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Die undankbarste Aufgabe der Welt: Wie erklärt man den Nahen Osten mit Emoticons?



Das Vorhaben, die Unzahl an Allianzen und Fehden im Nahen Osten übersichtlich darzustellen, ist gewissermassen zum Scheitern verurteilt. Zu unübersichtlich sind die Verhältnisse, zumal sie sich ständig ändern. Aktuell droht der Islamische Staat (IS) der Hamas, ihre Tage im Gazastreifen seien gezählt. Überhaupt seien sie nicht islamisch genug.

Trotzdem sollte man es versuchen. Und weil eine Karte mit Verbindungspfeilen noch mehr Verwirrung stiften würde, hier eine Version in Tabellenform mit Emoticons. Auch wenn sie morgen vielleicht schon wieder von der Aktualität überholt wird.

Bild

grafik: watson

Fussnoten

Irak: Bürgerkrieg und territoriale Zersplitterung, keine einheitliche Aussenpolitik. Kurden haben im Nordosten quasi einen eigenen Staat. Sunniten werden von der schiitischen Mehrheit marginalisiert. Die Zentralregierung in Bagdad pflegt enge Beziehungen zum Nachbarn Iran, dem die Sunniten hegemoniale Absichten unterstellen.

Islamischer Staat (IS): Keine Freunde, keine komplizierten Beziehungen, nur Feinde.

Israel: Unterhält in der Region offiziell nur mit der Türkei, Ägypten und Jordanien diplomatische Beziehungen. Von den anderen islamischen Staaten wird Israel wegen des Konflikts mit den Palästinensern nicht anerkannt. Vor allem mit Saudi-Arabien soll es aber informelle Kontakte geben – wegen dem gemeinsamen Erzfeind Iran und dessen Atomprogramm.

Jemen: Bürgerkrieg, keine einheitliche Aussenpolitik. Der gewählte Präsident Abd Rabbuh Mansur Hadi befindet sich im Exil in Saudi-Arabien. Vertrieben wurde er von den schiitischen Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Dessen Erzfeind Saudi-Arabien versucht, die Huthis mit Luftangriffen zurückzudrängen.

Katar: Tanzt auf allen möglichen Hochzeiten und zerbricht dabei unweigerlich ein bisschen Geschirr. Seine relativ engen Beziehungen zum Iran belasten zum Beispiel das Verhältnis mit Saudi-Arabien. Dennoch geht die Rechnung mehr oder weniger auf: Ausser dem Assad-Regime in Syrien und dem IS hat das Golfemirat keine Feinde.

Libanon: Blockade zwischen Sunniten und Schiiten (und Christen) erschwert einheitliche Aussenpolitik. Schiitische Hisbollah-Miliz ist mit dem syrischen Assad-Regime, Iran und Irak verbündet. Sunnitische Opposition wird von den Golfstaaten, vor allem Saudi-Arabien unterstützt.

Oman: Praktisch nur Freunde. Sultan Qaboos bin Said Al Said pflegt eine Politik des Ausgleichs und der Vermittlung.

Palästina: Streit zwischen Palästinenserbehörde (PA) in der Westbank und Hamas im Gazastreifen erschwert (neben der israelischen Besatzung) eine einheitliche Aussenpolitik. Die radikalislamische Hamas ist im Unterschied zur PA in der arabischen Welt isoliert, wird aber vom Iran unterstützt. Die einzigen beiden Länder in der Region, die zu beiden Lagern gute Beziehungen unterhalten, sind Katar und Oman.

Syrien: Bürgerkrieg, keine einheitliche Aussenpolitik mehr. Das Assad-Regime ist mit den schiitischen Mächten Iran, Irak und der libanesischen Hisbollah-Miliz verbündet. Die Rebellen (ausser IS) werden von den Golfstaaten und der Türkei unterstützt.

Türkei: Viele Freunde, ausser Ägypten und Syrien. Der türkische Präsident Erdogan nimmt seinem ägyptischen Amtskollegen al-Sisi übel, dass er den Muslimbruder Mohammed Mursi weggeputscht hat. In Syrien unterstützt die Türkei die Opposition gegen das Assad-Regime.

