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USA wollen Datenschatz des IS-Kalifen erbeutet haben – und wissen nun, welche Rolle die Ehefrauen der IS-Führer spielen

Wie ist der Islamische Staat aufgebaut? Wie verteilen die Dschihadisten ihre Einnahmen? Die US-Armee hat nach eigenen Angaben einen umfangreichen Datensatz mit wertvollen Informationen erbeutet. Eine Erkenntnis: Die Frauen der IS-Führer spielen eine wichtige Rolle.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Die US-Geheimdienste machen offenbar Fortschritte dabei, die Kommandostruktur der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu entschlüsseln. US-Medien berichten unter Berufung auf Regierungskreise, ein Datensatz, den ein US-Spezialkommando am 16. Mai erbeutete, habe sich als wahre Fundgrube erwiesen.

Damals hatte eine Einheit der Delta Force ein Gebäude in der ostsyrischen Stadt Amr gestürmt. Ziel der Mission sei es gewesen, Abu Sayyaf festzunehmen, einen ranghohen IS-Führer, der aus Tunesien stammte. Der Dschihadist leistete Widerstand und wurde nach US-Angaben bei einem Feuergefecht getötet. Seine Frau, Umm Sayyaf genannt, wurde gefangengenommen. Sie soll seither in Verhören Wissen preisgegeben haben.

Iraqi security forces and Peace Brigades, a Shiite militia group loyal to Shiite cleric Muqtada al-Sadr, confiscate vehicles belonging to Islamic State group fighters in Beiji, some 155 miles (250 kilometers) north of Baghdad, Iraq, Sunday, June 7, 2015. Iraqi troops backed by Shiite militias recaptured key parts of the northern refinery town of Beiji from Islamic State militants on Sunday, said Brig. Gen. Nassir al-Fartousi of the Interior Ministry. (AP Photo)

Irakische Sicherheitskräfte stellen Fahrzeuge aus, die sie von IS-Kräften erbeutet haben. Den USA ist ihrerseits offenbar ein Datensatz von mehreren Terabyte in die Hände gefallen. Bild: Uncredited/AP/KEYSTONE

Den Soldaten gelang es zudem, Laptops, Mobiltelefone und anderes Material zu erbeuten. Insgesamt soll es sich um vier bis sieben Terabyte Daten handeln. Der Fund habe wertvolle Hinweise dazu geliefert, wie der selbst ernannte Kalif Abu Bakr al-Baghdadi den IS führt.

Unter anderem gehe aus dem Material hervor, dass sich Baghdadi in der syrischen Stadt Rakka regelmässig mit seinen sogenannten Emiren treffe, den regionalen Anführern des IS. Besonders vertrauenswürdige Fahrer holen demnach die Emire ab und nehmen ihnen Handys und alle anderen elektronischen Geräte ab. So soll verhindert werden, dass US-Geheimdienste ihnen auf die Spur kommen.

«Wir haben Einiges erfahren, was wir vorher nicht wussten»

Der Datenschatz belege auch, dass die Ehefrauen der IS-Führer eine weitaus wichtigere Rolle spielen als bislang bekannt. Sie sollen untereinander Informationen weitergeben, die dadurch von Kommandeur zu Kommandeur gelangen, ohne dass diese direkt miteinander in Kontakt stehen.

«Seit dem Kommandoeinsatz haben wir Einiges erfahren, was wir vorher nicht wussten», sagte ein Beamter des US-Aussenministeriums vor Journalisten. «Mit jedem Tag wird unser Bild von der Organisation klarer und es wird deutlich, wie ausgeklügelt, global und vernetzt sie ist.»

So gewähre das Material Einblick darin, wie der IS seine Öl-Einnahmen verwendet. Demnach fliesst eine Hälfte in das IS-Budget, die andere Hälfte wird dazu eingesetzt, die Produktionsstätten zu erhalten und die Arbeiter zu bezahlen. Weil diese Arbeiter also offenbar IS-Angestellte sind, seien diese künftig als legitime Angriffsziele einzustufen, sagte ein US-Beamter der «New York Times».

Informationen aus dem riesigen Datensatz sollen bereits dazu geführt haben, dass bei einem Luftangriff am 31. Mai in Ostsyrien der IS-Kommandeur Abu Hamid getötet wurde. Die Dschihadisten haben seinen Tod bislang aber nicht bestätigt.

Dem Kommandoeinsatz gegen Abu Sayyaf war eine wochenlange Vorbereitung vorausgegangen. Neben der Überwachung mit Satelliten und Drohnen soll ein US-Informant beim IS wertvolle Informationen geliefert haben.

Ob das Wissen aus Abu Sayyafs Datenschatz den USA aber langfristig helfen wird, bleibt abzuwarten. Die Geheimdienstler räumen ein, dass sich der IS bislang als extrem anpassungsfähig erwiesen habe.

trs/syd

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 09.06.2015 08:56
    Highlight Highlight Wie lange kann eine Armee ohne Nachschub an Waffen durchhalten?
    Richtig. Keine Woche!
    Diese Bande hat keine Produktionsbasis für Waffen. Einzig einfache Sprengladungen können die selber bauen. Selbst diese benötigen Rohstoffe, die in Syrien/Irak auch sehr knapp sind.
    Das heisst, der Daesh (IS) wird ständig aus dem Ausland mit Waffen und Munition versorgt.
    Und dies soll man nicht verhindern können? Nein, KSA und andere Unterstützer des Daesh wollen dies nicht verhindern!
    Nebenbei: Die von der westlichen Presse hochgelobte FSA ist grösstenteils im Deash und Al-Nusra (Al-Kaida) aufgegangen.
    5 0 Melden
    • The Destiny // Team Telegram 09.06.2015 12:45
      Highlight Highlight War die FSA je überhaupt etwas anderes als Daesch und Al-nusra ?

      Die Führung der FSA war vielleicht mal Liberal aber nicht deren Kämpfer.
      1 0 Melden

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