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Wetterkapriolen stürzen Europa in Gemüse-Krise – jetzt kommt die Preisexplosion bei Oliven

Wetterkapriolen in Südeuropa haben Gemüse zum teuren Luxus gemacht. Einem Mittelmeerprodukt steht der Preisboom noch bevor: Olivenöl dürfte drastisch teurer werden.

Nicolai Kwasniewski



Ein Artikel von

Spiegel Online
Oliven waehren der Olivenernte, am Samstag, 29. Oktober 2016, in Gandria. Etwa 25 Freiwillige helfen bei der alljaehrlichen Olivenernte mit, die dieses Jahr 850 Kilogramm betraegt. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Der Klimawandel führt zu teureren Produkten im Supermarkt: Besonders schlecht sind die Bedingungen für Oliven. Bild: TI-PRESS

Wer Globalisierung und Klimawandel spüren will, braucht nur in die Gemüseabteilung eines beliebigen europäischen Supermarktes zu gehen: Fast alles ist sehr viel teurer geworden. Die Salatpreise in Deutschland haben sich verdoppelt, in Frankreich kosten Zucchini bis zu fünf Mal so viel wie üblich. Supermärkte in Grossbritannien rationieren Brokkoli und Salatköpfe; ob Tomaten, Paprika oder Auberginen, alles kostet mehr. Der Grund: Wetterkapriolen in Südeuropa.

Fast ein Drittel des europäischen Obst- und Gemüseangebots kommt aus Spanien, im Winter steigt der Anteil auf die Hälfte. Nur war dieser Winter auch an der spanischen Mittelmeerküste nicht so mild wie üblich. Ende Dezember wurde die ganze Region von sintflutartigen Regenfällen überschwemmt, im Januar schneite es sogar – in manchen Orten zum ersten Mal seit mehr als 30 Jahren.

Besonders schlecht sind die Bedingungen für Oliven: 2016 fing mit langer Kälte schlecht an – ausgerechnet zur Blütezeit der Olivenbäume konnten kaum Insekten ausfliegen. Dann wollte der heisse Sommer nicht zu Ende gehen, und die Pflanzen bekamen viel zu wenig Wasser. Was Touristen im Spätherbst noch freute, wird nun für Olivenbauern in Italien, Spanien und Griechenland zu einem echten Problem. Derzeit fahren die Landwirte am Mittelmeer zum dritten Mal hintereinander eine miserable Ernte ein. Und zum ersten Mal dürften deutsche Verbraucher das in den Supermärkten spüren.

ligurien olivenbaum italien sommer

Das Klima macht den Olivenbäumen zu schaffen. Bild: Shutterstock

Die Qualität der Ernte ist mies

Nicht nur die Erntemengen sind dramatisch zurückgegangen, auch die Qualität der sensiblen Früchte ist mies – grosse Teile der Olivenernte sind einfach zu schlecht, um aus ihnen gutes Öl zu pressen. Zwar war das in den Jahren 2015 und 2016 ähnlich, aber damals waren die Olivenöltanks der Grosshändler noch gut gefüllt. Ausserdem durfte Tunesien dank einer EU-Ausnahmegenehmigung eigenes Olivenöl im grossen Stil auf den europäischen Markt bringen.

Das bremste den Preisanstieg aber nur wenig: Im Jahr 2015 verteuerte sich Olivenöl in Spanien um mehr als 27 Prozent, in Italien um 21 Prozent, wie das Marktforschungsunternehmen IRI Information Resources ermittelte.

Sogar in Deutschland, wo die grossen Supermarkt- und Discounterketten auch in schwierigen Zeiten bei den Erzeugern niedrigste Einkaufspreise durchsetzen, stiegen 2015 die Preise für Olivenöl um mehr als acht Prozent und im vergangenen Jahr um weitere sieben Prozent. Stärker als der Durchschnitt verteuerten sich der neuesten IRI-Auswertung zufolge die No-Name-Handelsmarken der Discounter, die auch in aktuellen Tests am besten abschneiden. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Die Zeit der ganz billigen Olivenöle dürfte auch bei Aldi, Lidl oder Netto vorerst vorbei sein.

Schon jetzt sind die Olivenölpreise in Spanien, dem mit weitem Abstand grössten Produktionsland, den Analysten von Oilworld zufolge gut ein Viertel höher als im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2015. Wenn der erste Teil der aktuell mageren Ernte verkauft ist, dürften sie rasant weitersteigen.

Transport nur mit bewaffneter Eskorte?

Conrad Bölicke, Geschäftsführer des Olivenölprojekts Artefakt, der die Ernte in Griechenland und Italien seit Jahren vor Ort verfolgt, rechnet damit, dass die Verbraucher in diesem Jahr bis zu zehn Prozent mehr für Olivenöl zahlen müssen: «Wenn die Supermärkte ihre Preise halten wollen, müssen sie unter ihrem Einkaufspreis verkaufen.»

Gutes Olivenöl sei in diesem Jahr in Orten wie Sizilien, wo die Ernte um 70 Prozent eingebrochen ist, Gold wert, sagt Bölicke. Ein Produzent habe ihm deshalb geraten, den Transport von der Ölmühle zum Hafen in Palermo mit einer bewaffneten Eskorte zu sichern.

Eine Freiwillige bei der Olivenernte, am Samstag, 29. Oktober 2016, in Gandria. Etwa 25 Freiwillige helfen bei der alljaehrlichen Olivenernte mit, die dieses Jahr 850 Kilogramm betraegt. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Eine Freiwillige bei der Olivenernte in Gandria (Tessin) Bild: TI-PRESS

Besonders treffen dürfte es aber die Verbraucher in Grossbritannien: Nach der Entscheidung für einen Austritt aus der EU hat das britische Pfund deutlich an Wert verloren. Olivenöl ist jetzt auf der Insel so teuer wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Der britische Starkoch Jamie Oliver hat wegen der gestiegenen Preise für Gemüse und vor allem für Olivenöl schon angekündigt, sechs seiner italienischen Restaurants in dem Land zu schliessen.

Freuen können sich allenfalls die Landwirte am Mittelmeer – jedenfalls die, die überhaupt eine nennenswerte Ernte eingebracht haben: Sie bekommen zum ersten Mal seit Jahren ein wenig mehr Geld für ihre Arbeit, von der sie in den vergangenen Jahren kaum noch leben können.

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