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Zwischen Kunstkritik und Selbstdarstellung – die Banksy-Aktion polarisiert

Banksy prankte am Wochenende die Kunstwelt: Nachdem eines seiner Gemälde für eine eigene Rekordsumme versteigert wurde, zerstörte es sich gleich selbst. Revolutionäre Kunstkritik? Nicht so ganz, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.



Die Zerstörung des Bildes «Girl with Balloon» direkt nach seiner Versteigerung sorgte vergangenes Wochenende weltweit für Aufsehen. Banksy liess sein eigenes Kunstwerk wenige Sekunden nach dem letzten Hammerschlag sich selbst schreddern. In Anwesenheit von Kunstexperten, Käufern und Medien. Das Auktionshaus Sotheby's schrieb in einer Medienmitteilung, dass sie von Banksy geprankt wurden, dabei dürften sie sich wohl freuen.

Die Aktion im Video (gepostet von Banksy):

. "The urge to destroy is also a creative urge" - Picasso

Ein Beitrag geteilt von Banksy (@banksy) am

Banksy postete nach der Auktion auf seinem Instagram-Account ein kurzes Video zum Vorfall. Mit einem Zitat von Picasso nahm er Stellung zum Vorfall.

«Der Drang zur Zerstörung ist auch ein kreativer Drang.»

Pablo Picasso

Die Idee der Selbstzerstörung als Form der Kunstkritik ist keinesfalls neu, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. Im Jahr 1931 schrieb der spanische Maler Joan Miró, dass er seine Werke zerstören wolle. Trotzdem malte er weiter.

«Ich will zerstören, alles zerstören, das in der Malerei existiert.»

Joan Miró

Etwas näher an Banksys Werk kam Gustav Metzger im Jahr 1960. Er gilt als Erfinder der Selbstzerstörenden Kunst. In einem Manifest spricht er von drei zentralen Punkten: Das Kunstwerk solle sich innerhalb von 20 Jahren selbst zerstören. Dazu kommt, dass wenn der Prozess in Gang gesetzt worden ist, der Autor keinen Einfluss mehr hat. Der letzte Punkt betont die Wichtigkeit des Publikums: Die Selbstzerstörung solle in der Öffentlichkeit geschehen und sich nicht auf eine exklusive private Gruppe beschränken. Das erinnert bereits stark an Banksys Aktion vom Wochenende in London.

Im Gegensatz zu Banksy blieb Metzger allerdings Zeit seines Lebens (er starb 2017) einem breiteren Publikum fremd – nicht zuletzt, weil er sich der Kommerzialisierung der Kunst widersetzte.

Kurzporträt über Gustav Metzger

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Video: YouTube/Tate

Unserer Zeit am nächsten kommt wohl die Kunstaktion von Michael Landy im Jahr 2001: Er zerstörte im Zentrum von London sein gesamtes Hab und Gut inklusive Auto und Reisepass. Unter den zerstörten Gegenständen waren auch Bilder von berühmten zeitgenössischen Künstlern wie Damien Hirst und Tracey Emin.

Michael Landy zerstört sein Hab und Gut:

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Video: YouTube/Artangel

Ganz so radikal machte es Banksy nicht. Er zerstörte sein Bild nicht vollständig, und im Gegensatz zu Landys Fall generierte er dabei noch Geld. Denn laut «Washington Post» könnte sich der Wert von Banksys Werk auf zwei Millionen Pfund verdoppelt haben.

Dabei ist Banksys gesamtes Werk auf Kapitalismus- und Konsumgesellschaftskritik ausgelegt. Vielleicht ist gerade dies das Ironische an Banksys Schaffen: Er kritisiert den Kapitalismus und die Kunstwelt, und die Welt jubelt ihm zu, während seine Bilder ihren Wert in Millionenhöhe steigern. (jaw)

Banksy sprayt in Gaza Katzen auf zerstörte Häuser – und lockt Geschäftemacher an

Kunst im grössten unterirdischen See der Schweiz

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • Stichelei 09.10.2018 07:54
    Highlight Highlight Banksy widerstrebt die Kommerzialisierung seiner Kunst seit jeher und er steht der ganzen „Kunstindustrie“ sehr kritisch gegenüber. Daher ist diese Aktion auch sehr passend für ihn.
  • Citation Needed 08.10.2018 20:39
    Highlight Highlight Halte Banksy für einen der glaubwürdigsten Künstler im Moment. Viele versuchen und versuchten sich dem Markt zu verschliessen, wurden aber früher oder später vereinnahmt.
    Nur schon, dass mein Freund und ich nach 'Exit through the Gift Shop' einen Abend lang beherzt darüber diskutierten (ähem, stritten), was jetzt wahr und was fake sei, ist eine ziemliche Leistung. Auch, dass er seit über 20 Jahren seine Identität geheimhält ist nicht zu verachten.
  • Mia_san_mia 08.10.2018 19:45
    Highlight Highlight Und gestern hatte es hier viele, die das alles noch soooo genial fanden 😂🙈
  • #Technium# 08.10.2018 19:20
    Highlight Highlight Als Liebhaber der Kunst, insbesondere der abstrakten Kunst, finde ich solche Aktionen einfach genial. Je provokativer, umso besser.
  • Sliminem Mathers 08.10.2018 18:19
    Highlight Highlight Ich feier die Aktion!

Nein, Gertrud, meine Tattoos sind «kein Schrei nach Aufmerksamkeit»

Danke der Nachfrage, aber mir geht es gut und nein, du darfst nicht «schnell mal anfassen» oder «nachsehen».

Der Sommer ist für viele Tätowierte ein schwieriges Pflaster. Jetzt, wo die Tattoos nicht mehr von Pullovern verdeckt werden (können) und für jedermann und -frau öffentlich beurteilbar sind, häufen sich die ungebetenen Kommentare. Im Freibad. Beim Bäcker. Beim Grillen mit den Freunden der Nachbarn.  

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