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FILE - In this Saturday, March 28, 2015 file photo, opposition candidate Gen. Muhammadu Buhari holds his ballot paper in the air before casting his vote in his home town of Daura, northern Nigeria. On Tuesday, March 31, 2015 Nigeria's aviation minister said President Goodluck Jonathan had called challenger Muhammadu Buhari to concede and congratulate him on his electoral victory, paving the way for a peaceful transfer of power in Africa's richest and most populous nation. (AP Photo/Ben Curtis, File)

Wahlsieger Muhammadu Buhari: Der gemässigte Muslim und Ex-General der Armee hat Nigeria in den 80er-Jahren schon einmal mit harter Hand regiert. Bild: Ben Curtis/AP/KEYSTONE

Nigerias Sprung in die Zukunft: Die grösste Demokratie Afrikas hat den ersten friedlichen Machtwechsel hinter sich

In Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, wurde ein Ex-Diktator zum neuen Präsidenten gewählt: Muhammadu Buhari. Er könnte tatsächlich für einen demokratischen Wandel stehen.

Bartholomäus Grill, Kapstadt / spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online


Der 31. März 2015 wird als historisches Datum in die Geschichte Nigerias eingehen. Es ist der Tag, an dem zum ersten Mal seit dem Ende der Militärherrschaft im Jahr 1993 ein amtierender Staatschef abgewählt wurde. Präsident Goodluck Jonathan hat mit einer noblen Geste die Niederlage eingeräumt und dem Wahlsieger Muhammadu Buhari gratuliert. Nigeria, mit seinen 175 Millionen Einwohnern die grösste Demokratie Afrikas, hat damit eindrucksvoll bewiesen, dass auch in einem afrikanischen Krisenstaat ein friedlicher Machtwechsel möglich ist.

Noch Stunden vor der Schliessung der 155'000 Wahllokale hatten viele Beobachter diesen Erfolg für unwahrscheinlich gehalten. Die Pessimisten prophezeiten ein heilloses Chaos, flächendeckende Wahlfälschungen, blutige Unruhen, Attacken der Terrormiliz Boko Haram. Die ethnisch und religiös zerrissene Bundesrepublik glich einem Pulverfass, schliesslich traten ein Muslim aus dem Norden (Buhari) und ein Christ aus dem Süden (Jonathan) gegeneinander an.

Doch das erbittert geführte Wahlkampf-Duell der beiden Spitzenkandidaten löste wider Erwarten keine Explosion aus. Bleibt nur zu hoffen, dass die enttäuschten Anhänger des Verlierers nicht doch noch auf die Barrikaden gehen. Nach der letzten Präsidentschaftswahl vor vier Jahren kam es vielerorts zu Gewaltexzessen, 800 Menschen starben.

Die Wende deutete sich bereits während des Wahlkampfs an. Viele Nigerianer waren ihres miserabel bis gar nicht regierenden Präsidenten überdrüssig geworden. Jonathan sei schon der Hut zu schwer, den er auf seinem Kopf trage, spottete das Volk.

Wunsch nach einem starken, unbestechlichen Präsidenten

Ganz anders wurde sein Herausforderer Buhari wahrgenommen. Der warb mit dem Slogan «Change», also Wandel, und einem Besen als Symbol des Oppositionsbündnisses. Seine Auftritte zogen gewaltige Menschenmassen an. Es war spürbar, dass sich die Mehrheit einen neuen Mann im höchsten Staatsamt wünscht: Einen starken, unbestechlichen Präsidenten, der mit der Korruption aufräumt. Und mit der islamistischen Mördertruppe Boko Haram, die den Nordosten des Landes terrorisiert.

Muhammadu Buhari wird das zugetraut. Der gemässigte Muslim und Ex-General der Armee hat Nigeria in den 80er-Jahren schon einmal mit harter Hand regiert. Zu hart, sagen seine Kritiker. Er liess damals Oppositionelle gnadenlos verfolgen und öffentliche Hinrichtungen durchführen. Buhari wehrt alle Vorwürfe kühl ab: Er könne zwar die Vergangenheit nicht ändern, wohl aber die Zukunft.

Die Zukunft beginnt am 29. Mai, wenn Buhari als Staatspräsident vereidigt wird. Er ist mit 72 Jahren nicht mehr der Jüngste, und er weiss, dass er vor titanischen Herausforderungen steht. Denn nach dem massiven Einbruch des Ölpreises ist die Wirtschaft des grössten Erdölexporteurs Afrikas angeschlagen, und die mächtigen Eliten, die den Staatshaushalt seit Jahrzehnten plündern, werden jeden Reformversuch torpedieren. Im Nigerdelta haben die von Jonathan befriedeten Rebellen bereits angedroht, wieder zu den Waffen zu greifen, falls Buhari triumphiert.

Vor allzu grossen Erwartungen muss ohnehin gewarnt werden, denn in Afrika haben sich schon viele Hoffnungsträger in lausige Kleptokraten verwandelt, sobald sie an der Macht waren. Doch erst einmal dürfen die Nigerianer feiern: Sie haben ein politisches Fanal für den ganzen Kontinent gesetzt. Wenn der kranke Riese Nigeria sich selber kurieren kann, dann sollte der Rest Afrikas das auch können.

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1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 04.04.2015 23:01
    Highlight Highlight Kein Neustart!
    Buhari ist konservativ. Er kommt aus dem Establishment, war bisher im Rahmen des Establishments im politischen System aktiv.
    Der Zeitpunkt zu dem er gewählt wurde, zwei Amtsperioden nach einem Christen aus dem Süden, entspricht den Absprachen der nigerianischen Elite.
    Er dürfte auch keinen Grund sehen, warum er sich als Muslim zum Kämpfer gegen Boko Haram aufschwingen sollte. Es ist nicht anzunehmen, dass Buhari kein Freund der Scharia ist.
    Sieht so aus, als bleibt alles wie es war.

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