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International
Literatur

«Der Name der Rose»-Autor Umberto Eco 84-jährig gestorben

Weltberühmt im Namen der Rose: Der italienische Schriftsteller Umberto Eco ist tot

20.02.2016, 17:00

Der italienische Schriftsteller Umberto Eco ist tot. Wie italienische Medien unter Berufung auf die Familie berichteten, starb er am Freitagabend im Alter von 84 Jahren. Der Philosoph und Autor wurde 1980 gleich mit seinem ersten Roman «Der Name der Rose» weltberühmt.

Autor, Journalist und Professor: Umberto Eco (links) bei der Verleihung des Gutenberg-Preises.
Autor, Journalist und Professor: Umberto Eco (links) bei der Verleihung des Gutenberg-Preises.
Bild: Getty Images Europe

Eco sei am Freitagabend bei sich zuhause gestorben, berichtete die Zeitung «La Repubblica» auf ihrer Website unter Berufung auf die Angehörigen des Schriftstellers. Eco war vor langer Zeit an Krebs erkrankt. Die Familie erklärte, Eco sei gegen 22.30 Uhr gestorben.

Eco galt als einer der grossen Intellektuellen der Zeitgeschichte: Er war unter anderem als Journalist, Lektor, Herausgeber und Universitätsprofessor tätig. Seine «Einführung in die Semiotik» gilt bis heute als internationales Standardwerk.

Der literarische Durchbruch gelang ihm mit seinem Erstlingsroman «Der Name der Rose», der von Jean-Jacques Annaud verfilmt wurde.

Sean Connery in «Der Name der Rose».
YouTube/Movieclips Trailer Vault
«Der Name der Rose»
In der «Der Name der Rose» (1980) konnte Umberto Eco sein enzyklopädisches Wissen spielerisch umsetzen und in eine spannende Geschichte packen. Millionen von Lesern hat er auf eine literarische Reise ins Mittelalter geführt. Er nahm sie mit in die fremde Welt einer Benediktinerabtei im italienischen Appenin, wo der Mönch William von Baskerville im frühen 14. Jahrhundert eine grausige Mordserie aufklärt. Der Roman wurde ein Riesenerfolg und machte den Professor mit einem Schlag weltberühmt. Manche sprachen von einem «Kultbuch». Es wurde in Dutzende Sprachen übersetzt und mit Sean Connery in der Hauptrolle kongenial verfilmt. Seitdem kannte man Eco in aller Welt.

Nach «Der Name der Rose» feierte er mit weiteren Romanen internationale Erfolge: «Das Foucaultsche Pendel» (1988), «Die Insel des vorigen Tages» (1994) und «Baudolino» (2000) wurden internationale Bestseller. 2011 erschien die deutsche Ausgabe seines Romans «Der Friedhof in Prag».

In Mainz wurde Eco 2014 mit dem Guttenberg-Preis geehrt. Das Kuratorium würdigte seine «brillanten kulturtheoretischen Überlegungen» und bezeichnete den Norditaliener als «begnadeten Erzähler», der Millionen von Lesern in Buchkultur und -geschichte eingeführt habe. Eco wurde mit zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet. Was fehlte, war der Literatur-Nobelpreis.

50'000 Bücher in der Privatbibliothek

Eco schreibt ebenso spannende wie verschlungene Romane, voller Geistesblitze und kulturhistorischer Dichte. Er versucht das Leben in seiner ganzen prallen und widersprüchlichen Unauslotbarkeit darzustellen. Er will nicht nur unterhalten, sondern auch provozieren, und zählt sich dabei auch nicht «zu jenen schlechten Schriftstellern, die behaupten, sie schrieben nur für sich selbst».

Eco wurde am 5. Januar 1932 als Sohn eines Buchhalters im norditalienischen Alessandria geboren. Mit seiner deutschen Frau Renate Ramge hatte Eco eine Tochter und einen Sohn. Seine Privatbibliothek umfasste nach eigenen Schätzungen etwa 50'000 Bücher.

Gegen Berlusconi-Politik

Intellektueller Oppositioneller: Eco schrieb gegen Berlusconi an.
Intellektueller Oppositioneller: Eco schrieb gegen Berlusconi an.
Bild: EPA/ANSA

Bis ins hohe Alter war er Kolumnist bei einer Reihe italienischer Tageszeitungen und dem Wochenmagazin «L'Espresso». Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete er 2002 die Gruppe «Libertà e Giustizia» («Freiheit und Gerechtigkeit»), die sich als intellektuelle Opposition gegen die Politik des langjährigen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi verstand.

Seine Reflexionen über Schreiben und Literatur erschienen kurz vor seinem 80. Geburtstag auf Deutsch unter dem Titel «Bekenntnisse eines jungen Schriftstellers» (2011). Damit meinte er sich selbst. Denn weil er seine literarische Karriere so spät begonnen habe, sei er noch «ein ziemlich junger und sicher vielversprechender Romancier», schrieb Eco mit einem Augenzwinkern. 

Der italienische Schriftsteller Umberto Eco in Amsterdam, 1989.
Der italienische Schriftsteller Umberto Eco in Amsterdam, 1989.
Bild: KEYSTONE

Ecos letztes Werk erscheint im Mai

Beim letzten Werk Ecos handelt es sich um ein Essay über aktuelle Themen. Der Titel des Werks, welches Eco der Verlegerin Elisabetta Sgarbi übergeben hatte, lautet «Pape Satan Alepp».

Sgarbi und Eco hatten vor wenigen Monaten den unabhängigen Verlag «La nave di Teseo» (Das Schiff des Theseus) gegründet. Eco hatte sich zur Gründung des neuen Verlags entschlossen, nachdem das Verlagshaus Mondadori – im Besitz der Familie von Ex-Premier Silvio Berlusconi – im Oktober die neun Verlage des konkurrierenden Medienkonzerns RCS Mediagroup geschluckt hatte. Zu diesen gehörten bekannte Häuser wie Adelphi, Bompiani und Rizzoli. Sgarbi, Leiterin des von Mondadori erworbenen Verlags Bompiani, hatte daraufhin gekündigt. Auch mehrere Autoren verliessen die betroffenen Verlage, um sich Sgarbis Verlag anzuschliessen.

Zu ihnen zählten neben Eco auch Susanna Tamaro, Sandro Veronesi, Tahar Ben Jelloun, Hanif Kureishi oder Michael Cunningham. In diesem Jahr sollen 50 Titel auf den Markt kommen, berichtete Sgarbi.

Umberto Eco bei der Präsentation seines Buches «Der Friedhof in Prag».
Umberto Eco bei der Präsentation seines Buches «Der Friedhof in Prag».
Bild: ANDREA COMAS/REUTERS

Ecos Warnung vor dem Bücher-Monopol 

Vor der Übernahme der RCS-Buchsparte durch Mondadori hatte Eco einen offenen Brief veröffentlicht, den zahlreiche weitere Schriftsteller der RCS-Verlage unterschrieben hatten. Darin hatte Eco vor einem Monopol Mondadoris in Italiens Buchsektor gewarnt.

«Ein Koloss dieser Grösse hätte eine enorme Macht über die Autoren und die Buchhandlungen, würde die Kleinverlage langsam in den Tod treiben und die Vergabe von Literaturpreisen auf lächerliche Weise voraussehbar machen.»
Umberto Eco in seinem offenen Brief

(rof/kad/sda/dpa/afp/apa)

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