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Kim Yo Jong

Erscheint immer häufiger auf der Bildfläche – Kim Yo Jong, die Schwester des nordkoreanischen Diktators. bild: keystone

Propaganda-Talent, Berner Schülerin, scharfsinnige Denkerin: So tickt Kims Schwester

Er ist die Macht, sie das Gehirn. Die Schwester des nordkoreanischen Machthabers nimmt immer eine wichtigere Rolle ein. 



Sie war Papas Liebling. Seine kleine Prinzessin. Gerne prahlte Nordkoreas Führer Kim Jong Il mit dem scharfen politischen Verstand seiner jüngsten Tochter.

Der stolze Vater ist seit sechs Jahren tot, das einst kleine Mädchen heute eine 30-jährige Frau und Teil des nordkoreanischen Machtapparats. Am Wochenende hat ihr Bruder und Führer Kim Jong Un sie ein weiteres Mal befördert. Kim Yo Jong ist jetzt neu das stellvertretende Mitglied im einflussreichen Politbüro. 

«Sie war wohl das einzige der Kim-Kinder, das tatsächlich an Politik interessiert war», behauptet Nordkorea Experte Michael Madden, der das Newsportal North Korea Leadership Watch gründete. Und in einem Gastbeitrag für Aljazeera sagte er im Frühling voraus: «Kim Yo Jong wird lange eine wichtige Kraft in der Regierung Nordkoreas bleiben. Ihre Karriere hat gerade erst begonnen.»

Das Mysterium

Über die heute 30-Jährige ist in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Die Faktenlage ist dünn: Selbst ihr Geburtsdatum, der 26. September 1987 oder ihre angebliche Ehe mit Choe Song, dem Sohn des Regierungsbeamten Choe Ryong Hae. 

In this May 10, 2016, photo, North Korean leader Kim Jong Un, right, and his sister Kim Yo Jong watch a military parade at Kim Il Sung Square in Pyongyang. Kim Jong Un has promoted his younger sister to a new post within North Korea's ruling party. The promotion of Kim Yo Jong came at a meeting of the party as North Korea marked the 20th anniversary of the late Kim Jong Il's acceptance of the title of general secretary of the ruling Worker's Party of Korea.  (Minoru Iwasaki/Kyodo News via AP)

Die beiden Geschwister zeigen sich gemeinsam in der Öffentlichkeit. Bild: AP/Kyodo News

Wer ihre Mutter ist, ist unbestritten: Ko Yong Hi war eine frühere Tänzerin und die dritte Ehefrau des verstorbenes Diktators Kim Jong Il. Die beiden haben neben ihrer jüngsten Kim Yo Jong zwei weitere Kinder hervor gebracht: Der heutige Machthaber Kim Jong Un und Kim Jong Chol, der bis heute wenig bis gar nicht in Erscheinung tritt. Die Mutter der drei Geschwister starb 2004 in Paris im Alter von 51 Jahren. Sie war an Brustkrebs erkrankt.

Primarschule in Bern

Gemäss mehreren Medien erlebte Kim Yo Jong eine überbehütete Kindheit, umgeben von Nannys und Bodyguards. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie in einer Residenz im Zentrum von Pjöngjang, von 1996 bis 2000 soll sie wie ihre beiden Brüder in der Schweiz gelebt haben. 

Wenn die verschiedenen Medienberichte der Wahrheit entsprechen, hat sie dabei in der Botschaft Nordkoreas in der Bundesstadt gewohnt und besuchte unter falschem Namen die Primarschule. Nach Abschluss der sechsten Klasse kehrte sie nach Pjöngjang zurück und begann später ein Studium. Welches Fach und wo sie studierte, darüber gibt es verschiedene Angaben. Von einem Informatikstudium in Nordkorea bis zu einem Sprachenstudium in Europa ist die Rede.

Fakt ist: 2007 begann ihr politischer Aufstieg. Sie übernahm erste Aufgaben in der Partei der Arbeit Koreas und war immer häufiger an der Seite ihres Vaters zu sehen. Ihr eigentliches politisches Sprungbrett war jedoch sein Tod.

Anlässlich seiner Beerdigung zeigte sie das nordkoreanische Staatsfernseher erstmals am Bildschirm. Danach orchestrierte Kim Yo Jong die Propagandamaschinerie, die die Macht ihres Bruders festigen sollte. 

FILE - In this Nov. 27, 2014 file photo, an image of North Korean leader Kim Jong Un's younger sister Kim Yo Jong is shown on a screen broadcasting a TV news program at Seoul Railway Station in Seoul, South Korea. Kim Yo Jong is among the officials who won promotions at the country’s ruling-party congress. The state-run Korean Central News Agency reported Tuesday, May 10, 2016 that Kim Yo Jong was named a member of the Workers’ Party of Korea’s Central Committee during the congress that ended Monday. The letters read:

Kim Yo-jong wird erstmals am nordkoreanischen Staatsfernsehen gezeigt. Bild: AP/AP

Die Strategin

Ihr Ziel: Einen Personenkult um ihren Bruder aufbauen. Als Vorbild diente dabei ihr gemeinsamer Grossvater, Kim Il Sung, der Gründer von Nordkorea. Dabei versuchte sie ihren Bruder beim Volk als wohlwollenden und zugänglichen Führer zu verkaufen.

So soll sie und nicht Kim Jong Un die treibende Kraft hinter seinen Besuchen in Schulen und bei einfachen Bürgern sein. Auch sie soll die eher ungewöhnliche Freundschaft des nordkoreanischen Diktators zum ehemaligen NBA-Star Dennis Rodman eingefädelt haben, wie «The Guardian» berichtet.

