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Kommentar

Putins Werk, Clintons Beitrag

Eine Supermacht greift in den Wahlkampf einer anderen Supermacht ein: Der russische Cyberangriff in den USA ist ein Skandal. Vergessen sollte man nicht, dass Hillary Clinton für ihre Niederlage selbst verantwortlich ist.

Veit Medick



Ein Artikel von

Spiegel Online
FILE - In this Dec. 16, 2016 file photo, President-elect Donald Trump speaks during a rally in Orlando, Fla. Donald Trump hammered rival Hillary Clinton during the campaign for failing to prevent the attack on the U.S. mission in Benghazi, Libya when she was secretary of state. Soon he’ll be the one responsible for protecting America’s diplomats, but he’s offered virtually no insight into how he’ll do that. (AP Photo/Evan Vucci, File)

Wird zu kämpfen haben: Donald Trump. Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Die 25 Seiten, die die amerikanischen Geheimdienste zum angeblich aus Moskau koordinierten Hackingangriff veröffentlicht haben, werden die USA noch lange beschäftigen. Im Kern behaupten die Sicherheitsbehörden, Russlands Präsident Wladimir Putin persönlich habe eine Cyberkampagne befohlen, um Hillary Clintons Image zu zerstören und so Donald Trump zu helfen. Eine Supermacht fingert im Wahlkampf einer anderen Supermacht herum – welch ein Wahnsinn.

Angesichts der problematischen Geschichte von CIA, NSA und Co. kann man an der Darstellung seine Zweifel haben. Aber warum sollten die drei grössten Geheimdienste die Geschichte eigentlich erfinden?

Erstens haben sie ihre Unterschrift unter ein Dokument gesetzt, mit dem sie ihren künftigen Chef in den Verdacht rücken, Präsident von Putins Gnaden zu sein. Das ist ein riskanter Schritt. Macht das jemand, der sich nicht sicher ist?

epa05706722 (FILE) - A file picture dated 27 July 2016 shows United States President Barack Obama and Democratic Nominee for President Hillary Clinton as they wave after addressing the delegates on the third day of the Democratic National Convention at the Wells Fargo Center in Philadelphia, Pennsylvania, USA. On 04 November 2008, then Democratic Senator Barack Obama (Illinois), at age 47, earned 365 electoral votes and nearly 53 of the popular vote in a wider-than-expected margin of victory against Republican Senator John McCain in the US Presidential elections. He became the 44th president of the United States and the first African American to be elected to office. President Obama quickly became known as a progressive politician and was named the 2009 Nobel Peace Prize laureate nine months after his inauguration. However, he faced his share of challenges during his 8-year tenure. The Republicans held control of the Senate throughout his time in the White House and he faced constant challenges passing legislation. His administration is generally known for pursuing policies such as gun control, greater inclusiveness for LGBT Americans, the promotion of the 2015 Paris Agreement on global climate change and the Obamacare health care program for Americans. It is also known for a series of historic initiatives in international relations such as a nuclear deal with Iran and normalized relations with Cuba.  EPA/JUSTIN LANE

Zu früh gefreut: Hillary Clinton. Bild: JUSTIN LANE/EPA/KEYSTONE

Zweitens ist das Papier eine kolossale Blamage für Amerika. Es lässt die zwei grössten Parteien sowie die Regierung als digitale Trottel erscheinen, für die der Virenscanner ein Fremdwort ist. Putin dagegen steht da wie ein Mann, der von einem grossen Schaltpult im Kreml aus mal eben die ganze Welt manipulieren kann. Streut jemand einen solch peinlichen Bericht, wenn er keine eindeutigen Ermittlungsergebnisse hat?

Allergrösstes Misstrauen gegen Putin ist richtig

Die Geschichte dürfte also im Wesentlichen stimmen. Und es ist richtig, Putin, der russischen Regierung und ihren Handlangern mit allergrösstem Misstrauen zu begegnen. Auch in Europa, wo Putins Vertraute mit der Finanzierung von rechtspopulistischen Parteien längst an der nächsten Destabilisierung arbeiten.

