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Bilder auf Twitter zeigen ein brennendes Gebäude. Wo genau es aufgenommen wurde, ist unklar.  twitter

Proteste im Iran werden blutiger + Mindestens 19 Tote + Mehrere Hundert Personen verhaftet

Die Proteste gegen Führung und Klerus im Iran werden blutiger. In der Nacht soll es nach Angaben des staatlichen Fernsehens Irib weitere neun Tote gegeben haben.



In der Region um Isfahan im Zentrum des Landes seien sechs Demonstranten, ein Mitglied der Revolutionsgarden, ein Passant sowie ein Polizist getötet worden, berichtete das Staatsfernsehen. Der Tod des Polizisten war zuvor bereits gemeldet worden.

Die Revolutionswächter oder Revolutionsgarden (IRGC) sind eine paramilitärische Organisation zum Schutz des iranischen Systems. Seit dem Beginn der Proteste am Donnerstag sind nach Angaben des staatlichen Fernsehens damit insgesamt mindestens 19 Menschen getötet worden.

Videos zeigt ein unbestimmtes brennendes Gebäude.

Der Vizegouverneur von Teheran, Asghar Nasserbakht, sagte am Dienstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Ilna, alleine in der Hauptstadt seien in den vergangenen drei Tagen 450 Demonstranten verhaftet worden. 200 Menschen seien am Samstag festgenommen worden, 150 am Sonntag und rund hundert am Montag, sagte Nasserbakht.

Eine genau Zahl für die Verhaftungen im ganzen Land liegt noch nicht vor, es sollen aber unbestätigten Berichten zufolge mehrere Hundert sein.

Lage in Teheran ruhiger

In den vergangenen drei Tagen versuchten in der Hauptstadt nur mehrere hundert Menschen zu demonstrieren. Die Situation in Teheran sei ruhiger als in den vorangegangenen Tagen, sagte Nasserbakht. «Schon gestern war es ruhiger als zuvor.» In zahlreichen anderen Städten des Landes kam es seit Beginn der Proteste am Donnerstag zu gewaltsamen Zusammenstössen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna haben sich die Revolutionswächter erst am Dienstag bereiterklärt, der Polizei bei den Ausschreitungen zu helfen. Beobachter jedoch glauben, dass die IRGC bei den Unruhen bereits eingesetzt worden sind.

Unbestätigte Berichte

Die Proteste hatten am Donnerstag begonnen. Sie richteten sich zunächst gegen die Wirtschafts- und Aussenpolitik der Regierung, wurden aber zunehmend systemkritisch.

Der iranische Abgeordnete Hodschatollah Chademi sagte der Nachrichtenagentur Ilna, in der Stadt Iseh seien bei einigen Festgenommenen Waffen, Munition und Sprengstoff entdeckt worden. Nach unbestätigten Berichten in sozialen Netzwerken soll Iseh kurzfristig sogar von Regimegegnern besetzt gewesen sein.

In sozialen Netzwerken wird behauptet, dass die Polizei in Dutzenden Städten auf die Demonstranten schiesse; es habe am Montag erneut Tote gegeben. Diese Berichte liessen sich jedoch nicht unabhängig überprüfen.

FILE - In this Saturday, Dec. 30, 2017 file photo taken by an individual not employed by the Associated Press and obtained by the AP outside Iran, university students attend a protest inside Tehran University while anti-riot Iranian police prevent them to join other protestors, in Tehran, Iran. As protests over Iran's faltering economy rapidly spread across the country, a channel on a mobile messaging app run by an exiled journalist helped fan the passions of some of those who took to the street. The Telegram app shut down a channel run by Roohallah Zam after Iranian authorities complained that it was inciting violence. (AP Photo, File)

Iranische Studenten protestierten gegen das Regime.  Bild: AP/AP

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim haben Demonstranten in der Nähe von Nadschafabad auch eine Polizeiwache in Brand gesetzt. Dem Staatsfernsehen zufolge haben Bewaffnete zudem in mehreren Städten staatliche Einrichtungen attackiert. Auch diese Berichte liessen sich nicht unabhängig verifizieren.

