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Wo sind die Amerikaner? 5 Gründe, warum Obama und Co. nicht in den Panama Papers auftauchen



Kurz nachdem am Sonntagabend die Panama Papers für ein gigantisches Beben in der Finanzwelt gesorgt hatten, tauchten erste kritische Stimmen auf. Der lauteste Vorwurf war: Die Journalisten, die das Datenleak veröffentlichten, konzentrierten sich in ihrer Berichterstattung auf die üblichen Verdächtigen – Putin, Assad, China – während die westliche Politprominenz und Wirtschaftsführer ungeschoren davonkamen. 

Tatsächlich ist erstaunlich, wie wenige Namen von amerikanischen Staatsbürgern und Firmen in den Unterlagen von Mossack Fonseca auftauchten. «Fusion», das an der Recherche der Panama Papers beteiligt war, identifizierte in einem ersten Bericht gerade einmal 211 Personen mit US-Adressen auf, die als Firmeninhaber in den Daten auftauchten – und da ist noch nicht einmal klar, ob alle diese Personen die US-Staatsbürgerschaft aufweisen. 

Die Schlussfolgerung, dass US-Staatsbürger und amerikanische Firmen auf die Tricks der Briefkastenfirmen verzichten, ist natürlich verfehlt: Jährlich werden über eine Billion US-Dollar vor dem Fiskus versteckt. Die Steuerausfälle gehen in die Milliardenhöhe.

Für die Abwesenheit von bekannten amerikanischen Namen gibt es gute Gründe – die wenig zu tun haben mit einer angeblichen gelenkten Berichterstattung. Das sind die fünf wichtigsten Gründe:

Panama 2016 ist nicht das gleiche Panama wie 1980

Panama galt einst als Paradies für Geschäftsleute, die es mit Gesetzen und moralischen Grundsätzen nicht so genau nahmen. Im kleinen mittelamerikanischen Landfleck zwischen Costa Rica und Kolumbien konnten sonnenbebrillte Geschäftsleute unbehelligt schmutzige Deals abwickeln – von Geldwäsche, über Drogenhandel bis hin zur Steuerflucht. Eine laxe Gesetzgebung und korrupte Behörden zogen zwielichtige Gestalten an. Bis George Bush Sr. 1989 beschloss, im «Hinterhof der USA» wieder mal ein wenig zu kehren und Regierungschef Manuel Noriega aus dem Amt zu hieven. Seither hat die Attraktivität des Landes als Steuerschlupfloch merklich abgenommen.

Bild

So sah das aus, damals in den 80er-Jahren in Panama City.
bild: playle.com

Die Konkurrenz schläft nicht

Während Panama in den 90er-Jahren in der Gunst der Amerikaner gesunken ist, entwickelten sich die Britischen Überseegebiete, Bermudas, Cayman Islands und die Jungferninseln zu den bevorzugten Steueroasen für reiche Amerikaner mit Fiskus-Phobie. Ein paar Griffe an den Hebeln der Gesetzgebungsmaschine katapultierten die Inseln in den Offshore-Olymp und die Vertrautheit mit dem britischen Justizsystem erleichterte den Anwälten die Arbeit. Hinzu kommt, dass Panama als notorisch instabil galt und gilt. Keine gute Voraussetzung, um seine Millionen in Sicherheit zu bringen.

«Hablas Ingles? No?»

Wie viele Amerikaner kennst du, die eine Fremdsprache sprechen? Genau. Anstatt sich also in Panama mit spanischsprachigen Anwälten, Dokumenten und Paragrafen herumzuschlagen, wichen die fremdsprachenscheuen Amerikaner, die ihr Geld in Offshore-Konstrukten parkieren wollten, lieber auf die nahe gelegenen Britischen Überseeterritorien aus. 