Hillary Clinton – ihr Leben in Bildern

Richtig ist aber auch, daran zu erinnern, dass Hillary Clinton ihre Niederlage schon weitgehend selbst verursacht hat. Das geht in diesen Tagen ein wenig unter. Die Wahlcomputer wurden nicht angegriffen, auch das haben die Dienste noch einmal betont.

Wahrscheinlich hatten die von Hackern gestohlenen und von Wikileaks veröffentlichten E-Mails aus ihrem Umfeld einen Effekt. Der Effekt wäre aber weit weniger gross gewesen, hätte Clinton besser Wahlkampf gemacht und irgendwann einmal daran gedacht, eine Kommunikationsstrategie in Sachen E-Mail-Affäre zu erarbeiten.

Manche Demokraten gefallen sich derzeit allzu sehr als Opfer Moskaus. Hinter dem Thema Putin verschwindet, wie fahrlässig Clintons Kampagne Wähler im mittleren Teil der USA vernachlässigte. Dahinter verschwindet auch, dass die Demokratin keine Botschaft entwickelte, ausser zu flöten, unter ihr würden sich schon alle irgendwie lieb haben. Und das Putin-Thema überdeckt, dass ihre Partei auch nach der Wahl nicht den Eindruck macht, als hätte sie eine Lektion gelernt.

Im Senat und im Abgeordnetenhaus sitzen die Methusalem-Politiker Chuck Schumer und Nancy Pelosi auf den Chefsesseln. Für den Posten des Parteivorsitzenden bewerben sich zweitklassige Männer. Obama kümmert sich nur darum, sein Erbe zu retten. Und alle schimpfen auf – Putin.

Für Trump werden es harte Jahre: Die Diskussion über die Legitimität seines Wahlsiegs dürfte seine Präsidentschaft überschatten. Verlassen sollte sich aber niemand darauf, auch die Demokraten nicht. Sonst geht es für sie 2020 wieder schief.

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    Alle Leser-Kommentare
  • milkdefeater 09.01.2017 19:44
    Highlight Highlight "Eine Supermacht fingert im Wahlkampf einer anderen Supermacht herum – welch ein Wahnsinn."

    Gab's schon einige Male, wenn ich mich recht entsinne. Gerade von den USA.
    • Crank 09.01.2017 21:47
      Highlight Highlight Die USA hat im Wahlkampf von Russland rumgefingert?
      Die Amerikaner haben zwar die Wahlen in vielen Ländern manipuliert oder beeinflusst, aber das waren dann doch keine Supermächte.
    • milkdefeater 09.01.2017 23:00
      Highlight Highlight Ja, du kannst den Eingriff in eine nicht supermächtige Nation gerne als Kollateralschaden abtun. Will ich aber nicht.
    • Crank 10.01.2017 21:28
      Highlight Highlight Ich möchte diese eingriffe nicht als Kollateralschäden abtun, aber bei einer Supermacht sollte man etwas zurückhaltender sein, sonst könnte das bösere (die bösesten) Folgen haben.
  • Soli Dar 09.01.2017 19:20
    Highlight Highlight Der Spiegel berichtet wohl beinahe genauso tendenziös, einseitig und unausgewogen wie RT oder andere Putin nahe Medien nur Anti-Putin.
  • bildner 09.01.2017 15:37
    Highlight Highlight Ob es ein Hack war oder ein Leak, ob es der Russe war oder der Chinese, ob es zwei Wochen vor der Wahl war oder eine - alles egal, denn zum Vorschein gekommen sind illegale Machenschaften. Der Inhalt der veröffentlichten Emails ist von den Demokraten ja nie bestritten worden. Warum also regt man sich mehr über die Veröffentlichung auf als über den brisanten Inhalt? Das wundert mich als kritischen Menschen.
  • Statler 09.01.2017 14:59
    Highlight Highlight Auf dem Jahreskongress des CCC kamen aber mehr als nur Zweifel an der russischen Urheberschaft auf (interessanterweise ebenfalls ein SPON-Artikel :) - http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/russland-und-die-hackerangriffe-hacker-zweifeln-auf-dem-33c3-a-1127943.html
    Ausserdem sagt mindestens einer dieser Dienste ebenfalls, es sei möglich, aber keinesfalls gesichert.

