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US-Präsident Trump reiht Erfolg an Erfolg – aber die Sache hat natürlich einen Haken

Iran, Handel, Nordkorea: Momentan ist die rabiate Politik des US-Präsidenten scheinbar erfolgreich. Doch wehe, wenn sie scheitert.

Roland Nelles



epa06704938 US President Donald J. Trump presents the Commander-in-Chief's Trophy to the U.S. Military Academy football team in the Rose Garden of the White House in Washington, DC, USA, 01 May 2018. President Trump used the opportunity to push once again for a sixth military branch that he termed a 'space force.'  EPA/JIM LO SCALZO

Hat gut Lachen: Donald Trump. Bild: EPA/EPA

Ein Artikel von

Spiegel Online

Wer Donald Trump verstehen will, muss sich immer wieder seine Arbeit als Geschäftsmann anschauen. Niemand traute ihm zu, dass sein erstes Immobilienprojekt in New York, der Neubau des verwahrlosten Hotels «The Commodore», zu einem Erfolg werden würde. Aber dann gelang ihm das Wunder, das Hotel wurde neu gebaut, und Trump verdiente Millionen, unter anderem durch Steuererleichterungen, die er erhielt.

Einige Jahre später folgte die nächste grosse Wette: Er plante das Mega-Kasino «Taj Mahal» in Atlantic City. Doch da verzockte er sich spektakulär. Das Projekt wurde zum Desaster - vor allem für jene, die auf Trump gesetzt hatten, kleine Mitarbeiter und Handwerker, die Banken, Geschäftspartner, sie alle verloren viel Geld, zum Teil sogar die wirtschaftliche Existenz. Trump rutschte fast in die Pleite.

Als Präsident agiert Trump heute noch genauso wie als Geschäftsmann. Er ist ein Zocker geblieben, seine Präsidentschaft ist eine einzige, gigantische Wette. Trump wagt stets das Unmögliche, weil er darauf setzt, dass der Triumph dann umso grösser ist.

Wenn man einmal den Theaterdonner weglässt, den Trump dabei erzeugt, wird deutlich, dass sein Gebaren durchaus Erfolge zeitigen könnte. Das «Momentum» ist derzeit auf Trumps Seite. In Spielerkreisen würden sie wahrscheinlich sagen: Er hat einen Lauf. Trump ist der Typ im Kasino, der gerade immer mehr Chips vor sich anhäuft und alle stehen staunend um ihn herum.

Beispiel Zölle

Zwar mögen die Europäer den enormen Druck, auch Zeitdruck, den Trump mit der Androhung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium ausübt, als anstrengend empfinden. Aber sie könnten sich am Ende trotzdem dazu gezwungen sehen, dem Amerikaner in den Verhandlungen Zugeständnisse zu machen. Dass Emmanuel Macron und Angela Merkel zu Trump nach Washington pilgern und er ihnen nun gnädig einen Monat Schonfrist bei den Zöllen gewährt, zeigt, wer bei diesen Verhandlungen das Sagen hat. Vor einer Eskalation des Handelskonflikts schrecken vor allem die Deutschen mit ihrer von Exporten abhängigen Wirtschaft zurück. Den Chinesen ergeht es ähnlich.

Trump und Macron zelebrieren ihre neue Freundschaft

Beispiel Steuerreform

Trumps gigantische Steuersenkungen für US-Unternehmen und Bürger lassen zwar das Haushaltsdefizit der USA weiter bedrohlich anwachsen, doch zunächst profitiert das Land davon. Amerika wird als Investitionsstandort attraktiver, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Konjunktur läuft rund, die Unternehmen machen satte Gewinne.

Beispiel Nordkorea

Sogar Trumps schärfste Kritiker geben zu, dass er es geschafft hat, das Sanktionsregime gegen Pjöngjang entscheidend zu verschärfen. Trump holte die Chinesen mit an Bord, sorgte dafür, dass sie den Handel Richtung Nordkorea praktisch stoppten. So brachte er den Diktator Kim Jong Un an den Verhandlungstisch. Kim hat bereits die «Denuklearisierung» der Halbinsel in Aussicht gestellt, womit Trumps zentrale Forderung erfüllt wäre.

Koreanisches Gipfeltreffen: Kim überrascht seinen Gastgeber

Beispiel Iran

Ähnlich wie im Fall von Nordkorea spekuliert Trump darauf, dass maximaler Druck dazu führt, dass sich das Regime in Teheran gefügig zeigt. Einiges spricht inzwischen dafür, dass er am 12. Mai einseitig den Nuklear-Deal mit Iran aufkündigt und die Iraner so zu neuen Verhandlungen zwingt - zum Beispiel auch über Syrien oder ihr Raketenprogramm.