FILE - In this May 17, 2013 file photo, a flamingo walks along the beach on Necker Island in the British Virgin Islands. The British Virgin Islands is setting up a sanctuary for all shark species in its territorial waters to protect the imperiled marine predators whose global numbers have been rapidly dwindling. Necker Island is the home of Richard Branson, the British tycoon and adventurer who has been pushing Caribbean governments to better protect its marine environments. (AP Photo/Todd Vansickle, File)

Necker Island: Hier lässt es sich gut leben – und Geld parkieren.
Bild: Todd Vansickle/AP/KEYSTONE

Delaware, da komm ich her

«Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nahe.» Für US-Amerikaner gilt Goethes Aphorismus auch für den Finanzbereich: Während die USA mit dem Foreign Account Tax Compliance Act (Facta) den Kunden ausländischer Banken genau auf die Finger schauen, ist es in einigen Bundesstaaten mit der Transparenz nicht allzu weit her. Vor allem Delaware und Nevada legen Unternehmen und Privatpersonen, die ihren Reichtum unauffällig und unentdeckt schlummern lassen wollen, keine grossen Steine in den Weg. Im Gegenteil. Somalia habe leicht höhere Standards als Wyoming und Nevada, sagte ein Experte 2011 der Nachrichtenagentur Reuters. Somalia, das 2015 auf dem zweitletzten Platz des Korruptionsindexes von Transparency International gelandet ist. Knapp vor Nordkorea.

Johann Wolfgang von Goethe

Goethe wusste es schon lange: Als US-Amerikaner versteckt man sein Geld am besten in Delaware, Nevada oder Wyoming.
bild: wikipedia

Relax, da kommt vielleicht noch mehr

Noch sind bei Weitem nicht alle Daten von Mossack Fonseca ausgewertet und täglich veröffentlichen die an der Recherche beteiligten Medien neues Material zu den Panama Papers. Stefan Plöchlinger, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, dämpfte zwar auf Twitter die Euphorie auf kommende US-Enthüllungen. Dennoch: Gut möglich, dass in den nächsten Wochen noch weitere Namen auftauchen werden – auch aus den USA.

(wst)

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Beobachter24 09.04.2016 10:59
  • MaxM 08.04.2016 05:15
    Highlight Highlight Neee, all zu viel über die EU/USA-Politiker wird es kaum kommen: Irgendwo muss sich ja der Informant nun verstecken können. Wenn er dagegen alle belastet, wird es für ihn sehr schwierig.
  • Der Rückbauer 07.04.2016 19:35
    Highlight Highlight Wenn ich das so lese und überlege, kommt die Frage: Könnte es sein, dass die USA hinter den Panamapapers stecken, um selbst einzige Steueroase der Welt zu werden? Es gibt viele Argumente, die für diese Annahme sprechen. Das wichtigste ist wohl der internationale Informationsaustausch, der eine Einbahnstrasse ist: Die USA verlangen von allen Informationen, halten aber kein Gegenrecht. Eine Einbahnstrasse, wie vieles, das für die Hegemonie der USA spricht. Auch FATCA ist eine sehr einseitige Sache. - Besteht die Strategie, einziger Schurkenstaat der Welt zu werden?
  • smoe 07.04.2016 18:26
    Highlight Highlight «Hablas Ingles? No?»

    Es gibt da ein Sprichwort, was der Unterschied zwischen Miami und Panama City sei. In Miami sprächen mehr Leute spanisch.

    Einem Gringo, der eine grössere Menge Geld nach Lateinamerika bringen will wird schneller jemand mit praktisch akzentfreiem British English zur Seite gestellt, als er "Mary Had a Little Lamb" aufsagen kann.
  • Dominik I. 07.04.2016 17:56
    Highlight Highlight Die Abkürzung für dem Tax Compliance Act ist FATCA, nicht FACTA ;-)
  • 2sel 07.04.2016 17:30
    Highlight Highlight Ist doch klar: In Amerika gibt es keine Steuersünder sonst müssten sie ja die verklagen und könnten die Milliarden nicht von ausländischen Banken holen...
  • Patamat 07.04.2016 17:29
    Highlight Highlight Danke, dass der Hinweis auf eine der grössten Finanz-Oase der Welt doch mal gemacht wird. Was sich die USA erlauben, ist an Heuchelei kaum zu überbieten. Immer schön mit dem Finger auf andere zeigen, aber selbst ganz vorne mit dabei. Delaware-Leaks wären dringend nötig, um ihnen mal den Spiegel vorzuhalten.
    Zu Punkt 3: Das gilt wohl kaum als Argument. Gemäss Wikipedia leben in den USA mehr als 45 Millionen Menschen, die Spanisch sprechen.
    • Pitlane 07.04.2016 18:15
      Highlight Highlight Zu Punkt 3: Ja, in den USA leben viele Leute, die Spanisch sprechen. Aber es gilt zu bedenken, dass diese meist in tieferen Lohnschichten sind und nur wenige zu den Mächtigen und Reichen gehören, die an solchen Geschäften interessiert wären.
  • nimmersatt 07.04.2016 17:29
    Highlight Highlight btw: die geopolitisch wichtigen Staaten Europas sind auch nicht betroffen
    • Pakart 08.04.2016 00:09
      Highlight Highlight Genau, immer zuerst auf die Anderen.
  • nimmersatt 07.04.2016 17:28
    Highlight Highlight der zweifel erstreckt sich nicht bloss über die auswertung der daten, sondern auch über das leak bzw. den Umfang und/oder vollständigkeit

