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Trump sitzt in der Nordkorea-Falle

Nordkoreas erneuter Raketentest setzt Donald Trump unter Druck: Der US-Präsident und seine Berater suchen nach einer passenden Antwort. Planen die USA doch einen Präventivschlag?

Roland Nelles, Washington



epa06137597 (FILE) - US President Donald J. Trump (C) speaks in the Hall of Heroes at the Pentagon in Arlington, Virginia, USA, 27 January 2017 (reissued 11 August 2017), as US Secretary of Defense James Mattis (R) and US Vice-President Mike Pence (L) look on. President Trump said on 11 August 2017, that the US military was 'locked and loaded' warning North Korea of military solutions in case Pyongyang should 'act unwisely.' The latest remark came amid increasing tension between the US and North Korea as the North said it was considering a plan to fire four intermediate-range ballistic missiles around the island of Guam, a US territory.  EPA/OLIVIER DOULIERY / POOL

Was wird Trump tun? Bild: EPA/ABACA POOL

Ein Artikel von

Spiegel Online

Es scheint, als habe «Harvey» über Nacht alle anderen Sorgen und Probleme von Donald Trump weggeblasen. Für ihn gibt es derzeit nur noch den Sturm. Seine Reise in das Krisengebiet ist das überragende Thema in den amerikanischen Nachrichtensendern, dazu laufen die Bilder von überschwemmten Strassen in Endlosschleife. Die Tragödie in Texas und Louisiana dominiert die Titelseiten der grossen US-Zeitungen.

Doch die anderen Probleme sind nicht weg, schon gar nicht der drohende Grosskonflikt mit Nordkorea. Der neue Raketentest des Regimes in Pjöngjang schreckt Amerikas Verbündete in Ostasien auf, vor allem Japan ist alarmiert. Das Geschoss überflog den Nordosten der Inselgruppe und landete dann im Pazifik. Trump und seine Berater müssen erkennen, dass ihre bisherige Taktik im Umgang mit dem kommunistischen Regime in Nordkorea wohl erst einmal krachend gescheitert ist.

«Feuer und Zorn» hatte Donald Trump dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un nach den letzten beiden Raketentests im Juli angedroht, sollte er es wagen, die USA oder ihre Verbündeten weiter zu provozieren oder sogar anzugreifen. «Dann werden ihnen Dinge widerfahren, die sie niemals für möglich gehalten hätten», wetterte Trump und das klang so, als wolle er Nordkorea mit Atomraketen dem Erdboden gleichmachen.

Nuklear-Drohung oder einfach Trumps Lieblings-Redewendung?

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Dass anschliessend zunächst keine neuen grösseren Raketentests erfolgten, werteten Trump und seine Berater als gutes Zeichen. Sie fühlten sich darin bestätigt, dass man dem Gegner wohl mit lauten Drohungen beikommen könne. Nordkoreas Diktator habe seine Botschaft verstanden, prahlte Trump noch vorige Woche stolz vor Anhängern. «Ich glaube, er fängt an, uns zu respektieren.»

Warum Japan die nordkoreanische Rakete nicht abgeschossen hat

Der neuerliche Test bringt Trump und die Militärs im Weissen Haus um Stabschef John Kelly und Sicherheitsberater H.R. McMaster nun in Verlegenheit. Zwar hat Kim wohlweislich keinen direkten Angriff gegen die USA oder einen Verbündeten gestartet, aber mit dem Raketentest über Japan demonstriert er, was er von Trumps Drohungen hält: nichts.

Besonders ärgerlich war der Raketentest für die USA auch deshalb, weil amerikanische Streitkräfte und japanische Truppen gerade erst ein 18-tägiges Manöver in der Region beendet hatten. Beide Armeen verfügen über Abwehrraketen, die andere Raketen abfangen könnten. Doch offenbar verzichtete man in diesem Fall darauf, einen Abschussversuch zu unternehmen - wohl auch, um die Peinlichkeit eines Fehltreffers zu vermeiden. Die nordkoreanische Rakete überflog Japan in sehr grosser Höhe, was einen Abschuss nach Ansicht von Experten erheblich erschwert hätte.