    Es ist wohl eher Clintons Werk und Putins Gelächter.
  • Denk nach 09.01.2017 14:43
    Highlight Highlight Keine Ahnung wie zig mal die Amis ihre Interessen vertreten haben und demokratisch gewählte Regierung beeinflusst oder gleich gestürzt haben (Iran, div. Südamerikanische Länder, etc.). Mein Mitleid hält sich massiv in Grenzen....
    • little_miss_trouble 09.01.2017 17:54
      Highlight Highlight Jup. Wer den Wind sät..,
    • Soli Dar 09.01.2017 19:05
      Highlight Highlight ...erntet Sturm und wer im Glaushaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen.

      Bei den Amis ist die Frage, welche Wahl bzw. 'Regierungsbildung' sie in nicht beeinflusst haben, wohl bald einfacher zubeantworten als umgekehrt.

      Aber wehe jemand wag jene zu hacken, welche selber hacken und abhörten was das Zeug hält...
  • Tomtom64 09.01.2017 14:16
    Highlight Highlight Wie Friedrich Schiller unseren Nationalhelden Tell so schön sagen lässt: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, selbst wenn er die Wahrheit spricht."

    Es waren doch genau diese Geheimdienste, die uns weissmachten, der irakische Diktator Hussein verfüge über Chemiewaffen und stehe kurz davor diese einzusetzen. Grund genug mit einer grossen Allianz in dem Land einzufallen.

    ... und sich die Kontrolle über das Erdöl zu sichern.
    • Soli Dar 09.01.2017 19:15
      Highlight Highlight Genau, PS. wer wie die US-Geheimdienste mitten im Glaushaus sitzt, sollte wohl eher nicht mit Steine werfen, oder?!

      Welchen PC, welches Handy und welches Festnetz haben die US Geheimdienste eigentlich nicht abgehört? Welche Wahl haben sie nicht beeinflusst?
  • kurol272 09.01.2017 14:05
    Highlight Highlight Spannend, wenn man nicht in Ehren verlieren kann, sucht man nach den Bösen in der Hoffnung, alles zu verbessern, was man selbst verbrochen hat (auch Clinton ist eine Kriegstreiberin - Sorry Fans) . Gehackt, möglich, beeinflusst eher weniger - denn das Establishment in den USA hat versagt. Man hofft auf eine Erneuerung. Mal sehen. Zudem haben die Engländer technisch ein sensationelles System auf die Beine gestellt, welches tatsächlich Wahlen beeinflusst.
  • Stachanowist 09.01.2017 13:51
    Highlight Highlight @ Watson

    Wie ist der Titel zu verstehen?

    "Putins Werk und Clintons Beitrag" - bezieht sich das auf den Hack, der angeblich vom Kreml ausging & durch die Fahrlässigkeit des DNC erleichtert wurde? Oder bezieht er sich auf die Wahlresultate, welche "Putins Werk" sind?

    Verständnisvariante 1 wäre ok. Problematisch wäre aber auch hier, dass sie die These eines russischen Hacks als Tatsache darstellt. Die FAZ sieht das anders:

    http://tinyurl.com/jdquysz

    Verständnisvariante 2 würde an Desinformation grenzen. Die Wahlen 2016 waren frei & nicht manipuliert. Die US-Bürger haben gewählt, nicht Putin.
    • Stachanowist 09.01.2017 22:51
      Highlight Highlight Ok, ich nehme an, ich erhalte auf diese simple Frage keine Antwort. Schade.
  • u.s. 09.01.2017 13:36
    Highlight Highlight Könnte es sein, dass der Titel geklaut ist? Oder ist es Zufall?

