International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Heinz-Christian Strache bei der Burschenschaft Germania im Juni 2017. bild: spiegel online

Die FPÖ und die Nazi-Lieder

Nach Informationen des «Spiegel» war Österreichs Vizekanzler, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, zu Gast bei einer deutschnationalen Burschenschaft. Die Truppe war aufgefallen, weil bei ihr Liederbücher mit neonazistischen Texten gefunden wurden.

25.01.18, 18:53

Hasnain Kazim, Wien



Ein Artikel von

Es ist ein unscharfes Bild, aber der Mann ist eindeutig zu erkennen: Heinz-Christian Strache, 48, Chef der rechtspopulistischen FPÖ und Vizekanzler von Österreich seit Dezember 2017. Das Foto wurde ein paar Monate vorher aufgenommen, im Juni 2017, im Sparkassensaal der Wiener Neustadt. Es ist ein Fest zum 100-jährigen Bestehen der Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt. Strache trägt seine Burschenkappe, er selbst ist seit dem Alter von 15 Jahren Mitglied der Burschenschaft Vandalia Wien. Für seine Verbundenheit zur Germania wird ihm ein Ehrenband verliehen.

Ausgerechnet Germania: Straches Besuch dort wird ihn in Erklärungsnot bringen. Die 1917 gegründete, deutschnationale Burschenschaft Germania führt den Leitspruch: «Deutsch und treu in Not und Tod». Unlängst hat die Wiener Wochenzeitung «Falter» aufgedeckt, dass sie Liederbücher mit neonazistischen und antisemitischen Texten vorhält.

«Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: 'Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'», heisst es darin unter anderem. Und: «Da schritt in ihre Mitte ein schlitzäugiger Chines': 'Auch wir sind Indogermanen und wollen zur Waffen-SS.'» An anderer Stelle wird Österreich als Teil Deutschlands beschworen: «Was ist des Deutschen Vaterland? So nenne mir das grosse Land! Gewiss es ist das Österreich, an Ehren und an Siegen reich.»

Hinweise, dass Strache das Liederbuch gekannt haben könnte, gibt es nicht. Auch kam die «Falter»-Enthüllung erst nach seinem Besuch bei Germania. «Strache wurde vor der offiziellen Veranstaltung geehrt und verschwand dann schnell wieder», sagt einer, der an der Feier teilgenommen hat, aber namentlich nicht genannt werden möchte. «Es hatte den Anschein, dass er keine mediale Aufmerksamkeit in Zusammenhang mit seinem Auftritt dort will.»

«Burschenschaften haben nichts mit der FPÖ zu tun», hatte Strache unlängst behauptet. Und warum war er dann bei der Germania zu Gast? Aus seinem Umfeld ist zu hören, der Vizekanzler besuche viele Organisationen – «und ja, auch Burschenschaften». Ob er bei der Germania zu Wiener Neustadt gewesen sei, dazu wolle man sich jetzt nicht äussern, sagt sein Sprecher.

Schon früher aufgefallen

Ein FPÖ-Landespolitiker ist bereits durch seine Verbindungen zur Germania in Schwierigkeiten: Udo Landbauer, 31 Jahre alt, Sohn eines Österreichers und einer Iranerin, Spitzenkandidat der FPÖ zur Landtagswahl in Niederösterreich am kommenden Sonntag - und stellvertretender Vorsitzender der Burschenschaft.

Udo Landbauer bild: spiegel online

Landbauer war schon früher durch Verfehlungen aufgefallen. So warf er der in dem grössten Bundesland Österreichs regierenden ÖVP Ende 2017 eine «Islamisierung unserer Kleinsten in den Kindergärten» vor, verbreitete eine Fotomontage von Regierungschefin Johanna Mikl-Leitner in ein schwarzes Kopftuch gehüllt und vor einem Minarett, darunter die Worte: «Moslem-Mama Mikl abwählen», und hielt ihr «Zwangsislamisierung mit aller Gewalt» vor. Ein «Multi-Kulti-Wahnsinn» sei das, mit dem man da «zwangsbeglückt» werde, schimpfte er.

