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Trumps Strategie im US-Vorwahlkampf: Die Saat des Bösen

Donald Trumps Tiraden sind nicht mehr lustig. Die Hetze des US-Republikaners gegen Muslime gibt dem radikal-rassistischen Rand Amerikas Aufwind. Eine kalkulierte Eskalation, die Folgen haben wird – egal, was aus Trump wird.

Marc Pitzke, New York



Ein Artikel von

Spiegel Online
Republican presidential candidate, businessman Donald Trump gestures as he speaks during a rally coinciding with Pearl Harbor Day at Patriots Point aboard the aircraft carrier USS Yorktown in Mt. Pleasant, S.C., Monday, Dec. 7, 2015. (AP Photo/Mic Smith)

Bild: AP/FR2 AP

Es wäre so schön, wenn sich Donald Trump ignorieren liesse. Als Clown, Entertainer, Narzisst. Als einer, der sich mit kalkulierter Kontroverse Gratiswerbung auf allen Kanälen erschleicht, doch spätestens dann verschwinden wird, wenn es ernst wird im Präsidentschaftswahlkampf.

Doch es ist ja längst ernst. Und der Spitzenreiter im Kandidatenzirkus der US-Republikaner ist weit davon entfernt zu verschwinden. Obwohl seine Auslassungen immer extremer werden. Und immer gefährlicher.

Trumps jüngste Hassgeburt – die Forderung nach «totaler Abschottung» der USA gegen alle Muslime, also 1.6 Milliarden Mitglieder der zweitgrössten Weltreligion – ist keine Entgleisung mehr. Sondern eine bewusste, einzigartige Eskalation seiner Dauerhetze gegen Einwanderer, Afroamerikaner, Behinderte – und nun Muslime.

Diese Eskalation offenbart, wovor einige schon länger warnen: Trump bedient sich der Mechanismen des Faschismus. Man kann, man muss es endlich aussprechen.

Viele Merkmale sind erfüllt: Personenkult, Opfermentalität einer frustrierten Mittelklasse, Verschwörungswahn, Anti-Intellektualismus, plumpe Sprache («Newspeak», so George Orwell), paramilitärisches Gehabe, Nationalismus, Rassismus, Entmenschlichung einer ganzen angeblichen «Täter»-Gruppe samt Gewaltappellen gegen diese Gruppe.

Es geht nicht mehr um den Wahlsieg 2016

Dabei geht es gar nicht mehr darum, ob Trump überhaupt Aussichten auf die Nominierung hat, geschweige denn auf einen Wahlsieg in 2016. Nein, die Gefahr liegt tiefer. Sie lauert in den Folgen seiner Zündelei. Trump hat etwas begonnen, das nicht so leicht aus der Welt zu schaffen sein dürfte, auch wenn er selbst scheitert oder die Lust verliert.

Trump gibt dem radikalen Rand eine Stimme und macht dessen Gedankengut salonfähig. Dabei ist seine breitere Zielgruppe eigentlich harmlos – und arglos: weisse, ärmere, ältere, weniger gebildete Amerikaner, die zusehends in Angst leben. Angst vor dem Terror, vor finanzieller Not, vor dem demografischen Umbruch der USA, der die nächste Generation von der Mehrheit zur Minderheit degradieren wird.

14 Jahre nach 9/11 und demoralisiert von zwei sinnlosen Kriegen, fühlen sich viele Amerikaner bedroht, überfordert und vergessen: vom Aufschwung, von Washington, von der Mitsprache über ihr Schicksal.

«USA! USA! USA!»

Für diese US-Wutbürger kam es Schlag auf Schlag. Die Wahl und Wiederwahl des ersten schwarzen Präsidenten, den die Hälfte der Republikaner bis heute für einen Muslim hält. Der progressive Fortschritt (Gesundheitsreform, Homo-Ehe, Schwule im Militär). Die Proteste gegen Polizeigewalt, bei denen sie sich als die wahren Opfer sehen. Und nun der Terror, real und eingebildet, von aussen wie innen.

Die Terrorserie in Paris (noch fern) und der Anschlag in San Bernardino (plötzlich ganz nah) nahm Trump zum Anlass, noch weiter zu gehen als bisher – und er kommt an. Das zeigte sich zum Beispiel am Montag in South Carolina, wo Hunderte Trump-Fans seine Anti-Muslim-Tiraden bejubelten, mit gereckten Fäusten: «USA! USA! USA!»

U.S. Republican presidential candidate Donald Trump reacts while addressing supporters at a Trump for President campaign rally in Raleigh, North Carolina December 4, 2015. Trump is making a campaign stop in the North Carolina capital. REUTERS/Jonathan Drake

Bild: JONATHAN DRAKE/REUTERS

Was Trump in der derzeitigen Stimmung anrichtet, zeigt sich im Gewaltpotenzial all seiner Auftritte. Bei einer Trump-Rede in Alabama wurde ein schwarzer Demonstrant von einem weissen Mob verprügelt. Offenbar mit Billigung Trumps, der ausserdem anregte, sich als nächstes die Familien der Täter von San Bernardino «vorzuknöpfen» – sowie kritische Reporter, die er als «Lügner» und «Abschaum» tituliert.