«Stellvertreterkrieg»

Der iranische Sicherheitsrat (SNSC) bezeichnete am Dienstag die Proteste als einen vom Ausland gesteuerten «Stellvertreterkrieg». SNSC-Sekretär Ali Schamcani beschuldigte US-Präsident Donald Trump und Irans Erzfeind Saudi-Arabien, hinter den Unruhen zu stecken.

Irans Verteidigungsminister Amir Hatami hatte Medienberichten zufolge schon am Montag in Richtung USA gesagt, Feinde des Landes hätten die Proteste angefacht, um die islamische Republik zu destabilisieren.

Präsident Hassan Ruhani hatte am Montag bei einer Krisensitzung im Parlament zugegeben, dass die Regierung die Lage nicht mehr völlig kontrolliere. Ruhani sagte auch, es wäre ein Fehler, die Proteste nur als ausländische Verschwörung einzustufen.

«Auch sind die Probleme der Menschen nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern sie fordern auch mehr Freiheiten.» Er kritisierte damit indirekt die Hardliner im Klerus, die seine Reformen blockieren. (viw/sda/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 02.01.2018 15:33
    Highlight Highlight Da gibt es doch bei uns diesen Spruch:
    "Der Klügere gibt nach, der Esel bleibt stehen."
    Wer hat diese "Volksweisheit" wohl erfunden?
    Ich behaupte, dass dieser Spruch von raffinierten Hardlinern erfunden wurde, damit die Ausgeboteten und Überlisteten nachgeben und sich zum Trost wenigstens klüger fühlen können, wo sie doch so viel verloren haben an die kompromisslos auf ihre privaten Sicherheitsleute und auf die Staatsgewalt setzenden Hardliner, an Materiellem, wie auch an Würde, die von den Sittenwächtern und den "Revolutionären Garden" täglich mit Füssen getreten wird...
  • Sebastian Wendelspiess 02.01.2018 14:05
    Highlight Highlight Das die Demonstranten schon bewaffnet sind und als erstes Polizeiwachen stürmen ist schon verdächtig...
  • wezuercher@gmail.com 02.01.2018 13:51
    Highlight Highlight was wird da wieder für ein giftgemisch angerührt von den USA und der EU? das ganze erinnert an die, vom westen gesteuerten proteste in kiev vor vier jahren! was tun uns eigentlich die iraner? man sorgt sich theatralisch um menschenrechte, hoffiert gleichzeitig die schlimmeren schurkenstaaten auf der arabischen halbinsel! die mullahs in teheran sind sicher nicht muster der demokratie und menschenrechte! dies ist aber die USA und EU komission auch nicht! es wird ein weiterer krieg um bodenschätze gesucht!
    iran hatte schon mal eine demokratisch gewählte regierung! der CIA lies sie wegputschen!

  • profiprofiler 02.01.2018 13:36
    Highlight Highlight Ich prognostiziere:

    „Der schiitische Winter ist angebrochen“

    Es wird spannungsgeladen bleiben. Hoffentlich keine Anfänge wie in der Bartholomäus-Nacht...
  • Sir Konterbier 02.01.2018 13:15
    Highlight Highlight Der Westen sollte sich besser raushalten. Alles andere ermöglicht es dem Regime ja, die Revolution als vom Westen gesteuert abzustempeln.

    Sympathisiere aber schon mit den Demonstranten👍
  • pontian 02.01.2018 12:57
    Highlight Highlight http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-boris-johnson-fordert-ernsthafte-debatte-a-1185806.html

    "Rohani räumte ein, dass die Regierung die Lage nicht mehr völlig kontrolliere. Bei einer Krisensitzung im Parlament erklärte er, es wäre ein Fehler, die Proteste nur als ausländische Verschwörung einzustufen. "Auch sind die Probleme der Menschen nicht nur wirtschaftlicher Natur, sie fordern auch mehr Freiheiten." Er kritisierte damit indirekt die Hardliner im Klerus, die seine Reformen blockieren. Rohani zufolge sollten die Proteste nicht als Gefahr, sondern als Chance angesehen werden."
  • pontian 02.01.2018 12:25
    Highlight Highlight Die New York Times beschreibt hier wie ich finde ziemlich ausgewogen und ausführlich die Hintergründe:

