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Reisen wie Greta – die «Flugscham» greift in Schweden um sich



epaselect epa07310995 Swedish climate activist Greta Thunberg, 16, arrives at the Zurich Main Station, in Zurich, Switzerland 23 January 2019. Thunberg will attend the World Economic Forum (WEF) from 23 to 25 January. Because air travel emits a lot of CO2, she decided to travel by train.  EPA/ADRIAN REUSSER

Greta am HB Zürich. Bild: EPA/KEYSTONE

Greta Thunberg machte es vor: Sie fuhr mit dem Zug von Stockholm zum Weltwirtschaftsforum nach Davos und zum Klimagipfel nach Kattowitz. Für den umweltbewussten Verzicht aufs Fliegen gibt es im Schwedischen sogar ein Wort: «Flygskam» - «Flugscham».

Prominenter Vertreter der Bewegung ist der ehemalige Biathlet und Olympiasieger Björn Ferry. Er kündigte im vergangenen Jahr an, nur noch im Zug als Kommentator zu Sportveranstaltungen zu fahren. Auch beim Film wächst das Umweltbewusstsein. 250 Mitarbeiter der Branche unterzeichneten einen Aufruf in der grössten schwedischen Tageszeitung «Dagens Nyheter», wonach Produzenten Dreharbeiten im Ausland beschränken sollen.

Ein schwedischer Instagram-Account stellt seit Dezember Prominente an den Online-Pranger, die für Fernreisen werben. Der Account hat inzwischen mehr als 60'000 Follower.

Greta Thunberg: Das furchtlose Mädchen von Davos

«Der Flygskam-Trend hat mich sicher beeinflusst», sagt die Politik-Studentin Viktoria Hellstrom. Vergangenes Jahr fuhr die 27-Jährige mit dem Zug von Stockholm nach Italien, um nicht zweimal innerhalb weniger Wochen zu fliegen. Ihre Freunde, die sie dort traf, reisten jedoch wie gewohnt mit dem Flieger an.

Vom Saulus zum Paulus

Bislang gehörten die Schweden zu den Vielfliegern. Das liegt zum einen an der Lage des Landes weit im Norden Europas - vom nordschwedischen Kiruna bis zur südfranzösischen Côte d'Azur sind es 4000 Kilometer. Aber auch am Wohlstand und dem breiten Angebot an Billigflügen.

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Video: srf/SDA SRF

Die Emissionen durch Flüge pro Kopf waren zwischen 1990 und 2017 fünfmal so hoch wie im weltweiten Durchschnitt, wie die Technische Hochschule Chalmers berechnete. Der Ausstoss klimaschädlicher Abgase durch Auslandsflüge ab Schweden stieg seit 1990 um 61 Prozent.

Auf der anderen Seite bekommt Schweden die Folgen des Klimawandels offenbar besonders deutlich zu spüren: Das Meteorologische Institut des Landes erklärte vergangene Woche, dass die Temperatur in Schweden doppelt so schnell ansteige wie im globalen Schnitt.

Männer zeigen weniger Einsicht

Im März veröffentlichte die World Wildlife Foundation eine Umfrage, in der fast 20 Prozent der befragten Schweden angaben, der Umwelt zuliebe schon einmal den Zug statt das Flugzeug genommen zu haben. Vor allem Frauen und junge Menschen reisen demnach umweltbewusst. Um den Trend zu unterstützen, will die Regierung bis Ende 2022 wieder Nachtzüge in die wichtigsten europäischen Städte einsetzen.

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Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Im Winter verzeichnete die Schwedische Bahn SJ einen Anstieg der Geschäftsreisen um 21 Prozent. Die Zahl der Inlandsflüge ging im vergangenen Jahr laut Daten der Verkehrsbehörde vom September um 3.2 Prozent zurück.

