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FILE - In this Wednesday, Aug. 24, 2016 file photo, an aerial photo shows the damaged buildings in the town of Amatrice, central Italy, after an earthquake. The Italian town of Amatrice, hardest hit by an earthquake last month, has filed Monday, Sept. 12, 2016, a criminal complaint denouncing French satirical weekly Charlie Hebdo for a cartoon depicting victims in layers of lasagna. (AP Photo/Gregorio Borgia, File)

Wurde bei einem Erdbeben Ende August komplett verwüstet: Blick auf das Dorf Amatrice in Italien. Bild: Gregorio Borgia/AP/KEYSTONE

Ging diese Karikatur zu weit? Italienisches Erdbebendorf verklagt «Charlie Hebdo»

Mit Karikaturen zur Erdbebenkatastrophe in Italien ruft «Charlie Hebdo» heftige Kritik hervor. Jetzt hat eine betroffene Gemeinde das Satiremagazin verklagt.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» hat sich mal wieder Ärger eingehandelt: Wenige Tage nach dem verheerenden Erdbeben vom 24. August in Mittelitalien veröffentlichte die Zeitschrift mehrere Karikaturen, die die Katastrophe mit 295 Toten thematisieren.

Unter dem Titel «Erdbeben nach italienischer Art» stellte der Zeichner Felix Opfer als Nudelgerichte dar: Ein blutiges Opfer nannte er «Penne mit Tomatensauce», ein weiteres «mit Käse überbackene Penne», und als «Lasagne» bezeichnet er mehrere Opfer die unter den Schichten ihrer eingestürzten Häuser begraben sind.

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Ging für viele zu weit: Karikatur zum Erdbeben in Italien.  bild: charlie hebdo

Eine eklatante Herabwürdigung der Erdbebenopfer befanden die Bürger der schwer zerstörten Gemeinde Amatrice – und reichten nun Diffamierungsklage gegen «Charlie Hebdo» ein. Die Zeichnungen stellten eine «unfassbare, törichte und makabre Schmähung der Opfer einer Naturkatastrophe» dar, zitierten italienische Medien den Anwalt der kleinen Berggemeinde, Mario Cicchetti.

Die in den Karikaturen diffamierten Menschen seien die Toten, aber auch die Überlebenden, von denen jeder drei, vier Verwandte, Kinder, Vater oder Mutter, Schwestern und Brüder, Freunde verloren habe.

Weshalb stürzten so viele Häuser ein?

Die Staatsanwaltschaft von Rieti soll nun prüfen, ob es sich bei der Veröffentlichung der Karikaturen um ein Vergehen handelt oder nicht. Nach wütenden Protesten in den sozialen Netzwerken, den italienischen Medien und von Justizminister Andrea Orlando hatte die «Charlie Hebdo»-Zeichnerin Coco eine weitere Karikatur veröffentlicht – das Bild einer unter Trümmern begrabenen Frau, die den Italienern zuruft: «Nicht ‹Charlie Hebdo› baut eure Häuser, sondern die Mafia.»

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Zeichnerin Coco reagiert auf die Kritik: «Nicht ‹Charlie Hebdo› baut eure Häuser, sondern die Mafia.»

Derzeit versuchen die italienischen Behörden herauszufinden, warum bei dem Erdbeben so viele Gebäude eingestürzt sind. Der Verdacht steht im Raum, dass Bauaufträge nicht korrekt ausgeschrieben und stattdessen von korrupten Beamten an Mafiaunternehmen vergeben wurden. Auch sollen Bauvorgaben bewusst missachtet worden sein, um Geld zu sparen.

Auch Franzosen kritisieren Karikaturen

Tatsächlich kamen die Erdbeben-Karikaturen auch bei einigen Landsleuten gar nicht gut an. «Ich bin Französin und lebe in Italien», schrieb eine Facebook-Nutzerin. «Charlie Hebdo, ihr seid eine Schande! Wir Franzosen erkennen uns in euch nicht wieder! … Italiener, Ihr solltet das wissen! Alle Franzosen trauern um eure Toten!»

