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In this image made from video provided by Homs Media Centre, which has been verified and is consistent with other AP reporting, smoke rises after airstrikes by military jets in Talbiseh of the Homs province, western Syria, Wednesday, Sept. 30, 2015. Russian military jets carried out airstrikes in Syria for the first time on Wednesday, targeting what Moscow said were Islamic State positions. U.S. officials and others cast doubt on that claim, saying the Russians appeared to be attacking opposition groups fighting Syrian government forces. (Homs Media Centre via AP)

Rauchsäulen gen Himmel: Aufnahmen aus der Kleinstadt Talbiseh – die Luftschläge gehen aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Konto der russischen Luftwaffe.
Bild: AP/Homs Media Centre

Erste Attacken mit Kampfjets: Russland bombardiert in Syrien diverse Rebellen-Milizen – nur nicht den IS

Die russischen Luftangriffe in Syrien gelten dem «Islamischen Staat» – sagt zumindest die Regierung. Doch die ersten Attacken trafen nicht den IS, sondern Rebellen. Das nützt Assad.

Raniah Salloum



Ein Artikel von

Spiegel Online

Der russische Militäreinsatz in Syrien läuft. Die Frage ist: Wer wird da eigentlich bombardiert? Moskau hatte die USA vorgewarnt, dass es in unmittelbarer Nähe der Stadt Homs angreifen werde. Die US-Einheiten sollten sich während der Attacke aus dem syrischen Luftraum zurückzuziehen.

Der Haken: In unmittelbarer Nähe der Stadt Homs befindet sich der IS gar nicht. Es habe nicht den Anschein, als würde Russland die Terrormiliz angreifen, sagte dann auch ein US-Beamter. Ähnlich schätzten auch französische Quellen die Lage ein.

Russisches Verteidigungsministerium veröffentlicht Videomaterial von Luftschlägen

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YouTube/Iraqi Syriac

Augenzeugen in Syrien sprachen von Bombenangriffen russischer und syrischer Kampfjets auf die Kleinstadt Talbiseh in unmittelbarer Nähe der Stadt Homs sowie auf Allatamna in der Provinz Hama, nördlich der gleichnamigen Stadt. Das Assad-treue syrische Staatsfernsehen berichtete ebenfalls von insgesamt sieben russischen Angriffen bei Homs und Hama in Koordination mit syrischen Kampfjets.

Kämpfer des «Islamischen Staats» wird man in dieser Region kaum finden, wohl aber verschiedene syrische Rebellengruppen.

Alle möglichen Milizen, aber keine IS-Kämpfer

Homs und Umgebung gelten als eine der Hochburgen der Protestbewegung gegen Präsident Baschar al-Assad. In der Stadt und benachbarten mehrheitlich sunnitischen Kleinstädten wie Talbiseh war es 2011 zu Massendemonstrationen gegen das syrische Regime gekommen, die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Doch es gelang Damaskus bis heute nicht, die Region wieder ganz unter Kontrolle zu bringen.

In Talbiseh gibt es mehrere Milizen: Radikalislamisten von «Ahrar al-Scham» und der Nusra-Front, die zu al-Kaida hält. Ebenso Einheiten, die sich zur «Freien Syrischen Armee» (FSA) zählen. So nennt sich der lose Verband der Oppositionellen, die seit 2011 gegen Assad kämpfen. In Allatamna soll ein Stützpunkt einheimischer Rebellen getroffen worden sein, die sich selbst zur FSA bekennen.

Aus Sicht des Assad-Regimes und der mit ihm verbündeten Regierungen Russlands und Irans sind Assad-Kritiker «Terroristen», egal ob Zivilisten, Kämpfer oder Dschihadisten.

Russland greift im Westen an, die USA im Osten

Für Damaskus sind die syrischen Rebellen die grössere Bedrohung als der IS. Denn die Rebellen sind zuletzt in den Kernregionen des Regimes immer weiter vorgerückt: in den Provinzen Latakia an der Küste, sowie in Hama und Homs.

Im dichtbesiedelten Westen liegen die wichtigen Städte des Landes – und es finden sich, ebenso wie in Zentralsyrien, viele Unterstützer des syrischen Regimes. Der IS dagegen hält Teile des dünnbesiedelten Ostens, viel davon Wüste. Damaskus kann auf diese Gebiete auch verzichten.

