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Dubais Prinzessin Latifa: Neues Video aus Gefangenschaft aufgetaucht

Ihr Vater, der Herrscher von Dubai, soll sie seit Jahren gefangen halten. Nun sorgt ein Video der Scheichstocher für Aufruhr: Darin bekräftigt Latifa, sie sei eine Geisel und dürfe ihr «Gefängnis» nicht mehr verlassen. 
16.02.2021, 18:35
Ein Artikel von
t-online

Die Spekulationen um eine Gefangenschaft der Tochter des arabischen Herrschers Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum sind durch ein jüngst veröffentlichtes Video des britischen Nachrichtensenders BBC erneut entfacht worden.

Die undatierten Aufnahmen sollen Latifa, die Prinzessin von Dubai, in Gefangenschaft zeigen. «Ich nehme das Video in einem Badezimmer auf, weil es der einzige Raum ist, den ich abschliessen kann», erklärt die Prinzessin. «Ich bin eine Geisel und diese Villa wurde zu einem Gefängnis umgebaut», so die 35-Jährige.

Latifa hatte im Februar 2018 einen spektakulären Fluchtversuch aus Dubai unternommen, um ihrem Vater, dem Herrscher von Dubai, zu entkommen. Per Schlauchboot und Yacht hatte sie versucht, das Land zu verlassen, bis sie schliesslich von einem Sonderkommando vor der indischen Küste gestoppt und gewaltsam zurückgebracht worden sein soll, wie Unterstützer Latifas behaupten.

«Jeden Tag habe ich Angst um meine Sicherheit und mein Leben»

Über ein geheimes Handy hatte sie offenbar Kontakt mit Freunden halten können, das nun veröffentlichte Video soll ebenfalls über das Mobiltelefon versendet worden sein. Aufgenommen wurde es vermutlich 2019. Inzwischen hätten sie keine Nachrichten mehr erhalten und hätten sich deshalb besorgt an die Öffentlichkeit gewandt, berichtet die BBC.

«Ich kann nicht einmal rausgehen, um frische Luft zu schnappen», erzählt die Prinzessin in dem anderthalb minütigen Video. «Jeden Tag habe ich Angst um meine Sicherheit und mein Leben. Ich weiss wirklich nicht, ob ich diese Situation überleben werde», beklagt sich die Frau. Die Polizei, die unter der Kontrolle des Scheichs steht, habe ihr gedroht, dass sie nie wieder die Sonne sehen werde. «Ich will einfach nur frei sein», sagt die 35-Jährige. «Die Situation wird jeden Tag immer verzweifelter.»

Die besorgten Freunde forderten die Vereinten Nationen auf, einzugreifen, heisst es bei der BBC. Auch die frühere UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson hat sich den Forderungen nach internationalen Massnahmen angeschlossen, um den aktuellen Zustand und Aufenthaltsort von Latifa festzustellen. «Ich mache mir weiterhin grosse Sorgen um Latifa. Die Dinge haben sich weiterentwickelt. Deshalb denke ich, dass dies untersucht werden sollte», sagte sie gegenüber dem Nachrichtensender.

Britisches Gericht machte Scheich für Entführungen verantwortlich

Es sind nicht die ersten Aufnahmen von Latifa, die für Aufsehen sorgen. 2018 versuchte die Prinzessin in einem 39 Minuten langen Video vor ihrem damaligen Fluchtversuch zu erklären, warum sie nicht mehr in Dubai leben wolle und sprach auch über das «grosse Ego» ihres Vaters, dem Herrscher von Dubai. Sie warf ihm vor, für die Bewahrung seines Rufs zu töten. Es war bereits ihr zweiter Fluchtversuch. Nach dem ersten im Jahr 2002 war sie nach eigenen Angaben unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten worden, die nach Ansicht eines britisches Gerichts Folter darstellen. Auch Latifas ältere Schwester Schamsa (38) wurde im Jahr 2000 in  Cambridge  entführt und nach Dubai zurückgebracht, nachdem sie versucht hatte, sich abzusetzen. 

Die aktuellen Aufnahmen entkräften die Behauptungen Dubais und der arabischen Herrscherfamilie, Latifa sei wohlauf und in der Obhut der Familie sicher. Der Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum stand in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik, weil er zwei seiner Töchter nach Fluchtversuchen entführt und teils unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt haben soll. Im Mai vergangenen Jahres machte ein britisches Gericht den Emir von Dubai dafür verantwortlich .

Latifas Schwester wurde bereits 2000 entführt

Die Urteile bekräftigten auch die Vorwürfe von Prinzessin Haja Bint al-Hussein (45), einer der Ehefrauen des Scheichs. Die war im Frühjahr 2019 mit zwei ihrer Kinder nach London geflohen. Der Emir hatte immer wieder versucht, die Veröffentlichung von Gerichtsakten zu verhindern, die aus einem Rechtsstreit mit der Prinzessin stammten. Hajas Darstellung nach wurde sie immer stärker von ihrem Ehemann bedroht, weil sie Sorge über die Behandlung der beiden Töchter des Emirs geäussert hatte. Zudem hatte sie eine aussereheliche Beziehung mit ihrem britischen Bodyguard begonnen. Das Gericht hielt die Darstellung der Prinzessin sowie anderer Zeugen für glaubhaft.

Nach der Entführung Latifas hatte Prinzessin Haja ihren Ehemann noch öffentlich verteidigt. Der hatte den Vorfall als verhinderte Entführung und Lösegelderpressung dargestellt. Haja lud sogar Vertreter der UN nach Dubai ein, um zu zeigen, dass es Latifa gut gehe. Das Aussenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate veröffentlichte anschliessend Fotos von dem Treffen. Nach weiteren Treffen mit Latifa kamen Haja jedoch Zweifel. Sie wurde schliesslich selbst zum Ziel der Einschüchterungen. 

Haja ist die sechste Frau des Emirs und Halbschwester des jordanischen Königs Abdullah II.. Sie wurde zwischenzeitlich mit einem Diplomatenstatus aus Jordanien ausgestattet. Die Mutter der beiden entführten Töchter ist sie nicht. Der Scheich hat 25 Kinder von unterschiedlichen Frauen. Er ist eines der reichsten Staatsoberhäupter der Welt, Herrscher von Dubai und Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

(lw/t-online)

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