    Die Möglichkeit eines politischen Leaks durch gewisse Interessensgruppen oder staatliche Institutionen sollte in Zeiten des 'Informations-/Datenkrieges' in Erwägung gezogen werden.
  • elivi 07.04.2016 17:23
    Highlight Highlight vielleicht noch erwähnenswert ... Mossack Fonseca soll ja nur der 3. grösste anbieter solcher briefkasten sein ... also kann man sich vorstellen wieviele von den anderen briefkästen sonst noch für geheimnise haben ...
  • Str ant (Darkling) 07.04.2016 16:21
    Highlight Highlight two words Cayman Islands
  • walsi 07.04.2016 16:02
    Highlight Highlight Die Daten reichen aber 40 Jahre zurück, das wäre dann 1976. Das Argument, dass Panama wegen der Säuberung durch George Bush Sr. für Amerikaner nicht so interessant ist und deshalb nicht in den Unterlagen auftauchen greift irgendwie nicht so richtig.
  • Mumped 07.04.2016 15:49
    Highlight Highlight Hab gelesen, dass die USA nach China (Hongkong) und der Schweiz das drittbeliebteste Land für Steuerhinterziehung ist. Panama hat's nich mal in die Top 10 geschafft.
  • Wilhelm Dingo 07.04.2016 15:32
    Highlight Highlight Super geht Watson auf das Thema ein. Die Aussage des Artikels ist kuz und kanpp: Auf Panama gibt es nur vereinzelt Briefkästen von Amerikanern. Stimmt das?
  • silverback 07.04.2016 15:25
    Highlight Highlight Könnte aber auch andere Gründe haben.

    «Mehrere Kommentatoren, vor allem aus dem angloamerikanischen Raum, haben seit Wochenbeginn auf die Verbindungen des ICIJ und die Financiers hingewiesen (etwa hier oder hier). Auch bei Telepolis zitierte Markus Kompa einen kurzen Blogbeitrag des ehemaligen britischen Diplomaten Craig Murray, der die Geldgeber auflistete, darunter die Ford Foundation, die Open Society Foundation und die Rockefeller Foundation.»

    http://www.heise.de/tp/artikel/47/47878/1.html
  • bibaboo 07.04.2016 15:23
    Highlight Highlight 1 Trillion US-Dollars? scheint mir doch ein bisschen zu hoch. Nach meinen Mathematikkenntnissen wären das ja 10^18 und würde das BIP der USA um ein mehrfaches übersteigen.
    • herschweizer 07.04.2016 15:29
      Highlight Highlight das amerikanische Trillion ist weit weniger als 10*18... die messen auch noch in foot und inch und tanken gallons
    • Wilhelm Dingo 07.04.2016 16:16
      Highlight Highlight 1 US Billion = 1 EU Milliarde, 1 US- Trillion = 1 EU Billion, weiss auch nicht warum. Es ist also immer noch viel Geld...
    • Dä Brändon 07.04.2016 16:18
      Highlight Highlight ihre trillion ist unsere billion
    Weitere Antworten anzeigen
  • herschweizer 07.04.2016 15:19
    Highlight Highlight Könnte es sein das der Putin wieder schuld ist?

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