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Ein Volk in Geiselhaft: Wie Saudi-Arabien und Iran im Jemen wüten

Der Jemen ist von der Aussenwelt abgeschnitten - Saudi-Arabien hat die Grenzen geschlossen. Hintergrund ist der Machtkampf mit Iran. Der Zivilbevölkerung steht ein brutaler Winter bevor.

Dominik Peters



epa06309539 A Yemeni stands at the site of an alleged Saudi-led airstrike, a day after Houthi rebels fired a ballistic missile at the Saudi capital Riyadh, in Sana'a, Yemen, 05 November 2017. According to reports, the Saudi-led coalition launched several airstrikes on Houthi positions across war-affected Yemen after Houthi rebels fired a ballistic missile at Riyadh that was intercepted near the Saudi Arabian capital.  EPA/YAHYA ARHAB

Überall Zerstörung. Bild: EPA/EPA

Ein Artikel von

Spiegel Online

Nachdem Saudi-Arabien im Sommer das Emirat Katar fast vollständig von der Aussenwelt abgeschnitten hat, ist nun der Jemen an der Reihe. Häfen und Airports sind geschlossen, die Zufahrtswege abgeriegelt.

So sieht Riads Reaktion auf den jüngsten Raketenbeschuss aus dem Nachbarland aus. Saudi-Arabien bezichtigt Iran dahinter zu stecken - die beiden Erzfeinde führen im Jemen einen brutalen Stellvertreterkrieg. Teheran weist die Vorwürfe zurück. Die Zivilbevölkerung in dem allein von Saudi-Arabien, dem Sultanat Oman und Wasser umgebenen Land zahlt für die Auseinandersetzung einen hohen Preis.

Selbst Hilfsorganisationen sind von der jüngsten saudischen Strafaktion betroffen: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) konnte nach eigenen Angaben am Mittwoch eine Ladung Chlortabletten nicht einführen. Diese werden zur Trinkwasseraufbereitung genutzt und im Kampf gegen Cholera gebraucht.

In dem bitterarmen Bürgerkriegsland, in dem nur noch 45 Prozent der Krankenhäuser funktionieren, sind bislang bereits 900'000 Menschen an Cholera erkrankt. Das IKRK rechnet nun damit, dass es bis Jahresende eine Million sein werden.

Hinzu kommen nach Angaben der Vereinten Nationen sieben Millionen Menschen, die von Hunger bedroht sind. Der Uno-Nothilfekoordinator Marc Lowcok warnt vor der «grössten Hungersnot, die die Welt seit Jahrzehnten erlebt hat.» Die Lage sei nicht einmal mit dem Südsudan oder Somalia vergleichbar.

Machtkampf im Jemen

Und auch viele, die bislang von dem Krieg im Jemen verschont wurden, leiden infolge der saudischen Machtdemonstration. Die Preise für Benzin sind laut der Uno seit Verhängung der Blockade über Nacht um mehr als 60 Prozent gestiegen, für Kochgas um mehr als hundert Prozent.

UNO-Bericht: Alle zehn Minuten stirbt in Jemen ein Kleinkind

abspielen

Video: srf

Mit anderen Worten: Die Zivilbevölkerung im Jemen zahlt den Preis dafür, in einem Land zu leben, in dem sich Saudi-Arabien und Iran seit der Eskalation des Bürgerkrieges 2014 erbittert indirekt bekriegen:

Bild

spiegel online

Ein Sieg ist für keine der Konfliktparteien in Sicht, zumal es in beiden Allianzen Differenzen gibt. Die Kämpfe gehen dennoch weiter und drohen nun zu eskalieren.

Denn die Regierung in Riad um Kronprinz Mohammed bin Salman attackierte in der Folge des Raketenangriffs nicht nur Iran, sondern auch die jemenitische Huthi-Miliz selbst. Am Wochenende veröffentlichte die staatliche saudische Presseagentur die Nachricht, dass Kopfgelder von bis zu 30 Million Dollar auf führende Milizionäre ausgesetzt worden seien.

