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Krim-Brücken-Abschnitt auf der Insel Tusla.  bild: kreml handout

Zwei Schnapsideen: Trumps Mauer zu Mexiko und Putins Brücke zur Krim



US-Präsident Donald Trump will bekanntlich sein Wahlversprechen einhalten und an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen. Ob es so weit kommt, ist höchst fraglich, denn das Unterfangen ist sehr teuer und bringt wenig. Einige finden zudem, es wäre besser Brücken statt Mauern zu bauen.

Einer, der sich das offenbar zu Herzen genommen hat, ist der russische Präsident Wladimir Putin. Er lässt gerade eine Brücke vom russischen Festland zur Krim bauen, die er vor drei Jahren völkerrechtswidrig annektiert hat. Weil die Ukraine im Anschluss alle Grenzübergänge geschlossen hat, ist die Halbinsel derzeit auf dem Landweg nicht erreichbar. Der Personen- und Warenverkehr wird hauptsächlich über Fähren vom russischen Festland aus abgewickelt. 

Und das russische Festland ist nah: Von Kertsch im östlichsten Zipfel der Krim sind es knapp drei Kilometer zur Insel Tusla (die ebenfalls zur völkerrechtswidrig annektierten Krim gehört). Von dort wiederum führte zuletzt ein halbfertiger Damm zur Halbinsel Taman auf dem russischen Festland. Aus russischer Sicht mindert die Brücke über die Strasse von Kertsch zumindest die geografische Isolation der Krim und untermauert Moskaus Anspruch auf das Territorium.

Auf der insgesamt 19 Kilometer langen Brücke sind eine doppelspurige Autobahn sowie Bahngleise geplant, die Ende 2018 fertiggestellt sein sollen. Den Zuschlag für das über drei Milliarden Dollar teure Megaprojekt erhielt die SGM Group des Putin-Vertrauten Arkadi Rotenberg, die auch einen Grossteil der Olympia-Infrastruktur in Sotschi gebaut hat.

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grafik via moscow times

So weit so gut. Doch ebenso wie Trumps Mauer wird Putins Brücke von zahlreichen Unwägbarkeiten geplagt. Die Strasse von Kertsch wird zum Nadelöhr: Einzig ein 35 Meter hoher Bogen wird die Durchfahrt ins Asowsche Meer gewährleisten – für grosse Schiffe zu wenig. Ukrainische Hafenstädte wie Mariupol werden dadurch faktisch abgeschnitten. Auch die Auswirkungen auf die Umwelt sind unklar.

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Visualisierung des für die Schifffahrt geplanten Brückenbogens. screenshot via youtube

Genau aus solchen Gründen müssen Bauwerke wie die Krim-Brücke von allen betroffenen Ländern abgesegnet werden. Das ist im vorliegenden Fall nicht geschehen, scheint Russland aber nicht weiter zu scheren. Wer sollte sie auch daran hindern, ihre Brücke zu bauen.

Gegen geologische und klimatische Schwierigkeiten hingegen kann auch Putin nicht viel ausrichten. Die Zone ist seismisch aktiv, im Winter toben orkanartige Stürme. Alle paar Jahre treiben riesige Eisschollen im Wasser. Um deren Druck standhalten zu können, müssen die Pfeiler dick und tief in den Meeresgrund gerammt werden. Dort wartet bereits das nächste Problem: Eine Schlammschicht, von der niemand so richtig weiss, wie dick sie ist. Ein Alptraum für die Baustatiker – und Versicherer. Gemäss russischen Medienberichten will sich niemand an dem Projekt die Finger verbrennen.

Drohnenvideo der Baustelle

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Video: YouTube/Ruptly TV

Neben den Naturgewalten lastet auch die Geschichte auf dem Megaprojekt. Die Idee mit der Brücke über die Strasse von Kertsch ist alt, doch einen ernsthaften Versuch unternahmen erstmals deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg bei ihrem Vorstoss in den Kaukasus. Die von Hitlers Hausarchitekt Albert Speer entworfene Brücke wurde aber kurz vor der Fertigstellung beim Rückzug der Wehrmacht gesprengt.

Die Sowjetunion liess sie nach Kriegsende in Rekordzeit wieder aufbauen, doch lange währte sie nicht. Eisschollen liessen die Pfeiler wie Streichhözer einknicken. Am 11. Februar 1945 rollte der letzte Zug über die Brücke – sinnigerweise mit Stalin, der zuvor in Jalta mit den Westalliierten Europa konferiert hatte.

