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Der israelische Botschaftsangestelle Shai Masot in einem Londoner Restaurant (2016). screenshot via al jazeera

Skandal-Video: Israelische Botschaft will unliebsame britische Politiker loswerden



Ein heimlich aufgenommenes Video sorgt im politischen Betrieb Grossbritanniens für viel Unmut. Ein Investigativreporter von Al Jazeera hat die parlamentarische Gruppe «Conservative Friends of Israel» infiltriert und im Rahmen seiner verdeckten Recherchen eine erstaunliche Unterhaltung zwischen einem Mitarbeiter der israelischen Botschaft (Shai Masot) und der Stabschefin eines britischen Abgeordneten (Maria Strizzolo) gefilmt:

Shai Masot: «Kann ich Ihnen eine Liste von Abgeordneten geben, die wir gerne demontiert hätten?»

Maria Strizzolo (lacht nervös): «Tja, wissen Sie, wenn man lange genug hinsieht, gibt es sicher etwas, das sie zu verstecken haben.»

Shai Masot: «Ja, es gäbe da ein paar Abgeordnete.»

Maria Strizzolo: «Dann lassen Sie uns darüber sprechen.»

Shai Masot (zum verdeckten Reporter, der ebenfalls am Tisch sitzt): «Sie weiss, welche Abgeordnete ich demontieren will.»

Maria Strizzolo: Eine Erinnerung wäre gut.

Shai Masot: «Der stellvertretende Aussenminister [Sir Alan Duncan].»

Das Video

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Video: YouTube/Al Jazeera English

Alan Duncan ist beileibe kein Feind Israels, sondern unterstützt dessen Existenzrecht, bezeichnet Siedlungen im besetzten Westjordanland aber als «kontinuierlich wachsenden Schandfleck auf der Erdoberfläche». Die Situation in Hebron, wo tausende israelische Soldaten eine jüdische Enklave in der mehrheitlich muslimischen Stadt abschotten, vergleicht er mit Apartheid.

Die israelische Botschaft in London bemühte sich nach der Veröffentlichung des Videos am Sonntag umgehend um Schadensbegrenzung und entschuldigte sich via Twitter. Die Aussagen ihres Mitarbeiters seien «völlig inakzeptabel» und seine Anstellung in der Botschaft würde «bald enden». Das britische Aussenministerium nahm die Entschuldigung zur Kenntnis und sagte, sie betrachte die «Angelegenheit als erledigt».

Britische Oppositionspolitiker allerdings wollen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Emil Thornberry, der Schatten-Aussenminister der Arbeiterpartei nennt die Aussagen des Botschaftsangestellten «extrem verstörend» und verlangt eine Untersuchung wegen politischer Einmischung. Alex Salmond von der schottischen Unabhängigkeitspartei will Masot unverzüglich ausweisen.

Für die Regierung von Premierministerin Theresa May könnte die Angelegenheit tatsächlich noch nicht gegessen sein, auch wenn der fehlbare Botschaftsmitarbeiter das Land bald verlässt und seine «Komplizin» Strizzolo offenbar am Sonntag von ihrem Amt in der Konservativen Partei zurückgetreten ist. Das Video ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einer vierteiligen Serie «The Lobby», in der Al Jazeera Beweise präsentieren will, mit welch dreisten Methoden die israelische Regierung Einfluss auf die britische Politik nehmen will. Die erste Folge wird am kommenden Sonntag ausgestrahlt.

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Al Jazeera Investigations: The Lobby. Video: YouTube/Al Jazeera English