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • LaPaillade #BringBackHansi 03.07.2015 12:21
    Highlight Highlight Wäre interessant wenn man noch Kurdistan einbinden könnte. Obwohl die Kurden ja je nach Staat in dem sie momentan angegliedert sind ja vermutlich nicht immer die gleichen Interessen haben
  • cjaensch 03.07.2015 11:52
    Highlight Highlight Dass sich Saudi-Arabien und der IS Spinne Feind sein sollen, bleibt noch zu beweisen...
  • weisse Giraffe 03.07.2015 11:14
    Highlight Highlight Es wäre wirklich interessant, diese zweite Linie zu haben. Denn es ist nicht undenkbar, dass ein Land z.B. IS nicht als Feind sieht (eher so "ist kompliziert/interessiert mich nicht"), IS das Land umgekehrt aber als Feind betrachtet.

    Das würde auch potenzielle Dynamiken aufzeigen. (Gerade auch im Verhältnis zu Israel) Unterschiedliche Wahrnehmung der gegenseitigen Beziehung liegt oft im Kern von "unerwarteten" Veränderungen.

    Hier scheint die Losung zu sein "wenn eine Seite feindlich gesinnt ist, ist es Feindschaft" (oder verstehe ich es falsch?)
    • Kian 03.07.2015 11:21
      Highlight Highlight Ein sehr interessanter Input, würde aber wahrscheinlich zulasten der Lesbarkeit der Grafik gehen.
    • weisse Giraffe 03.07.2015 11:40
      Highlight Highlight Sind wahrscheinlich unterschiedliche Prioritäten. Ich sah die Grafik als Tool. Analysiere öfters komplexe Systeme und würde darin nach zwei Anzeichen suchen und für mich vertiefen:
      1. Gegenseitige Feindschaften (mit der zusätzlichen Frage, die ich anschliessend stellen würde: Status? Aktiv/passiv?)
      2. Wahrnehmungsunterschiede (wie im Kommentar oben beschrieben. Ist der Unterschied stabil oder instabil? Falls instabil - in welche Richtung tendiert er?)

      Sorry, sehr theoretisch. Aber z.B. Desinteresse/Feindschaft mit IS ist eher stabil bei Ländern ohne IS-Kontakt, aber instabil bei Nachbarn.
    • Kian 03.07.2015 11:48
      Highlight Highlight Man kann die Komplexität beliebig erweitern. Mir fällt immer das Beispiel Ägypten ein: Friedensvertrag mit Israel, relativ enge Zusammenarbeit der Geheimdienste. ABER: Die Bevölkerung sieht Israel sehr, sehr kritisch, egal ob jung, alt, religiös, säkular.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Señor V 03.07.2015 11:12
    Highlight Highlight Charmant! Die Komplexität dieser Region auf so simple Art darzustellen!

    Sollte in der Politik angewendet werden und mit Gute-Arbeit-Sternchen im Aufgabenbuch belohnt werden, wenn das nächste Jahr jemand ein glückliches Smiley mehr hat. :)
  • SilWayne 03.07.2015 11:12
    Highlight Highlight Die Schreibweise von "Kuweit" noch einmal überdenken...
    • Kian 03.07.2015 11:18
      Highlight Highlight Danke für den Hinweis, ist korrigiert.
  • virtale 03.07.2015 10:58
    Highlight Highlight Guter Versuch. Es würde leserlicher werden, wenn die zweite Hälfte ebenfalls mit Emojis gefüllt würde. Ist dann zwar doppelt, aber man hat alles auf einer Linie.
    • Kian 03.07.2015 11:24
      Highlight Highlight Wir haben dafür und dawider lange abgewogen und sind zum Schluss gekommen, dass es so lesbarer ist (weil nur zur Hälfte gefüllt). Ist wohl Geschmacksache.
    • Claudio Gagliardi 03.07.2015 12:38
      Highlight Highlight Schliesse mich Virtale an.
  • tkey 03.07.2015 10:57
    Highlight Highlight wie verdient der IS eine einreihung zwischen richtigen staaten?
    • Kian 03.07.2015 11:14
      Highlight Highlight Leider verdient er es. Er ist einem «richtigen» Staat inzwischen ebenso ähnlich (oder unähnlich) wie Syrien, Libyen oder Jemen.

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