Die schwedische Psychologin Frida Hylander ist überzeugt, das «Flygskam» nur ein Faktor für den Trend ist. Die neue Flugsteuer, die vor einem Jahr eingeführt wurde, könnte genau so gut ein Grund sein. Oder die Pleite der regionalen Fluggesellschaft Nextjet, deretwegen viele Routen monatelang nicht mehr angeboten wurden. (aeg/sda/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Brezel Hugger 12.04.2019 19:14
    Highlight Highlight Was Europa braucht, ist ein flächendeckendes Hochgeschwindigkeitsnetz wie in Japan.
    War neulich in Moskau mit dem Zug (ab Strassburg), macht zwar Spass, aber die 34 Stunden wären wohl auch in der Hälfte zu schaffen.
    Immerhin hat sich einiges gebessert. Basel-Edinburgh zum Beispiel, zu Interrail-Zeiten eine Reise von anderthalb Tagen, ist heute in einem Tag zu schaffen.
    Leider ist der Eurostar ein wenig zu teuer, um dies öfters zu machen.
  • Mutbürgerin 12.04.2019 13:35
    Highlight Highlight Ich schliesse mich dann der Bewegung "Flying positive" an
    • aglio e olio 12.04.2019 21:13
      Highlight Highlight Dein Credo "Dagegen aus Prinzip"?
      Werd' erwachsen. ;)
  • blaubar 12.04.2019 13:33
    Highlight Highlight Ich muss mal wieder Ferien... Ich glaub, ich flieg nach Greta.
  • Dnipro 12.04.2019 13:22
    Highlight Highlight Die Welt, rsp. die Menscheit gerät immer (noch) mehr aus den Fugen. Die Inquisition hat begonnen. Wann werden die ersten Flugreisenden bedroht, verhaftet und als Ketzer in den Kerker gesteckt - oder noch schlimmer? Es wurde bereits enormer wirtschaftlicher Schaden angerichtet - ich bin davon direkt betroffen. Ich mache mir auch grosse Sorgen wegen der Umwelt und dem Klimawandel und leiste täglich meinen ganz persönlichen Beitrag zum Schutz der Umwelt. Ich hänge es aber nicht an die grosse Glocke und nötige andere dazu das Gleche zu tun! Stoppt endlich diesen kollektiven Wahnsinn!
  • #Technium# 12.04.2019 13:10
    Highlight Highlight Liebe Greta: Ich werde weiterhin beruflich als auch privat mehrmals im Jahr den Flieger nehmen. Weder schäme ich mich dafür noch muss ich mich dafür rechtfertigen, schon gar nicht vor so einer Selbstdarstellerin wie dir.
    • Amboss 12.04.2019 15:19
      Highlight Highlight Nein wirklich?!? Du bist aber ein ganz ganz böser.

