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Hat Mexiko verlassen – nicht per Tunnel: Drogenboss «El Chapo» an die USA ausgeliefert. Bild: Eduardo Verdugo/AP/KEYSTONE

Pünktlich zu Trumps Party: Drogenboss «El Chapo» an die USA ausgeliefert



Mexiko hat am Donnerstag Drogenboss Joaquín Guzmán alias «El Chapo» an die USA ausgeliefert. Guzmán sei den US-Behörden übergeben worden, teilte das mexikanische Aussenministerium mit. Zuvor hatte der oberste Gerichtshof einen Einspruch des inhaftierten Chefs des Sinaloa-Kartells gegen seine Auslieferung zurückgewiesen.

Gegen Guzmán lagen zwei Auslieferungsersuchen vor, eines aus Kalifornien und eines aus Texas. Die Behörden in den beiden US-Bundesstaaten werfen «El Chapo» (der Kurze) Mord und Drogenhandel vor und wollen ihn deshalb vor Gericht stellen. Ihm droht in den USA eine lange Haftstrafe.

Da in Texas bei Mord die Todesstrafe verhängt werden kann, mussten die US-Behörden Mexiko garantieren, dass Guzmán nach seiner Auslieferung und einem Schuldspruch nicht hingerichtet wird.

«El Chapos» Auslieferung an die USA in Bildern

Die Auslieferung erfolgte einen Tag vor dem Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident. Trump hatte Mexikaner im Wahlkampf als Drogenhändler und Vergewaltiger beschimpft und will zum Schutz vor illegalen Einwanderern eine Mauer an der Grenze bauen. Experten werteten die Auslieferung von «El Chapo» kurz vor dem Regierungswechsel in Washington als vertrauensbildende Massnahme.

«Trophäe für den US-Präsidenten»

Das mexikanische Aussenministerium hatte einer Auslieferung des Drogenbosses ins Nachbarland im vergangenen Mai zugestimmt. Einer der Anwälte Guzmáns, Andrés Granados, schloss nicht aus, dass er nach einer Prüfung der Ablehnungsgründe den interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof anrufen werde.

«Es ist offensichtlich, dass diese Entscheidung eine schwere Verletzung der Menschenrechte ist», sagte Guzmáns Anwalt José Refugio Rodríguez im Radiosender Fórmula. «Mit dieser Trophäe für den Präsidenten der USA hat die Regierung ihr Werk vollendet.»

«El Chapo» sass in einem Gefängnis in Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA ein. Zuletzt hatte er über seine Behandlung im Hochsicherheitsgefängnis geklagt. Seine Frau Emma Coronel sagte, die Justizvollzugsbeamten liessen ihren Mann nicht schlafen und isolierten ihn von anderen Gefangenen. Körperlich und psychisch gehe es ihm sehr schlecht.

«El Chapo» galt einst als mächtigster Drogenboss der Welt und war zweimal aus mexikanischen Hochsicherheitsgefängnissen geflohen. 2001 setzte er sich in einem Wäschewagen aus der Haftanstalt Puente Grande ab. Im Februar 2014 wurde er in der Küstenstadt Mazatlán im Westen des Landes festgenommen.

Sinaloa-Kartell

Das Sinaloa-Kartell gilt als die mächtigste kriminelle Organisation Mexikos und macht Milliardenumsätze. Guzmán soll persönlich für bis zu 3000 Morde verantwortlich sein. Die USA überschwemmte das Kartell mit Heroin und Kokain. Die Chicago Crime Commission erklärte Guzmán zum Staatsfeind Nummer 1. Diese Bezeichnung war zuvor nur für den US-Gangster Al Capone vergeben worden. «El Chapo» hatte gedroht, im Falle seiner Auslieferung an die Vereinigten Staaten über seine Kontakte und Geschäfte auszupacken. Sollte er mit den US-Behörden im Gegenzug für Informationen einen Deal machen, könnte es für so manchen Politiker und Beamten in Mexiko ungemütlich werden. Schon lange gibt es Gerüchte, dass die Regierung dem Sinaloa-Kartell bei seinen kriminellen Geschäften weitgehend freie Hand liess. Die Idee dahinter war demnach, dass eine dominante Rolle des Verbrechersyndikats von «El Chapo» in der mexikanischen Unterwelt für Ruhe sorgen würde.

