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A handout image obtained from Geoscience Australia on September 27, 2014, shows the the MH370 search area encompassing the seabed on and around Broken Ridge, an extensive linear, mountainous sea floor structure that once formed the margin between two geological plates.  Remnants of volancoes, towering ridges and deep trenches have been discovered on the seabed of the southern Indian Ocean by experts mapping the underwater terrain as part of the search for missing Malaysian Airlines flight MH370.  AFP PHOTO/GEOSCIENCE AUSTRALIA  ----EDITORS NOTE ----RESTRICTED TO EDITORIAL USE MANDATORY CREDIT

Seeboden im bisherigen Suchgebiet.  Bild: GEOSCIENCE AUSTRALIA

Unglücksflug MH370: Darum stellen deutsche Forscher die Suchstrategie infrage

Welchen Weg nahmen die Trümmer des Unglücksflugs MH370 über den Indischen Ozean? Deutsche Forscher haben die Drift der Teile simuliert – und stellen erstaunliche Ergebnisse in Aussicht.

Christoph Seidler



Ein Artikel von

Spiegel Online

Was ist mit der verschollenen Boeing 777 des Fluges MH370 passiert? Seit dem 8. März 2014 wird die Maschine mit 239 Menschen an Bord vermisst. Als Ende Juli ein Wrackteil am Strand der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion angespült wurde, schöpften Ermittler neue Hoffnung: Womöglich kann die Flügelklappe dabei helfen, das Rätsel doch noch zu lösen – unter anderem weil sich der Weg des Trümmerstücks über den Indischen Ozean nachvollziehen lassen müsste. Und das wiederum sollte zumindest grossflächige Hinweise auf den Absturzort liefern.

Computer-Berechnungen deutscher Meeresforscher legen nun nahe, dass bis jetzt womöglich im falschen Gebiet nach der Malaysia-Airlines-Maschine gefahndet wurde. Bisher werde angenommen, MH370 sei auf Höhe des 35. Breitengrades weit südlich des Äquators ins Meer abgestürzt, sagt Andreas Villwock vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Modellrechnungen von Forschern seines Hauses zeigten hingegen, dass das Wrackteil «wahrscheinlich aus dem östlichen äquatorialen Indischen Ozean stammt». Das liegt weit am nördlichen Ende des aktuellen Suchareals.

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bild: spiegel online

Über mehrere Wochen hatten die Kieler Forscher Arne Biastoch und Jonathan Durgadoo am Computer den Weg des Trümmerteils über den Indischen Ozean zurückverfolgt. Ihr Modell nutzte tagesaktuelle Strömungsdaten aus den vergangenen Monaten, die von französischen Kollegen stammen. Die entscheidende Frage: Welchen Weg hat das Trümmerstück über den Indischen Ozean genommen, den Wissenschaftler wegen seiner chaotischen Wirbel und Turbulenzen auch mit dem Inneren eines Flipperautomaten vergleichen?

Eine Rückrechnung mit dem Computer kann keinen präzisen Absturzort liefern, bestenfalls ein sehr grossräumiges Gebiet – das hatten die Forscher vor dem Start der Simulationen bereits klargestellt. Am kommenden Dienstag wollen sie auf einer Pressekonferenz in Kiel ihre Erkenntnisse im Detail präsentieren. Doch so viel scheint bereits jetzt klar: Die Ergebnisse der Forscher stehen im Widerspruch zur australischen Suchstrategie.

Die Fahndung konzentriert sich auf Meeresgebiete westlich der australischen Küste – und nicht auf die Äquatorregion, die sich nun offenbar in den Simulationen zeigt.

Insgesamt sollen 120'000 Quadratkilometer abgesucht werden, eine Fläche so gross wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zusammen. Zwei Schiffe des Geotechnik-Unternehmens Fugro haben die Aufgabe im Auftrag der Regierungen von Australien, Malaysia und China übernommen. Bisher haben sie rund 55'000 Quadratkilometer mit Sonar untersucht – ohne greifbares Ergebnis. Die Simulation scheint nahezulegen, dass grosse Teile des südlichen Gebiets umsonst durchkämmt wurden.

«Ich bin ziemlich frustriert»

Die angeschwemmte Flügelklappe wird währenddessen weiter in einem Labor bei Toulouse untersucht. Nach malaysischen Angaben gehört das Wrackteil definitiv zu MH370. Französische Ermittler sprachen von einer «sehr starken Vermutung». Australien gibt sich deswegen zuversichtlich, dass das Wrack gefunden wird.

Hinweise auf den Absturzort könnten nach Ansicht deutscher Wissenschaftler auch sogenannte Entenmuscheln liefern. Diese haben sich auf dem Trümmerstück angesiedelt, während es über den Indischen Ozean trieb. Geologe Hans-Georg Herbig und der Biologe Philipp Schiffer, beide aus Köln, haben die kleinen Krebstiere auf Fotos identifiziert.

Die beiden sind Experten für die mit den Seepocken verwandten Tierchen. Herbig und Schiffer haben für fünf Entenmuschelarten aus verschiedenen Teilen der Weltmeere erstmals genetische Fingerabdrücke erstellt. Dabei haben sie auch herausgefunden, dass die Arten jeweils nur in bestimmten, von der geografischen Breite abhängigen klimatischen Zonen vorkommen.

Doch weil die französischen Behörden ihnen bisher kein Probenmaterial der Organismen vom Wrackteil zur Verfügung gestellt haben, können sie ihre Erkenntnisse bisher nicht für die Suche nach dem Absturzort nutzen. «Ich bin ziemlich frustriert, weil sich trotz Anfragen auf verschiedenen Kanälen niemand gemeldet hat», sagt Hans-Georg Herbig im Gespräch mit Spiegel Online. «Wir haben vieles versucht, es ist aber keine Reaktion gekommen.»

Zusammengefasst: Offiziell stellen die Forscher vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel ihre Untersuchungen erst am kommenden Dienstag vor – doch sie haben bereits einen ersten Hinweis gegeben: Computeranalysen legen demnach nahe, dass ein auf La Réunion angeschwemmtes Trümmerteil des Fluges MH370 aus dem «östlichen äquatorialen Indischen Ozean» stammt. Das liegt weit von dem Gebiet entfernt, in dem derzeit mit zwei Schiffen nach dem Wrack der Malaysia-Airlines-Maschine gesucht wird.

(Mit Material der Nachrichtenagentur DPA)

MH370-Suchteam findet Wrack auf dem Meeresgrund

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