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epa06145192 A picture released by the North Korean Central News Agency (KCNA) North Korean leader Kim Jong Un inspecting plans to fire missiles towards the US Pacific territory of Guam at the Command of the Strategic Force of the Korean People's Army (KPA), Pyongyang, DPRK: North Korean 14 August 2017, (issued 15 August 2017). According to North Korean state media on 09 August 2017, the North is considering a potential pre-emptive strike with medium-to-long-range strategic ballistic missiles on Guam, where US tactical bombers are based. The threat follows US President Donald J. Trump's warning to Pyongyang that any threat to the USA 'will be met with fire and fury like the world has never seen.' The exchanges marked rising tensions between the two countries.  EPA/KCNA

Steckt in Kims Interkontinentalraketen Technologie aus der Ukraine? Russland wirft diesen Verdacht auf. Bild: EPA/KCNA

Hatte Kims Nordkorea fremde Hilfe beim Bau seiner Raketen?

Sieben neue Raketenmodelle in wenigen Jahren – wie macht Nordkorea das? Wohl kaum ohne Hilfe, meinen Experten. Antriebe könnten aus der Ukraine stammen. Moskau nutzt diesen Verdacht für seine Zwecke aus.

Christina Hebel, Moskau



Ein Artikel von

Spiegel Online

Bedroht Kim Jong Un die USA tatsächlich mit Raketen, die von ukrainischen Antrieben befeuert werden? Das fragt die Moderatorin im russischen Staatsfernsehen, um dann auch gleich von einem Skandal zu sprechen.

This photo distributed by the North Korean government shows what was said to be the launch of a Hwasong-14 intercontinental ballistic missile, ICBM, in North Korea's northwest, Tuesday, July 4, 2017. Independent journalists were not given access to cover the event depicted in this photo. North Korea claimed to have tested its first intercontinental ballistic missile in a launch Tuesday, a potential game-changing development in its push to militarily challenge Washington — but a declaration that conflicts with earlier South Korean and U.S. assessments that it had an intermediate range. (Korean Central News Agency/Korea News Service via AP)

Die Hwasong-14 beim Raketenstart im April. Bild: AP/KCNA via KNS

Ausführlich griff «Rossija 24» am Mittwoch Meldungen auf, wonach Motoren für die nordkoreanischen Mittelstrecken- und Interkontinentalraketen aus Beständen der ukrainischen Firma Juschmasch stammen könnten.

Die ukrainische Regierung hat das, wie das Unternehmen auch, zurückgewiesen. In Kiew spricht man von einer «russischen Provokation». Allerdings hält selbst der Chef des ukrainischen Konstruktionsbüros Juschnoje Alexander Degtjarjow es für möglich, dass Triebwerke aus der ehemals sowjetischen Raketenfabrik kopiert worden sein könnten.

Russlands Vizeregierungschef Dmitrij Rogosin kommentierte das am Mittwoch mit den Worten, ohne die Hilfe ukrainischer Experten seien solche Kopien ja wohl kaum möglich. Die nächste Provokation.

Der Nordkorea-Konflikt ist damit zum Gegenstand des russisch-ukrainischen Propagandakriegs geworden. Fakten werden grosszügig ausgeblendet.

So vermieden es russische Medien auf den Ursprung der Meldungen einzugehen: der Studie von Michael Elleman, Experte beim in London ansässigen International Institute for Strategic Studies, kurz IISS.

Elleman untersucht darin die Frage, wie Nordkorea so schnell Fortschritte bei seinen Interkontinentalraketen erzielen konnte. Wofür andere Länder wie die USA und Sowjetunion viele Jahre und unzählige Tests benötigten, braucht das Regime, so scheint es, nur einen Bruchteil der Zeit.

Im Juli liess Machthaber Kim Jong Un zwei Langstreckenraketen vom Typ Hwasong-14 erfolgreich abschiessen. Die erste, so berechneten Experten, hätte bis nach Alaska fliegen können. Die zweite, wenn sie flacher abgeschossen worden wäre, bis in die kontinentalen USA.