In Israel selbst hat die Affäre bislang wenig Staub aufgewirbelt. Die Verurteilung des Soldaten Elor Azaria, der Terroranschlag in Jerusalem und vor allem die Untersuchung gegen Regierungschef Benjamin Netanjahu dominieren die Schlagzeilen. Für die linksliberale «Haaretz» ist Shai Masot nichts weiter als ein Grossmaul mit überschaubarem Talent, der niemals in einer Botschaft arbeiten sollte. Doch die professionellen diplomatischen Standards hätten in der Ära Netanjahu gelitten, so die Tageszeitung.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Asmodeus 10.01.2017 08:33
    Highlight Highlight Tja. Wenn mein Freund ein Unrechtsstaat ist, mache ich halt mal beide Augen zu. Wenn der Unrechtsstaat nicht mein Freund ist oder Öl hat, helfe ich den USA bei der Invasion.
  • wonderwhy 09.01.2017 14:37
    Highlight Highlight Etwas reisserischer Titel! Skandal Video? Wäre noch interessant zu Wissen wer den die zwei aufgenommenen Personen genau sind. Mitarbeiter der Botschaft und Stabschefin eines Abgeordneten? Schon etwas dürftig um gleich von Skandal zu sprechen, oder?
    • phreko 09.01.2017 15:01
      Highlight Highlight Wünschst du dir solche Zustände in der Schweiz, wo Drittstaaten versuchen einheimische Politiker abzusägen?
    • wonderwhy 09.01.2017 15:17
      Highlight Highlight @phreko Nein tue ich nicht. Die Frage ist nur ob diese Gespräch wirklich die Relevanz hat um für einen Skandal herzuhalten. Was haben die involvierten Personen für Positionen innerhalb der jeweiligen Regierung/Botschaft? Das wäre meiner Meinung nach eine wichtige Information. Sind das einfach zwei Dummschwätzer, oder haben die tatsächlich irgendwelchen Einfluss?
    • phreko 09.01.2017 16:35
      Highlight Highlight Meinst du Israel steht hin und sagt:" Sorry, unser Typ vom Geheimdienst war etwas ungeschickt"!?!
  • gnp286 09.01.2017 12:07
    Highlight Highlight So, und jetzt stellt euch mal vor dass viele Interessengruppen (Banken, Versicherungen, Rüstung, Agrar, Sozialsektor, Staaten, ...) solche Lobbyisten haben. Ein Wunder, dass der Politbetrieb überhaupt noch funktioniert mit derart viel Einmischungen und dazwischenfunken...
    • opwulf 09.01.2017 14:08
      Highlight Highlight Und jetzt sollte auch klar sein warum die Massenüberwachung - "man muss nur lange genug hinschauen, dann wird sich schon was finden..." erklährt doch alles. Auch wieso die Political Correctnes so gefördert wurde. Es sind Druckmittel - Leute in Positionen von Macht und Einfluss gefügig zu machen! Aber dies wird sicherlich nicht nur von Israel oder den USA so gemacht, sondern ist global gesehen wohl ein viel benutztes Mittel, siehe auch die Reaktionen unserer Regierungen auf die NSA Überwachung - CitizenXYZ musste zurücktreten als heraus kam dass bla bla bla...
    • Asmodeus 10.01.2017 08:35
      Highlight Highlight @opwulf
      Was hat Massenüberwachung, Korruption und Geheimdienstschnüffeleien mit Political Correctness zu tun?
    • opwulf 10.01.2017 10:28
      Highlight Highlight Asmodeus: Weil politische Korrektheit diktiert wird - und sie nicht alle Bereiche betrifft sondern nur Gewisse - also ist es sehr selektiv. Bei der Massenüberwachung sind wir theoretisch alle davon betroffen - aber wann werden diese Infos geleaked (an Zeitungen, etc...)? Wenn man in einer unbequemen Position ist und gewissen Lobbies auf die Füsse tritt! Wie anders kann man diese Massenüberwachung deuten und für was soll dieser immense Aufwand sonst gut sein? Um direkt zu überwachen wohl kaum! NSA zB hat ja selber zugegeben dass damit auch Vorteile für US Interessen generiert werden! http://ü
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hierundjetzt 09.01.2017 11:40
    Highlight Highlight Lieber Israleisches Aussendepartement, Euch ist schon bewusst, dass mit solchen Aktionen die Unterstützung der europäischen Bevölkerung schwindet.

    Und: wir sind es die, die Politiker wählen, Produkte aus den besetzten Gebieten kaufen (oder in Zukunft nicht mehr)

    Ihr habt die Kontrolle über Euer Handeln komplett verloren. In einer Krisensituation. Das muss man zuerst noch hinkriegen. Kompliment.
    • Sauäschnörrli 09.01.2017 13:11
      Highlight Highlight Die rechten mötzeln immer man wird gleich als Rassist hingestellt, wenn man nur mal seine Meinung sagt. Poltical Correctness wird in den Dreck gezogen, was einfach eine andere Form von Anstand ist (welcher von Immigranten und Secondos vehement eingefordert wird). Aber wehe man kritisiert Israel für seine Siedlungspolitik, was in vielen Fällen nichts anderes ist als Landraub, dann ist man gleich ein antisemitischer Sozi?

      Ach Stipps, das kannst du besser.
    • wonderwhy 09.01.2017 13:45
      Highlight Highlight @Sauäschnörrli Natürlich darf man berechtigter Weise Israels Siedlungspolitik kritisieren, bitte sehr. Nur muss man schon auch darauf hinweisen dürfen, wie Israel in der Diskussion immer gerne mit völlig anderen Standards gemessen wird, als andere Akteure in vergleichbaren Situationen.
    • TruchaConCebolla 09.01.2017 14:08
      Highlight Highlight @Stipps: Zwischen Israel-Kritik und Antisemitismus besteht ein riesiger Unterschied.

      Wenn ich die aktuelle politische Situation in der DR Kongo und präs. Kabila's Gebahren absolut inakzeptabel finde, bin ich dann Schwarzen gegenüber rassistisch?

      Oder (und jetzt wirds langsam kompliziert) wenn ich gegen Erdogans Faschismus bin, bin ich dann mir selbst gegenüber rassistisch?

      Kritik an Handlungen ist nicht Rassismus, Verallgemeinerung hingegen schon. Lerne zu differenzieren ("du rechtes Pack du" wäre das Gegenteil davon).
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