Im Weissen Haus ist man entsprechend konsterniert: Nach dem Test dauert es fast zwölf Stunden, bis Trump eine dürre Erklärung verbreiten liess, in der er Nordkoreas Verhalten verurteilte und betonte, «alle Optionen» gegen Nordkorea lägen auf dem Tisch. Auf Drängen der USA und Japans kam der Uno-Sicherheitsrat in New York zu einer vertraulichen Sondersitzung zusammen.

Szenarien für einen Präventivkrieg

Trump und seine Berater wissen nur zu genau, dass sie in einer Zwickmühle sitzen. Hinter verschlossenen Türen werden im Weissen Haus schon seit Wochen Szenarien für einen Präventivkrieg gegen Nordkorea durchgespielt. Doch sie kommen immer wieder zu demselben Ergebnis: Ein Militärschlag der USA gegen den Norden hätte unweigerlich einen Krieg zwischen Nord- und Südkorea zur Folge - mit verheerenden Auswirkungen vor allem für die Millionenmetropole Seoul, die fast unmittelbar an der Demarkationsgrenze zu Nordkorea liegt.

Wollen sie keinen grossen Krieg riskieren, bleiben Trump und Co. nur die Möglichkeit, weiterhin über Nordkoreas alte Verbündete China und Russland Druck auf Kim auszuüben. Russland zeigt bislang wenig Interesse daran, den Amerikanern in dem Konflikt zu helfen. China wiederum hat den Druck auf Nordkorea durch Einzelsanktionen bereits deutlich erhöht. Wie es aussieht, ist Peking gewillt, in dieser Frage weiter mit Washington zusammenzuarbeiten. China ist bislang einzige Atommacht in der Region. Es hat kein Interesse daran, dass in der unmittelbaren Nachbarschaft zwischen Nordkorea, Südkorea und Japan ein Wettrüsten einsetzt (mehr zu Nordkoreas Freunden und Feinden lesen Sie hier).

Der nächste Test für Trumps Geduld

Bleibt die Frage, wie lange Trump noch Lust hat, auf eine diplomatische Lösung zu setzen. Dass sein Bluff bislang nicht funktioniert hat, bedeutet bei diesem unberechenbaren Präsidenten nicht, dass er am Ende nicht doch bereit wäre, in einer Kurzschlusshandlung einen Präventivschlag anzuordnen - und sei es nur aus gekränkter Eitelkeit.

Der nächste Test für Trumps Geduld könnte schon unmittelbar bevorstehen: Am 9. September feiert Nordkorea mit viel Pomp den «Gründungstag» der Republik. Bei solchen Gelegenheiten demonstriert Kim gerne Stärke. Zum Beispiel mit einem Raketentest.

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    Alle Leser-Kommentare
  • COLD AS ICE 30.08.2017 17:22
    Highlight Highlight Ich habe keine Angst vor Nordkorea. Erstens haben sie garantiert keine Einsatzfähigen Atombomben und dazu kommt, dass Nordkorea über uralte Raketen Technologien verfügen. Nordkorea wäre innert Stunden komplett handlungsunfähig.

    Was viele nicht wissen. Nord- und Südkorea befinden sich theoretisch noch immer im Krieg. Es gibt kein Friedensabkommen zwischen den beiden Länder......es besteht lediglich seit Jahren eine Waffenruhe.

    Trump soll die arme Nordkoreanische Bevölkerung endlich vom irren Kim befreien. Die ganze Welt wird es ihm danken.
    2 9 Melden
  • lilie 30.08.2017 13:13
    Highlight Highlight Trump dachte, er könne nur einmal laut drohen, dann gäbe Kim schon Ruhe. Eine krasse (und voraussehbare) Fehleinschätzung.

