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Salafisten verteilen den Koran in München.

«Lies!»-Verteilaktion in München. Bild: Metropolico/Flickr

Deutschland verbietet Salafisten-Verein und Koran-Verteilaktion – Razzien im ganzen Land



Deutschland hat am Dienstag die salafistische Gruppierung «Die wahre Religion» verboten. In zehn Bundesländern begannen am frühen Dienstagmorgen Razzien gegen den Verein, der unter anderem wegen seiner umstrittenen Gratis-Koran-Verteilaktionen «Lies» bekannt ist.

epa05631905 Police officers stand guard in front of a warehouse during a search in Pulheim, Germany, 15 November 2016. Several police officers took part in an anti-terrorism raid against suspected supporters of the Islamic State (IS or ISIS) militant group. Authorities held raids against Islamist networks in ten German states.  EPA/WOLFRAM KASTL ATTENTION EDITORS: FACES PIXELATED AT SOURCE

Razzia in Pulheim. Bild: EPA/DPA

Durchsucht wurden demnach rund 200 Ziele, wie eine Sprecherin des Innenministeriums erklärte. Es bestehe der Verdacht, dass der Verein «Hassbotschaften» verbreite und verfassungsfeindlich agiere, hiess es weiter. So habe eine Vielzahl der Menschen, die nach Syrien und in den Irak ausgereist sind, vorher Kontakt mit der Gruppe gehabt. Innenminister Thomas de Maizière wollte sich am Morgen in einer Pressekonferenz zum Verbot des Vereins äussern.

Hunderte Polizisten durchsuchten mehr als 200 Wohnungen und Büros von Organisatoren und Anhängern der mutmasslichen Unterstützer der «IS»-Terrormiliz.

Grosseinsatz in zehn Bundesländern

Salafisten vertreten einen am Koran orientierten besonders konservativen Ur-Islam, lehnen westliche Demokratien ab und wollen eine Ordnung mit islamischer Rechtsprechung, der Scharia. Der Verein ist mit seinen Koran-Verteilaktionen auch in anderen Ländern aktiv, darunter in der Schweiz.

Schwerpunkte der Polizeieinsätze, die um 6.30 Uhr zeitgleich in mehreren westdeutschen Bundesländern und Berlin begannen, waren Hessen mit knapp 65 Durchsuchungen – darunter allein 15 in Frankfurt – sowie Nordrhein-Westfalen und Bayern mit jeweils fast 35 Polizeiaktionen.

In Niedersachsen durchsuchten die Beamten mehr als 20 Liegenschaften, in Berlin fast 20, in Baden-Württemberg gut 15, in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und in Hamburg je etwa 5 und in Bremen eine. Auch gegen jeweils einen Moschee-Verein in Baden-Württemberg und Hamburg lagen Durchsuchungsbeschlüsse vor. In ostdeutschen Flächenländern gab es keine Durchsuchungen.

Keine spektakulären Festnahmen

Genau eine Woche nach einem Schlag der Behörden gegen mutmassliche Top-«IS»-Unterstützer, bei der die Bundesanwaltschaft unter anderem den als Chefideologen des deutschen Salafisten-Szene bekannten 32-jährigen Iraker Abu Walaa festgenommen hatte, wurden im Rahmen der aktuellen Aktionen keine spektakulären Festnahmen erwartet.

Vielmehr ging es vor allem darum, Vereinsvermögen zu beschlagnahmen und Beweismittel sicherzustellen. Zudem wollten die Behörden ein weiteres Zeichen gegen die Aktionen der Salafisten setzen, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete.

(sda/dpa/afp)

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54Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Einfache Meinung 15.11.2016 15:07
    Highlight Highlight Jegliche Form von Gewalt ist schlecht, aber diese Form von Freiheit und Demokratie, die wir so preisen, kennt man schon aus früheren Zeiten, die nicht so rosig waren.
  • atomschlaf 15.11.2016 12:00
    Highlight Highlight Sehr gut. Wann die zieht die Schweiz endlich nach?
  • demokrit 15.11.2016 10:49
    Highlight Highlight Gut so! Bei uns geht das halt noch unter bewilligungspflichtige Einnahmequelle für den Staat. Sieht man auch bei den Scientologen. Die Sozialhilfekosten für überschuldete Scientologen gehen dann auch auf Staatskosten. Kurz: Eine Art Arbeitsbeschaffungsprogramm.
  • bcZcity 15.11.2016 10:48
    Highlight Highlight Und die NPD wird jetzt hoffentlich auch bald verboten, oder nicht?
    • bcZcity 15.11.2016 13:01
      Highlight Highlight Hey, mind. 30 NPD Anhänger hier. Skandal!
    • Watson - die Weltwoche der SP 16.11.2016 14:15
      Highlight Highlight Und die Reitschule wird jetzt hoffentlich auch bald geschlossen, oder nicht?
    • bcZcity 16.11.2016 15:03
      Highlight Highlight So ein dämlicher Vergleich! Erich, bist Du es?? Bist wieder Hessig oder was?
    Weitere Antworten anzeigen
  • louis_toot 15.11.2016 10:03
    Highlight Highlight Gute Aktion. Aber auch nur wenn man dahinter kein Islambashibg vermutet. Wieso wird dass nicht Mal im großen Stil mit Rechtsextremen gemacht?
  • lilie 15.11.2016 09:36
    Highlight Highlight Das ist ein starker Schritt in die richtige Richtung.