Für das Regime ein Erfolg, der nach Meinung von Fachleuten ohne Hilfe aus dem Ausland kaum möglich ist. Kein anderes Land habe so schnelle Fortschritte gemacht wie Nordkorea, sagt Elleman. Er glaubt, dass Nordkorea die Hochleistungs-Flüssigstofftriebwerke trotz strikter Sanktionen im Ausland gekauft hat. Elleman vermutet illegale Netzwerke in der Ukraine und/oder Russland, über die Pjönjang die Technik erworben haben könne.

Konkret nennt der Experte die Firma Juschmasch als eine der Quellen, ein ukrainisches Rüstungsunternehmen in Dnipro. Für diesen Vorwurf wird IISS-Experte Elleman in ukrainischen sozialen Medien nun angefeindet.

Elleman erwähnt in seinem Bericht aber nicht nur diese ukrainische Firma, sondern auch den russischen Konzern Energomasch. Dies aber fand in der Berichterstattung bisher kaum Raum: In Russland ohnehin nicht, zumal die für das Unternehmen zuständige Behörde Roskosmos schweigt. Auf Anfrage des «Spiegel» lehnte sie es ab, den Bericht zu kommentieren. Aber auch international nicht, da die «New York Times», die als erste über die Studie berichtete, in ihrer Überschrift nur die Ukraine nannte.

In beiden Unternehmen, Juschmasch und Energomasch, wurde der sowjetische Raketenantrieb des Typs RD-250 hergestellt; bei Juschmasch bis 2001. Welche Lagerbestände es noch gibt, ist nicht bekannt.

epa04456623 Rocket parts are seen at the PA Yuzhmash aerospace enterprise (A.M. Makarov Southern Machine-Building Plant), as Ukrainian President Petro Poroshenko visits the plant in Dnipropetrovsk, Ukraine, 21 October 2014. Local media were citing Petro Poroshenko as syaing, that Yuzhmash will get a government order. Yuzhmash is a stae-owned Ukrainian manufacturer of space rockets, agricultural equipment, satellites and technical equipment.  EPA/MYKHAILO MARKIV / POOL

Die ukrainische Raketenfabrik Juschmasch. Bild: EPA/PRESIDENT PRESS-SERVICE / POOL

Elleman glaubt nach Analysen, dass Nordkorea genau diesen sowjetischen Raketenantrieb nutzt. Wie alle Experten muss auch er sich bei seinen Untersuchungen auf die Fotos und Videos der Raketen stützen, die Nordkorea über staatliche Kanäle verbreitet.

Sieben neue Modelle – «mal eben so»

Robert Schmucker, Raketenbauingenieur, der mit 73 Jahren noch als Professor an der Technischen Universität München lehrt, stützt Ellemans Analysen: «Es ist ziemlich klar: Das Triebwerk der Hwasong-14 stammt aus der Baureihe RD-250, die wurde in den Sechzigerjahren für russische Langstreckenraketen entwickelt.»

Nordkorea könne gar nicht ohne fremde Technik arbeiten, in den vergangenen Jahren hätte Pjöngjang sieben neue Raketenmodelle «mal eben so» präsentiert. «Es ist sieht so aus, als würde Nordkorea alles nehmen, was es bekommen kann.»

FILE - In this Friday, July 26, 1996 file photo, an engineer examines the engine of the SS-19 intercontinental ballistic missile at the Yuzhmash aerospace enterprise (Southern Engineering plant) in Dnipro, Ukraine. The New York Times reported Monday, Aug. 14, 2017 that Pyongyang's quick progress in making ballistic missiles potentially capable of reaching the United States was made possible by black-market purchases of powerful rocket engines, probably from the Ukrainian plant in Dnipro. Ukrainian officials denied the claim. (AP Photo/Efrem Lukatsky, File)

Ein Juschmasch-Ingenieur untersucht den Antrieb einer Interkontinentalrakete des Typs SS-19. Bild: AP/AP

Unter Experten gilt es als unbestritten, dass ein grosser Teil der nordkoreanischen Raketen, vor allem die mit flüssigem Treibstoff, aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion stammt. Die Feststoffraketen wiesen dagegen grosse Ähnlichkeiten mit chinesischen Modellen auf, sagt Schmucker.

Er spricht von einer Abschuss-Show der Nordkoreaner und glaubt, dass das Regime dabei auch auf Experten aus dem postsowjetischen Raum zurückgreift. «Der Antrieb allein ist es nicht, es braucht Personal mit Erfahrung, das die Raketen zusammenbaut.»

