie glauben: Ein Austritt ohne Abkommen wird schon nicht so schlimm sein. Die Politiker haben uns auch in der Vergangenheit immer angelogen. Wir vertrauen diesen Leuten nicht. Sie suchen nur nach einem Grund, uns den Brexit wegzunehmen.

Andere wiederum glauben, dass es schwierig wird, aber wir sind Briten. Wir können das ertragen. Der Brexit-Schmerz werde zu einer Art Wiederauferstehung des britischen Geistes führen. Und so verrückt es auch klingen mag, man hört immer noch krudes Zeug über den angeblichen Dunkirk-Spirit. (Anmerkung der Redaktion: Die Stadt Dunkirk, französisch Dunkerque, deutsch Dünnkirchen, war im Zweiten Weltkrieg 1940 die letzte Bastion der Briten. Es gelang britischen und französischen Soldaten, den Brückenkopf so lange gegen die Deutschen zu verteidigen, bis sie mehr als 300'000 Soldaten nach Grossbritannien in Sicherheit gebracht hatten.) Es gibt einen Wunsch, sich in diese Krise zu stürzen, damit der Leidensdruck so gross wird, dass man sich am Ende selbst rehabilitiert. 

Wie sehr haben die vergangenen drei Jahre die britische Demokratie beschädigt?
Der Brexit hat allen gezeigt, dass das britische System nicht mehr funktioniert. Grossbritannien hat in der Neuzeit keine Revolution erlebt, ist nicht besetzt worden, es hat nicht die Art von grossen traumatischen Veränderungen erlebt, die die meisten anderen Staaten in Europa durchmachen mussten. Deshalb ist Grossbritannien bis heute eine Art imperialer Zentralstaat geblieben.

epa07759041 A pro-EU campaigner stands outside the Cabinet Office in London, Britain, 06 August 2019. The UK government is demanding a new agreement with the EU as the EU plans for no deal.  EPA/ANDY RAIN

Bild: EPA

Was bedeutet das?
In welcher anderen demokratischen Gesellschaft kann jemand von 90'000 Menschen gewählt werden und dann direkt zum Monarchen gehen, um zum Premierminister ernannt zu werden – ohne eine Abstimmung im Parlament zu gewinnen? Das ist nur ein Beispiel für die grossen demokratischen Defizite in Grossbritannien.

Es ist auch ein System, in dem Millionen und Abermillionen von Menschen entrechtet werden. Wenn es in einem bestimmten Wahlkreis einen eindeutigen Gewinner gibt und man nicht für ihn stimmen möchte, braucht man gar nicht erst zur Wahl zu gehen. Das ganze System wurde errichtet, um ein Imperium zu führen. Aber für ein modernes, mittelgrosses Land funktioniert es einfach nicht mehr. Durch den Brexit ist das ganz offensichtlich geworden. Ich weiss nicht, welche Konsequenzen das auf lange Sicht haben wird, aber Grossbritannien wird dann sicher anders aussehen als heute.

Wird das Vereinigte Königreich in seiner jetzigen Konstellation einen No-Deal-Brexit überleben?
Es dürfte schwer werden, dann zum Status quo zurückzukehren. Bei einem Austritt ohne Abkommen wird es sehr schnell zu einer Krise in Nordirland kommen und vielleicht etwas später in Schottland. Die Union könnte grundlegend erschüttert werden, irreparabel.

Aber selbst ein sanfter Brexit würde zu vielen Probleme für die Wirtschaft und die britische Demokratie führen. In diesem Punkt hat Johnson zu Recht gesagt: Grossbritannien werde so eine Art Vasall der EU. Und die Brexit-Debatte würde nie enden.

Dieser Artikel wurde zuerst auf Zeit Online veröffentlicht. Watson hat eventuell Überschriften und Zwischenüberschriften verändert. Hier geht’s zum Original.

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tjuck 08.08.2019 16:42
    Highlight Highlight Der Brexit war nicht "in gewisser Weise niemals ein echtes Projekt". Er war überhaupt kein Projekt. Es war kein Plan da. Nicht einmal eine Vorstellung von einem Plan. Nichts. Nada. Und diesem Nirwana haben die Leute aus Protest zugestimmt.
  • The Destiny // Team Telegram 08.08.2019 08:50
    Highlight Highlight Es spricht nichts gegen den Brexit, ausser die Strategielosen britischen Politiker.

    Was eigentlich diese Farce von Volkswillen umsetzten schön entblößt.
    • Tjuck 08.08.2019 16:40
      Highlight Highlight Das Volk hat dem Austritt zugestimmt, keinem Plan. Ein Plan wurde erst später erstellt, und zwar nicht von denjenigen, die den Brexit ins Rollen gebracht haben. Die waren zu faul oder zu nobel für so etwas wie einen Plan.

      Ich verstehe nicht, wie man etwas zustimmen konnte, was noch gar nicht formuliert wurde, was keinen Inhalt hatte und keine Vorstellung davon, was gemacht werden muss. Ich gehe auch nicht zum Chef und kündige, bevor ich eine neue Stelle habe.
    • The Destiny // Team Telegram 08.08.2019 18:10
      Highlight Highlight @Tjuck, da Stimme ich dir zu, verstehe auch nicht weshalb sie den Austritt schon eingereicht haben bevor sie überhaupt wussten wie weiter danach.

