International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04686605 Representatives of European and world powers prior to meeting to pin down a nuclear deal with Iran, at the Beau Rivage Palace Hotel in Lausanne, Switzerland, 30 March 2015. Foreign ministers from Iran and six world powers met for a joint negotiating session in Lausanne 30 Marcg to work on a deal that would ease concerns about Iran's nuclear programme, while also ending the country's isolation. But chances for reaching a breakthrough in the nuclear talks with Iran apparently receded when a spokeswoman of Russian Foreign Minister Sergei Lavrov said he would leave Lausanne in the course of the day and return on 31 March.  EPA/BRENDAN SMIALOWSKI

Bild: EPA/AFP POOL

Atom-Verhandlungen mit Iran: Die Uhr tickt, die Welt hofft

In Lausanne gehen die Verhandlungen um ein Atomabkommen mit Iran in die entscheidenden Stunden. Welche Folgen hätte eine Einigung - Entspannung im Nahen Osten oder ein nukleares Wettrüsten?

Christoph Sydow / spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Zwölf Jahre dauerten die Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm, trotzdem kommt es in Lausanne auf Minuten an. Bis zuletzt feilschen die Verhandlungspartner um Details: die genaue Anzahl von Zentrifugen, den exakten Anreicherungsgrad von nuklearem Material, um Fristen und Formulierungen. Nun könnte sich Iran mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland auf ein Atomabkommen einigen, in Lausanne hat am Morgen die wahrscheinlich entscheidende Gesprächsrunde begonnen.

Doch was würde das detailreiche Vertragswerk für das grosse Ganze bedeuten? Wie veränderte der Deal die Machtverhältnisse im Nahen Osten? Und wie dürften Irans Nachbarn reagieren?

Iran – Wie Rohani triumphiert

Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen wäre ein Erfolg für den iranischen Präsidenten Hassan Rohani. Er war im Wahlkampf 2013 mit dem Versprechen angetreten, sein Land aus der Isolation zu führen und die Beziehungen zum Westen zu verbessern. Nun sieht es so aus, als würden er und Aussenminister Mohammad Javad Zarif liefern. Das stärkt Irans Reformer gegenüber dem konservativen Lager, das auf Konfrontation mit dem Westen setzt.

Die internationalen Sanktionen haben der iranischen Wirtschaft geschadet, besonders der wichtigen Öl- und Gasindustrie. Deshalb kann Teheran derzeit zum Beispiel das grosse Gasfeld Südpars nicht effektiv ausbeuten. Mit Aufhebung der Strafmassnahmen könnten wichtige Ausrüstungsgüter wieder importiert und Industrieanlagen modernisiert werden; Unternehmen aus Europa könnten im Land investieren. Iran hat mehrere Pipelines geplant, um Gas zu exportieren. Nun steigen die Chancen, dass diese Vorhaben auch umgesetzt werden.

Irans Aussenpolitik dürfte sich durch einen Deal kaum verändern. Schon jetzt hat Teheran massgeblichen Einfluss auf den Kurs der Regierungen im Libanon, in Syrien und im Irak. Zudem unterstützt das Regime die Huthi-Bewegung, die grosse Teile des Jemen kontrollieren. Im Irak verfolgen die USA und Iran im Kampf gegen den «Islamischen Staat» derzeit dieselben Interessen, in den Bürgerkriegen in Syrien und im Jemen kämpfen ihre Verbündeten gegeneinander. Daran wird auch das Atomabkommen nichts ändern.

Israel – Wie Netanyahu toben wird

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu war der grösste Gegner eines Abkommens mit Iran. Den Beteuerungen aus Teheran, man strebe nicht nach Atomwaffen, glaubt er nicht.

Einen möglichen Militärschlag gegen Irans Nuklearanlagen müsste Israel nach Abschluss eines Abkommens gegen den ausdrücklichen Willen der USA durchführen. Das ist zwar unwahrscheinlich, angesichts des abgekühlten Verhältnisses zu Barack Obama aber auch nicht ausgeschlossen. Netanyahu verfügt selbst über ein Atomwaffenarsenal, das nicht von internationalen Beobachtern kontrolliert wird; mehrfach hat er seine Bereitschaft erklärt, im Alleingang gegen Iran zu handeln.

In den vergangenen Jahren sind mehrfach iranische Atomwissenschaftler und andere Mitarbeiter an Teherans Nuklear- und Raketenprogramm getötet worden. Zudem sabotierte 2010 der Computerwurm Stuxnet die Leittechnik in mehreren iranischen Anlagen. Höchstwahrscheinlich stecken israelische Geheimdienste dahinter. Teheran wird auch nach Abschluss eines Abkommens mit weiteren Sabotageakten rechnen müssen.

Saudi-Arabien – Wie das Königshaus um Einfluss ringt

Saudi-Arabien als grösster regionaler Rivale Irans sieht das mögliche Abkommen mit grosser Skepsis. Erst vor wenigen Tagen brachte das Königshaus die Entwicklung eigener Nuklearwaffen ins Spiel. Diesbezüglich hat Riad bereits Kontakte zur Atommacht Pakistan geknüpft.

Im vergangenen Jahr liess Saudi-Arabien bei einer Militärparade bereits Mittelstreckenraketen auffahren, die auch Ziele in Teheran treffen könnten – und die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können.

In den vergangenen Tagen hat die Golfmonarchie bereits deutlich gemacht, dass sie Irans wachsenden Einfluss in der arabischen Welt zurückdrängen will. Erst schmiedete Riad eine Koalition aus zehn sunnitischen Staaten, die eine Militäroperation gegen die von Teheran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen startete.

Entscheidend wird sein, wie das Abkommen von Lausanne in den kommenden Monaten und Jahren umgesetzt wird. Wird sich Iran ans Vertragswerk halten und die versprochene Transparenz zeigen? Dann kann der Deal tatsächlich für eine teilweise Entspannung im Nahen Osten sorgen. Sollten sie hingegen die israelischen Zweifel an der Ehrlichkeit des Regimes bestätigen, droht tatsächlich ein nukleares Wettrüsten in der Region.

Kennst du schon die watson-App?

Über 100'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.



Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 31.03.2015 10:29
    Highlight Highlight Der Iran führt Krieg in Syrien, im Libanon und jetzt auch noch im Jemen und ist ein bekannter Terrorfinanzier aller möglichen islamistischen Gruppen weltweit. Nicht zuletzt wegen dem offen gezeitgten Antisemitismus von iranischer Seite muss der Iran von der A-Bombe ferngehalten werden.
    Die Menschen im Iran können einem Leid tun. Und für die Mullahs und den Ayatolla sind Verträge mit Ungläubigen (Westen) sowieso nicht bindend. Die spielen ihr eigenes Spiel.
    • Pisti 31.03.2015 12:49
      Highlight Highlight Das stimmt nicht, der Iran hat noch nie ein anderes Land angegriffen. Die wollen die Bombe auch nur bauen weil sie enorm bedroht sind von allen Ländern rundherum. Vor allem von den Brüdern Saudi-Arabien und Israel.

Machen Sie das Quiz

Was wissen Sie eigentlich über die Kurden?

Lange Zeit standen sie an der Seitenlinie, doch spätestens seit der Belagerung Kobanes durch den IS befinden sich die Kurden mitten im syrischen und irakischen Bürgerkrieg. Testen Sie Ihr Wissen über die kämpferische Volksgruppe im Nahen Osten.

Artikel lesen
Link to Article