International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Hitzewelle in Pakistan: Tödliche Gefahr im Fastenmonat 

Mehr als tausend Menschen sind infolge der Hitze in Pakistan gestorben – auch, weil Gläubige sich trotz enormer Temperaturen weigern, im Ramadan tagsüber zu trinken. Ärzte und Politiker schweigen aus Angst vor Blasphemie-Vorwürfen. 

Hasnain Kazim / Spiegel Online



epa04816571 A boy cools off on a hot day in Peshawar, Pakistan, 24 June 2015. The government on 24 June declared a state of emergency in Karachi, Pakistan's largest southern city, after a heatwave killed more than 700 people there and left thousands fighting for their lives at hospitals. The temperature in the city has been hovering around 45 degrees for three days, said Ghulam Rasool, director general of the Pakistan Meteorological Department.  EPA/BILAWAL ARBAB

Bild: BILAWAL ARBAB/EPA/KEYSTONE

Ein Artikel von

Spiegel Online

«Nein, nein!», wehrt sich der Alte, der auf dem Bürgersteig liegt, als ihm ein Helfer eine Flasche Wasser an den Mund hält. Er entreisst ihm die Flasche und kippt sich das Wasser über den Kopf. 

Bei der unerträglichen Hitze in der südpakistanischen Hafenmetropole Karatschi ist das eine rettende Abkühlung. Aber trinken will der Mann auf keinen Fall – es ist Ramadan, der Fastenmonat der Muslime, in dem von Anbruch der Dämmerung bis Sonnenuntergang nichts gegessen und nicht getrunken werden darf. 

Fernsehbilder zeigen schwitzende, lethargisch wirkende Menschen, die im Schatten von Bäumen Schutz suchen, sich mit Fächern Luft zuwedeln oder sich zur Abkühlung ins Arabische Meer stürzen. 

Im Süden Pakistans, in den Provinzen Sindh und Punjab, haben die Temperaturen in den vergangenen Tagen 45 Grad Celsius, mancherorts sogar 50 Grad erreicht. Landesweit seien bislang mehr als tausend Menschen infolge der Hitze gestorben, bestätigt ein Regierungssprecher, allein in Karatschi mehr als 780. 

«Betroffen sind vor allem alte, arme Menschen», sagt eine Ärztin der Aga-Khan-Universitätsklinik in Karatschi. «Jene, die auf der Strasse oder in Hütten leben und sich keine Klimaanlage leisten können und die keinen Zutritt in die klimatisierten Malls bekommen.» 

A Pakistani mother uses hand fan to her child suffering from dehydration due to sever heat while she waits her turn at a local hospital in Karachi, Pakistan, Wednesday, June 24, 2015. Wind from the sea and pre-monsoon rains cooled southern Pakistan on Wednesday, likely marking the end of a scorching heat wave that killed at least 749 people, authorities said. (AP Photo/Shakil Adil)

Bild: Shakil Adil/AP/KEYSTONE

Ein «grosses Problem» sei, dass sich die meisten weigerten, tagsüber regelmässig Wasser zu trinken. «Bei allem Respekt vor ihrer Frömmigkeit und ihrem eisernen Willen, das Fasten einzuhalten, ist es lebensgefährlich, bei dieser Hitze komplett auf Wasser zu verzichten.» Ihren Namen will die Ärztin nicht genannt wissen, weil sie Ärger mit Geistlichen befürchtet. 

Krankenhäuser und Leichenhallen teilen mit, dass ihre Kapazitäten erschöpft seien. Mehrere Tausend Menschen seien in Behandlung. Man sei auf der Suche nach weiteren Räumlichkeiten. Rund um die Uhr würden Notärzte und Helfer Menschen auf der Strasse versorgen und unterwegs auch Leichen einsammeln. Häufigste Todesursache seien Hitzschläge, Dehydrierung und ein damit verbundener Kreislaufzusammenbruch. Wichtigster Schutz sei, viel zu trinken und auch auf das Essen «wenigstens von Salzgebäck» nicht zu verzichten, sagt ein Arzt vom Jinnah Postgraduate Medical Centre. 

Häufiger Stromausfall verschärft die Lage 

Bild: SOHAIL SHAHZAD/EPA/KEYSTONE

Aber niemand wagt es, die Menschen öffentlich zum Essen und Trinken aufzufordern. «Das würde uns sofort den Vorwurf der Blasphemie einbringen», sagt ein Abgeordneter des Provinzparlaments von Sindh. «Wenn wir sagen: 'Hört auf zu fasten!', erschiesst uns womöglich irgendein Extremist. Deshalb schweigen wir lieber.» 

Stattdessen machen Politiker seltsame Vorschläge: So erwägt die Regierung, mithilfe von Chemikalien künstlichen Regen über Karatschi zu erzeugen, um der Stadt zu einer Abkühlung zu verhelfen. Man stehe in Verbindung mit China, wo solch ein Vorgehen zur Reinigung der Luft bei starkem Smog üblich sei, erklärt ein Regierungssprecher. 

Zu schaffen macht dem Land bei der Hitze auch häufiger Stromausfall, der mehrere Stunden am Tag dauert. Es fehlten etwa 3000 Megawatt an Leistung, erläuterte Khawaja Asif, Minister für Wasser und Energie, im Parlament in der Hauptstadt Islamabad. Die Hitze und die damit verbundene Nutzung von Klimaanlagen hätten den Energiebedarf stark ansteigen lassen. Der Minister weist jede Schuld von sich und erklärt, für die Bereitstellung von ausreichend Strom sei die – privatisierte – Firma Karachi Electric verantwortlich. 

Die Regierung von Sindh wiederum schiebt die Verantwortung der Regierung in Islamabad zu. Provinz-Regierungschef Qaim Ali Shah kündigte einen Sitzstreik als Zeichen des Protests an. Ausserdem erklärte er den Mittwoch zu einem freien Tag für Behörden, Schulen und Universitäten, ausser Acht lassend, dass Schüler und Studenten derzeit ohnehin Sommerferien haben. 

Für Mittwochabend rechnen Meteorologen mit einer Abkühlung und Regen zumindest in Teilen Pakistans. Im weiteren Wochenverlauf soll es dann tagsüber nur noch 39 Grad heiss werden. 

«Ice, Ice, Baby» – auch im Tierreich sind Glacé hoch im Kurs

Das könnte dich auch interessieren:

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Hitzewellen und Starkregenperioden nehmen nicht nur zu – sie dauern auch länger

Die Länder der Nordhalbkugel müssen infolge der Erderwärmung nicht nur mit intensiveren, sondern auch mit längeren Hitzeperioden rechnen. Das geht aus einer Studie der Humboldt-Universität (HU) und des Climate Analytics Instituts in Berlin hervor, die in der Fachzeitschrift «Nature Climate Change» veröffentlicht wurde. Demnach werden auch die Zeiten extremer Trockenheit und die Starkregenperioden im Sommer länger andauern.

Für ihre Studie gingen die Wissenschaftler von einer Erderwärmung von …

Artikel lesen
Link zum Artikel