Nach nur 17 Monaten in Haft floh er 2015 durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel aus dem Gefängnis Altiplano. Vor gut einem Jahr fassten Marineinfanteristen «El Chapo» in der Stadt Los Mochis im Westen des Landes. 

Sinneswandel beim Präsidenten

Mexiko hatte sich lange gegen die Auslieferung des Drogenbosses an die USA gewehrt. Staatspräsident Enrique Peña Nieto hatte stets erklärt, dass «El Chapo» von einem mexikanischen Gericht verurteilt werden solle.

Die erneute Flucht des Drogenbosses 2015, für die dieser auch Helfer in den Reihen der Sicherheitskräfte gehabt haben muss, führte aber offensichtlich zum Sinneswandel.

Die Twitter-Kommentare

Auf Twitter sorgte der Zeitpunkt der Überstellung «El Chapos» just am Vortag der Amtseinführung des neugewählten US-Präsidenten Donald Trump für viele Kommentare: 

Die Vorschläge der Twitter-Gemeinde bezüglich der Zukunft des Ausgelieferten reichten von einem Regierungsposten im Trump-Kabinett über das Amt des Chefs der US-Antidrogenbehörde (DEA) bis zu einer möglichen Begnadigung durch den noch amtierenden Präsidenten Barack Obama in letzter Minute. Auch die von Trump versprochene Mauer kann den «bad hombre» nicht daran hindern, in die USA zu gelangen, wurde weiter gefrotzelt. (kad/sda/afp/dpa)

Durch diesen Tunnel brach Drogenboss El Chapo aus dem Gefängnis aus

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Olaf! 20.01.2017 09:45
    Highlight Highlight Ist doch schön das El Chapo kommt, dann hat er wenigstens ein Promi an seiner Inauguration.
  • Marbek 20.01.2017 09:27
    Highlight Highlight Was ich nicht verstehe: Der ist doch Mexikaner, nicht? Wieso kann ein mexikanischer Bürger an einen fremden Staat ausgeliefert werden? Klar, dass ihn Mexiko nach den Fluchten lieber ins US-Haft sieht - da wird er kaum mehr ausbrechen können. Aber eigene Bürger ausliefern?

    Kennt sich jemand aus und weiss, wie das weltweit aussieht, auch beispielsweise in der Schweiz? Das muss doch ein juristischer Albtraum sein - ich hätte nicht gedacht, dass es Länder gibt, die eigene Bürger ausliefern.
  • Hierundjetzt 20.01.2017 09:20
    Highlight Highlight Seit wann kann man eigene Staatsbürger an ein anderes Land ausliefern? 😳
  • Thomas Rohrer 20.01.2017 09:07
    Highlight Highlight Watson: ein Hauch von Verschwörungstheorie im Titel?
  • Silent_Revolution 20.01.2017 07:28
    Highlight Highlight Bei einer Legalisierung und einem kontrollierten Markt hätten solche Banden um Anführer wie Escobar, Lehder, Griselda Blanco oder eben Guzman gar keine Möglichkeit derart viel Macht zu erlangen.

    So viele Drogentote und auch Tote durch Konflikte rivalisierender Banden sind direkt der Repression zuzuschreiben.

    EInen Guzman oder Escobar zu jagen und zu inhaftieren bringt nichts, denn die nächsten warten schon und übernehmen die Geschäfte. Die DEA ist völlig nutzlos, kontraproduktiv und hat mehr Blut an den Händen als oben erwähnte Drogenbarone.
  • Duweisches 20.01.2017 00:20
    Highlight Highlight Für was genau will ihn die USA denn drankriegen, selber die Finger schmutzig gemacht hat er sich ja wohl kaum?
    Oder wurden Komunikationen abgefangen, die ihn eindeutig belasten?
    • elmono 20.01.2017 06:28
      Highlight Highlight RICO Act?
    • matko 20.01.2017 06:42
      Highlight Highlight Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act (RICO), jetztweisches..
    • Triumvir 20.01.2017 08:00
      Highlight Highlight Auch wenn er nicht selber gemordet hat, Anstiftung zu Mord und qualifizierter Drogenhandel sind beides Schwerverbrechen - weischesjetzt🙄
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