Burkhalter fordert Kontaktgruppe

In bilateralen Treffen am Rande der UNO-Generalversammlung hat Bundesrat Didier Burkhalter am Mittwoch in New York sowohl den russischen Aussenminister Sergej Lawrow als auch den iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif getroffen. Gegenüber dem russischen Aussenminister sprach sich Burkhalter für die Schaffung einer Kontaktgruppe für Syrien aus. Dieser Kontaktgruppe sollten Länder mit Gewicht, vor allem Russland und die USA sowie Vertreter der regionalen Staaten, darunter Iran und Saudi-Arabien, angehören. (sda)

Die bisherigen Angriffe zeigen: Russlands Priorität in Syrien ist es, Baschar al-Assad zu helfen. Die Bekämpfung des IS scheint zweitrangig, anders als offiziell erklärt. Insofern ist es unwahrscheinlich, dass sich russische und amerikanische Kampfjets in die Quere kommen werden. Denn die Amerikaner konzentrieren sich auf die Dschihadisten. Während die Russen also vor allem im Westen Syriens bombardieren dürften, werden die USA weiter im Osten angreifen. Tatsächlich ignorierten die Amerikaner die Aufforderung Russlands und flogen ihrerseits am Mittwoch Angriffe in Syrien. Die Ziele lagen bei Aleppo im Norden.

Erste Tote – möglicherweise durch russischen Beschuss

Russland hat sich bisher offen gehalten, wie lange die Bombardierungen anhalten sollen. Sie könnten die Flucht vieler Syrer ins Ausland beschleunigen. In Allatamna wurde nach Angaben der örtlichen Rebellen niemand verletzt. Doch in Talbiseh sollen nach Angaben von Khaled Khoja, Chef des syrischen politischen Oppositionsrats, Zivilisten getötet worden sein.

Es ist unklar, ob sie russischen oder syrischen Angriffen zum Opfer fielen. Damaskus greift täglich mit unpräzisen Bomben Ziele im eigenen Land an und hat so weite Teile entvölkert.

Syrien: Der vergessene Krieg

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Openyourmind 30.09.2015 22:42
    Highlight Highlight Ein gut recherchierter Artikel so:
    http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/international/international-sda/Zweifel-ueber-Ziel-der-russischen-Luftschlaege;art46446,603608

    Werde den Eindruck nicht los, dass Frau Salloum nicht wirklich unabhängig schreibt.....
    • The Destiny // Team Telegram 30.09.2015 23:59
      Highlight Highlight Danke, super Link, der Artikel ist nicht so ellenlang wie der vom Spiegel aber er fast alles sehr Neutral und sachlich zusammen.
  • Zwiebelbrot 30.09.2015 20:52
    Highlight Highlight Die Berichterstattung entäuscht mich.
    Die Al-Nusta-Front und Co. sind ja auch gefährlich. Die Russen jetzt zu beschuldigen "die Falschen" zu bombadieren ist auch nicht richtig. Auch bei den meidten Attacken der Amis hat's tote Zivilisten gegeben, alles andere ist Scheinheilig.
    Assad zu Unerstützen geht ja auch nicht, aber die amerikanische Alternative, alles was dem IS hilft zu zerstören ist nicht viel besser. Es gibt keine "anständige" Macht in Syrien/Irak. Das Problem muss bei der Wurzel gepackt werden und eine international Anerkannte und "neutral-akzeptierte" Regierung geformt werden.
    • Joey Madulaina 01.10.2015 09:45
      Highlight Highlight Die nicht-islamistischen Rebellen werden von Russland auch bombardiert, und das wären die, die evtl mit den Kurden Syrien nach dem Krieg neu aufbauen könnten. Weder Assad noch IS noch eine andere islamistische Terrormiliz darf gewinnen - die Türkei und Russland unterstützen das jedoch ziemlich direkt, auch wenn sie offiziell den IS bekämpfen...
  • Tropfnase 30.09.2015 20:48
    Highlight Highlight Fast wie die Türkei!
    • Officer 30.09.2015 21:43
      Highlight Highlight Nur fast, denn jetzt wird lauter geschrien.

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