Die Reaktion aus Iran lies nicht lange auf sich warten. Die den Hardlinern in Teheran nahestehende Tageszeitung «Kayhan» lobte auf ihrer Titelseite den Raketenangriff auf Riad nicht nur, sondern forderte, dass als nächstes Dubai angegriffen werden solle. Dubai ist die grösste Stadt in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die sich auch am Kampf gegen die Huthi beteiligen.

Zwar verurteilte ein Sprecher der iranischen Regierung die Zeitung in der Zwischenzeit öffentlich. Die Unterstützung des unterdrückten jemenitischen Volkes sei im nationalen Interesse, nicht die Hochhäuser in Dubai, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa. Doch der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran und ihrer Stellvertreter im Jemen ist damit noch lange nicht beigelegt.

Am Mittwoch schickte Irans Präsident Hassan Ruhani eine deutliche Warnung. «Ihr kennt die Macht und die Stellung der Islamischen Republik. Mächtigere Leute als ihr haben nichts gegen das iranische Volk ausrichten können», sagte er. Die USA und ihre Verbündeten hätten «alle ihre Kräfte mobilisiert» und doch nichts erreichen können. Für die Menschen im Jemen sind Botschaften wie diese unheilvoll. Es droht ein weiterer, brutaler Winter.

Der Krieg im Jemen wütet seit über zwei Jahren

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Video: watson

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    Alle Leser-Kommentare
  • stamm 10.11.2017 00:11
    Highlight Highlight Und alle schauen zu, unternehmen nichts und in den Medien wird über Trump gelästert.... Sollen doch alle Ländereien zuerst in hrem eigenen Land aufräumen, bevor sie über die Grenzen hinaus lästern! Daran ist nicht nur die USA schuld, all seine Verbündeten scheinheiligen Vollpfosten sollten sich mal wehren, dann wär die USA nur noch halb soviel wert.
  • dahocksdi 09.11.2017 13:33
    Highlight Highlight Fraglich wäre zudem, warum, ausgerechnet auf diesen Seiten, Reklame für Kriegsspiele gemacht wird.
  • Soli Dar 09.11.2017 13:26
    Highlight Highlight Sanktionen gegen Russland, Iran und Nordkorea in Ehren aber wer sanktioniert die vermeintlichen westlichen Verbündeten Saudi Arabien? Wer stoppt die Waffenlieferungen und wer kappt die wirtschaftlichen Beziehungen? Wer kappt die militärisch-logistische Unterstützung?

    Wer interessiert sich hier für die leidende, sterbende Zivilbevölkerung? Wo bleibt die Empörung in den Massenmedien über Not und Elend im Jemen?

    soviel zur westlichen Doppelmoral...
  • Zeyben 09.11.2017 12:33
    Highlight Highlight Der Iran wütet doch im Jemen nicht. Er bezieht zwar Stellung als Reaktion des Angriffs von Saudi Arabien mit Verbündeten (auch Katar) und den USA, Frankreich und England, beteiligt sich aber null an Kampfhandlungen oder Sanktionen im Bürgerkrieg. Es handelt sich also nicht um einen Stellvertreterkrieg. Der Titel ist daher verwirrend und sollte korrigiert werden. Die Saudis mit ihren Verbündeten veranstalten eine humanitäre Katastrophe bei den Huthis und die UNO kann nur zuschauen, da sie an Hilfestellungen gehindert wird. Es geht um Aden und den Golf von Aden.
    • Posersalami 09.11.2017 13:11
      Highlight Highlight Ja, aber das passt doch nicht ins Narrativ des bösen Iran!
    • Soli Dar 09.11.2017 13:46
      Highlight Highlight ja genau und es passt nicht ins schwarz-weiss, gut-böse Freund- & Feindbildschema, des Westens.

      Womöglich hilft dieses Narrativ, die westlichen Waffenexporte und Kriegsunterstützung (v.a. der USA) zu legitimieren, statt diese humanitäre Katastrophe endlich zu stoppen!

