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«Zweifelhaft»: Russischer Investigativ-Journalist muss in Hausarrest



epa07635721 Meduza news project journalist Ivan Golunov attends pre-trial court hearing at Nikulinsky court in Moscow, Russia, 08 June 2019. Meduza special correspondent Ivan Golunov was arrested on 06 June on suspicion of possession of a controlled substance with intent to distribute. Moscow police now say they found more than five grams of cocaine when searching Golunov's home.  EPA/SERGEI ILNITSKY

Bild: EPA/EPA

Der in Moskau wegen Drogenverdachts festgenommene Investigativ-Journalist Iwan Golunow muss in Hausarrest. Er darf seine Wohnung zwei Monate nicht verlassen.

Das entschied ein Gericht am Samstagabend in der russischen Hauptstadt, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete. Die Staatsanwaltschaft hatte Untersuchungshaft gefordert.

Der Journalist war am Nachmittag im Spital untersucht worden. Er beschuldigte die Polizei, ihn im Zuge seiner Festnahme geschlagen zu haben. Die Beamten in Moskau bestritten dies.

Nach einem kurzen Klinikaufenthalt war er im Gericht. Die Ärzte beurteilten Golunows Gesundheitszustand als zufriedenstellend. Spitalaufenthalt sei nicht notwendig, hiess es Medienberichten zufolge. Es sei etwa ein Hämatom am Wangenknochen festgestellt worden. Der Reporter arbeitet für das regierungskritische Nachrichtenportal Meduza.

epa07634606 Journalists and supporters of the Meduza news project journalist Ivan Golunov gather near Nikulinsky court for his pre-trial hearing in Moscow, Russia, 08 June 2019. Meduza special correspondent Ivan Golunov was arrested on 06 June on suspicion of possession of a controlled substance with intent to distribute. Moscow police now say they found more than five grams of cocaine when searching Golunov's home.  EPA/SERGEI ILNITSKY

Bild: EPA/EPA

Der Polizei zufolge waren bei Golunow Kokain und die als Aufputschmittel missbrauchte Substanz Mephedron gefunden. Er wies die Anschuldigungen zurück: «Ich habe kein Verbrechen begangen. Ich bin bereit, die Ermittlungen zu unterstützen. Ich habe keine Beziehung zu Drogen und habe sie nie benutzt», zitierte ihn die Agentur Tass im Gerichtssaal.

Meduza vermutete seine journalistische Arbeit als Hintergrund für die Ermittlungen. Der Journalist sei in den vergangenen Monaten bedroht worden. Viele Journalisten in Russland solidarisierten sich mit ihm. Eine Online-Petition zur Freilassung des Reporters unterstützten bis zum Abend mehr als 70'000 Menschen.

Amnesty International bezeichnete die gegen Golunow erhobenen Anschuldigungen als «zweifelhaft», die einem «leider altbekannten Muster» folgten. Russland liegt in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen auf Platz 149. Damit rangiert es noch hinter Mexiko, Simbabwe und Algerien. (aeg/sda/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • neoneo 08.06.2019 22:44
    Highlight Highlight Dies Praktik kennen wir bereits bestens aus den USA. Free Julian & Iwan!
    • N. Y. P. 09.06.2019 07:27
      Highlight Highlight Nein, diese Praktik kennen wir nicht aus den USA.

      In den USA kann die Presse, bzw. die Journalisten, das System, den Präsidenten etc. nach Belieben frei kritisieren. Sie werden nicht unter einem Vorwand verhaftet..
    • neoneo 09.06.2019 09:29
      Highlight Highlight Stimmt, in den USA werden sie gleich sterben geholfen.. "Autounfall", "Selbstmord".
    • Brezel Hugger 09.06.2019 15:29
      Highlight Highlight Amnesty findet die Inhaftierung von Assange aber voll ok. Wo liegt der Unterschied?
    Weitere Antworten anzeigen

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