Wie wichtig sie geworden ist, zeigte das Jahr 2014, als Kim Jong Un für mehrere Monate von der Bildfläche verschwand – Gerüchten zufolge aus medizinischen Gründen. Seine Schwester war auf einmal häufiger in der Öffentlichkeit zu sehen und übernahm in dieser Zeit wichtige Funktionen. Für Beobachter ein Zeichen, wie hoch sie bereits im Machtapparat aufgestiegen ist und für ihren direkten Draht zu ihrem Bruder. 

«Da sie eine Frau ist, sieht Kim Jong sie wahrscheinlich nicht als Bedrohung und als Herausforderin für seine Führung.»

Moon Hong Sik, Forscher am südkoreanischen «Institute of National Security Strategy»

Das Vertrauen, das Kim Jong Un offensichtlich in seine jüngere Schwester hat, lässt sich nicht nur durch ihre familiäre Bande erklären. Dafür ging der junge Machthaber in den letzten Jahren zu rücksichtslos mit seinen Verwandten um.

Im Dezember 2013 liess er seinen Onkel Chang Song Taek exekutieren, 2015 folgte die Ermordung seiner Tante Kim Kyung Hee. 2017 wurde sein Halbbruder Kim Jong Nam am Flughafen von Malaysia vergiftet, zwei Frauen müssen sich in diesen Tagen vor Gericht für diese Tat verantworten. Der eigentliche Drahtzieher für den Mord soll die Regierung in Pjöngjang sein.

Moon Hong Sik, Forscher am südkoreanischen «Institute of National Security Strategy», hat eine Vermutung, warum der Diktatur seiner jüngeren Schwester offensichtlich vertraut: «Da sie eine Frau ist, sieht Kim Jong Sie wahrscheinlich nicht als Bedrohung und als Herausforderin für seine Führung.» Auch Nordkorea-Experte Madden sagt: «Angesichts der patriarchalischen Natur der politischen Kultur Nordkoreas ist sie keine Kandidatin für die Nachfolge.»

Reiseziel: Nordkorea. Eine Fahrt ins Ungewisse

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Video: srf

Hier feiert die Kommunistische Partei in Nordkorea

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • karl_e 11.10.2017 16:13
    Highlight Highlight Hat wirklich noch nie ein Ex-Kamerädli diese Nachrichten bestätigt? Dubios. Der Blick würde sicher anständig bezahlen für Artikel wie "Ich war Kim Jong Un's Banknachbar!"
    2 1 Melden
  • Spooky 10.10.2017 16:23
    Highlight Highlight "Wenn die verschiedenen Medienberichte der Wahrheit entsprechen, hat sie dabei in der Botschaft Nordkoreas in der Bundesstadt gewohnt und besuchte unter falschem Namen die Primarschule."

    In was für eine Primarschule ist Kim Jong Un gegangen? Und was war ihr falscher Name?

    Oder sind wir schon so weit, dass wir gewöhnlichen Schweizer Bürger das nicht mehr wissen dürfen?
    5 5 Melden
  • Nikigraus 09.10.2017 22:31
    Highlight Highlight "Nimmt eine immer wichtigere Rolle ein" wäre besser formuliert.
    24 0 Melden
  • Spooky 09.10.2017 22:04
    Highlight Highlight "...von 1996 bis 2000 soll sie wie ihre beiden Brüder in der Schweiz gelebt haben.

    Wenn die verschiedenen Medienberichte der Wahrheit entsprechen, hat sie dabei in der Nordkoreas Botschaft in der Bundeshauptstadt gewohnt und besuchte unter falschen Namen die Primarschule."

    Haben die Journalisten von heute eigentlich nicht einmal mehr den Mut zu recherchieren, ob das stimmt oder nicht?

    106 13 Melden
    • Alex_Steiner 10.10.2017 11:47
      Highlight Highlight Heutige Journalisten nehmen sich einfach nicht mehr die Zeit um Zeitmaschinen zu bauen... Traurig.

      Was ausser mehrere Berichte sollen sie den finden? Das einzige was sie machen könnten ist mehr Berichte finden...
      5 12 Melden
    • Spooky 10.10.2017 13:04
      Highlight Highlight Eigentlich ist das ja der Hammer! In den Primarschulen unserer Schweizer Bundeshauptstadt wissen sie nicht einmal, ob die Schüler falsche Namen haben oder richtige.

      11 10 Melden
    • Hinkypunk 11.10.2017 00:10
      Highlight Highlight Wenn NK einen Pass mit einem falschen Namen ausstellt lässt sich das wohl kaum überprüfen.
      8 0 Melden
  • JoJodeli 09.10.2017 21:00
    Highlight Highlight Und hinter jedem mächtigen Mann steht eine kluge Frau. Hiess es mal... bis Trump an die Macht kam 😜
    69 12 Melden
    • äti 09.10.2017 22:02
      Highlight Highlight Nana, bei Trump wär ich mich auch nicht so sicher. Denke, die Dame ist gewitzter. (Hmm, keine Kunst?).
      47 3 Melden
    • Dingsda 09.10.2017 23:00
      Highlight Highlight Seine Tochter Ivanka, wenn schon.
      37 5 Melden
  • The Origin Gra 09.10.2017 19:44
    Highlight Highlight Die klugen Kopfe die im Hintergrund die Fäden ziehen sind weitaus gefährlicher als die Schreihälse im Vordergrund.
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