      Blitze gibts trotzdem, jäanu.
    • Juliet Bravo 08.08.2019 21:43
      Highlight Highlight In der Schweiz sind wir es gewohnt über ausformulierte Vorlagen zu entscheiden. Ich verstehe nicht, wieso man jetzt nicht über die konkrete Ausgestaltung dieses Schnellschusses zu entscheiden. Also vors Volk damit!
      - Johnsons Brexit ohne Abkommen, das die Verhältnisse im Ansatz formulieren würde
      - Brexitplan mit Abkommen May, das die Verhältnisse klärt
      - vorerst überhaupt keinen Brexit, die Verhältnisse sind wie bisher klar geregelt.
  • YvesM 08.08.2019 07:24
    Highlight Highlight Die politische Kaste kommt alle aus der gleichen privilegierten Schicht. Privat Schulen danach elite Uni. Der Weg ist meist vorgezeichnet und schön geebnet.

    Das Problem der Briten ist eben dieser politische Teig. Und ohne EU werden sie mit diesen Leuten an der Spitze die Probleme des Landes wohl kaum besser lösen.
  • Love_Lu 08.08.2019 00:46
    Highlight Highlight Er hat Recht.
    Ziel ist es, einfach soweit wie möglich Chaos zu treiben, damit die Presse jeden Tag von ihm berichtet, super Werbung für die nächste Wahl.
    Das heutige Parlament wird Brexis nicht zu stimmen, aber bei nächster Wahl ist möglich, da er mehr Verrückten aus seiner Partei ins Parlament holen kann.
  • elektron 07.08.2019 23:51
    Highlight Highlight Boris ist nicht klug, sondern einer der gemerkt hat, dass dass das Volk sich gerne belügen und verführen lässt von einem Clown, Hauptache, es ist unterhaltsam. Sein Konzept ist er selbst. Vision hat er keine. Clowns sind in der Politik jetzt in Mode.
    • rodolofo 08.08.2019 08:18
      Highlight Highlight Und:
      Der Polit-Clown ist immun gegen alle Satiriker!
      Was haben wir immer gelacht, wenn Viktor Giaccobo der bessere und lustigere Ueli Maurer war, als das Original!
      Ueli Maurer erscheint uns heute, wie die langweiligere Kopie seiner Viktor Giaccobo-Karikatur.
      Donald Trump und Boris Johnson kann das nicht passieren, denn sie sind bereits die Karikaturen von sich selbst. Sie schneiden Grimassen und tragen clowneskes Haar und/oder orange Hautfarbe. Mich erinnert das an die Liliputaner-Clowns im Zirkus Knie und an Comic-Figuren.
  • Leon1 07.08.2019 23:13
    Highlight Highlight O‘Tooles Kolumnen in der Irish Times oder manchmal auch im Guardian sind nur zu empfehlen! Auch das hier erwähnte Buch bietet einen tiefen Blick in die britische Volksseele.

    Eines aber noch in Richtung Redaktion/Lektorat;
    Dünkirchen! Nicht Dünnkirchen ;)
  • _kokolorix 07.08.2019 22:50
    Highlight Highlight Es spricht für die immense Selbstüberschätzung der Briten, dass sie Dünkirchen als Leistung ihres Landes wahrnehmen. Dass es überhaupt zu dieser verzweifelten Situation kam, war eine vernichtende Niederlage. Dass sie so viele ihrer Soldaten retten konnten lag einzig an Hitlers Weigerung die Briten total zu Demütigen. Mit seiner Grosszügigkeit erhoffte er den Zweifrontenkrieg zu verhindern und mit England ein für beide Seiten annehmbares Abkommen zu schliessen. Die Briten haben den II. WK nur mit viel Glück unerobert überstanden. Vielleicht ists ja beim Brexit auch wieder so...
  • Platon 07.08.2019 21:43
    Highlight Highlight Wieso genau gibt es einen No-Deal, wenn GB in einer Verfassungskrise steckt? Das habe ich nicht verstanden. Die EU würde dem ja bestimmt nicht zustimmen.
    • Shabaqa 07.08.2019 22:34
      Highlight Highlight Die EU muss dem nicht zustimmen. GB kann ohne Zustimmung der EU raus.
    • Juliet Bravo 07.08.2019 22:39
      Highlight Highlight Grossbritannien kann am 31. Oktober einfach raus gehen. Damit werden sämtliche Verträge hinfällig. Die EU hat dazu nichts zu sagen.
    • Anna Landmann 07.08.2019 22:41
      Highlight Highlight Das Austrittsgesuch hat eine Frist, bis wann der Austritt in Kraft tritt. Vorher können UK und die EU über die Formalitäten verhandeln oder eben ohne Vereinbarung auseinandergehen. Ein Land ohne Regierung kann schlecht mit jemandem verhandeln... Die Frist wurde schon mal nach hinten geschoben.

