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FILE - DECEMBER 2, 2014: According to reports, former Deputy Secretary of Defense Ashton Carter is expected to be nominated by President Obama for the position of Secretary of Defense December 2, 2014. DOVER, DE - MAY 07:  Deputy Secretary of Defense Ashton Carter stands in the pouring rain during the dignified transfer of Marine Staff Sgt. Eric Christian of Warwick, New York on the tarmac in the pouring rain at Dover Air Force Base May 7, 2013 in Dover, Delaware. Assigned to 2nd Marine Special Operations Battalion out of Camp Lejeune, North Carolina, Christian and one other Marine died May 4, while conducting combat operations in Farah province, Afghanistan.  (Photo by Chip Somodevilla/Getty Images)

Ein Doktortitel in Physik, der die monströse Pentagon-Bürokratie bestens kennt: Ashton Carter. Bild: Getty Images North America

Ashton Carter wird Pentagon-Chef

Hightech-Armee mit Drohnen und Obama-Günstling: So tickt der neue US-Verteidigungsminister

Zwei Kandidaten winkten ab, da blieb Barack Obama nur noch eine Wahl: Ashton Carter soll das US-Verteidigungsministerium übernehmen. Der Atomexperte gilt als fähiger Technokrat – der keine lästigen Fragen stellt.

sebastian fischer / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Am Ende blieb nur noch einer übrig: Ashton Carter, 60 Jahre, Demokrat, ein Mann der Pentagon-Bürokratie. US-Präsident Barack Obama wird Carter in den nächsten Tagen für den Posten des Verteidigungsministers nominieren, so berichten es diverse US-Medien – wenn nicht noch «Komplikationen in letzter Minute» dazwischen kämen, so CNN. Die US-Regierung will die Berichte bisher nicht bestätigen. Carter galt auch im Jahr 2012 schon einmal als Anwärter aufs Pentagon.

Der Posten ist vakant, seitdem der Präsident den Republikaner Chuck Hagel in der letzten Woche gewissermassen rauswarf, der ihm knapp zwei Jahre als Wehrminister gedient hatte. Der Hintergrund: Hagel hatte Obamas Strategie gegen die Terrormilizen des «Islamischen Staats» (IS) kritisiert, forderte klarere Linien und auch einen Plan im Umgang mit Syriens Diktator Baschar al-Assad. Indirekt beklagte Hagel damit die Allmacht des Weissen Hauses.

Obama setzt auf bewährtes Gesicht

Denn dort wird seit Jahren die Aussen- und Sicherheitspolitik im kleinsten Kreis konzipiert, Stichwort «Mikromanagement». Obama vertraut dabei auf eine Gruppe um seine nationale Sicherheitsberatern Susan Rice, nicht aber auf Hagel oder Aussenminister John Kerry. Die beiden sind und waren meist aussen vor.

Wird sich das durch Ashton Carter ändern? Damit ist nicht zu rechnen, denn Carter ist kein neues Gesicht. Vielmehr setzt Obama mit ihm auf den Typus Manager, einen sehr fähigen Technokraten mit einem Doktortitel in Physik. Ein Mann, der sich in der Riesen-Bürokratie des Pentagons exzellent auskennt.

FILE - In this Sept. 30, 2013 file photo, then-Deputy Defense Secretary Ashton Carter, right, listens a President Barack Obama speaks to members of the media in the Cabinet Room of the White House in Washington. Carter has emerged as President Barack Obama's top candidate to become the next defense secretary, according to administration officials, putting him in line to take over a sprawling department that has had an uneasy relationship with the White House. Secretary of State John Kerry is at left.  (AP Photo/Carolyn Kaster, File)

Ashton Carter (rechts), 2013 bei einem Medientermin im Weissen Haus. Er setzt auf Drohnen und Hightech statt auf grosse Truppenverbände. Bild: Carolyn Kaster/AP/KEYSTONE

Von 2011 bis 2013 diente er als stellvertretender Verteidigungsminister sowohl unter Hagel als auch unter dessen Vorgänger Leon Panetta. Zuvor war er als Staatssekretär für Technologie und Materialbeschaffung zuständig, also der Top-Waffenkäufer des Pentagon. Carter gilt ausserdem als Nuklearexperte, arbeitete schon unter Ex-Präsident Bill Clinton zu diesem Thema im Pentagon.

Seine Hauptaufgaben werden der Kampf gegen den IS sein, das Management der Ukraine-Krise, der Truppenabzug aus Afghanistan – und vor allem der Umgang mit den andauernden Budget-Einschnitten, die der Kongress beschlossen hat.

Zwei Kandidaten haben abgewunken

Obama hat sich einen Minister gesucht, der seine Politik exekutiert und sie nicht hinterfragt. Schon vorher waren zwei Kandidaten abgesprungen, die hoch gehandelt wurden und bei Obama entsprechend im Kurs standen: Michèle Flournoy, einst Pentagon-Staatssekretärin und enge Mitarbeiterin des Ministers Panetta, sowie Jack Reed, Demokraten-Senator aus dem kleinen Ostküstenstaat Rhode Island.

Denn klar ist: Wer diesen Job jetzt antritt, der hält ihn wohl nur für die nächsten zwei Jahre, bis zum Ende der Präsidentschaft Obamas. Das ist nicht gerade ein Karrieresprungbrett. Hinzu kommt die schwierige Mehrheitslage im Kongress: Obama nominiert zwar den Ministerkandidaten, der US-Senat aber muss die Personalie bestätigen.

FILE - DECEMBER 2, 2014: According to reports, former Deputy Secretary of Defense Ashton Carter is expected to be nominated by President Obama for the position of Secretary of Defense December 2, 2014. WASHINGTON, DC - MAY 19:  Defense Undersecretary for Acquisition, Technology, and Logistics Ashton Carter testifies during a hearing before the Senate Armed Services Committee May 19, 2011 on Capitol Hill in Washington, DC. The hearing was held to examine the F-35 joint strike fighter program in review of the defense authorization request for FY2012 and the future years defense program.  (Photo by Alex Wong/Getty Images)

Grosse Herausforderungen: Carter wird den Kampf gegen den IS bei gleichzeitigen Sparvorgaben weiterführen müssen. Bild: Getty Images North America

Schon im Falle Hagels zogen sich die Anhörungen auf dem Kapitolshügel über Wochen, die Republikaner trieben ihren Parteifreund wieder und wieder in die Enge. Und damals hatten noch die Demokraten die Mehrheit in der oberen Kongresskammer. Das ist im Januar passé, wenn das neue Parlament zusammentritt.

Von allen Seiten geschätzt

Auch deshalb erscheint Carter, der selbst nie als Soldat diente, als geeigneter Kandidat. Er steht sowohl bei Demokraten als auch Republikanern in gutem Ansehen, fachlich ist ihm kaum etwas vorzuhalten. Obamas anderer verbliebener Kandidat für den Posten, der gegenwärtige Heimatschutzminister Jeh Johnson, hätte es da weit schwieriger gehabt. Schliesslich war es Johnson, der Obama juristisch bei den jüngsten Exekutivanordnungen zur Immigration zugearbeitet hatte, die die Republikaner mit allen Mitteln bekämpfen wollen.

Zudem hätte Obama bei der Variante Johnson wiederum einen Nachfolger fürs Heimatschutzministerium finden und durch den Senat bringen müssen.

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