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Pussy Riot ist die Gegenstimme zu Putin – und das steckt dahinter

Bild: screenshot pussy riot - straight outta vagina

Max Biederbeck / watson.de



Ihre Sache war schon immer die grosse Bühne. Auch zur Weltmeisterschaft haben sie es geschafft. «Pussy Riot» – das feministische Moskauer Punk-Kollektiv ist in Russland die wohl rotzigste Gegenstimme zu Wladimir Putin. Die WM schien bis dato keinen Raum für politischen Protest zu bieten.

Aber, wer flitzte da eigentlich genau über den Platz?

Pussy Riot hat in der Vergangenheit immer wieder kremlkritische Aktionen an öffentlichen Orten inszeniert.

Auch diesmal bekennen sich Aktivistinnen der Gruppe. Hier im Video:

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Video: YouTube/wearepussyriot

Hier im Post:

Putin kennt seine Gegnerinnen eigentlich schon seit 2012. Doch mittlerweile kämpft er nicht nur gegen eine wachsende Bewegung, sondern auch gegen ein Symbol. Bei der WM flitzten neue Anhänger der Punk-Band über den Platz, darunter übrigens auch ein Mann.

Doch die Bewegung hat sich gewandelt – nur die bunten Sturmhauben sind noch immer die gleichen:

Die Geburt des Symbols "Pussy Riot"

Globale Aufmerksamkeit bekam das Kollektiv zum ersten Mal 2012. «Pussy Riot» hielt ein «Punk-Gebet» in Moskaus wichtigster orthodoxer Kathedrale ab. 

Weltweit berichteten Medien vor allem über zwei der Aktivistinnen mit ihren bunten Balaclavas. Maria Alyokhina und Nadezhda Tolokonnikova wurden wegen «Hooliganismus aus religiösem Hass» zu einer Haftstrafe von 24 Monaten Arbeitslager verurteilt.

Russian political activists Nadya Tolokonnikova, center, and Maria Alyokhina, left, of the Russian punk band Pussy Riot, join Sen. Ben Cardin, D-Md., the chairman of the Helsinki Commission in seeking action to stop violations of human rights by pro-Russian militants in the Ukraine region, at the Capitol in Washington, Tuesday, May 6, 2014. At right is Pyotr Verzilov, Nadya Tolokonnikova's husband who helped to interpret. The political activists spent more than a year behind bars for performing songs critical of Russian leader Vladimir Putin. (AP Photo/J. Scott Applewhite)

Maria Alyokhina (l.) und Nadezhda Tolokonnikova Bild: AP/AP

Das löste globale Proteste aus, die bunten Sturmhauben der Gruppe verwandelten sich in Zeichen des politischen Widerstands. Die öffentliche Aufmerksamkeit für die eigentlich kleine Aktion war enorm.

Nach 21 Monaten begnadigte Putin die beiden Aktivistinnen dann schliesslich, der öffentliche Druck war zu gross geworden. Sein Versuch, die Bewegung klein zu halten, war damit gescheitert.

Die Geburt der politischen Bewegung «Pussy Riot»

Das lag auch daran, dass Putin die Attraktivität und die Zahl der UnterstützerInnen der Riots-Ideen-Lehre unterschätzte. Das Kollektiv bestand nie nur aus einer Punk-Band, sondern schon immer aus einem Netz an Unterstützern. 

Sie orientieren sich noch heute an der sogenannten «Riot Grrrl»-Kultur. Eine feministische Jugendszene, die sich in den 90ern in den USA vom männlich dominierten Hardcore-Punk-Genre abspaltete.

Die ersten Pussy-Riot-Aktivistinnen mischten bei ihrer Gründung 2011 noch die linke Ideologie der anarchistischen Kunstgruppe «Voina» aus Moskau hinzu.

Es entstand eine Mischung aus Subkultur und oppositionellem Gedankengut. Sie begann schon vor dem bekannten «Punk-Gebet» ihre Wirkung in der Putin-kritischen Jugend in Moskau zu entfalten. Schon im Januar 2012 hatten acht Frauen auf dem Roten Platz eine Performance aufgeführt. Ihr Titel: «Putin has pissed himself». 

Pussy Riot wächst trotz Haft

Die russische Regierung versuchte, per Schau-Prozess und anschliessender Begnadigung das Phänomen «Pussy Riot» an bestimmten Personen festzumachen, und es so zu isolieren. Zu Beginn schien das zu funktionieren.