Der Rest der Welt mag über diesen Präsidenten den Kopf schütteln - vielen Amerikanern gefällt, was sie sehen. Aus Sicht seiner Anhänger tut Trump genau das, was er versprochen hat: Er setzt seine «America First»-Agenda um und gibt ihnen das Gefühl, als starker Mann für ihre Interessen und die Interessen der USA zu kämpfen.

Donald Trumps Beliebtheitswerte erholen sich, inzwischen sagen im Durchschnitt 42 Prozent der US-Bürger, dass sie mit seiner Arbeit zufrieden sind. Tendenz steigend. Bei einem Trump-Auftritt vor Anhängern in Michigan am vergangenen Wochenende wurde er gefeiert wie lange nicht. Inzwischen machen sich die Republikaner sogar wieder Hoffnungen, dass sie bei den Midterm-Wahlen im Herbst ihre Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus verteidigen können. Sogar für den Friedensnobelpreis ist Trump im Gespräch.

Der Haken an der Sache

Doch natürlich gibt es einen Haken an der Sache: Auch wenn Trump jetzt obenauf ist und scheinbar die Spielregeln bestimmt, ist längst nicht ausgemacht, ob seine Zockerei aufgeht. Eine Wette ist eine Wette ist eine Wette. Und eine Politik, die vor allem auf die eigenen Interessen ausgerichtet ist, die kaum Rücksicht auf andere nimmt, die voll ins politische Risiko geht, kann erfolgreich sein, aber sie kann eben auch spektakulär scheitern.

Was passiert, wenn die Nordkorea-Verhandlungen platzen? Wer garantiert, dass ein neuer Handelskrieg mit der EU und China die Weltkonjunktur am Ende nicht doch in eine dramatische Abwärtsspirale drückt - mit vielen neuen Arbeitslosen auch in den USA? Wie will Trump verhindern, dass seine breitbeinige Aussenpolitik eine neue Welle des Anti-Amerikanismus in grossen Teilen der Welt auslösen könnte? Und was, wenn der Nahe Osten in eine militärische Konfrontation zwischen Israel, Saudi-Arabien und Iran treibt?

Auf all diese Fragen hat Trump, hat seine Regierung keine Antworten. Und auch Trumps Anhänger sind scheinbar blind für die Risiken und Nebenwirkungen seiner Politik. Sie glauben lieber Trumps süssen Versprechungen.

«Alles wird grossartig», beteuert er. Das hat er beim «Taj Mahal» auch gesagt.

So sieht man aus, wenn man Trump 31 minutenlang zuhören muss

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Crecas 02.05.2018 12:51
    Highlight Highlight Die Unternehmenssteuerreform war überfällig und kam. Das ist gut und darf Trump/den Republikaner zugeschrieben werden. Gleiches gilt für den Abbau bürokratischer Hürden.

    Aber: Der grössere Teil der Steuerreform betrifft Private und vor allem die Top 1%, kleine/mittlere Steuerzahlen bezahlen in ein paar Jahren sogar mehr. Klienetelpolitik vom Schlimmsten. Nordkorea hat nichts mit Trump zu tun (Südkorea, China und Nordkorea sind die Faktoren) und die Zölle sind kein Erfolg sondern werden überall Arbeitsplätze vernichten (Bush/Clinton/Reagan haben gleiches nach kurzer Zeit darum aufgehoben)
    8 6 Melden
  • FrancoL 02.05.2018 08:46
    Highlight Highlight Ich bin mir nicht sicher ob eine Doppelt oder Nichts Strategie wirklich auf dem politischen Parkett Platz hat oder überhaupt in Erwägung gezogen werden sollte.
    Die Spiele laufen noch und die Resultate sieht man oft (zB bei den Steuersenkungen) 2-3 Jahre später.
    Am gefährlichsten scheint mir die Situation mit dem IRAN, da scheinen die Israeli den Trump zu pushen und ein Krieg ist nicht mehr in weiter Ferne. Das ist bedenklich und gerade da sehe ich keine GAR KEINEN Erfolg von Trump, sondern ein Konflikt schüren.
    28 4 Melden
  • dan2016 02.05.2018 08:46
    Highlight Highlight schon ziemlich beschönigend. Korea passiert trotz und nicht wegen Trump (Wahlen Südkorea 2017 haben grosse Änderungen gebracht, Testgelände nicht mehr brauchbar). Aber medial hilft es natürlich Trump....
    Iran, da wird eine künftige Regionalmacht in die Arme der Gegner zurückgetrieben, kurzfristig zugunsten von Israel und Saudi-Arabien, welche sich aber - TrumpFataMorgana sei Dank, langfristig völlig isolieren und letztendlich selber in extreme Gefahr bringen.
    Steuern, einer boomenden Wirtschaft noch ein bisschen zusätzlichen Brennstoff gegeben...
    24 5 Melden
  • Alice36 02.05.2018 07:57
    Highlight Highlight "Dumb Trump" reiht Erfolg an Erfolg?