Der Zar hatte es versucht, dann Hitler und zuletzt Stalin. Alle scheiterten. Nun ist Putin an der Reihe und will Geschichte schreiben. Die Krim-Brücke könnte sich als, wie die Amerikaner sagen, als «a bridge too far» erweisen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • m. benedetti 23.03.2017 12:39
    Highlight Highlight Eine Lüge wird nicht wahrer je öfter man sie wiederholt. Bis 1954 war die Krim Teil von Russland. Dann wurde sie vom Ukrainer Chrustschow der Ukraine zugeschlagen, natürlich ohne das Volk zu befragen. Und seit drei Jahren wurde die Krim mit Russland wiedervereinigt. Diesmal mit Befragung des Volkes. Die Krim gehört definitiv zu Russland auch wenn euch das nicht gefallen sollte.
    • Unserious_CH 23.03.2017 21:51
      Highlight Highlight Befragung des Volkes?
      Du meinst die Pseudowahlen unter Aufsicht des russischen Militärs?
      Eine demokratische Wahl wäre es gewessen wenn die gesamte Ukraine unabhängig über die Zugehörigkeit der Krim abgestimmt hätten.
      Das ist wie Italien das Tessin militärisch abriegelt und dann Wahlen veranstaltet.
      Das würdest du auch als demokratisch bezeichnen?
  • David Höchi 23.03.2017 11:48
    Highlight Highlight Ja, gibt langsam ein Schwerpunktproblem mit der Erde.. diese Monsterbauten 😅😅
  • Herbert Anneler 23.03.2017 09:19
    Highlight Highlight Na ja, Trump erhält nicht nur eine Mauer - wie die Chinesen vor Tausenden von Jahren... - eine Brücke hat er schon in Florida: vom Festland nach Key West. Nicht sehr weit weg von seiner Residenz Mar-a-Lago...
  • citizen of de uold 23.03.2017 07:45
    Highlight Highlight Blöder Vergleich, schnapsideen sind es nicht, in beiden Fällen konzipiert weder von Trupm noch von Putin. Brücke zu Krim ist wirklich wirtschaftluch notwendig, da die Halbinsel sonst anfällig ist für Blockade von seitens Ukraine. Was die bauliche Stabilität der Brücke angeht, bin ich sicher , sie ist stabil und wird lange halten, sonst wäre sie nicht gebaut. Golden Gate Bridge ist viel kürzer und höher und ist schon mal beinahe eingestürzt. Bauprojecte in Dubai sind baulig mehr als fraglich und dennoch wrrden sie versichert. die Argumenten oben höchst politisch motiviert.
  • stamm 22.03.2017 21:45
    Highlight Highlight Tiptop, wird ja wohl seine Gründe haben. Die Russen und Amis lachen uns wohl in 20 Jahren ebenfalls aus, wenn sie sehen, was aus unseren Ländern geworden ist.
  • The Destiny // Team Telegram 22.03.2017 20:53
    Highlight Highlight Heisst es nicht immer "Brücken bauen anstatt Mauern oder Mauern einreissen und Brücken schlagen" ?
    • Randy Orton 22.03.2017 21:16
      Highlight Highlight Die Brücke dient vor allem als Mauer, wie im Text erwähnt um die grossen Schiffe am Transit in die ukrainischen Häfen zu hindern.
    • Hierundjetzt 22.03.2017 21:29
      Highlight Highlight Blöd nur das die russche Hafenstadt Rostow am Don DIE Industriemetropole von Russland ist und daher sämtlicher Schiffsverkehr nach Russland ebenso (!) gestoppt wird.
    • bokl 22.03.2017 21:50
      Highlight Highlight Die Verhinderung des Transit von Gigafrachtern ist eher zweitraning. Es geht um die Verbindung zur Krim. Technisch ist diese Brücke wohl kein Problem mehr. Die Bedingungen im Winter müssen einfach berücksichtig werden und verteuern das ganze. Aber die Kosten sind ja nicht das Thema.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Evan 22.03.2017 18:52
    Highlight Highlight Lieber Brücken als Mauern...
    • Evan 22.03.2017 20:49
      Highlight Highlight Obwohl, in diesem Fall ist die Brücke wohl auch Mauer zugleich...
  • Perwoll 22.03.2017 17:56
    Highlight Highlight Wie oft denn noch? Den Mauerbau begann Bill Clinton, diese steht schon über hunderte von Kilometern, es ist keine Idee von Trump...notabene baut Mexiko eine Mauer an der Grenze zu Guatemala.
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