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Die Merkel-Dynastie

Annegret Kramp-Karrenbauer wurde zur neuen CDU-Chefin gewählt - mit Merkels Segen. AKK wird nur erfolgreich sein, wenn sie es schafft, den konservativen Parteiflügel einzubinden - und die AfD zu bekämpfen.

René Pfister



Newly elected CDU chairwoman Annegret Kramp-Karrenbauer, left, is flanked by German Chancellor Angela Merkel, right, as she waves during the party convention of the Christian Democratic Party CDU in Hamburg, Germany, Friday, Dec. 7, 2018, after German Chancellor Angela Merkel didn't run again for party chairmanship after more than 18 years at the helm of the party. (AP Photo/Michael Sohn)

Annegret Kramp-Karrenbauer mit Angela Merkel. Bild: AP/AP

Ein Artikel von

Spiegel Online

Wer geglaubt hatte, dass es in der deutschen Politik keine Richtungsentscheidungen mehr gibt, dass keine scharfen Debatten mehr möglich sind, der wurde heute in Hamburg eines Besseren belehrt: Annegret Kramp-Karrenbauer präsentierte sich dort als eine Frau, die sich nicht irremachen lassen will von der Konkurrenz am rechten Rand; die, ganz ähnlich wie Merkel, den Schreihälsen eine Politik der nüchternen Sacharbeit entgegensetzen möchte.

Friedrich Merz dagegen forderte einen «Strategiewechsel» - man kann auch sagen Rechtsruck - als er sagte, die CDU müsse wieder ein Angebot an wertkonservative Wähler machen. Niemand konnte nach den Reden der beiden Bewerber sagen, die CDU habe keine Alternative. Nun hat sich die Partei entschieden: Annegret Kramp-Karrenbauer, die von Merkel als Generalsekretärin nach Berlin geholt wurde, ist neue Vorsitzende der CDU.

Kramp-Karrenbauer wollte keinen Bruch mit Merkel, sie verfuhr nach dem Motto Gerhard Schröders, der am Ende der Ära Helmut Kohl versprach, nicht alles anders, sondern nur manches besser zu machen. In einer Partei, die traditionell Risiko und Experiment scheut, traf sie damit eher den Nerv als ihr Konkurrent. Dazu kam, dass Merz, der schon so oft als glänzender Redner gerühmt wurde, ausgerechnet heute eine Formschwäche zeigte. Im Gegensatz zur leidenschaftlichen und meisterlich gebauten Rede Kramp-Karrenbauers wirkte Merz zumindest in den ersten Minuten fahrig und nervös, erst am Ende kam er in Schwung. Das reichte nicht, um den Saal für sich zu drehen.

Zwei Frauen, die sich lange kennen

FILE - In this Monday, Feb. 19, 2018 file photo German Chancellor Angela Merkel, left, and the governor of German Saarland state and designated Christian Democratic Union party General Secretary, Annegret Kramp-Karrenbauer, right, attend a party leaders' meeting in Berlin, Germany. The CDU's general secretary since February, Kramp-Karrenbauer _ often called 'AKK' _ is a Merkel ally and the closest to her centrist stance. She touts her own lengthy experience in regional government, which saw her become the first woman to become a state's interior minister, or top security official, and serve as governor of western Saarland state. (AP Photo/Markus Schreiber, file)

Bild: AP/AP

Für Angela Merkel ist das eine gute Nachricht. Jeder in der CDU weiss, dass Kramp-Karrenbauer ihre Wunschkandidatin war, und man konnte es als dezenten und doch klaren Hinweis an den Parteitag werten, dass Merkel in ihrer umjubelten Abschiedsrede am Morgen den furiosen Sieg Kramp-Karrenbauers bei den Landtagswahlen im Saarland prominent erwähnte: Seht her, das war das Signal, hier ist jemand, der Wahlen gewinnen kann (und es, im Gegensatz zu Merz, auch schon getan hat).

Merkel kann nun mit einer Frau zusammenarbeiten, die sie lange kennt und die nicht den Ehrgeiz entwickeln wird, sie schnell aus dem Kanzleramt zu vertreiben. Kaum jemand in der CDU hat geglaubt, dass ein Duo Merz/Merkel friedlich zusammengearbeitet hätte, aller öffentlichen Beteuerungen zum Trotz. Kramp-Karrenbauer dagegen kommt es sehr gelegen, wenn sie noch ein bisschen Zeit hat, um sich auf den Sprung ins Kanzleramt vorzubereiten.

