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Reaktion auf tödliche Attacken: Tausende Israelis beantragen Waffenscheine

Immer wieder sterben in Israel Menschen bei Attentaten, zuletzt an einem Busbahnhof in Berscheba. Nun gibt es eine Gegenbewegung: Offenbar wollen sich viele Zivilisten bewaffnen, tausendfach gehen Anträge ein.



Ein Artikel von

Spiegel Online
epa04982726 Israeli police searching a Palestinian man at the Damascus Gate of the old city of Jerusalem, 18 October 2015. Israel has increased its security in Jerusalem, 300 soldiers  of the elite forces have been deployed to the city in order to reinforce the Israeli Police in their mission to safe-guard public transportation and main routes of the city.  EPA/ATEF SAFADI

Bild: ATEF SAFADI/EPA/KEYSTONE

Die Gewalt in Israel reisst nicht ab, nahezu täglich gibt es Meldungen über tödliche Angriffe von Palästinensern. Mal mit Schusswaffen, meist mit Messern. Die Sicherheitskräfte bekommen die Lage kaum unter Kontrolle. Angesichts der Mordserie wollen sich Tausende von Israelis nun selbst eine Waffe zulegen.

Der israelische Armeesender berichtete am Montag von einem deutlichen Anstieg der Anträge für einen Waffenschein. Polizeiminister Gilad Erdan hatte wegen der vielen Anschläge angekündigt, er wolle den Prozess zum Erwerb eines Waffenscheins erleichtern und beschleunigen.

Nach Angaben des Innenministeriums haben in den vergangenen Wochen durchschnittlich rund 5000 Menschen pro Tag einen Waffenschein beantragt. Die Telefonanlage des Ministeriums für Innere Sicherheit sei zusammengebrochen, daher könnten derzeit auch keine neuen Waffenscheine ausgestellt werden. Wegen des Andrangs sei die Anzahl der Sachbearbeiter bereits verdoppelt worden, ausserdem kann das Antragsformular inzwischen digital ausgefüllt werden.

Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat hatte die Menschen in seiner Stadt bereits vor zehn Tagen aufgefordert, in der Öffentlichkeit Waffen zu tragen. «Eine zugelassene Pistole zu tragen und zu wissen, wie man mit ihr umgeht, ist absolut wichtig. So, als ob man als Reservist dient», hatte der Politiker im Armeeradio gesagt.

Zwischenfall am Busbahnhof

Seit Monatsbeginn sind acht Israelis bei Messerangriffen von Palästinensern getötet worden. Mehr als 40 Palästinenser kamen ums Leben, die Mehrheit davon Attentäter, die bei ihren Anschlägen erschossen wurden.

Ein Streit um die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalems Altstadt, der Muslimen und Juden heilig ist, gilt als Mitauslöser für die gewaltsamen Übergriffe. Die Palästinenser werfen Israel vor, es wolle mehr Kontrolle über die heilige Stätte erlangen. Regierungschef Benjamin Netanjahu hat dies immer wieder dementiert.

An ultra-Orthodox Jewish man stands in the Al Aqsa Mosque compound, also known to Jews as the Temple Mount, in Jerusalem's old city, Wednesday, March 17, 2010. Israel on Wednesday lifted its tight restrictions on Palestinian access to Jerusalem's holiest shrine and called off an extended West Bank closure after days of clashes between Palestinians and Israeli security forces. Despite moving to end the lockdown, Israel still kept thousands of police officers on alert as an uneasy calm settled over the holy city. (AP Photo/Tara Todras-Whitehill)

Bild: AP

Der letzte tödliche Angriff ereignete sich am Sonntagabend, in einem Busbahnhof der südisraelischen Stadt Berscheba wurden drei Menschen getötet. Bei den Opfern handelte es sich um den Attentäter, einen Soldaten und einen Mann, der irrtümlich für einen weiteren Angreifer gehalten und ebenfalls erschossen wurde. Elf weitere Menschen – vier Soldaten und sieben Zivilisten – seien verletzt worden, teilte die Armee mit. Zuvor waren am Wochenende bei Messerattacken auf Israelis fünf Angreifer getötet worden, darunter eine Frau.

Neue Mauer soll Viertel trennen

Angesichts der Eskalation will Israel arabische und jüdische Viertel im Ostteil Jerusalems mit einer Mauer trennen. Das arabische Viertel Issawijeh solle eingezäunt und damit de facto zu einer Enklave in Jerusalem werden, berichtete der israelische Rundfunk am Montag.

Teil des Plans sei eine 1,5 Kilometer lange und neun Meter hohe Mauer, deren Baukosten auf umgerechnet 4,6 Millionen Euro geschätzt werden. Die Mauer solle verhindern, dass Palästinenser aus Issawijeh Steine und Brandflaschen auf Autos werfen, die auf einer naheliegenden Strasse zwischen Jerusalem und der Siedlerstadt Maale Adumim unterwegs sind.

Ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums betonte, es handele sich um reine Sicherheitsmassnahmen und nicht um einen politischen Schritt.

jok/syd/dpa/Reuters

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