    Es ist wichtig zu differenzieren. Anstatt in allen Muslimen potentielle Terroristen und Mörder zu sehen, sollte man jene Gruppierungen mit extremen und gewaltverherrlichenden Ansichten verbieten und verfolgen.
    • andersen 16.11.2016 00:04
      Highlight Highlight Genau.
  • Rukfash 15.11.2016 09:35
    Highlight Highlight Danke Deutschland ihr tut auch uns Muslimen so einen riesen Gefallen <3
    • Stachanowist 15.11.2016 11:14
      Highlight Highlight U pravu si, jarane ;)
    • Rukfash 15.11.2016 19:05
      Highlight Highlight hvala jarane :)
  • Domino 15.11.2016 09:08
    Highlight Highlight Es wäre Zeit die gleiche Organisation in der Schweiz auch zu verbieten...
  • Chinarolf 15.11.2016 09:00
    Highlight Highlight Die tun was.
  • N. Y. P. D. 15.11.2016 08:40
    Highlight Highlight Respekt.
    Ein starkes Zeichen der Behörden.
    Hoffentlich ist die Grossrazzia ergiebig und es kann umfangreiches Beweismaterial sichergestellt werden.
  • Wandtafel 15.11.2016 08:39
    Highlight Highlight Ich als Muslim bzw. einfach als Mensch sage: Ja, richtig so. In der Schweiz bitte auch und die Mormonen die in Zürich rumstehen gleich auch mit.
    • Dä Brändon 15.11.2016 09:04
      Highlight Highlight Als Muslim hast Du ja eh nicht viel mit diesen Radikalen zu tun...
    • Herbert Anneler 15.11.2016 09:17
      Highlight Highlight Wenn Du statt "Mormonen" "Scientology" schreiben würdest, wäre ich mit Deinem Post einverstanden.
    • Kyle C. 15.11.2016 09:58
      Highlight Highlight Wieso die Mormonen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Butzdi 15.11.2016 08:33
    Highlight Highlight Es wäre wohl an der Zeit, den bebarteten, meist konvertierten Herren die in Winterthur regelmässig ihre Lügen (ich versteh das nunmal so wenn ich 'Lies' lese) verteilen, etwas genauer über die Schulter zu schauen. Nicht nur, aber auch im Interesse alles Muslime die solch extremes Gedankengut nicht vertreten und deswegen trotzdem oft unter Generalverdacht gestellt werden.
  • Joseph Dredd 15.11.2016 08:30
    Highlight Highlight Das ist nur der Anfang. Letztendlich werden alle Religionen dieser Welt verboten werden, nicht nur islamische Gruppierungen.
    • unejamardiani 15.11.2016 08:56
      Highlight Highlight Währe mal ein Schritt in die richtige Richtung
    • Aged 15.11.2016 09:06
      Highlight Highlight @dredd Gute Idee: auch Parteien, Firmen und sowieso Menschen. Evtl. Tiere suspendieren, was meint Dredd?
    • Snus116 15.11.2016 09:20
      Highlight Highlight Da wird sich Stalin aber freuen
  • dnsd 15.11.2016 08:29
    Highlight Highlight Sofort auch in der Schweiz verbieten! Und alle Mitglieder ausweisen...
    • Thomes 15.11.2016 08:40
      Highlight Highlight Absolut!

      Das mit dem Ausweisen könnte schwer werden. Oft sind solche Spinner Deutsche/Schweizer.
    • Louie König 15.11.2016 08:42
      Highlight Highlight Auch die mit Schweizerpass?
    • Babalu 15.11.2016 09:04
      Highlight Highlight einfache Lösungen für einfache Gemüter, du wärest gut aufgehoben in Trumps USA...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Prof. Dr. Dr. D. Trump 15.11.2016 08:24
    Highlight Highlight Das wurde auch höchste Zeit.
    Würde jemand ein Buch veröffentlichen wollen, mit demselben Inhalt wie der Koran, dann würde es verboten werden, weil extrem rassistisch, volksverhetzend und zu Straftaten aufrufend (Anstiftung).
    Sein Autor und sein Verleger würden dafür in das Gefängnis gesteckt.
    • Ismiregal 15.11.2016 08:42
      Highlight Highlight Wäre mit der biebel dasselbe.
    • TheMan 15.11.2016 10:14
      Highlight Highlight Da haben wir Stammesanhänger und sogennante "Bibelwissenschaftler". Wo ruft die Bibel zu Rassismus, Volkshetze und Aufruf zu einer Straftat ein?
    • Saraina 15.11.2016 10:16
      Highlight Highlight Ich bin dafür, dass Religion zuerst im eigenen Herzen praktiziert wird, und natürlich in Gotteshäusern, wo sich Gläubige zusammenfinden, und drittens in der Gemeinschaft, weil jede Religion auch eine unterstützende Haltung gegenüber Mitmenschen verlangt.
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