    Gottes Werk und Teufels Beitrag
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gottes_Werk_und_Teufels_Beitrag
    • Crank 09.01.2017 21:54
      Highlight Highlight Oder Absicht?
  • The Box 09.01.2017 13:15
    Highlight Highlight Clintons Werk und Putins Beitrag wäre meiner Meinung nach ein Titel der die Tatsachen besser beschreibt.
    So weit ich verstehe, war das Problem vor allem, dass viele ihrer Zielgruppe von ihr nicht überzeugt waren und zu Hause blieben.
  • NWO Schwanzus Longus 09.01.2017 13:01
    Highlight Highlight Gilt der Artikel jetzt als Fake News?
  • Domino 09.01.2017 12:49
    Highlight Highlight Und was, wenn die Geschichte nur erfunden wurde um Abzulenken? Podesta hatte offenbar klare Neigungen für Skuriles und Kinder, Hillary in Vergewaltiger verteidigen und Missbrauchsopfer zu verhöhnen, Bill hat 850'000 $ bezahlt, dass ein Fall nicht vor Gericht landet, Biden schenkt Obama Babyspielzeug zum Geburtstag, die Clinton Foundation wird verdächtigt in Haiti Child Trafficking betrieben zu haben. Monica Petersen, welche das ganze untersuchte starb nach der verlorenen Wahl...
    Unzählige andere Todesfälle werfen auch Fragen auf... Fake News?
    • Wehrli 09.01.2017 13:45
      Highlight Highlight Weltverschwörung! Schnell den Aluhut aufsetzen. Putain, der Troll trollt wieder.
    • INVKR 09.01.2017 13:49
      Highlight Highlight Ich hätte da eine Zeitmaschine günstig abzugeben. Sie mag aussehen wie eine kaputte Glühbirne, aber glaub mir, das Ding funktioniert 100 pro. Kannst du auch auf Wikileaks nachlesen, die haben aus einer zuverlässigen und garantiert unabhängigen Quelle ein Dokument erhalten, welches zweifelsfrei beweist, wie bahnbrechend meine Erfindung ist. Interessiert? Ich verkaufe dir die Maschine inklusive Patentrechte für nur 10'000 Franken. Habe nämlich den Eindruck, dass man dir jeden Scheiss andrehen kann!
    • INVKR 09.01.2017 16:03
      Highlight Highlight Sorry, aber wer Unsinn sät, wird Unsinn ernten. Ich werde nicht ernsthaft darüber diskutieren, ob die demokratische Partei in Wahrheit ein geheimer Pädophilenring oder Hillary Clinton eine Art sadistisches misanthropisches Monster ist. Wenn das das neue Niveau politischer Diskussionen sein soll, dann gute Nacht.

      Etwas noch: Es ist selbstverständlich gut und richtig, die etablierten Medien mit einer gesunden Skepsis zu lesen. Manche gehen dann aber einfach ins andere Extrem und verbreiten ungeprüft den abstrusesten Quatsch, bloss weil er aus einer selbsternannten "unbhängigen" Quelle stammt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Majoras Maske 09.01.2017 12:30
    Highlight Highlight Man vergisst ja auch, dass Clinton die Swing States, welche überraschend an Trump gingen, auch in den Vorwahlen an Sanders und nicht an sie gingen. Ausserdem hat sie im Gegensatz zu Trump diese Staaten nicht mal besucht und sich drauf verlassen, dass der Aufruf von Sanders sie zu wählen wohl genügen würde.
    Das Problem ist eher, auch in Frankreich, dass Politiker wirtschaftlich gebeutelten Regionen ständig "Wandel" versprechen, aber es nie eintrifft (weil es nicht in ihrer Macht liegt) und die Wähler eben dann andere "Wandelversprecher" wählen, wenn sie enttäuscht sind.

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