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Die «Queen of Soul» lebt nicht mehr: Aretha Franklin ist gestorben



Das Leben von Aretha Franklin

Wer Aretha Franklin live erlebte, dem konnte ihre Stimme ins Mark gehen. Ihr wuchtiger Soul liess schnell vergessen, dass sie die wenigsten ihrer Hits selbst schrieb. Zu den Jahren voller sozialer Umbrüche in den USA lieferte Franklins Gesang den Soundtrack.

Wie viele Menschen müssen in diesen Takten Kraft getankt haben: Steil ansetzende Bläser, dazu ein heiter verzerrtes Gitarrenriff und dann eine Aretha Franklin, die mit all ihrem Soul ins Mikrofon schmettert: «What you want / Baby, I got it / What you need / Do you know I got it / All I'm askin' / Is for a little respect». Was sollte man darauf noch antworten?

Die Wucht, mit der Franklin ihren Gospel-geladenen Gesang in Studios und auf Bühnen niedergehen liess, konnte erschüttern. Schwarze Bürgerrechtler, unterdrückte Frauen, Vietnamkriegsgegner - die sozialen Bewegungen der 1960er und 70er Jahre in den USA erkannten die Wirkung von Franklins gewaltigem Gesang und vereinnahmten ihn für sich. «Lady Soul» lieferte den Soundtrack ihrer Zeit.

Am Donnerstag ist Aretha Franklin im Alter von 76 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Die Recording Academy, die die Musikpreise Grammys verleiht, würdigte sie als eine «unvergleichliche Künstlerin» mit einer der «tiefgreifendsten Stimmen» der Musikbranche.

Mit 18 Grammys ausgezeichnet

Einen Grammy nach dem anderen sackte Franklin ein, während sie mit Titeln wie «Respect», «Chain Of Fools» und «I Say a Little Prayer» immer grössere Gefolgschaft fand. 18 Grammys wurden es insgesamt, 17 davon gewann sie für ihre Auftritte.

Ihre Titel haben längst ein Eigenleben entwickelt und gehören in Playlisten bei Protestmärschen, Werbeagenturen, Karaoke-Bars und Best-of-Abenden. Dass Franklin diese Hits oft nicht selbst geschrieben hatte, sondern sie bewegend interpretierte, interessierte dabei die wenigsten.

Einer ihrer grössten Hits: Respect!

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Video: YouTube/TatanBrown

So war es bei der Ballade «(You Make Me Feel Like) A Natural Woman» von Songschreiberin Carole King. Franklin brachte mit dem Titel an Weihnachten 2015 im Kennedy Center sogar den damaligen US-Präsidenten Barack Obama zum Weinen. 2009 hatte sie schon vor mehr als einer Million Menschen bei seiner Amtseinführung gesungen.

Auch Carole King war völlig fassungslos, als die Diva im Pelzmantel am Flügel des Kennedy Center in Washington Platz genommen hatte. Franklins eindringliches Klavierspiel wurde wegen ihrer voluminösen Stimme oft unterschätzt oder kaum wahrgenommen.

Als Franklin 1967 Otis Reddings «Respect» sang, setzte sie sich damit nicht nur für acht Wochen auf den ersten Platz der R&B-Charts, sondern an die Spitze der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Für viele wurde Franklin ein Symbol für ein politisch turbulentes Jahrzehnt und für ein schwarzes, selbstbewusstes Amerika. «Dieses Mädchen hat diesen Song von mir gestohlen», sagte Redding in einem 2001 ausgestrahlten TV-Beitrag über «Respect». An den Millionenverkäufen der Single verdiente er allerdings ordentlich mit.

Auftritte in der Kirche des Vaters

Franklin wurde in Memphis im Südstaat Tennessee geboren und wuchs in der Autometropole Detroit in Michigan auf. Mit ihren Schwestern Carolyn und Erma, die beide ebenfalls Musiker-Karrieren einschlugen, sang sie in den 1950er Jahren in der Kirche ihres Vaters. Der Pastor war selbst erfolgreicher Gospelsänger. Der Ruhm seiner Tochter mit den einstigen Pausbäckchen sollte seinen aber weit überstrahlen.

Schon mit 14 Jahren nahm Aretha Franklin ihre erste Gospelplatte auf. Bald zeigte das Label Motown Interesse, das später Stevie Wonder, Marvin Gaye und die Jackson Five mit Jungstar Michael Jackson unter Vertrag nehmen sollte.

Aber Motown war damals ein kleines Startup, und vom weltweit aus New York tätigen Label Columbia erhofften sich Vater und Tochter einen grösseren Sprung nach vorn. In New York gewöhnte Franklin sich dann auch daran, in Jazz-Clubs aufzutreten, darunter auch im damals elitären Village Vanguard.

Es war aber erst der Wechsel zum Label Atlantic, der den Soul wirklich aus der Afroamerikanerin herauskitzelte. Bei Columbia hatte sie nur kleinere Erfolge erzielt und etwas planlos versucht, als Rundum-Entertainerin in die Welt des Pop vorzustossen.

Unterstützung für Martin Luther King

Bei Atlantic gelang es Produzent Jerry Wexler, mit ihrer ersten Single «I Never Loved a Man (The Way I Love You)» genau die Mischung zu zaubern, die Franklin-Fans international über Jahrzehnte begeistern sollte: eine leidenschaftliche, helle Stimme vor dunkleren, souligen R&B-Arrangements mit Background-Sängern.