    Beispiel Zölle: Ja die USA erheben nur 2.5% auf EU Kleinwagen, auf EU SUV's sind es 25% davon redet aber keiner.

    Beispiel Steuerreform: Wo ist dieses Konzept schon mal aufgegangen, dies führt nur vom Regen in die Traufe.

    Beispiel Nordkorea: Der Kimi war clever genug die Weichen neu zu stellen. Dies nicht wegen Trump sondern da er sein Atomberg-Testgelände pulverisiert hat und nicht mehr wirklich testen kann.

    Beispiel Iran: Der wohl gefährlichste Bluff von Donni und den Israeli's. Wenn da was schiefgeht geht ziemlich viel den Bach runter.
    31 12 Melden
    • durrrr 02.05.2018 08:43
      Highlight Highlight Naja, man kann alles drehen und wenden wie man will damit es ins eigene Weltbild passt ;)
      Aber vergleichen Sie mal Zölle auf Rohstoff- und Agrarimporte zwischen der USA und EU. Und dann erklären Sie mir mal, welcher Kontinent sich wirklich abschottet.

      Und wo ist das Konzept von tiefen Unternehmenssteuern jemals aufgegangen? Ehmmm, in der Schweiz zB ^^
      20 21 Melden
  • Zeit_Genosse 02.05.2018 05:46
    Highlight Highlight Auch im Kasino wird zum Schluss abgerechnet. Nur der Schluss könnte vertagt werden, denn eine 2. Amtszeit (einziges Ziel des POTUS) liegt drin.
    14 4 Melden
  • Redly 02.05.2018 03:39
    Highlight Highlight Ausgezeichneter Artikel, der dieideologische Brille mal weg lässt und dafür die Risiken und Nebenwirkungen gut aufzeigt.
    73 8 Melden
  • DerTaran 02.05.2018 00:07
    Highlight Highlight Trump veranstaltet ein gigantisches Haasenfussrennen (Wie James Dean in, denn sie wissen nicht was sie tun), es ist für ihn nur dann erfolgreich, wenn die Mitspieler (China, EU, Russland usw.) vorher aufgeben und es landet in der Katastrophe für alle wenn nicht.
    13 17 Melden
  • rYtastiscH 02.05.2018 00:05
    Highlight Highlight Gefährlich, wenn ein narzistischer Anführer scheinbaren Erfolg hat.
    61 23 Melden
  • Ueli der Knecht 01.05.2018 21:56
    Highlight Highlight Trump hat sich m.E. ebenso mit Nordkorea wie mit Iran verspekuliert. Beide Gegner haben inzwischen eine Verhandlungsposition eingenommen, die einer "Figgi-Mülli" beim Mühlespiel ähnelt (https://de.wikipedia.org/wiki/Zwickm%C3%BChle_%28M%C3%BChlespiel%29). Trump kann machen was er will, es ist völlig egal, denn Nordkorea und Iran werden so oder so stärker daraus hervor gehen. Auf Kosten der USA.

    Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel bedeutet Rückzug der Amis (China gewinnt).

    Auch im Iran ist egal, was Trump entscheidet. Rohani ist so oder so fein raus.

    Krieg kann sich keiner leisten.
    48 54 Melden
    • HerrLich 02.05.2018 05:42
      Highlight Highlight Ich würde sogar behaupten, dass das einzige Ziel von Kim eine fette Zahlung für den Abbau der Nukes ist. DT wird das Mittel zum Zweck sein, damit Nordkorea noch weitere 10 Jahre existieren kann.
      16 3 Melden

«Trump wird die Macht teilen müssen – und dann sterben»

Eine politische Analyse der etwas anderen Art: Martin Zoller kann anhand der Analyse der Aura eines Menschen seine Zukunft sehen. So hat er die Wahl von Donald Trump richtig vorausgesagt. Jetzt allerdings scheint sich das Blatt zu wenden: Die Demokraten werden gemäss Zoller die Midterms gewinnen – und Trump wird noch vor Ablauf seiner ersten Amtszeit sterben.

Sie haben die Wahl von Donald Trump vorausgesagt. Wie ist Ihnen das gelungen? Schon 2014 wusste ich, dass Hillary Clinton keine Chance haben wird. Ich sah im Sommer dieses Jahres einen Mann als kommenden Präsidenten. Als Trump von den Republikanern zum Präsidentschaftskandidat erkoren wurde, war mir klar, dass er auch gewählt werden wird. Ich habe das damals schon in verschiedenen TV-Interviews ausgeführt.

Wie kommen Sie zu solchen Aussagen? Machen Sie politische Analysen und verbinden diese …

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