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Russian President Vladimir Putin attends a meeting on agriculture while visiting farms in Rostov region, Russia, Thursday, Sept. 24, 2015. (Alexei Nikolsky/RIA-Novosti, Kremlin Pool Photo via AP)

Wladimir Putin hat mit dem Beschuss Syriens angefangen – sehr zum Ärger der USA.
Bild: AP/POOL RIA NOVOSTI KREMLIN

Putin bombt in Syrien – und die Welt schaut zu

Putin bombt in Syrien, und die Welt schaut zu. Das schmerzt, ist aber eine logische Konsequenz des westlichen Versagens in der Nahostpolitik, sagt Spiegel-Online-Redaktor Veit Medick.

Veit Medick, Washington / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Natürlich will man sich jetzt reflexhaft empören, dieser Wladimir Putin ist in seiner Selbstherrlichkeit ja auch schwer zu ertragen. Erst rüstet der russische Präsident in Syrien seinen Militärstützpunkt auf und spricht dies international nicht ab. Dann tritt er breitbeinig vor die UNO und gibt sich als grosser Anti-Terror-Stratege. Und jetzt fliegen seine Kampfjets schon Angriffe auf – ja auf was eigentlich?

Die unangenehme Wahrheit ist: Wir können uns über Russlands Einmischung in Syrien kaum beschweren.

Ob die russischen Bomben dem «Islamischen Staat» (IS) gelten oder doch eher den anderen Gegnern von Machthaber Assad, ist nicht wirklich klar. Wussten wir es doch! Diesem Putin ist einfach nicht zu trauen.

Alles richtig. Doch Empörung hilft nicht weiter. Die unangenehme Wahrheit ist: Wir können uns über Russlands Einmischung in Syrien kaum beschweren. Moskau springt auf einen Schauplatz, den wir scheuen. Der Westen, wenn man denn diesen verkürzenden Terminus noch verwenden möchte, kann und will gerade keine Kriege führen. Von Washington bis Berlin ist niemand bereit, sich wirklich die Hände schmutzig zu machen. Ein paar Luftangriffe, hier und da eine Ausbildungsmission – das war's.

Es gibt gute Gründe, sich in Syrien militärisch nicht oder zumindest nicht allzu sehr zu engagieren. Angesichts der zersplitterten Opposition ist höchst unklar, wer unterstützenswert ist. Mit Blick auf die Stärke und Brutalität des IS ist fraglich, wie langwierig ein Krieg gegen die Terroristen wäre. Aber es sind wohl weniger die strategischen Überlegungen, die ein entschlosseneres Eingreifen verhindern. Es sind die eigenen Erfahrungen der jüngsten Geschichte.

Der Westen, um es einfach auszudrücken, hat sich für weitere Einsätze nicht empfehlen können und seien sie auch noch so gut gemeint. Die Gesellschaften sind kriegsmüde. 

Ein Blick auf die militärischen Abenteuer, in die sich der Westen in den vergangenen knapp 15 Jahren in der Region stürzte, genügt. Ob Irak, Afghanistan oder Libyen – die Kosten dieser Kriege waren ausserirdisch, nur ist das Kalkül nirgendwo aufgegangen. In den Irak sind die USA marschiert, ohne sich Gedanken über die Konsequenzen zu machen. Aus Afghanistan ziehen wir Deutschen ab, ohne uns über die Folgen im Klaren zu sein. Und über Libyen spricht lieber niemand mehr.

Die Zurückhaltung in Syrien und übrigens auch im Jemen zeigt, wie sehr die Desaster seit 2002 die Interventionspolitik diskreditiert haben, und zwar auch solche, die humanitäre Gründe haben. Der Westen, um es einfach auszudrücken, hat sich für weitere Einsätze nicht empfehlen können und seien sie auch noch so gut gemeint. Die Gesellschaften sind kriegsmüde. Unter den Mächtigen ist die Angst zu gross, erneut in unkontrollierbare Missionen gezogen zu werden.

Unter den Mächtigen ist die Angst zu gross, erneut in unkontrollierbare Missionen gezogen zu werden.

Jetzt müssen wir ausgerechnet Putin dabei zusehen, wie er das Vakuum füllt, sich zum Kämpfer gegen das Böse stilisiert und doch nur seine ganz eigene Agenda verfolgt. Es ist eine späte, aber äusserst unangenehme Strafe für die missglückten Kriege in der Region.

Syrien: Der vergessene Krieg

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    Alle Leser-Kommentare
  • D. Wright 01.10.2015 11:31
    Highlight Highlight c'mon das geht doch klüger...
  • Sapere Aude 01.10.2015 11:18
    Highlight Highlight Sie verstehen mich falsch, natürlich ist das nicht in Ordnung, jedoch finde ich es nicht per se erwähnungswert, weil es ja eh alle machen. Ob Regierungen, Medien ode Firmen, alle versuchen bis zu einen gewissen Grade die Menschen zu manipulieren. Ich versuche mir so gut wie es geht ein differenziertes Bild zu machen.
  • Roger Gruber 01.10.2015 07:45
    Highlight Highlight Gemäss Udo Ulfkotte ist es üblich, dass westliche Medien (v.a. deutsche wie FAZ und Spiegel wie auch viele andere) Artikel direkt von US-Geheimdiensten erhalten, wo die "Journalisten" nur noch ihren Namen darunter schreiben vor Veröffentlichung. Dieser Artikel ist so lächerlich und könnte nicht verlogener sein, da könnte man denken, Udo Ulfkotte hätte recht gehabt... Konkret: die USA bomben schon seit Jahren in Syrien, kaum was dringt durch. Wenn die Russen dasselbe, aber effizienter tun, kommen die Meldungen von zivilen Opfern schon, bevor die Jets gestartet sind...
    • Henrix 01.10.2015 09:05
      Highlight Highlight Das Buch von Ulfkotte ist urigens sehr lesenswert, und jedem der sich mal etwas über den Tellerrand informieren möchte dringend empfohlen. Sonst kann man auch mal seine Interviews auf YouTube anschauen.
    • Sapere Aude 01.10.2015 09:26
      Highlight Highlight Mag sogar sein, kenne das Buch nicht. Schlussendlich machen die Russen genau das gleiche. Jeder hat seinen Propagandaaparat.
    • Roger Gruber 01.10.2015 09:50
      Highlight Highlight Sapere Aude, wenn die Russen von ihrer Regierung belogen werden, ist das ihre Sache, was sie glauben wollen. Wenn Sie aber finden, dass es kein Problem ist, von unseren Medien belogen zu werden, weil das anderswo auch so ist, dann rate ich Ihnen, Ihre Gedanken mal neu zu ordnen...

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