Wann und wie die Raketen sowjetischer Bauart nach Nordkorea gelangt sein könnten, ist unklar. Seit 1991 habe Russland keine Waffen und Militärtechnik nach Nordkorea geliefert, sagt Igor Korotschenko, Herausgeber der Zeitschrift «Nationale Verteidigung». Das sind allerdings die offiziellen Angaben. Was im Chaos nach dem Zerfall der Sowjetunion an Konstruktionsplänen und Raketentechnik alles seinen Weg nach Nordkorea fand, ist unklar.

Neuer Raketentest Nordkoreas fehlgeschlagen

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Video: reuters

Die Neunzigerjahre sind lange vorbei, die Sicherheitsapparate seien heute stark, sagt Alexander Gabuev vom Moskauer Carnegie Zentrum. Er bezweifelt, dass aktuell noch Raketentechnik aus Russland mit Wissen des Staates nach Nordkorea gelange. Dass sei nicht im Interesse des Kreml. «Putin macht nicht alles, was den USA Probleme bereitet. Er ist sehr viel rationaler, als viele behaupten.»

Der Präsident habe weder ein Interesse daran, die Situation im Osten seines Landes weiter zu destabilisieren, noch daran, dass die USA immer mehr Soldaten in Südkorea stationieren.

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    Alle Leser-Kommentare
  • karl_e 17.08.2017 11:37
    Highlight Highlight Es ist doch nicht etwa Hightech aus der Freien Welt auf verschlungenen Wegen nach Nordkorea geliefert worden?
  • Dirk Leinher 17.08.2017 06:08
    Highlight Highlight Wenn man sieht in welch desolaten Zustand die ukrainische Wirtschaft ist, ist es eher naiv nicht anzunehmen, dass die alle sich biezenden Möglichkeiten ergreifen, wenn sie schon mal was verkaufen können. Viel gibt es nicht mehr in der Ukraine
  • derEchteElch 17.08.2017 01:07
    Highlight Highlight Natürlich hat Norkorea hilfe von Chinesen, Russen und Ukrainern. Nicht von allen auf "offiziellem" Weg, einiges wohl auch über Spionage, etwas mehr aus "eingekauften", ehemaligen Technikern/Fachleuten, die jetzt ein gutes Leben führen, dafür einige Raketen bauen.

    Wie im Artikel steht, nimmt wohl Nordkorea alles, was man kriegt, spielt etwas Lego und man bekommt eine Rakete.

    Wurde übrigens in den 50er und 60er Jahren mit Flugzeugen ebenso gemacht. Die USA und die UdSSR haben alles nur erdenkliche an "Fluzeugen" gebastelt und ausprobiert. Mit mehr oder weniger grossem Erfolg. Wie es halt kam..
  • a-n-n-a 17.08.2017 00:33
    Highlight Highlight Es überrascht mich eigentlich nicht besonders, dass die Ukraine ein Helfer Kims sein könnte. Wie man weiss, sind die ja auch anderen Extremisten nicht abgeneigt..

    Und ja, ist mir durchaus bewusst, dass es nun Blitze "regnen" wird. Aber wer mich und meine Comments kennt, kennt auch meine Meinung zur Ukraine und deren Regierung. #dänketwaserwend
  • N. Y. P. D. 16.08.2017 23:33
    Highlight Highlight Ohne Worte..
    Benutzer Bild
  • Luesae 16.08.2017 22:54
    Highlight Highlight Fremde Hilfe aus dem All?
  • DocM 16.08.2017 22:29
    Highlight Highlight Spielt das eine Rolle?? Dank wem haben die Amis die A-Bombe, waren doch desertierte Deutsche, wer hat Israel aufgerüstet?? Wessen Interesse steckt hinter dem "Gleichgewicht" Indien / Pakistan etc. etc. Es gibt drei treibende Mächte um im schlimmsten Falle nicht der Erste sein zu müssen.
  • exeswiss 16.08.2017 22:18
    Highlight Highlight "ohne die Hilfe ukrainischer Experten seien solche Kopien ja wohl kaum möglich"

    naja auch FSB agenten können mit kopierern und usb sticks umgehen :>
  • Sensenmaa 16.08.2017 22:14
    Highlight Highlight Wayne....?

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