Nach ihrem Gefängnis-Aufenthalt gingen die beiden berühmtesten Aktivistinnen und ihr Kollektiv getrennte Wege – Alyokhina und Tolokonnikova gründeten eine Organisation für die Rechte von Gefangenen. Der Rest von «Pussy Riot» sah darin einen Bruch mit ihrer aktivistischen Ideologie. «Wir haben zwei Freundinnen verloren», schrieb die Gruppe in einem offenen Brief 2014.

Danach schienen die Aktivisten aber wieder zusammenzufinden. Alyokhina wurde 2017 erneut verhaftet, nachdem sie mit einer anderen Pussy Riot-Aktivistin für die Freilassung eines inhaftierten ukrainischen Filmemachers protestierte. Anschliessend tauchten immer neue Musikvideos des Kollektivs auf. Auch zusammen mit Tolokonnikova.

Sie demonstrierte darin auch gegen Donald Trump:

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Video: YouTube/wearepussyriot

Das Kollektiv tourte in wechselnden Besetzungen auf Musikfestivals. Mit Hilfe eines Crowdfundings wollen die Aktivistinnen ein Theaterstück über Pussy Riot auf die Bühne bringen.

Dieser Song stammt aus dem März 2018:

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Video: YouTube/wearepussyriot

Die Videos werden immer professioneller. Die Aktionen der Bewegung, so zeigt der Fall des WM-Finales, finden auch weiter in Russland selbst statt. Hinter Pussy Riot stecken, so scheint es, mittlerweile weit mehr als die acht Aktivistinnen von damals. Da ist eine Bewegung entstanden.

Was bedeutet das alles für die FlitzerInnen?

Noch einmal wird Putin seine Fehler aus 2012 nicht wiederholen. Eher ist zu erwarten, dass die russische Justiz die FlitzerInnen vom WM-Finale so leise wie möglich unter Kontrolle bringen möchte. Dazu gehört es, dass Behörden jenseits der Öffentlichkeit Druck ausüben, selbst wenn die aktuellen FlitzerInnen wieder freikommen.

Klar ist aber auch, die bunten Sturmhauben sind wieder in aller Munde. Ihre Ideologie hat in der russischen Jugend Wurzeln geschlagen. Sie hat der ansonsten so makellosen WM Russlands gerade einen ordentlichen Tritt verpasst.

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Skeptischer Optimist 17.07.2018 05:46
    Highlight Highlight Peinliche Lobhudelei für eine Irrelevanz.
  • P1erre991 16.07.2018 20:13
    Highlight Highlight Mutig sind sie ja, aber ob gerade die WM die richtige Plattform ist? Das könnte teuer werden!
  • Flexon 16.07.2018 19:46
    Highlight Highlight Sehr schön das Watson zu diesem Thema mehr zu sagen hat als Sascha Ruefer, der sich hämisch beinahe darüber freute, dass die AktivistInnen demnächst in Sibirien Steine knacken dürften.
  • Gregor Hast 16.07.2018 19:32
    Highlight Highlight Verstehe nicht weshalb wegen diesen Rotzgören ein solches Geschrei gemacht wird. Ihre Musik ist schrecklich, ihre Manieren sind im Eimer und ihr Respekt gegenüber ihrer Heimat lässt zu wünschen übrig.
    • Gähn 17.07.2018 09:14
      Highlight Highlight Respekt gegenüber seiner Heimat beinhaltet meiner Ansicht nach auch das anprangern von Missständen.
      Oder willst du uns mal wieder sagen, dass Meinungsfreiheit nur für die rechten gilt, wenn sie andere beleidigen und ganze Bevölkerungsgruppen verunglimpfen wollen?
      Oder gilt diese nur, wenn Leute wie du mal wieder kräftig jammern wollt, über die nichtssagende Minderheit der linken? Angeblich sollen die ja an allem schuld sein, nur an der Existenz langweiliger Trolle nicht.
  • ZaharztAua 16.07.2018 19:10
    Highlight Highlight Ich möchte so eine PussyRiot Mütze fürs Skifahren.
    • Gregor Hast 17.07.2018 19:59
      Highlight Highlight Dann strick dir doch eine!
  • Dirk Leinher 16.07.2018 18:12
    Highlight Highlight In Russland scheinen diese, vorsichtig ausgedrückt, etwas verwirrt wirkenden "Akteure" ja mehr Freiraum zu geniessen als im Westen, wie das Beispiel Pjotr Pawlenski zeigt. Der wurde nun wirklich ruhiggestellt, aber nicht von Russland: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/russland-regimekritiker-pjotr-pawlenski-in-psychiatrie-eingewiesen-a-1074349.html

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