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Schüsse, Schreie und Rauch: Video zeigt den Zugriff auf «El Chapo» Guzmán

Dutzende Schüsse fallen, der Widerstand ist enorm: Die mexikanische Regierung hat ein Video des Zugriffs auf «El Chapo» Guzmán veröffentlicht. Auch Fotos dokumentieren den letzten Fluchtweg des Drogenbosses.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Nichts für schwache Nerven: Video der Erstürmung von Guzmans Haus

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YouTube/ForeverStars

Taschenlampen leuchten ins Dunkel, Schüsse sind zu hören, hektisch gerufene Kommandos, «Rapido», «Vamos», «Arriba», und immer wieder Schüsse: Die mexikanische Regierung hat die dramatischen Videoaufnahmen der Marinesoldaten veröffentlicht, deren Einsatz zur Festnahme des berüchtigten Drogenbosses Joaquín «El Chapo» Guzmán führten.

Die Bilder zeigen den Sturm auf das Versteck «El Chapos», der Zugriff beginnt um 4.40 Uhr morgens in der Stadt Los Mochis an der Pazifikküste Mexikos. Der Name der Operation: «Schwarzer Schwan».

Die Spezialeinheit trifft auf harten Widerstand. Ein Soldat wird gleich zu Beginn verwundet, «ruhig, ruhig» («tranquilo») bekommt er gesagt. Schritt für Schritt, Ecke für Ecke, Tür für Tür dringen die Männer schliesslich in das Haus vor. Hektisch gehen die Blicke nach links und rechts, nach oben und unten – die Männer mussten mit allem rechnen.

Es seien mehr Menschen in dem Haus gewesen als erwartet – und sie seien schwerer bewaffnet gewesen als erwartet, sagte ein Soldat, der am Einsatz beteiligt war, hinterher dem Sender Televisa. Die Rede ist von Maschinenpistolen und Panzerfäusten.

Zugriff auf «El Chapo» Guzmán in Mexiko

Die Soldaten sichern zunächst die Räume im Erdgeschoss und gehen dann weiter in den ersten Stock. Dabei habe ein Mann oben auf der Treppe versucht, mit einer Panzerfaust auf den Trupp zu schiessen, sei aber nicht dazu gekommen, weil die Soldaten zuerst feuerten und er die Waffe fallen lassen musste.

Oben finden die Soldaten mehrere Personen und nehmen sie fest. Es dauert etwa 15 Minuten, bis das Haus mit seinen vier Schlaf- und fünf Badezimmern gesichert ist. Doch «El Chapo» ist noch nicht gefasst, und es gibt weitere Bewaffnete. Die Jagd geht weiter.

Was nun folgt, ist nicht mehr auf dem veröffentlichten Video zu sehen. Die Soldaten verfolgen einige Bewaffnete über Dächer, vier Mann sollen dabei getötet worden sein. Insgesamt sterben fünf mutmassliche Bandenmitglieder, sechs werden festgenommen.

Im Haus entdecken die Soldaten einen Tunneleingang hinter einem Spiegel. Die Treppenstufen führen ins Abwassersystem der Stadt. Laut den mexikanischen Sicherheitskräften fliehen der «Chapo» und einer seiner wichtigsten Männer, Iván «El Cholo» Gastélum, über diesen Weg, ehe sie an einer Kreuzung wieder nach oben kommen, ein Auto stehlen und davonfahren.

«Misión cumplida»

Sicherheitskräfte stellen den Drogenboss wenig später an einer Bundesstrasse ausserhalb der Stadt. Nach knapp einem halben Jahr ist die Flucht des «Chapo», der durch einen Tunnel aus seiner Zelle im Hochsicherheitsgefängnis Altiplano entkommen war, wieder beendet. «Misión cumplida», teilte Präsident Enrique Peña Nieto auf Twitter mit.

Guzmán sitzt nun wieder in Altiplano ein. Wie es mit dem Chef des Sinaloa-Kartells weitergeht, ist noch unklar. Die USA haben seine Auslieferung beantragt. Die US-Behörden werfen ihm unter anderem Mord, Drogenhandel, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vor. Guzmán kann Einspruch gegen die Auslieferung einlegen. Nach dem juristischen Prozedere liegt das letzte Wort beim mexikanischen Aussenministerium.

Die Überstellung dürfte mindestens ein Jahr dauern. «Wir haben schon Verfahren gehabt, die vier, sechs Jahre gedauert haben, abhängig von den Rechtsmitteln, die die Verteidigung einlegt», sagte der Abteilungsleiter für internationale Verfahren der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft, José Manuel Merino.

Der Videomitschnitt des Zugriffs macht auch deutlich, wie gefährlich Guzmán und seine Männer wirklich sind. Der Schauspieler Sean Penn hatte den Drogenboss im vergangenen Jahr heimlich für ein Interview getroffen. Nach der Festnahme erschien ein Text über die Begegnung in der Zeitschrift «Rolling Stone».

Die US-Regierung kritisierte Penn für die Aktion. Wahrscheinlich haben der Schauspieler und seine Vermittlerin Kate del Castillo jedoch indirekt dazu beigetragen, dass die Ermittler dem «Chapo» wieder auf die Spur kamen.

Guzmán wollte offenbar sein Leben verfilmen lassen. Die Kommunikation zwischen den Schauspielern und den Anwälten Guzmáns habe bei der Ortung des Drogenbosses geholfen, teilten Ermittler mit.

Sean Penn verteidigt sich

Wegen ihres Kontakts zu «El Chapo» wird jetzt aber auch gegen Penn und del Castillo ermittelt. «Wir müssen sehen, welche Absprachen bei den Treffen gemacht wurden», sagte Generalstaatsanwältin Arely Gómez. «Das kann ein kleines Vergehen wie Begünstigung oder auch etwas Schwerwiegendes sein.» Penn sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe nichts zu verbergen.

Die mexikanische Regierung liess am Montag Journalisten in das Haus, das zum letzten Versteck Guzmáns wurde. Die Spuren des Einsatzes waren noch deutlich zu sehen: Blut auf dem Boden, Einschusslöcher in den Wänden, Kleidung und Essen lagen herum.

Auf einem Bett im Obergeschoss fanden die Ermittler auch DVDs der TV-Serie «Die Königin des Südens». Darin spielt Kate del Castillo eine Drogenbaronin.

hut/dpa/AP

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