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epa06999446 Yemeni female activist Haifa Subay (R) and children hold pro-peace placards during a campaign calling for peace in the war-torn country, in the old quarter of Sana'a, Yemen, 05 September 2018. Yemeni activist and artist Haifa Subay, 27, has launched a 'Dove Campaign' to highlight the victims of over three years of the war in Yemen and encourage people to get more involved in promoting peace and raising awareness of the ongoing war between the internationally recognized Yemeni government and the Houthi rebels, which led to the deaths of over 6,600 civilians and left 22 million people in urgent need of aid since 2015.  EPA/YAHYA ARHAB

Die jemenitische Friedensaktivistin Haifa Subay mit einem Friedensaufruf in Sanaa. Bild: EPA/EPA

Erste Jemen-Gespräche seit Jahren: «Unsere Währung heisst Hoffnung»

Seuchen, Hunger, Bomben auf Kinder: Das Desaster im Jemen ist beispiellos. Für das Treffen in Genf erwartet niemand einen Durchbruch. Aber es gibt die Chance auf Fortschritte.



Es ist mehr als zwei Jahre her, dass die Kontrahenten im Jemen die vorerst letzten Friedensgespräche im Bajan-Palast in Kuwait platzen liessen. Damals bemühte sich der UNO-Vermittler, die fruchtlosen Verhandlungen als Grundlage für künftige Treffen darzustellen. Im September 2018 aber ist das Einzige, was den im Bürgerkrieg zerrissenen Jemen eint, eine beispiellose humanitäre Katastrophe.

Der blutige Konflikt wütet, der politische Prozess ist stark blockiert. Es wird grosser Anstrengungen bei den für (heutigen) Donnerstag angekündigten Jemen-Gesprächen in Genf bedürfen, um Regierung und Rebellen anzunähern. Der Erfolg, so sehen es Experten, besteht zunächst darin, dass das Treffen überhaupt stattfindet.

Für die Vereinten Nationen ist der Jemen «die schlimmste humanitäre Krise der Welt». 22 Millionen Menschen, drei Viertel der Bevölkerung, brauchen humanitäre Hilfe, sieben Millionen haben nicht genug zu essen. Mehr als 28'000 Menschen sind seit Beginn des Bürgerkriegs nach UNO-Schätzungen umgekommen, davon rund 10'000 Zivilisten, die im Bombenhagel starben.

Die humanitäre Not lindern

Für diese Bombardements ist vor allem eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition verantwortlich. Sie unterstützt die international anerkannte jemenitische Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und bombardiert Stellungen der Huthi-Rebellen. Die Aufständischen überrannten 2014 weite Teile des Landes. Bis heute kontrollieren sie den Norden und auch die Hauptstadt Sanaa.

Das sunnitisch regierte Saudi-Arabien sieht in den Huthis einen Vasallen seines schiitischen Erzfeindes Iran, der sich an seiner Südgrenze in Stellung bringen will. Umso aggressiver liess das von Riad zusammengetrommelte arabische Bündnis den Konflikt ab 2015 eskalieren. Es wurden nicht nur Stellungen der Rebellen getroffen, sondern auch Hochzeiten, Trauerfeiern, Märkte oder Spitäler.

Anfang August kamen bei dem Angriff der Allianz auf einen Schulbus mehr als 50 Menschen um, darunter 40 Schulkinder. Mehr als 2400 Kinder seien seit Beginn des Konflikts getötet worden, berichtet das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF.

In Genf geht es auch um die Linderung der humanitären Not, hier könnten eher Fortschritte erzielt werden. Genauso wie bei Verhandlungen um die Freilassung von Gefangenen. Einen Durchbruch aber erwartet nach Jahren Funkstille niemand. Noch ist auch unklar, ob die Delegationen von Angesicht zu Angesicht miteinander reden werden.

Es gehe darum, Vertrauen zwischen Regierung und Rebellen aufzubauen, sagte der jemenitische Aussenminister Chaled al-Jamani einer saudi-arabischen Zeitung. Nur dann könne man dazu übergehen, an Friedenslösungen zu arbeiten. Der UNO-Sondergesandte Martin Griffiths äusserte sich am Mittwoch ähnlich vorsichtig: Man führe Gespräche, keine Verhandlungen. «Unsere Währung heisst Hoffnung, die Menschen brauchen Hoffnung».

Zuletzt war allerdings noch nicht einmal klar, ob die Gespräche überhaupt wie geplant mit beiden Seiten starten können, weil die Rebellen-Delegation noch nicht in der Schweiz eingetroffen war.

Kronprinz ohne Kompromisse

Die Versorgung des von Rebellen kontrollierten Nordens des Landes hängt dabei an einem seidenen Faden: Über den Hafen der Küstenstadt Hudaidah am Roten Meer läuft etwa 70 Prozent des Nachschubs. Die Koalition, allen voran die mit Bodentruppen bereitstehenden Vereinigten Arabischen Emirate, warten darauf, die Grossstadt einzunehmen.

Sollte die Versorgung über den Seehafen zusammenbrechen, wäre das eine weitere Katastrophe für die Zivilisten und auch ein entscheidender Schlag für die Rebellen. Es ist diese Bedrohung, die die Huthis in Genf vielleicht doch zu Kompromissen bewegen könnte.

Und auch die Gegenseite spürt den Druck so stark wie lange nicht: Nach dem Schulbus-Massaker sorgte internationaler Druck offenbar dafür, dass das saudische Bündnis Fehler zugab. Die UNO hatten den Einsatz des Bündnisses zuvor in die Nähe von Kriegsverbrechen gerückt.

Der Druck auf beide Parteien könnte in Genf zumindest zu kleinen Erfolgen führen. Für eine politische Lösung bräuchte es aber auch das Zurückstecken der Koalition. Das ist auch deswegen schwierig, weil der junge saudische Verteidigungsminister gegenüber den Huthis – und damit auch gegenüber dem Erzrivalen Iran – nicht schwach aussehen will. Der Minister heisst Mohammed bin Salman und ist auch Kronprinz und eigentlicher Herrscher Saudi-Arabiens. Für Kompromissbereitschaft ist er nicht bekannt. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Knäckebrot 06.09.2018 18:23
    Highlight Highlight Hab ich es überlesen oder ist es unklar, auf wann diese Verhandlungen in Genf geplant sind?
    Ist auch offen, wer geplant wäre, dort dabei zu sein (Nebst der sunnitischen Regierung und Houthiführern?

    Übrigens auf Bild 7/18: Bei der Demonstration auf dem Bild, welches die Dame hochhält heisst es: "Jerusalem ist dort drüben". D.h. sie demonstrieren nicht für Frieden an sich, sondern dass Saudi Arabien Israel angreifen sollte statt den Jemen. Dieser Gedanke ist immer wieder bei arabischen Protesten gegen arabische Kriegstreiber zu sehen.
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