    https://www.nytimes.com/2018/01/01/world/middleeast/iran-protests.html
  • Sebastian Wendelspiess 02.01.2018 12:12
    Highlight Highlight Das die Demonstranten in so kurzer Zeit so extrem eskalieren ist schon auffällig.
    • Kubod 02.01.2018 14:21
      Highlight Highlight Ja gell. Die pösen ISRAUSA wahrscheinlich. Oder die pösen Russen?
      Wer auch immer. Die Iraner sind nicht fähig, selber auf die Idee zu kommen, dass sie die Schnauze voll haben von der Korruption der Mullahs.
      Das drückst Du damit aus, Sebastian Wendelspiess.
      Ich überlege nach Deinem Post, ob ich dieses Jahr in Alu investiere.
      Die iranische Wirtschaft ist zu 80% in den Händen der Mullahs und die lassen sich nicht so einfach von den Honigtöpfen vertreiben. Hoffe, man findet eine gewaltfreie Lösung.

      http://www.dw.com/de/die-strippenzieher-der-iranischen-wirtschaft/a-19054802
    • Sebastian Wendelspiess 03.01.2018 13:07
      Highlight Highlight Dann kennst du meine Posts schlecht, wenn du das erst jetzt in Erwägung ziehst ;)

      Natürlich ist es völlig an den Haaren herbeigezogen, dass sich ausländische Kräfte in die Unruhen einmischen, kam ja noch nie vor und wäre auch strategisch gar nicht nachvollziehbar.

      Zieh deine rosa Brille ab!
  • Madmessie 02.01.2018 11:49
    Highlight Highlight Natürlich sind die anderen Schuld. Die iranische Führung hat doch alles richtig gemacht. Billig!
  • LukasderErste 02.01.2018 10:00
    Highlight Highlight Weiss nicht, ob ich das gut finden soll. Einerseits darf man hoffen, dass die Proteste die graduelle Öffnung des Irans beschleunigen werden.
    Andererseits könnten sie, besonders wenn sie ausarten, auch einen Anlass für die Hardliner (insb. Revolutionsgarde) bieten, ihre Macht zu festigen (Bedrohungsrhetorik, gewaltsames Einschreiten, i.ä.).
  • felixJongleur 02.01.2018 09:31
    Highlight Highlight Bitte kein Bürgerkrieg..hoffe das Ausland hält sich raus, aber das wird wohl Wunschdenken sein, CIA, Israel, Russen, Saudis, Islamisten, alle wollen wohl Einfluss nehmen.
    • profiprofiler 02.01.2018 13:37
      Highlight Highlight Die sind doch schon lange alle mittendrin... im Pulverfass!
    • rodolofo 02.01.2018 15:35
      Highlight Highlight Und wenn sie nicht beeinflussen, kann das in Bedrängnis geratene Mullah-Regime ja immer noch behaupten, es sei so... ;)
  • Caturix 02.01.2018 08:45
    Highlight Highlight Ich frage mich was die Polizei in der Schweiz machen würde wenn Bewaffnete Polizeiposten angreifen. Nichts ? Laut dem Westen sollten sie ja nichts machen und einfach zusehen. Es sind ja nur friedliche Proteste.
    • demokrit 02.01.2018 11:33
      Highlight Highlight Die Schweiz ist im Unterschied zum Iran auch keine Diktatur, die Sicherheitsorgane setzen hier als Staatsgewalt nur das Recht um, das der Souverän beschlossen hat und sind durch dieses Recht gebunden.
    • demokrit 02.01.2018 13:10
      Highlight Highlight Im Unterschied zum Iran handelt es sich in der Schweiz auch um einen Rechtsstaat. Ein unabhängiges Gericht urteilt letztendlich darüber, ob Sicherheitsorgane das Recht überschritten haben.
    • Crecas 02.01.2018 13:59
      Highlight Highlight Die Wahrheit ist, dass die Demonstrante nicht bewaffnet sind und von der Polizei angegriffen werden. Dem Staatsfernsehen sollte man nicht glauben.
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(jaw)

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