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A woman waits for transportation at a bus station in downtown Tel Aviv, Israel, Tuesday, March 24, 2015. (AP Photo/Oded Balilty)

Eine Frau wartet im Zentrum Tel Avivs auf den Bus (Archivbild 2015). Bild: AP/AP

Städtisches Bus-Angebot am Sabbat – Tel Aviv stellt sich gegen rechts-religiöse Regierung



In der israelischen Küstenstadt Tel Aviv gibt es am jüdischen Ruhetag Sabbat neu ein städtisches Bus-Angebot. Die Stadt schert damit aus, denn das jüdische Religionsgesetz verbietet das Benutzen von Autos und Bussen am Sabbat.

Seit Freitagabend verbinden sechs Buslinien während des Sabbats Tel Aviv und drei Vororte, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Die Stadt stellt sich damit gegen Teile der rechts-religiösen Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Nach jüdischem Religionsgesetz ist am Sabbat, der von Freitagabend bis Samstagabend dauert, unter anderem das Benutzen von Autos und Bussen verboten. In den meisten Gegenden in Israel gibt es daher an jenem Tag keinen öffentlichen Verkehr.

In der 430'000-Einwohner-Stadt Tel Aviv fuhren bisher nur privat betriebene Kleinbusse als Sammeltaxis auf mehreren Linien, allerdings ohne feste Haltestellen.

Die Benutzung der städtisch finanzierten Busse soll zunächst kostenlos sein. Tel Aviv geht davon aus, dass der Betrieb der Sabbat-Busse pro Jahr rund 3.2 Millionen Euro kosten wird.

Tel Avivs Bürgermeister Ron Chuldai sagte hingegen jüngst: «Die Möglichkeit, sich am Wochenende von einem Punkt zum anderen zu bewegen, ist ein grundlegendes Recht.» Das Angebot sei für die Bedürfnisse grosser Teile der Bevölkerung am Wochenende geschaffen worden.

Der Streit um die Einhaltung des Sabbat hat in den vergangenen Jahren immer wieder zu massiven Krisen in der Regierung geführt. So reichte Ende 2017 der damalige Gesundheitsminister Jaakov Litzman (Vereinigtes Tora-Judentum) seinen Rücktritt ein als Protest gegen Bahnarbeiten am Sabbat. Die Bahn hatte die Wartungsarbeiten damals auf den Sabbat verlegt, um den Passagierverkehr nicht zu stören.

Anfang 2018 verabschiedete die Regierung ein umstrittenes Gesetz zum Verkaufsverbot für kleine Läden am Sabbat. Städte dürfen seither nur noch neue Öffnungsgenehmigungen erteilen, wenn das Innenministerium zustimmt. 58 Abgeordnete stimmten damals für das Gesetz, 57 dagegen. (cbe/sda/dpa)

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dani B. 23.11.2019 14:15
    Highlight Highlight Bleiben wir in der Schweiz. Ich bin strikte gegen Sonntagsverkauf, aber kein religiöser Fundi. Schönes Wochenende!
  • Mark Nu 23.11.2019 08:17
    Highlight Highlight Hier wird aktuell in den Kommentaren gg die Orthodoxen (orthodox - der wahren Religion zugehörig)
    ausgeschlagen.

    Bitte beachten Sie,
    dass politische Glaubensrichtungen eigentlich auch nichts anderes sind als Religionen
    - denn in der Außenwirkung jedes Fanatikers
    fühlt sich das Leiden gleich an,
    egal ob die Menschen jeden Sonntag zur Kirche
    oder jede Woche in die Ortsgruppen von SPD/CDU
    gehen sollen, ob sie sich mit einer Ideologie gleichschalten sollen oder wollen!
    • swisskiss 23.11.2019 14:34
      Highlight Highlight Mark Nu; Dein Vergleich, der grundsätzlich richtig ist, ignoriert,den Grad der Indoktriniertung durch Ideologie und Religion. So ist Gleichsetzung von Fanatikern mit dem Besuch der Krche oder politischen Gruppe, schlicht ein rhetorischer Trick, um von den negativen Auswirkungen und Konsequenzen extremistischer Haltung und Handlung abzulenken. Es ist NICHT egal, ob Fanatiker mein Leben mitbestimmen, oder mein Nachbar zur Kirche oder Ortsgruppe geht, dass in keinster Weise mein Leben tangiert. Hier alles gleichsetzen zu wollen, ist schlicht manipulativ und daher nichts als Propaganda!
    • Hardy18 23.11.2019 16:59
      Highlight Highlight So ein Mist.
      Ich darf doch wohl selber entscheiden was ich am Tag x machen möchte.Ich kann nichts dafür das ich in einem Land XY geboren wurde.Was gibt jemanden das Recht zu entscheiden ob ich meinen Laden öffnen möchte?Ich werde es selber sehen ob es ein Minusgeschäft wird oder ich stink Reich werde.
      Es scheint ja so zu sein das es eine grosse Nachfrage an bestimmten Tagen gibt,warum darf ich es nicht bieten?
      Da sieht man mal das in solch einem Land alles mit Füssen getreten wird was nicht >den< Glauben hat. Nur weil ich seit 500 Jahren kein Bus fahren darf, darfst du es auch nicht. Armselig!
  • Easy 23.11.2019 07:31
    Highlight Highlight Wenn man halt sekulär und religiös nicht im Staat trennt... Jommen solche Sachen raus... Nicht viel anders wohl als im Iran.
  • Neruda 22.11.2019 23:56
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
    • Smeyers 23.11.2019 08:34
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • blobb / antifaschistischer Terrorist 22.11.2019 22:30
    Highlight Highlight Das nennt man dann wohl religiöse Verblendung.
  • Albert Stpeck 22.11.2019 22:10
    Highlight Highlight Die religiöse Rechte - in jeder Kultur eine wahre Bereicherung.
    • Smeyers 23.11.2019 06:44
      Highlight Highlight Stimmt, Gewerkschaften und Religiöse blockieren auch die Schweiz.

      ich hoffe das in der Schweiz bald alle Geschäfte auch am Sonntag offen haben. Wie in vielen anderen Ländern der Welt!
    • Mark Nu 23.11.2019 08:11
      Highlight Highlight Achja, ist aber schon ein wenig heuchlerisch
      - Ihr Kommentar!

      Religiosität ist nichts anderes als die Polit-Gläubigkeit auch:
      Sie glauben halt an Währungen, Staatschefs, Ideologien, Gesellschaftsmodelle.

      Und mit all diesen Glaubensrichtungen möchten Sie Menschen beeinflussen
      - aktuell: die Menschen sollen Ihnen abkaufen,
      dass Orthodoxe die Kulturen runterziehen.

      ... schreibt Ihnen ein Agnostiker.
    • Albert Stpeck 23.11.2019 12:23
      Highlight Highlight @Mark Nu
      ICH glaube, dass es einen Unterschied gibt, ob man aus arbeitsrecht-technischen Gründen Ladenöffnungszeiten einführt oder dieses durchsetzt, weil „Gott laut Bibel an einem Tag Pause eingelegt hat“.

      Ich sehe darin nicht die geringste Heuchelei.
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