Sie muss ohnehin erst einmal dafür sorgen, dass die Partei nicht zerbricht; das ist die eigentliche Herausforderung. Das Rennen zwischen ihr und Merz ging denkbar knapp aus, am Ende lag sie mit gerade mal 35 Stimmen vorne. Dass in der Partei von Adenauer und Kohl, in der über 50 Jahre nur Männer an der Spitze standen, eine Frau auf eine Frau folgt, zeigt, wie gründlich Merkel die CDU modernisiert hat. Aber genau so, wie auf der Kandidatur von Merz der Racheverdacht lag, genauso lastet nun auf der Wahl Kramp-Karrenbauers der Dynastieverdacht. Merkel jedenfalls ist auf dem Weg, die eigene Nachfolge als Kanzlerin mitzubestimmen, ein gehöriges Stück vorangekommen.

Kramp-Karrenbauer wird die CDU nur zusammenhalten, wenn sie Erfolge aufweisen kann, gerade beim Kampf gegen die AfD. Merz hat seine Kampagne mit dem nicht unbegründeten Vorwurf geführt, Merkel habe den Aufstieg der Rechtspopulisten als Kollateralschaden ihrer Politik der Mitte akzeptiert. Wenn Kramp-Karrenbauer bei der Aufgabe versagt, der AfD Wähler abzunehmen, stehen der Union schwere Zeiten, möglicherweise sogar die Spaltung bevor.

In manchen Regionen Ostdeutschlands ist die AfD schon zu einer neuen Volkspartei aufgestiegen. Und im Osten stellen etliche Christdemokraten schon mehr oder weniger offen die Frage, ob man nicht mit den Rechtspopulisten koalieren sollte. Das würde die CDU in eine Zerreissprobe stürzen.

Der Wahlkampf der vergangenen Wochen hat gezeigt, wie tief der Graben ist, den die Ära Merkel gerissen hat. Aber gerade deshalb war es richtig, dass sich die CDU auf das für sie eher ungewohnte Experiment der innerparteilichen Demokratie eingelassen hat. Wer die Regionalkonferenzen verfolgt hat, der konnte eine Partei erleben, die geradezu sehnsüchtig die Chance ergriff, all jene Debatten zu führen, die in den vergangenen Jahren vom Regierungsalltag erstickt wurden. Die CDU wird nun lernen müssen, gleichzeitig zu regieren und zu streiten.

Merkel legt CDU-Vorsitz nieder – bleibt Kanzlerin bis 2021

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Video: srf

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Focke 08.12.2018 21:16
    Highlight Highlight wann schnallt es auch der letzte, dass frau merkel das problem ist!

    sie ist ein machtmensch sondergleichen. jeder, wirklich jeder in ihrer partei, der gut war und somit zur internen konkurenz hätte werden können wurde von ihr abgesägt. die csu bringt ihr nur wiedr auf kurs wenn dieser dinosaurier abdankt.

    seit ihrer kanzlerschaft ist die cdu zu einer, linken, umweltfreundlichen, wirtschaftlichen christlich sozialen verkommen die ihre wählerschaft an die afd verliert... und das allerschlimmste dabei ist dass sogar die spd zu einer wischiwaschipartei verkommen ist...
    • Enzasa 09.12.2018 02:41
      Highlight Highlight Nur ein Machtmensch wird Führungskraft
      Nur ein Machtmensch wird Kanzler
      Schröder war ein Machtmensch
      AKK ist ein Machtmensch
      F. Merz ist ein Machtmensch

      Umweltfreundlich zu sein, Wirtschaftlich christlich und sozial zu handeln, was ist daran falsch?

      AFD Wähler sagen z.b. Sie wählen AFD, damit mehr für die Arbeiter getan wird 🤣

  • Gipfeligeist 08.12.2018 10:21
    Highlight Highlight Ohne Merkel gäbe es das Europa, wie wir es heute kennen, nicht. Davon profitiert der Wohlstand, der Frieden und ja, auch die Schweiz.

    Viele Watson Leser würden Rechtspopulismus gerne mit Linkspopulismus bekämpfen. Was zu einem Politik-Geschrei ohne Gewinner führen wird. Die CDU beschreibt nunmal die Mitte von Deutschland und hat nun die Chance sich in die Zukunft zu wagen.
    • hävi (the return) 08.12.2018 22:40
      Highlight Highlight Wohlstand in Europa?
      Lesen Sie mal das Interview mit den französischen Gelbwesten.
      Löhne zwischen 600 u 1500 Euro.
      Willkommen in der EU.