      Nun, du hast wahrscheinlich recht: Die angeblich so sture, unterdrückerische, diktatorische EU würde die Frist in diesem nochmals Fall ganz vernünftig nach hinten verschieben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Luchs 07.08.2019 21:38
    Highlight Highlight Wenn er ein wenig schlau ist sucht er sich andere Wirtschaftlich Verbündete, Amerika, China, Indien, Schweiz.
    Der schaukelt das schon.
    • FrancoL 07.08.2019 22:18
      Highlight Highlight Ich weiss nun nicht wie Du in der Wirtschaft bewandert bist; aber man sucht sich nicht einfach einen Partner und dann läuft es wieder rund.
      Der Weltmarkt ist kein Selbstbedienungsladen.
    • Juliet Bravo 07.08.2019 22:23
      Highlight Highlight Studiere mal die wirtschaftlichen Beziehungen Grossbritanniens. Die Wirtschaft - insbesondere KMUs - ist nun mal bei weitem am engsten mit den Ländern des Kontinents verbunden. Das kannst du nicht einfach so schnell auf China oder Indien umstellen.
    • Anna Landmann 07.08.2019 22:46
      Highlight Highlight China ist gar nicht gut zu sprechen auf die ehemalige Kolonialmacht, siehe Hong Kong, wo China die gemeinsame Erklärung von 1997 erst grad kürzlich einseitig für quasi ungültig erklärt hat und UK Konsequenzen im Fall einer Einmischung androht. Da dürfte es höchstens einen Knebelvertrag geben von der neuen Grossmacht für die gefallenen Besetzer...
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 07.08.2019 21:31
    Highlight Highlight Interessantes Interview!
    Der Bluff der "knallharten Verhandler" wird früher, oder später auffliegen.
    Die Europäische Union braucht nur Geduld und einen "langen Atem", dann verstricken sich diese "Freien Exzentriker-Egozentriker" in ihren eignen Lügengeschichten...
    • gecko25 08.08.2019 09:56
      Highlight Highlight Die Lügengeschichten waren doch schon während der leave-Kampagne offensichtlich. Gebracht hat es nichts, da die Mehrheit der Bevölkerung zu blöd war, sie zu erkennen
    • rodolofo 08.08.2019 12:43
      Highlight Highlight Oder sie haben sich gesagt:
      "Jetzt verhalten wir uns mal demonstrativ blöd uns wählen den offensichtlich Unfähigsten!
      Dann werden "Die da oben" Mitleid haben mit uns und uns bedauern! Und wir können dann noch mehr Mitleid mit uns selbst haben und uns erst recht bedauern!"
  • Juliet Bravo 07.08.2019 20:42
    Highlight Highlight Der letzte Satz von O‘Toole beschreibt auch die Situation der Schweiz treffend. Auch hier werden wir uns nie einig über unseren Status - möchten aber natürlich niemals dabei sein. So werden wir - anstatt mitzureden - auf ewig in der Debatte gefangen sein, wie schlimm oder nicht die EU sei.
  • lilie 07.08.2019 20:38
    Highlight Highlight Obwohl ich weder das Fachwissen noch die intimen Einsichten in die britische Seele von Mr. O'Toole habe, decken sich seine Ansichten mit meinen, und seine Aussagen bestätigen etliche meiner Befürchtungen.

    Unterdessen bin ich fast sicher, dass es zu einem No-Deal-Brexit kommen wird - weil die Situation verfahren ist, weil es keinen mehrheitsfähigen Plan gibt und weil die Briten zu einem gewissen Fatalismus neigen.

    Es wird dem Land danach zwar nicht besser gehen - aber zumindest bildet es sich ein, seine Würde bewahrt zu haben. Was immer das heissen soll.
    • Butschina 07.08.2019 21:46
      Highlight Highlight Ich hoffe die Briten werden noch früh genug aufwachen. Ich denke sie würden mehr unter dem NO-DEAL Brexit leiden als die EU.
    • Jol Bear 07.08.2019 22:14
      Highlight Highlight „Es gibt einen Wunsch, sich in diese Krise zu stürzen, damit der Leidensdruck so gross wird, dass man sich am Ende selbst rehabilitiert.“ ... und sich selbst neu erfindet, auf jeden Fall souverän bleibt. Das ist ein zentraler Punkt in der Geschichte des Selbstverständnisse zumindest der Engländer. Ob damit auch materielle wirtschaftlicher und anderer Unbill verbunden sind ist sekundär, sich aus dem Dreck eigenständig wieder heraus zu kämpfen, um das geht es, blood, sweat and tears, wie Churchill schon sagte.
    • Juliet Bravo 07.08.2019 22:28
      Highlight Highlight Jol Bear: was ist es Wert für ein bisschen EU-Bashing von ein paar überheblichen Snobs (noch dazu mir haarsträubend-falschen Beispielen) der ganzen Gesellschaft die Folgen von wirtschaftlicher Krise, Arbeitslosigkeit und allen Folgen zuzumuten? Und wie lange? Die nächsten 50 Jahre?
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