Es zeigt sich auch in den wachsenden Übergriffen auf Muslime landesweit: Die grösste US-Lobbygruppe Council on American-Islamic Relations (CAIR) meldet mehr «Diskriminierung, Einschüchterung, Bedrohung und Gewalt gegen amerikanische Muslime» als je zuvor seit 9/11.

Worte haben Konsequenzen

Vor allem gefährdet Trump die nationale Sicherheit Amerikas: Seine verantwortungslose Rhetorik spielt dem «Islamischen Staat» (IS) in die Hände, indem sie dessen apokalyptisch verzerrtes Feindbild bestätigt und Muslimen immer neue Rechtfertigung gibt, sich von den USA abzuwenden.

Selbst George W. Bush, der die Nation in den Irakkrieg trickste, stellte nach 9/11 noch klar: «Der Islam ist Friede.» Heute halten 56 Prozent der Amerikaner den Islam für «mit amerikanischen Werten unvereinbar». Worte haben Konsequenzen: Ihr Urheber mag irgendwann verschwinden, doch sie werden noch lange nachhallen.

Die Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl

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    Alle Leser-Kommentare
  • Andrea Reist 10.12.2015 11:40
    Highlight Highlight Das schlimmste am ganzen: Er ist bei den Polls der Republikaner immer noch an der Spitze!!
  • FrancoL 09.12.2015 18:23
    Highlight Highlight Amerika ist weit weg. Das Signal kann aber auch bei uns zünden, unsere Politiker -und da meine ich in der ganzen EU- kupfern oftmals in den Staaten ab. Ich hoffe alle unsere diesbezüglichen Gesetze mögen greifen. Habe nicht Lust wegen einer derart perverser Rhetorik unser leider eh schon gespanntes Verhältnis zu den Muslimen noch zu überspannen. leider habe ich auch keine Hoffnung das dieser Spuck in den USA bald abklingt. Trump ist wohl kaum zu bremsen und so wie er austeilt kann man ihn nur mit Gewalt eindämmen nur dazu fehlen wohl die Worte.
    • Adrian Schwarz (1) 10.12.2015 13:14
      Highlight Highlight Ja, sehe ich auch so. Man braucht sich nur die jüngsten Wahlen in Frankreich anzuschauen, und es wird deutlich, das auch in Europa die Gefahr groß ist, einen Rechtsruck zu erleben. In Deutschland sind es die Pegida auf bürgerlicher und die Afd auf politischer Ebene, die aus dieser Anti-Islam-Hetze hervorgegangen sind. Gerade Kinder und Jugendliche wachsen in diesem Zustand auf und betrachten ihn als Normalität, falls die nötige Aufklärung ausbleibt. Ich glaube, die Folgen für die kommenden Generationen sind noch viel gravierender, wenn Trump und Co. so weiter hetzen.
    • FrancoL 10.12.2015 14:01
      Highlight Highlight Da sind wir uns mehr als einig. Das Hetzen wird tiefe Spuren hinterlassen, ein Klima der Angst heraufbeschwören und Kurzschlussreaktionen fördern. Die Sachlichkeit geht verloren und es wird schwer diese Sachlichkeit wieder in den Vordergrund zu bringen. Unter Sachlichkeit meine ich nicht die Blauäugigkeit sondern die Kraft besonnen und konkret auf Gefahren zu reagieren ohne die Gefahr zu unterschätzen und schon gar nicht diese durch Hetzen erst recht herauf zu beschwören.
  • roger.schmid 09.12.2015 09:14
    Highlight Highlight "Viele Merkmale sind erfüllt: Personenkult, Opfermentalität einer frustrierten Mittelklasse, Verschwörungswahn, Anti-Intellektualismus, plumpe Sprache («Newspeak», so George Orwell), Nationalismus, Rassismus, Entmenschlichung einer ganzen angeblichen «Täter»-Gruppe.."

    Mich erinnert das eine gewisse Schweizer Partei mit Sünneli..
  • Louie König 09.12.2015 08:54
    Highlight Highlight Ein sehr guter Kommentar. Dieser Trump ist brandgefährlich. Da aber in Amerika die "Freedom of Speech" über allem steht, sind solche Reden überhaupt möglich. Nicht, dass ich etwas gegen die Meinungsfreiheit habe, aber es muss grenzen haben. Hetze gegen Minderheiten und klar rassistisches Gedankengut sollten nicht in der Öffentlichkeit verbreitet werden dürfen. Bei uns gibt es, zum Glück, diese Regelungen. Und, aufgrund dessen, was Trump in Amerika gerade abzieht, sollten wir uns hüten, diese Gesetze abzuschaffen, wie es gewisse Kreise fordern

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