      Aber hallo!
  • In vino veritas 08.12.2018 08:42
    Highlight Highlight Wie schade. Die CDU hat es wieder verpasst, eine zukunftsfähige Richtung einzuschlagen. Merkels Politik ist ja erst der Auslöser für diesen Schwund von Wählern. Harz4, Zeitarbeit, Lohnniveau, Mietpreise, Digitalisierung, kriminelle Ausländerclans, hohe Asylzahlen, Dieselskandal, usw. Da nützt es der CDU/Groko nichts, Merkels Politik weiter zu unterstützen. Die Linken werden zu den Grünen gehen (vorwiegend soziale Themen/Umweltschutz) und die Rechten zur AfD (Migrationspolitik, Asylwesen). Tragisch, aber offenbar will man es nicht anders...
    • SpoonerStreet 08.12.2018 10:20
      Highlight Highlight Ich versteh nicht wie Frau Merkel z.B am Dieselskandal mitverantwortlich ist? Ging sie zu VW und sagte dort: Los, manipulieren wir Daten und täuschen wir die Kunden? Oder ging sie in friedliche Länder, zettelte Krieg an und lud danach das Volk nach Deutschland zu einer Asylparty ein?
      Mann kann doch nicht immer alles auf das Staatsoberhaupt schieben. Als wäre das Volk und alle anderen Politiker total untätig. http://S
    • In vino veritas 08.12.2018 18:50
      Highlight Highlight Ist das ein Witz? Sie lässt sich von der Autolobby vorführen und setzt keine Konsequenzen durch, welche den Konzernen schaden könnten. Sie stärkt nicht einmal den Konsumentenschutz, damit es sich in Zukunft nicht mehr lohnen würde, zu betrügen. Zu der zweiten Aussage gibt es nur einen Satz zu nennen: ,,Wir schaffen das."
    • Enzasa 09.12.2018 02:46
      Highlight Highlight Was wäre wenn:

      Die Umstellung auf E-Fahrzeuge blitzschnell umgesetzt worden wäre.....

      Zig tausend Arbeitslose in der Autoindustrie
      Bürgerkriege in Afrika, weil alle machtgeilen Despoten, an die Dpitue wollen um ab zu kassieren
      Flüchtlingszahlen konstant hoch

      In Vino Veritas wäre das Szenario besser?
    Weitere Antworten anzeigen
  • urs eberhardt 08.12.2018 04:01
    Highlight Highlight Sehr guter Kommentar. Danke!

  • Aki Zeta 5 07.12.2018 23:38
    Highlight Highlight Die Ära Merkel wird mindestens in den nächsten 10 Jahren niemand ersetzen können. Sie war die, welche die EU zur Supermacht aufgebaut und international Respekt für Europa eingebracht hat. Es kann vorläufig in Bezug auf die Macht der EU nur schlechter werden. Es bleibt zu hoffen, dass sie auch nach ihrem Abtritt als Kanzlerin spätestens im Jahre 2021, noch eine Weile lang als "Zuflüsterin" im "Amt" bleibt. Will der Europäer seinen Wohlstand nicht verlieren, muss er sich für eine starke EU und am Ende, für die Vereinigten Staaten Europas einsetzen.
    • Schlingel 08.12.2018 00:52
      Highlight Highlight Das ist Sarkasmus oder? Ich kann mich persönlich an keine Zeit erinnern, in der die europäischen, insbesondere die deutschen, Bürger und Politiker so sehr gespalten und verunsichert waren. Die EU ist ein Scherbenhaufen. Sachliche Politik gibt es keine mehr, es geht nur noch darum, die anderen zu denunzieren. Halb Europa steckt in einer Identitätskrise und mann weiss nicht, wie man die Herausforderungen der nächsten Jahre zu bewältigen hat. Die Unruhen in Deutschland hat auch Merkel gewissermassen zu verantworten, da ihre Entscheidungen oftmals nicht nachhaltig und unüberlegt waren.
    • lomit 08.12.2018 01:27
      Highlight Highlight Ja, aber ohne uns
    • chäsli 08.12.2018 07:24
      Highlight Highlight Genau, die Vereinigten Staaten von Europa ? Mit X Sprachen und Kulturen, das wird lustig. Träumt weiter. Nach der gestriegen Wahl kann die AFD jubeln, Merkel hat die AFD aufgebaut und nun AKK, eine Katastrophe.

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