      Das der Iran hingegen not amused ist, wie die Saudis und andere sunnitische Golfmonarchien mit Hilfe des Westens, die schiitischen Huthis bombardieren, kann man sich ja zudem eigentlich denken.
  • Posersalami 09.11.2017 11:48
    Highlight Highlight Wer an einer fundierten und sachlichen Analyse über den Krieg interessiert ist soll das lesen:

    https://www.journal21.ch/jemen-schritt-um-schritt-ins-chaos

    Es geht nämlich auch ohne Verschwörungstheorien und Feindbilder. Der Konflikt ist schon kompliziert genug.
  • Soli Dar 09.11.2017 11:42
    Highlight Highlight Was im Artikel nicht erwähnt wird, ist die Tatsache,

    1) dass die USA seit März 2015 die Militärkoalition unter der Führung Saudi-Arabiens im Kampf gegen die Huthi-Rebellen in Jemen unterstützt: https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Der-Kongress-soll-US-Krieg-in-Jemen-stoppen

    2) die Schweiz enge Beziehungen pflegt mit Saudis. 2010 inves­tierte die CH 3 Mia. CHF, während CH-Banken saudisches Vermö­gen von 4 Mia CHF verwal­te­ten. https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Islam-Saudiarabien

    3) dass sunnitischer Terror (IS & Al Kaida) von Saudis finanziert & unterstützt wurde.
  • Posersalami 09.11.2017 11:36
    Highlight Highlight "Die schiitischen Huthi-Rebellen werden zum einen von Iran unterstützt"

    Ich warte immer noch auf einen Beleg für diese These.

    Das es Iraner gibt, welche die Huthis unterstützen wird sicher wahr sein. Aber das Iran als Staat die Huthis unterstützt, dafür gibts halt noch immer nicht den Hauch einen Beweisen. Und dennoch verbreitet Watson diese Fake-News und verkauft sie hier als Fakten. Es ist unfassbar, wie hier der Beruf des Journalisten entwertet wird. Es ist ja zudem nicht das erste mal, das geht seit Jahren so.
  • Soli Dar 09.11.2017 11:24
    Highlight Highlight Wenn jemand diesen Krieg stoppen kann, dann v.a. USA!

    US-Politik fordern «Stoppt das Bombardement und die Blockade, lasst Nahrungsmittel & Medizin ins Land, damit Mio. Menschen leben können.»

    Sie schlagen [...] Resolution vor, die verlangt, dass USA aufhören, Saudi-Arabien & Co. im Kampf gegen die Huthi-Rebellen zu unterstützen. Neben Waffenverkäufen, logist. Hilfe & Übermittlung von Satelliteninfos, seien es v. a. die US-Tankflugzeuge, welche die Bombardierung des Jemens überhaupt erst möglich mache. https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Der-Kongress-soll-US-Krieg-in-Jemen-stoppen
    • Soli Dar 09.11.2017 15:03
      Highlight Highlight Die USA wäre in der Pflicht, alles Menschen mögliche zu tun, um diesen Krieg stoppen, genauso wie, die USA zum Beispiel China bezüglich Nordkorea in die Plicht nehmen...

      Stattdessen werden die verbündeten Menschenrechts- und Kriegsverbrecher aus Saudi Arabien munter, weiter militarisiert und mit Waffen und Kriegshilfe alimentiert während der Iran dämonisiert, der Terrorunterstützung bezichtigt und sanktioniert wird.
  • The Origin Gra 09.11.2017 11:15
    Highlight Highlight Darf Saudi Arabien einfach eine solche Blockade eröffnen? Hier wären UN Soldaten zum Schutz der Zivilbevölkerung nötig
  • Beggride 09.11.2017 11:10
    Highlight Highlight Aber solange die Saudis Öl haben ist das Ganze ja nicht so schlimm... Der Kim und der Valdimir sind viel böser... Einfach aus Gründen...
  • chnobli1896 09.11.2017 11:09
    Highlight Highlight Saudi Arabien gewinnt definitiv keinen Sympathiepreis.. Auch in dieser Sache nicht.

Trotz Verbrechen im Jemen-Krieg: Schweizer Flugzeugbauer Pilatus hilft Saudi-Luftwaffe

Aufgrund des Mordfalls am regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul ist Saudi-Arabien international stark unter Druck geraten. Auch der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis kündigte an, der Vorfall werde Konsequenzen haben für das Verhältnis zwischen den beiden Staaten. Zahlreiche Politiker forderten ein sofortiges Exportverbot für Schweizer Waffen ins wahhabitische Königreich.

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