International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04942235 A picture made available on 21 September 2015 of Afghan soldiers firing field gun during an offensive against the Islamic State (IS) militants in Nangarhar province, Afghanistan, 20 September 2015. According to media Afghan security forces launched offensive against Islamic State (IS) militants in Koh district of Nangarhar province on 20 September.  EPA/GHULAMULLAH HABIBI

Ein afghanischer Soldat feuert auf Stellungen des IS. Sie seien als Kanonenfutter missbraucht worden, beklagten einige der Rückkehrer. 
Bild: GHULAMULLAH HABIBI/EPA/KEYSTONE

Immer mehr Dschihadisten verlassen den IS

Der Heilige Krieg ist wenig heldenhaft, ein Auto gab es nicht, und die Lebensumstände sind hart: Eine Studie gibt Einblicke in die Gedanken und Werte von Dschihadisten, die den IS verlassen haben.



Bei der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gibt es einem Bericht zufolge eine zunehmende Zahl von Aussteigern. Mindestens 58 Mitglieder hätten die Gruppe seit Januar vergangenen Jahres verlassen, davon allein 17 zwischen Juni und August dieses Jahres, hiess es in einem am Montag veröffentlichten Bericht des am Londoner King's College ansässigen Politikinstituts International Center for the Study of Radicalisation (ICSR).

Der Bericht zeigt auch die Gründe der Abtrünnigen auf, die Terrormiliz zu verlassen. 58 Deserteure aus 17 Ländern wurden befragt. Die vier Hauptgründe:

  1. Der IS kämpft stärker gegen sunnitische Muslime aus den eigenen Reihen als gegen das Assad-Regime. 
  2. Der IS ist an Brutalitäten und Gräueltaten gegen sunnitische Muslime beteiligt. 
  3. Der IS ist korrupt und verhält sich nicht nach islamischen Grundsätzen. 
  4. Das Leben unter der IS-Herrschaft ist hart und enttäuschend.

Ein IS-Aussteiger, der in dem Bericht als Ebrahim B. aus Deutschland identifiziert wurde, erklärte, er und zwei Dutzend Kameraden seien zur Bekämpfung Assads nach Syrien gegangen, dann aber von der Realität vor Ort eingeholt worden. «Muslime kämpfen gegen Muslime, Assad ist in Vergessenheit geraten, der ganze Dschihad ist auf den Kopf gestellt worden», sagte B. den Autoren.

Diese Schilderung sei zwar nicht repräsentativ, heisst es in dem Bericht. Jedoch sei in den Gesprächen deutlich geworden, dass es die Dschihadisten-Utopie nicht gebe, die in den Videos der Miliz suggeriert werde. Viele der Kämpfer seien kritisch gegenüber der Strategie und Taktik, mit der der IS operiere. Die Kritik, der IS würde stark gegen sunnitische Rebellen kämpfen, wurde häufig laut.

IS sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt

Viele ehemalige Kämpfer empfanden das als falsch, kontraproduktiv und mit religiösen Gründen nicht legitimierbar. Zudem werfen Deserteure dem IS vor, nicht deutlich genug gegen das Assad-Regime vorzugehen. Der Fokus würde auf Streitigkeiten mit anderen Rebellen liegen und dem mutmaßlichen Enttarnen von Spionen oder Verrätern. Das sei nicht die Art von Dschihad, für den sie nach Syrien und in den Irak gereist seien.

Gerade Kämpfer aus dem Westen sollen zudem nur schlecht mit den Lebensumständen klargekommen sein, die etwa mit einer schlechten Elektrizitätsversorgung einherging. Damit verbunden sei der Aspekt, dass das heroische Bild eines Kämpfers, das viele Dschihadisten pflegen, sich als realitätsfern erwies. So beschwerten sich einige Deserteure über die Aufgaben oder dass einige Kämpfer als «Kanonenfutter» missbraucht worden seien. Zwei ehemalige Kämpfer erzählten, dass ihre Anführer sie als Selbstmordattentäter einsetzen wollten. Sie hätten jedoch erst die Kriegsbeute geniessen wollen.

Ramadi: Flucht vor dem IS-Terror

Den IS zu verlassen, sei schwierig und gefährlich, heisst es in dem Bericht. Aus Angst vor Racheaktionen seien zahlreiche Ex-IS-Kämpfer untergetaucht, viele sässen noch in Syrien oder im Irak fest.

In dem Bericht werden die Regierungen dazu aufgefordert, es den früheren IS-Kämpfern leichter zu machen, sich ohne Strafandrohung zu äussern. Zwar sei es «wahrscheinlich», dass einige der Deserteure Verbrechen begangen hätten, dennoch könnten ihre Aussagen dazu beitragen, andere vom Beitritt zur IS-Terrormiliz abzuhalten, hiess es in dem Bericht. Die Autoren der Studie weisen aber auch darauf hin, dass die Gründe, dem IS den Rücken zu kehren, ebenso komplex sein können wie die Gründe, der Miliz beizutreten, und die Darstellungen durch persönliche Interessen gefärbt sein können.

Fallstudie: «Victims, Perpetrators, Assets: The Narratives of Islamic State Defectors», auf Deutsch «Opfer, Täter, Spione: Die Narrative der Deserteure des Islamischen Staates».

(dwi/sda/afp)

Dir gefällt diese Story? Dann teile sie bitte auf Facebook. Dankeschön!👍💕🐥

Das könnte dich auch interessieren:

Verrückt, aber wahr – Stuckis Sieg, der keiner war

Link zum Artikel

So steht es um den Internet-Gebrauch von Jugendlichen

Link zum Artikel

1 Gramm Koks und 1 Million Euro Falschgeld – Verfahren gegen Luzi Stamm eingestellt

Link zum Artikel

«Er ist cholerisch, narzisstisch und hasst alle Menschen»

Link zum Artikel

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Repplyfire 22.09.2015 09:23
    Highlight Highlight Abschrekend wäre, diejenigen, welche sich einer solchen abscheulichen Organisation freiwillig angeschlossen haben, bei ihrer Rückkehr gleich wider dorthin zurückzuschicken.
  • Stratosurfer 22.09.2015 07:25
    Highlight Highlight IS-Rückkehrer sollten am besten direkt in ein Flugzeug gesetzt und mit Fallschirmen wieder über Rakka abgeworfen werden. Ist natürlich nicht ernst gemeint - Die armen Jungs....

Fox News berichtet: US-Luftangriffe töten 250 «IS»-Kämpfer am Rande Falludschas

Bei einer Serie von US-Luftangriffen im Irak sollen einem Medienbericht zufolge mindestens 250 Kämpfer der Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») getötet worden sein.

Die Extremisten seien Teil eines Konvois gewesen, der am Mittwoch in einem südlichen Aussenbezirk der einstigen «IS»-Hochburg Falludscha bombardiert worden sei, berichtete der US-Sender Fox News unter Berufung auf eine nicht näher genannte Quelle innerhalb des amerikanischen Militärs.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte der …

Artikel lesen
Link zum Artikel