Ein Anwalt für «Charlie Hebdo», Richard Malka, erklärte am Montag, man werde keine Kommentare abgeben, solange die Klage nicht eingegangen sei. Sollte die Klage zugelassen werden und es zu einem Prozess kommen, werde jeder Schadensersatz «vollständig an die Erdbebenopfer weitergereicht», so der Anwalt der Gemeinde Amatrice.

ala/AFP/AP

Charlie-Hebdo-Titelblätter

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 13.09.2016 22:17
    Highlight Highlight Mir persönlich geht diese Karikatur ein bisschen zu weit. Warum? Weil der Bezug zur Mafia nicht ersichtlich ist.

  • dracului 13.09.2016 07:08
    Highlight Highlight Charlie Hebdo zeigt, dass Satire zwar alles kann, ausser witzig sein. Das Nachdoppeln beherrschen scheint eine Reflexhandlung zu sein - irgendwann wird auch der schlechteste Witz lustig, wenn man ihn nur genügend oft erzählt. Vielleicht bin ich eher Ignaz Wrobel, Nebelspalter oder gehe unter mit Titanic, aber je ne suis pas Charlie!
  • dommen 13.09.2016 06:56
    Highlight Highlight Wie schon gesagt, diese Zeitschrift wird massiv überschätzt. Das rechtfertigt keinesfalls Anschläge auf Redakteure, aber der satirische Wert von dem Blatt ist eindeutig überbewertet.
  • exeswiss 13.09.2016 04:09
    Highlight Highlight wenns ihnen an den kragen geht #jesuischarlie . ansonsten voll drauf...
    • Wilhelm Dingo 13.09.2016 06:25
      Highlight Highlight Nein Satire darf definitiv nicht alles aber sie darf in allen Bereichen Kritik anbringen. Und hier ging es ja weniger drum die Opfer zu verhöhnen sondern die Misstände im Bauwesen anzuprangern.
    • Fumo 13.09.2016 08:23
      Highlight Highlight "Und hier ging es ja weniger drum die Opfer zu verhöhnen sondern die Misstände im Bauwesen anzuprangern."

      Um das über Italien zu tun reicht ein Bild des Pisaturm, man muss keine Opfer eine Naturkatastrophe ausschlachten.
      Aber mehr als dass können die bei Charlie eh nicht, die haben ja sogar aus dem Tot der eigenen Leute Geld gescheffelt.
  • sägsali 13.09.2016 02:19
    Highlight Highlight Und dann fragen sich die Franzosen, wieso sie immer wieder Opfer vom Terrorismus werden. Mit solchem Mist, machen sie sich nicht gerade beliebt.
    • Monti_Gh 13.09.2016 06:38
      Highlight Highlight Es gibt keine Entschuldigung für Terror. Gar kein einziger Grund berechtigt unschuldige Menschen zu töten.
      Deine Aussage ist eine Verhöhnung der Opfer und deren Angehörige.
    • Findolfin 13.09.2016 06:40
      Highlight Highlight Ja, aber es ist ja nur ein Satiremagazin, dass sich so benimmt und nicht der Grossteil der Franzosen.
    • Hoppla! 13.09.2016 06:47
      Highlight Highlight Genau! Und die Damen die im Minirock herumstolzieren müssen sich auch nicht wundern wenn sie vergewaltigt werden. Ist der logische Prozess! Karikatur = Terrorismus, Minirock = Vergewaltigung.

      Etwas Ironie am Morgen... Weil: Diese Logik ist einfach absurd.

      Die Menschheit würde gut daran tun nicht immer alles persönlich und todernst zu nehmen. Auf Grund von "verletzten Gefühlen" wurde schon zu viel richtiges Leid angerichtet.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DerRaucher 13.09.2016 01:32
    Highlight Highlight Mittlerweile wundert es mich nicht mehr, das Hebdo Opfer dieser Attacke wurde. Ich bin nicht sensibel gegen schwarzen Humor.. dennoch gibt es genug Leute für die sowas bedeutend zu weit geht.
    • RobertQWEC 13.09.2016 06:53
      Highlight Highlight "Satire darf alles". Entweder ganz oder gar nicht. Kann man "schwarzen Humor" wirklich so nennen, wenn dieser derart endlich ist? Schwarzer Humor kennt keine Grenzen, solange der Humor erkennbar ist.

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