    Nun ist ihm nämlich bereits die Rhetorik ausgegangen, weil er all sein Pulver schon in wenigen Sätzen verschossen hat.

    Somit bleiben ihm nur zwei Wege offen: Entweder seine Glaubwürdigkeit bewahren und den Worten Taten folgen zu lassen (was dumm und gefährlich wäre) oder das zu tun, was er ja sowieso am besten kann, nämlich eine 180°-Kehrtwende und Vernunft annehmen.
    10 8 Melden
  • Denk nach 30.08.2017 12:56
    Highlight Highlight Nicht Trump, sondern die ganze Welt sitzt in der "Nordkorea Falle".

    - Will man eine neue Atommacht? Nein
    - Will man Nordkorea Langstreckenraketen zugestehen? Nein
    - Ist eine diplomatische Lösung realistisch? Nein
    -> Will man deshalb einen Präventivschlag? Nein

    Ich hätte aktuell auch keine gute Lösung wie man hier verfahren soll...
    36 3 Melden
  • Fupper 30.08.2017 12:45
    Highlight Highlight Zwei irre die mit Waffen spielen...
    10 8 Melden
  • Grundi72 30.08.2017 12:34
    Highlight Highlight Gut hat Barack O. aus C. sich beim Thema Nordkorea mit acht Jahren Nichtstun eine weisse Weste behalten können. Jetzt darf der Nachfolger aufräumen. Wie praktisch, auch für die Medien!

    Was ist eigentlich mit Mueller?
    10 47 Melden
    • Juliet Bravo 30.08.2017 14:35
      Highlight Highlight Der ermittelt und lädt Leute vor.

      "Auch für Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort wird die Luft immer dünner. Nachdem im Juli das FBI zu nächtlicher Stunde eine Hausdurchsuchung in seinem Haus in Washington durchgeführt hatte, haben nun auch sein Sprecher Jason Maloni und seine Anwältin Melissa Laurenza eine Vorladung von Sonderermittler Robert Mueller erhalten. Beides, die nächtliche Hausdurchsuchung und die Vorladungen, gilt als Indizien, dass sich die Schlinge um Manaforts Hals bedrohlich zuzieht."

      (Hier bei Watson nachzulesen)

      5 4 Melden
    • reconquista's creed 30.08.2017 14:44
      Highlight Highlight Trump tut im Moment genau das gleiche wie Obama - nichts
      Mueller ist am Arbeiten, zum Glück. Wühl du dich mal durch den Trump Sumpf, wird ne heiden Arbeiten sein...
      10 4 Melden
    • SemperFi 30.08.2017 22:07
      Highlight Highlight @Grund72: Eigenartig: Sonst verschreien Sie doch Obama immer als Oberkriegsgurgel. Ihnen kann man es auch nie recht machen.
      8 2 Melden
  • Märklin 30.08.2017 12:07
    Highlight Highlight Ohne ernsthafte Gespräche zwischen NK und USA wird sich nix ändern . 20 Jahre Sanktionen haben nur bewirkt, dass NK es auch trotz Sanktionen schafft solche Raketen 🚀 zu bauen, dass USA erreichbar ist.
    12 3 Melden
    • luke_zee 30.08.2017 12:33
      Highlight Highlight Meinst du, dass Donald und Kim ernsthafte Gespräche führen könnten? Ich glaube, dass beide viel zu stur sind.
      11 3 Melden
    • B0arder_King 30.08.2017 12:57
      Highlight Highlight 20 Jahre Sanktionen haben lediglich erreicht, dass es der Bevölkerung beschissen geht...
      18 1 Melden
    • reconquista's creed 31.08.2017 01:46
      Highlight Highlight Ich denke auch, dass nur solche Gespräche eine Lösung bringen können. So ab 2021, wenn wenigstens einer der beiden Parteien nicht ein komplett grössenwahnsinniger Psycho ist.
      1 0 Melden

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