«Antisemitisch und absolut widerwärtig»

Das Liederbuch bringt den jungen Politiker nun erst recht in Bedrängnis. Bundespräsident Alexander Van der Bellen sagt: «Wer immer dafür verantwortlich ist, hat in der Politik nichts zu suchen.» Österreichs neuer Bundeskanzler Sebastian Kurz greift Landbauer zwar nicht direkt an, nennt die Liedtexte aber «rassistisch, antisemitisch und absolut widerwärtig». Der Journalist Hans-Henning Scharsach, Experte für Rechtsextremismus in Österreich, sagt, es sei ein generelles Problem vieler Burschenschaften, dass sie sich «von der Tradition des Nationalsozialismus nicht gelöst» hätten und Naziverbrechen verharmlosen oder bestreiten würden.

Van der Bellen (rechts) mit Sebastian Kurz. Bild: APA

Landbauer erklärt nun, er habe seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft «ruhend gestellt». Verlassen wolle er sie jedoch erst, wenn dort die Bereitschaft fehle, die Sache aufzuklären und «zu säubern». Mit antisemitischem und nationalsozialistischem Gedankengut habe er nichts zu tun, die Liederbücher habe er so nie gesehen.

Die Burschenschaft mit ihren 70 Mitgliedern erklärt, man habe die entsprechenden Stellen in den Liederbüchern geschwärzt beziehungsweise die Seiten herausgerissen. Man lehne «jede Diskriminierung von Religionen zutiefst ab sowie jegliche Art von Antisemitismus», heisst es in einer Stellungnahme. Dennoch beschlagnahmte die Polizei am Mittwochabend während einer Hausdurchsuchung bei der Burschenschaft 19 «Liederbücher» und zwei Ordner mit Unterlagen.

Warum wurde überhaupt solch ein Buch im Jahr 1997 gedruckt und weiter genutzt? Man werde klären, wie «derart menschenverachtende Liedertexte» abgedruckt und nicht «restlos entfernt» wurden, versprach die Burschenschaft. Und dass das Liederbuch noch nicht ersetzt worden sei, liege am Geldmangel – ein Neues solle ebenfalls in Leder gebunden sein.

Sieg Fail: So doof sind Nazis

Das könnte dich auch interessieren:

Familientrennungen an der US-Grenze: TV-Moderatorin bricht in Tränen aus

Haris Seferovic: «Irgendwann ist genug und dann platzt der Kragen»

EXKLUSIV: Hier erfährst du, wer die WM gewinnen wird! (Spoiler: Ich, der Picdump 😒)

«Die roten Linien werden eher dunkelrot»: Wie man in Brüssel die Schweiz sieht

Traum oder Albtraum? So ist es, als CH-Rock'n'Roll-Band in den USA auf Tour zu sein

Erdogans Schlägertrupp auf dem Vormarsch in die Schweiz

Mit dieser Begründung brechen 37 Studenten Prüfung ab

Schweizer Fussballfans verirren sich an die ukrainische Front

Netta sang zum Abschluss der Pride – aber vorher gab es wüste Szenen

13 seltsame Dinge, die uns am Trump-Kim-Gipfel aufgefallen sind

«Wieso sagen Schweizer gemeine Dinge über meine Schwester?»

Das absurdeste Museum der Welt und wir waren da – und bereuen es jetzt noch

Diese 7 Zeichnungen zeigen dir, wie es am Open Air wirklich wird

Du weisst noch nicht, wem du an der WM helfen sollst? Hier findest du DEIN Team!

präsentiert von

Diese 19 Fails für bessere Laune sind alles, was du heute brauchst

Warum das Kämpfchen gegen Netzsperren erst der Anfang war

Eine Szene – viele Wahrheiten 

Anschnallen bitte! So sieht der Formel-E-Prix von Zürich aus der Fahrerperspektive aus

15 Jahre ist es her: Das wurde aus den «DSDS»-Stars der 1. Stunde

Die Bernerin, die für den Sonnenkönig spionierte

Plastik ist das neue Rauchen – wie ein Material all seine Freunde verlor

Fertig mit Rosinenpicken: Es ist Zeit, dass auch Frauen bis 65 arbeiten

Wegen hoher Verletzungsgefahr: Diese Sportarten mögen Versicherungen gar nicht

Diese 18 genialen Cartoons über die Liebe und das Leben haben uns kalt erwischt 😥😍

«Pöbel-Sina» scheitert bei «Wer wird Millionär» an dieser super einfachen Frage – und du?