      Muss schon hart sein und am Ego kratzen, dass man sich von einem kleines Mädchen dermassen aus dem Konzept bringen lassen muss.
      Was ist es? Dass klein Greta schon weltbekannt ist und ihre Spuren hinterlassen hat in der Welt, im Gegensatz zu dir?
      Oder was anderes?
    • aglio e olio 12.04.2019 21:14
      Highlight Highlight Wer sich hier wohl darstellt?
  • Knety 12.04.2019 12:33
    Highlight Highlight Das Interrailangebot sollte etwas attraktiver gestaltet werden. Deutschland ist das einzige Land in welchem keine Reservationen für Schnellzüge gemacht werden müssen. Ich hoffe diese Form des Reisens kommt wieder in Mode. Dabei ist nämlich schon die Fahrt an sich ein Abenteuer.
    • kobL 12.04.2019 14:00
      Highlight Highlight Reservationen haben halt auch den Vorteil, dass man dann sicher auf einer langen Zugfahrt einen Sitzplatz auf sicher hat. Ich finde es darum nicht so tragisch. Heutzutage kann man ja eine Reservation zumindest bei der SBB mit dem App lösen, auch noch kurz vor Abfahrt. So kann man auch noch spontan Reisen, trotz Reservationspflicht.
  • Steiner 12.04.2019 12:19
    Highlight Highlight Und wer ist diese Psychologin🤷🏻‍♂️?
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 12.04.2019 12:10
    Highlight Highlight https://www.nzz.ch/international/schwedens-umweltpolitik-treibhausgasemissionen-steigen-ld.1464432
    Auf den Individualverkehr scheint sich diese "Scham" noch nicht ganz durchzuschlagen...
    Und ob jetzt Shaming wirklich die Strategie der Wahl sein sollte müsste auch noch diskutiert werden.
    Der Artikel zeigt es eigentlich auf, noch bestehen in der Umweltpolitik zahlreiche Wiedersprüche und Zielkonflikte, die offen ausdiskutiert werden müssen.
    • Amboss 12.04.2019 15:53
      Highlight Highlight Anstatt zu diskutieren ("ob jetzt Shaming wirklich die Strategie der Wahl sein sollte", "dass noch in der Umweltpolitik zahlreiche Wiedersprüche und Zielkonflikte bestehen "), könnte man auch ganz einfach irgendwo anfangen.
      Und "Nachtzug" statt "Flug" könnte ja so ein Anfang sein. Ob nun wegen Shaming oder nicht, ist ja eigentlich egal.
  • Knut Knallmann 12.04.2019 11:19
    Highlight Highlight Trotzdem gibt es immer noch keine durchgehenden Züge über Kopenhagen hinaus, von Nachtzügen, die aus unerfindlichen Gründen nur bis Malmö fahren ganz zu schweigen. Wenn man dann in Kopenhagen ankommt, darf man fast 2 Stunden auf den Anschlusszug nach Hamburg warten. Für Eisenbahnfanatiker wie mich durchaus reizvoll - Für alle Anderen keine realistische Alternative. Dies nur als Beispiel: Die Nachfrage nach einer Alternative wäre häufig da, aufgrund mangelnden Angebots wird Sie nicht genutzt. ich hoffe da passiert noch was...
    • Amboss 12.04.2019 13:41
      Highlight Highlight Ist schon so, aber so wirklich Vorteile hätte das ja auch nicht. Stockholm bis Zürich ist einfach saumässig weit. Im Prinzip halt zu weit, um mit dem Zug zu gehen.

      Möchte man das mit dem Zug machen, dann dauert es einfach ca. 24h. Einen Tag und eine Nacht lang ist man unterwegs.
      Und möglich ist ja beides: Entweder zuerst die Tagfahrt oder zuerst die Nachtfahrt
    • kobL 12.04.2019 14:10
      Highlight Highlight 1800 km sind jetzt nicht so wahnsinnig weit. "Zu weit" ist ja auch nur, weil man sich es Gewohnt ist diese Distanz in wenigen Stunden mit dem Flugzeug zurückzulegen. Die Strecke wäre wahrscheinlich auch schneller zu schaffen als 24h, sind ja nur ca. 75 km/h im Schnitt. Wochenendtrip nach Stockholm ist nicht mehr attraktiv, aber für mich zumindest absolut kein Verlust.
    • P. Meier 12.04.2019 14:52
      Highlight Highlight Alternativ (2017 und 18 genutzt). Tageszug nach Berlin - Nachtzug nach Malmö - Tageszug nach Stockholm (gemütlich essen gehen) - Nachtzug in den Norden (Kiruna)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hein Doof 12.04.2019 10:30
    Highlight Highlight [...] Ein schwedischer Instagram-Account stellt seit Dezember Prominente an den Online-Pranger, die für Fernreisen werben. Der Account hat inzwischen mehr als 60'000 Follower. [...]

    Naja, ob das die richtige Lösung ist um einen Wandel bei den Leuten herbeizuführen?

Ja, Herrgott nochmal, man darf fürs Klima streiken und in die Ferien fliegen!

Liebe Klima- und Umweltaktivisten-Kritiker, dieser Text ist für euch. Denn man kann sehr wohl für Klimaschutz kämpfen, ein Smartphone besitzen und in ein Flugzeug steigen.

Liebe User, wir müssen reden. Es gibt da etwas, das macht mich richtig wütend.

Da ist zum Beispiel die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die mit ihrem Schulstreik gegen den Klimawandel Schüler auf der ganzen Welt inspiriert und politisiert. Thunberg reiste im Februar 65 Stunden von Schweden nach Davos, um das World Economic Forum zu besuchen. Während die schwedische Aktivistin Stunden auf Schienen durch vier Länder fuhr, wurde sie in den sozialen Medien kübelweise mit Häme überschüttet. …

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