International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Schlammschlacht im Heiligen Land: Details aus dem Privatleben zählen mehr als Argumente

Im Wahlkampf in Israel zählen inhaltliche Argumente weniger als Details aus dem Privatleben der beiden Spitzenkandidaten. Je näher der Wahltermin rückt, desto giftiger wird Israels Wahlkampf geführt.

Pierre Heumann / ch media



epa07478339 Leader of the Blue and White party prime minister candidate Benny Gantz (C) takes a selfie with a person before a press conference in Tel Aviv, Israel, 01 April 2019. Benny Gantz and Yair Lapid reacted to news reports that claimed fake social media accounts are allegedly spreading support for Prime Minister Benjamin Netanyahu ahead of elections scheduled for 09 April.  EPA/ABIR SULTAN

Vor einer Pressekonferenz macht Benny Gantz ein Selfie mit einem Wähler. Bild: EPA/EPA

Benjamin Netanjahu und Benny Gantz, die beiden Herausforderer, die am 9. April gewinnen wollen, bekämpfen sich gegenseitig mit Behauptungen, die unter die Gürtellinie zielen.

Komplexität werde in dieser Kampagne als Schwäche ausgelegt, meint Chen Arzi Sror, die für das Massenblatt «Yediot Achronot» schreibt. Die Bürger würden Politiker bevorzugen, deren Weltsicht sich auf Twitter zusammenfassen lasse, «am liebsten mit Ausrufezeichen». Statt über Sachthemen wie den Friedensprozess mit den Palästinensern, die Wohnungsnot oder die Ursachen für die Misere in den Spitälern nachzudenken, stehen die Persönlichkeiten der Kandidaten im Vordergrund.

Horror-Augen und Psycho-Musik

So bezeichnet Netanjahus Kampagne Gantz, den ehemaligen Generalstabschef, als «geistig unfähig», die Verantwortung für Israel zu übernehmen. Gantz sei «nicht ganz bei Sinnen», er sei «schwach» und «links». Auf einem besonders hinterhältigen Clip ist Gantz zu hören, wie er wiederholt «vollkommen stabil» stottert. Um ihn zu dämonisieren, werden seine Augen mithilfe eines Tricks als furchterregend heraustretende Kulleraugen gezeigt. Die dazu eingespielte Musik aus dem Horrorstreifen «Psycho» treibt die Negativ-Botschaft auf die Spitze.

Die Bösartigkeit, mit der Netanjahus Kampagne die Persönlichkeit seines Gegners angreift, hat keine Grenzen. Einmal wurde dem 59-jährigen Gantz ein angebliches sexuelles Fehlverhalten während der Schulzeit vorgehalten, das sich dann als falsch erwies. Ein anderes Mal ging es um sein Handy, das vom Iran gehackt worden war. Gantz bestätigt zwar, dass sein Handy gehackt wurde, beteuert aber, es habe sich um sein privates Smartphone gehandelt, das weder Staatsgeheimnisse enthalte noch Informationen, die ihn erpressbar machen würden. Netanjahu bauschte die Handy-Affäre trotzdem auf und meinte spitz: Wenn Gantz nicht für die Sicherheit seines Handys garantieren könne, wie werde er dann fähig sein, für die Sicherheit Israels zu sorgen?

Auch Gantz, der sich anfänglich mit persönlichen Vorwürfen an Netanjahu bewusst zurückgehalten hatte, schlägt mittlerweile einen schärferen Ton an. Vor einer Woche meinte er zum Beispiel, Netanjahus negative Wahlkampagne könnte «zu einem Bürgerkrieg führen». Dessen toxische Rhetorik, so der ehemalige General, hätte bereits in den 1990er-Jahren zu einem Klima geführt, das den Mord am damaligen Premierminister Yitzhak Rabin begünstigte.

Lesen Sie ausserdem:

Wahlen in Israel: Hat Zauberer «Bibi» Netanjahu noch einen Trick auf Lager?

Gantz schlägt zurück

Die Korruptionsvorwürfe der Polizei und der Justiz, mit denen Netanjahu konfrontiert ist, sind für Gantz eine Steilvorlage. Netanjahu wache am Morgen auf und denke weder an die prekäre Situation in den Spitälern, in den Schulen noch an die wirtschaftlichen Nöte der Armen, sondern nur an sich selber und wie er sich bereichern könne, auf Kosten des Steuerzahlers.

Netanjahu reagiert auf solche Anschuldigungen mit der Aufforderung, Gantz ganz einfach zu ignorieren. Er könne eben nicht akzeptieren, dass die Bürger «mich und meinen Leistungsausweis respektieren», so Netanjahu. Statt an der Urne würden ihn seine Gegner deshalb mithilfe der Justiz besiegen wollen.

(bzbasel.ch)

Israels «Miss Trans» – eine christliche Araberin :)

Netanjahu soll wegen Korruption angeklagt werden

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

12
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Smeyers 06.04.2019 22:18
    Highlight Highlight Jedes Volk bekommt die Regierung die es verdient. In Israel sind es freie Wahlen (man könnte auch Herzog wählen). Was man von den Palästinsern und den meisten Arabischen Ländern nicht behaupten kann.
    • Deckardcain 07.04.2019 02:15
      Highlight Highlight Jedes Volk bekommt die Regierung die es verdient. ??? Versteh denn Sinn des Satzes nicht.

      Ausserdem verdiennen Die Israelieten ganz klar einen ehrlichen wahlkampf und nicht so ein bs.

    • Astrogator 07.04.2019 07:35
      Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • Darkside 06.04.2019 22:05
    Highlight Highlight Haben sie wohl von ihrem Protektor gelernt.
  • derEchteElch 06.04.2019 21:46
    Highlight Highlight „Im Wahlkampf in Israel zählen inhaltliche Argumente weniger als Details aus dem Privatleben der beiden Spitzenkandidaten“

    Ist das bei Trump nicht auch so?

    Details aus Finanzen und seiner aktuellen Steuererklärung sind wichtiger, nachdem der Plan mit Mueller nicht geklappt hatte.
  • P. Silie 06.04.2019 21:40
    Highlight Highlight Oi oi... Dieser Artikel sollte bei Euch unter die Sparte Science Fiction gehen.. Gantz ist alles andere als der nette Onkel von nebenan. Der Wahlkampf wird von allen Seiten schmutzig geführt, und wer hier angefangen hat (obwohl es Gantz war) ist trotzdem irrelevant. Es wird knapp diesmal.
    • FrancoL 06.04.2019 22:07
      Highlight Highlight Ja vermutlich hat Gantz sich auch vor Net korrumpieten lassen.
    • P. Silie 06.04.2019 23:15
      Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
  • Zingoo 06.04.2019 21:32
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
    • Smeyers 06.04.2019 22:20
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • Astrogator 07.04.2019 07:44
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • Linus Luchs 06.04.2019 21:15
    Highlight Highlight Kein Wunder, verstehen sich Netanjahu und Trump so prächtig. Dieselbe Niveau- und Skrupellosigkeit.

Netanjahu billigt israelische Siedlung im Westjordanland – nach Völkerrecht illegal

Zwei Tage vor der Parlamentswahl in Israel hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine israelische Siedlung im besetzten Westjordanland genehmigt. Die Regierung habe beschlossen, «die wilde Siedlung von Mevoot Jericho im Jordantal in eine offizielle Siedlung umzuwandeln», gab das Büro von Netanjahu am Sonntag bekannt.

Nach Völkerrecht sind alle israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland illegal, Israel macht aber die Unterscheidung zwischen den Siedlungen, die von den israelischen …

Artikel lesen
Link zum Artikel