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Lebanese anti-government protesters burn the barbed wires that block the road to the government building, during a demonstration against the on-going trash crisis and government corruption, in downtown Beirut, Lebanon, Saturday, Aug. 29, 2015. Some thousands of people staged the largest of the demonstrations that began last week over garbage piling up in the streets of Beirut, and the government's failure to resolve the crisis has evolved into wider protests against a political class that has dominated Lebanon since the end of the country's civil war in 1990.  (AP Photo/Hussein Malla)

Sie wollen Wahlen, weniger Müllberge und jüngere Politiker: Demonstranten in Beirut. Bild: Hussein Malla/AP/KEYSTONE

Müllberge, Korruption und eine alte Garde – die jungen Libanesen gehen auf die Strasse und sagen: «Es reicht!»

Zehntausende demonstrieren in Beirut gegen die Regierung. Seit Jahren werden immer wieder die Wahlen verschoben. Nun reicht es den Libanesen – mit den Müllbergen, der Korruption und der Missachtung der Demokratie.

Aus Beirut berichtet Raniah Salloum



Ein Artikel von

Spiegel Online

Auf dem Märtyrerplatz im Zentrum Beiruts wehen überall libanesische Flaggen, Zedern auf rot-weissem Hintergrund. Bis zu 50'000 Teilnehmer haben die Organisatoren der Kundgebung erwartet, schon am frühen Abend sind Tausende da. Keine Parteiflaggen sind zu sehen wie sonst auf libanesischen Protesten. Die Organisatoren hatten dies im Vorfeld verboten. Sie wollen verhindern, dass Parteichefs die spontanen Proteste für sich instrumentalisieren.

«Talaat Richatkun», «Ihr stinkt», ist der Slogan des Aufstands. (Mehr über die Hintergründe lesen Sie hier.) Auslöser der Demonstration sind die Müllberge, die sich in den Strassen Beiruts auftürmen. Die Halde der Stadt läuft über. Doch die Regierung kann sich nicht auf eine neue einigen. Also stellte die Müllabfuhr im Juli ihre Arbeit ein.

Stinkende Berge in den Strassen

Die stinkenden Berge in den Strassen brachten viele Libanesen endgültig auf. «Wir sind unseren Politikern völlig egal», schimpft die 19-jährige Rayan Kash aus Beirut. «Sollen wir im Müll leben? In dem Gestank? Es reicht. Wir brauchen endlich Wahlen. Wir brauchen eine neue Regierung.»

Eigentlich hätten bereits 2013 Parlamentswahlen stattfinden sollen. Doch das Parlament verlängerte zweimal seine eigene Laufzeit – ein Verstoss gegen demokratische Prinzipien. Nun heisst es, 2017 soll wieder gewählt werden. So lange will auf dem Märtyrerplatz keiner warten. Jeder fordert Neuwahlen – so bald wie möglich.

«Es reicht mit den ewig gleichen, alten Leuten»

Es sind vor allem junge Gesichter auf dem Märtyrerplatz zu sehen (hier geht es zur Fotostrecke). «Es reicht mit den ewig gleichen, alten Leuten», sagt die 19-jährige Farah Shreim. «Wir brauchen auch Jüngere in der Regierung, die uns verstehen, und Politiker, die nicht immer nur an ihren eigenen Geldbeutel denken.»

Der 17-jährige Ali Bannout ist extra aus dem Südlibanon für die Demonstration angereist. «Wir Libanesen müssen heute zusammenhalten, damit unsere Regierung zurücktritt.»

Christen, Sunniten, Schiiten – an diesem Abend sind alle Libanesen. Fast alle haben seit der Zedernrevolution 2005 nicht mehr demonstriert. Damals verwandelten die Libanesen empört nach der Ermordung von Premierminister Rafik Hariri denselben Platz in ein Meer aus libanesischen Flaggen. Die syrische Armee musste sich nach 20 Jahren aus dem Libanon zurückziehen. Ansonsten veränderte sich nicht viel; die Geschlossenheit der Libanesen war nur von kurzer Dauer. Ob der Elan dieses Mal länger reicht, bleibt abzuwarten.

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