Was vom Bordmenü übrig bleibt – das kannst du gegen den Abfallwahnsinn im Flugzeug tun

Shaqiri ist der «dickste» Feldspieler – und 9 weitere spannende Grafiken zur Fussball-WM

Die ausgefallensten Hotelzimmer der Schweiz

Als muslimische Piraten Europäer zu Sklaven machten 

33 unfassbar miese Hotels, die so richtig den Vogel abgeschossen haben

Unerträgliche Regelschmerzen: Melanies Kampf gegen Endometriose

Diese Frau stellt absurde Promi-Fotos nach – 17 Lektionen, die wir von ihr lernen

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

16
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gar Manarnar 26.01.2018 08:37
    Highlight Welche Überraschung...

    Da werden jedoch mehrheitlich leider wieder nur "Aber die Linken auch!" Kommentare kommen. Traurig.

    Keine Toleranz für Neo-Nazis.
    25 5 Melden
    • Scott 26.01.2018 14:57
      Highlight "Keine Toleranz für Neo-Nazis."

      Was hat das jetzt genau mit diesem Artikel zu tun?
      3 15 Melden
    • Gar Manarnar 26.01.2018 16:59
      Highlight "Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million"

      "Waffen-SS"?

      Waffen-SS und Holocaust-Verherrlichung ist nicht Neo-Nazi-Gedankengut?

      Ah nein, stimmt, tut mir Leid, wir sind ja in einer Zeit, wo man Nazis nicht mehr Nazis nennen darf und das akzeptiert ist...
      10 2 Melden
  • Randy Orton 26.01.2018 03:48
    Highlight Und Titanic wird angezeigt, weil sie Kurz als Babyhitler bezeichnen. Darum wurde in Österreich ein grosses Tamtam gemacht. Dass 18 Politiker der rechtsextremen FPÖ in solchen Burschenshaften sind, dass wird von Strache und co. verschwiegen. Dass Landbauer und Strache als wichtige FPÖ-Vertreter sich nicht von den antisemitischen Inhalten distanzieren, sondern die Medien angreiffen, die den Skandal veröffentlicht haben sagt alles aus. Österreich hat seine Vergangenheit nie wie Deutschland aufgearbeitet, das haben sie nun davon und Kurz hat die Rechsextremen an die Macht geholt.
    19 5 Melden
  • DeVizzle 25.01.2018 22:42
    Highlight Fun fact: Wiener Neustadt ist ein eigener Ort weit ausserhalb Wiens; d.h. richtig hiesse es "in Wiener Neustadt" 😉
    12 0 Melden
  • flausch 25.01.2018 21:19
    Highlight Ach ja der Wehrsportgruppen Strache. Wer hätte das gedacht? Bei seinem Lebenslauf scheint es schier unmöglich das der mit rechtsnationalen "Burschis" abhängt.
    Oder ist er etwa doch noch ganz der Alte?
    Davon auszugehen das dieser "Exburschi" nicht weiss was die Germania so treibt wenn es doch längst schon im halben Land bekannt ist (Die Lieder sind nur das neuste) ist absolut Naiv.
    19 3 Melden

Rechtsextreme «Identitäre Bewegung» von Facebook und Instagram verbannt

Die Instagram- und Facebook-Seiten der «Identitären Bewegung» (IB) Deutschland und Österreich sind seit Donnerstag nicht mehr verfügbar. Sie sollen gelöscht worden sein.

Der Aufschrei in der rechtsextremen Szene war gross.

«Was bedeutet es für eine Demokratie, wenn kritische Stimmen wegzensiert werden?», fragte der Österreicher Patrick Lenart, Co-Präsident der IB Österreich, via Twitter.

Die Antwort kam postwendend:

Laut derstandard.at hatte der Facebook-Auftritt der als rechtsextrem …

Artikel lesen