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Tahir Elci, the head of Diyarbakir Bar Association, (2nd R) is escorted by plainclothes police officers as he leaves his office in Diyarbakir, Turkey, early October 20, 2015 in this file photo.   An unidentified gunman on November 28, 2015 killed the top Kurdish lawyer who had been criticised in Turkey for saying the banned Kurdistan Workers Party (PKK) was not a terrorist organisation. Witnesses said Bar Association President Elci was shot in the head after making a statement to the media in Diyarbakir, the largest city in Turkey's troubled, mainly Kurdish southeast. Picture taken October 20, 2015. REUTERS/Sertac Kayar/Files

Der Anwalt Tahir Elci und ein Polizist wurden bei einer Schiesserei getötet. 
Bild: SERTAC KAYAR/REUTERS

Prominenter prokurdischer Anwalt und Polizist bei Schiesserei in der Türkei getötet



Im Südosten der Türkei ist ein prominenter prokurdischer Anwalt am Samstag erschossen worden. Der Vorsitzende der Anwaltskammer von Diyarbakir, Tahir Elci, wurde von einer Kugel im Gesicht getroffen, als er vor einer Moschee der Stadt eine Erklärung vor der Presse abgab, wie Augenzeugen berichteten.

Der Schuss fiel im Laufe einer Schiesserei, bei der auch ein Polizist getötet und zehn weitere Menschen verletzt wurden. Die Hintergründe waren zunächst unklar.

Während Elcis Erklärung vor der Presse seien die türkischen «Sicherheitskräfte angegriffen worden», teilte der Gouverneur der Provinz mit. «Ein Polizist wurde getötet und zwei weitere wurden verletzt.» Danach sei der 49-jährige Elci tödlich getroffen worden. Unter den Verletzten war nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch ein Journalist.

Turkish President Tayyip Erdogan makes a speech during his meeting with mukhtars at the Presidential Palace in Ankara, Turkey, November 26, 2015. Erdogan on Thursday dismissed as

Erdogan bekundet sein Beileid.
Bild: UMIT BEKTAS/REUTERS

Handelt es sich um eine gezielte Tötung?

Unklar war zunächst, ob der prominente Anwalt das Ziel des Angriffs war oder ob er versehentlich von einer Kugel getroffen wurde. Ein Augenzeuge berichtete der Nachrichtenagentur Dogan, dass ein bärtiger Mann absichtlich das Feuer auf Elci eröffnet habe. Die regierungsnahe Nachrichtenagentur Anadolu machte kurdische Rebellen für den Angriff verantwortlich.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich «traurig über den Tod von Elci». Bei einer Rede in Burhaniye im Westen des Landes sagte der islamisch-konservative Staatschef, der seit Juli mit einem massiven Militäreinsatz gegen die kurdischen Rebellen vorgeht, der Kampf gegen den «Terrorismus» müsse bis zum Ende geführt werden. Die türkische Regierung stuft sowohl kurdische Rebellen als auch islamistische Kämpfer als «Terroristen» ein.

Festnahme wegen «terroristischer Propaganda»

Elci war im Oktober unter dem Vorwurf der «terroristischen Propaganda» für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) festgenommen worden. Er hatte in einem Fernsehinterview gesagt, die PKK sei «keine terroristische Organisation».

Elci wurde unter Auflagen wieder auf freien Fuss gesetzt; die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe zwischen eineinhalb und siebeneinhalb Jahren für ihn gefordert. Gegen seine Festnahme hatte es Proteste auch vor dem Justizpalast in Istanbul gegeben.

Elci selbst hatte bei seiner Festnahme gesagt, das Vorgehen der Behörden zeige, wie schlecht es um die Meinungsfreiheit in der Türkei stehe.

A protester kicks back a tear gas canister fired by Turkish police to disperse protesters during minor clashes in Istanbul, Sunday, Nov. 22, 2015. The protest and the clashes followed the funeral procession of Aziz Guler, a Turkish Kurd, who was killed two months ago after stepping on a mine in northern Syria, while fighting alongside Syrian Kurdish fighters of the People’s Protection Unit, or YPG, against the militants of Islamic State, and whose body was kept in Syria for two months and brought to Turkey on Nov. 20 after Turkish officials finally gave permission. (AP Photo/Cagdas Erdogan)

Die Stimmung in der Türkei ist angespannt.
Bild: Cagdas Erdogan/AP/KEYSTONE

Immer wieder Zusammenstösse

Im Stadtteil Sur von Diyarbakir, in dem sich die Schiesserei abspielte, kommt es regelmässig zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen der Polizei und jungen PKK-Anhängern. Die Behörden verhängten dort eine Ausgangssperre.

Seit Juni waren prokurdische Aktivisten das Ziel von einer Reihe von Anschlägen, die von der Regierung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zugeschrieben wurden. Zuletzt waren im Oktober in Ankara bei einer Friedensdemonstration 103 Menschen durch einen solchen Anschlag getötet worden. (lhr/sda/afp)

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