Diese Hochphase bleibt aus Franklins Zeit am meisten hängen. Sie trat zur Unterstützung des schwarzen Baptistenpredigers Martin Luther King auf, einem Freund der Familie, und war aus dem Soul nicht mehr wegzudenken. Auch Titel wie «Spanish Harlem», «Bridge Over Troubled Water» und «Day Dreaming» bleiben in Erinnerung. Mitte der 1970er Jahre verlor das Soulgenre etwas an Dampf, und Franklin orientierte sich um.

Die späteren Jahre von Franklins Karriere zierten Glanzmomente wie das Duett mit George Michael, wirkten aber auch etwas sprunghaft. Franklin kehrte zum Gospel zurück, sang Stücke der Beatles, von Simon & Garfunkel und Sam Cooke, nahm Musik für Filmsoundtracks auf und produzierte ein Weihnachtsalbum. Doch es schien, als habe sie mit dem langsam ausklingenden Soul ihr musikalisches Zuhause verloren.

Vielleicht gezwungenermassen wurde die Diva zu einer Art Meta-Diva, als sie auf einem Album von 2014 die Hits von Gladys Knight und Barbra Streisand sang, aber auch von der britischen Popsängerin Adele und Prince.

Die «Rock and Roll Hall of Fame», die sie 1987 als erste Frau überhaupt aufgenommen hatte, fand die passenden Worte: Franklin «nahm viele Rollen an - die fromme Gospelsängerin, die sinnliche R&B-Sirene, das Pop-Crossover-Phänomen, Lady Soul - und beherrschte sie alle.» Der frühere US-Präsident Bill Clinton sagte: «Mehr als 50 Jahre lang hat sie unsere Seelen berührt.» (sda/dpa)

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 16.08.2018 18:54
    Highlight Highlight Aus Jüngel hörte ich sie auf einem Soul Sampler. Und war hin und weg.
    Danke, Aretha.
    2 0 Melden
  • pamayer 16.08.2018 18:17
    Highlight Highlight Dass sie den Titel 'Respect' von Otis Redding gecovert hat, ist eine Sache, dass Otis Redding 1967 starb eine andere.
    Hat man 2001 Otis Redding zitiert oder was verwechselt?
    1 0 Melden
  • Chief Bromden 16.08.2018 17:57
    Highlight Highlight "forever and ever, you'll stay in my heart"
    1 0 Melden
  • Mnemonic 16.08.2018 17:39
    Highlight Highlight Welch ein Jammer. Sie war zurecht eine lebende Legende. Gute Reise Madame.
    23 1 Melden
  • problemfall 16.08.2018 17:33
    Highlight Highlight R.I.P Aretha. Danke, dass ich dich 2014 noch aus nächster Nähe hören und sehen durfte.
    21 1 Melden
  • AllknowingP 16.08.2018 17:23
    Highlight Highlight R.I.P Soulsister !
    18 1 Melden
  • Seraohara 16.08.2018 17:10
    Highlight Highlight Unvergessen und tief in meinem herzen!!! R.i.p queen of soul!!❤️
    17 1 Melden
  • Harri Hirsch 16.08.2018 16:39
    Highlight Highlight Respect. R.I.P 😢
    34 2 Melden
  • Waldorf 16.08.2018 16:38
    Highlight Highlight Ich ziehe meinen Hut!
    32 2 Melden
  • Astrogator 16.08.2018 16:28
    Highlight Highlight RESPECT
    29 2 Melden
  • Janis Joplin 16.08.2018 16:28
    Highlight Highlight - "Da sind zwei komische Typen draussen - einer will 4 - viiiier ganze (!!) Brathähne und der andere nur trockenes Weissbrot?!"

    - "Eh? ....scheisse, die Blues Brothers !"

    Ruhe in Frieden, Aretha ♥
    61 3 Melden
    • honesty_is_the_key 16.08.2018 17:19
      Highlight Highlight Einer meiner Lieblingsfilme.
      Und ja, eine grossartige Stimme ist von uns gegangen. RIP Aretha und RESPECT !
      20 1 Melden
  • Ueli der Knecht 16.08.2018 16:27
    Highlight Highlight R-E-S-P-E-C-T !
    Play Icon

    28 2 Melden
  • RozaxD 16.08.2018 16:25
    Highlight Highlight :oooo
    4 6 Melden
  • bcZcity 16.08.2018 16:21
    Highlight Highlight Krass dass Sie nach der Bauchspeicheldrüsen-Krebs Diagnose noch fast 8 Jahre leben durfte. Bei meiner Mutter ging es genau 2 Monate. Offenbar wurde der Tumor sehr früh entdeckt.

    Ciao Aretha, Du bist nun auf dem Weg zum grössten Konzert des Universums!
    34 3 Melden
    • honesty_is_the_key 16.08.2018 17:21
      Highlight Highlight Das tut mir sehr leid für dich bcZcity. Krebs ist eine so fiese und brutale Krankheit und innert 2 Monaten die Mutter zu verlieren - ich kann mir wenig vorstellen dass schlimmer ist. Ich wünsche dir viel Kraft und Mut.
      20 2 Melden
  • Waedliman 16.08.2018 16:17
    Highlight Highlight Eine der grössten Stimmen aller Zeiten und wohl unzweifelhaft die Königin des Soul ist nicht mehr bei uns. Und ich bin traurig.
    30 3 Melden
  • Ott*ger 16.08.2018 16:13
    Highlight Highlight -ohne Worte - 😢
    27 3 Melden
  • lily.mcbean 16.08.2018 16:10
    Highlight Highlight Eine Jahrhundertstimme ❤ möge sie in Frieden ruhen, ihre Musik wird uns zum Glück erhalten bleiben.
    104 3 Melden
  • Dumdidum 16.08.2018 16:05
    Highlight Highlight :-(

    Eine grosse Stimme und eine grossartig Frau
    76 3 Melden

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