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Shi'ite protesters carry posters of Sheikh Nimr al-Nimr during a demonstration outside the Saudi embassy in Sanaa in this October 18, 2014 file photo.  The posters read:

Unter den 47 Hingerichteten befindet sich auch der schiitische Geistliche Nimr al-Nimr, hier auf einem Plakat im Jemen (2014).
Bild: KHALED ABDULLAH/REUTERS

Saudi-Arabien richtet 47 Menschen wegen Terrordelikten hin



Saudi-Arabien hat am Samstag 47 Personen wegen Terrordelikten hingerichtet, darunter auch den prominenten schiitischen Geistlichen Scheich Nimr Baker al-Nimr. Dies löste scharfe Kritik im schiitischen Ausland aus.

Die 47 Verurteilten wurden in zwölf Städten des sunnitischen Königreichs hingerichtet, wie das saudi-arabische Innenministerium bekannt gab. Neben Al-Nimr wurden mindestens drei weitere Schiiten exekutiert. Nicht hingerichtet wurde aber Al-Nimrs ebenfalls zum Tode verurteilter Neffe, der zur Zeit seiner Festnahme während der Proteste von 2011 erst 17 Jahre alt war.

Es wurden auch Sunniten hingerichtet, die für das Terrornetzwerk Al-Kaida 2003 und 2004 tödliche Anschläge verübten. Das Innenministerium erklärte, die Hingerichteten seien wegen Mitgliedschaft in «terroristischen Organisationen» und der Ausführung «krimineller Verschwörungen» verurteilt worden. Bis auf einen Ägypter und einen Tschader waren alle Saudi-Araber.

Auf der Liste der Hingerichteten steht auch Fares al-Schuwail, der Medienberichten zufolge der oberste religiöse Anführer von Al-Kaida in Saudi-Arabien war. Anfang Dezember hatte der Al-Kaida-Ableger im Jemen mit «Blutvergiessen» gedroht, sollte Riad verurteilte Dschihadisten hinrichten.

Aufwiegelung und Waffenbesitz

Al-Nimr hatte zu den Anführern der Schiiten-Proteste im Osten des Königreichs gehört, die im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 ausgebrochen waren. Er hatte während der Proteste die Abspaltung der Regionen Katif und Al-Ihsaa im Osten des Landes befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben.

Al-Nimrs Festnahme im Juli 2012 hatte grosse Protestkundgebungen der Schiiten ausgelöst, bei denen zwei seiner Anhänger getötet worden waren. Im Oktober 2014 wurde Al-Nimr wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt. Ende Oktober 2015 wurde das Todesurteil vom Obersten Gerichtshof Saudi-Arabiens bestätigt.

Warnungen und Drohungen

Bereits das Urteil war vom Iran scharf kritisiert worden. Ebenso fiel die Reaktion am Samstag aus. Das iranische Aussenministerium kündigte an, Saudi-Arabien werde «einen hohen Preis» für die Exekution Al-Nimrs zahlen.

Die saudi-arabische Regierung unterstütze auf der einen Seite terroristische und extremistische Bewegungen und benutze zugleich «die Sprache der Repression und die Todesstrafe gegen ihre inneren Gegner», sagte ein Sprecher. Die studentische Bassidsch-Miliz rief für Sonntag zu einer Demonstration vor der saudi-arabischen Botschaft in Teheran auf.

Die saudi-arabische Führung werde als Folge der Exekution Al-Nimrs stürzen und die sunnitische Herrscherfamilie aus den Geschichtsbüchern gestrichen, sagte der ranghohe iranische Geistlichen Ajatollah Ahmad Chatami.

Er forderte die islamische Welt auf, die Hinrichtung auf das Schärfste zu verurteilen, wie die Nachrichtenagentur Mehr meldete. Auch von führenden Schiiten aus dem Irak und dem Libanon kam massive Kritik und Empörung. Im Golfstaat Bahrain kam es zu Protesten.

Al-Nimrs Bruder Mohammed al-Nimr warnte am Samstag, die Hinrichtung des Geistlichen könnte «die Wut der Jugend» entfachen. Er rief die Schiiten auf, friedlich zu protestieren.

Zahl der Hinrichtungen steigt

Die Hinrichtungen drohen die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten in der Region zu verschärfen. Saudi-Arabien sieht sich als Schutzmacht der sunnitischen Moslems, der Iran als Schutzmacht der Schiiten.

Das ultrakonservative Königreich, in dem eine besonders strenge Auslegung des islamischen Rechts der Scharia gilt, richtete im vergangenen Jahr laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP 153 Menschen hin. Laut Menschenrechtlern waren 2015 so viel Todesurteile vollstreckt worden wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Der Anstieg der Zahl von Hinrichtungen geht einher mit der Machtübernahme von König Salman. Er war Ende Januar 2015 nach dem Tod seines Vorgängers Abdullah auf den Thron gestiegen. (sda/afp/reu/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Anker 02.01.2016 19:02
    Highlight Highlight Minestens 6000 Opfer im Nahen Osten durch Drohnenangriffe der USA seit 2001........
  • ferox77 02.01.2016 17:42
    Highlight Highlight Der Westen müsste viel mehr und viel lauter Kritik üben an KSA, das gegen mutmassliche Verbrecher und auch völlig Unschuldige drakonische Strafen verhängt. Demnächst steht die Hinrichtung und anschliessende Kreuzigung von drei jungen Männern an, die zur "Tatzeit" ihres Verbrechens, der Teilnahme an einer friedlichen Demonstration, unter 18 Jahren alt waren. Insgesamt ist die Menschenrechtslage in KSA sehr bescheiden.
    • phreko 02.01.2016 19:15
      Highlight Highlight Solange fleissig mit ihnen Handel betrieben wird, wird sich nichts ändern.
    • ferox77 02.01.2016 22:47
      Highlight Highlight 2)
      Friedliche Regimekritiker wie R. Badawi und Menschenrechtsaktivisten wie Waleed Abu al-Khair befinden sich ebenso in Haft wie Hunderte, wenn nicht Tausende andere. Das alles hat "den Westen" allerdings nicht davon abgehalten, ausgerechnet KSA einen Sitz im Menschenrechtskommittee der UN zu verschaffen.
  • Miss_Ann_Thropist 02.01.2016 16:38
    Highlight Highlight Und darum verkaufen wir denen Waffen - damit sie Regimekritiker umbringen können. Well done... not
  • openyourworld 02.01.2016 15:37
    Highlight Highlight Mal vom Waffenbesitz abgsehen, wäre ich als Kind x-mal zum Tode verurteilt worden.
  • demokrit 02.01.2016 15:19
    Highlight Highlight Und unsere Classe Politique liefert denen Waffen.
    • phreko 02.01.2016 19:16
      Highlight Highlight Ein Teil. Und jeder weiss wer dazu gehört.
    • FrancoL 02.01.2016 19:20
      Highlight Highlight Man sollte die Classe Politique nicht mit der Wirtschaft gleichsetzen! Die Wirtschaft drängt seit jeher auf eine lockerere Waffenausfuhr Gesetzgebung. Die Classe Politique zumindest der Teil der Rechts steht würde auch diese Lockerung begrüssen (unter dem Deckmänteli der Arbeitsplatzerhaltung). Zum Glück gibt es noch genügend besonnene Kräfte die die engere Gesetzgebung befürworten und unterstützen.

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