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Russian Prime Minister Dmitry Medvedev delivers a speech at the Munich Security Conference in Munich, Germany, February 13, 2016. Medvedev rejected accusations on Saturday that his country's forces have bombed civilians in Syria, saying this was

Dmitrij Medwedew an der Münchner Sicherheitskonferenz: Rede von einem neuen kalten Krieg.
Bild: SPUTNIK/REUTERS

Putin reloaded: Premier Medwedew und die unheimliche Verwandlung

Mit harschen Worten hat der russische Premier Medwedew das zerrüttete Verhältnis zwischen Moskau und dem Westen beschrieben. Sie zeigen die Enttäuschung Russlands seit dem Ende des echten Kalten Kriegs.

Christiane Hoffmann, München



Ein Artikel von

Spiegel Online

Es gab einmal eine Arbeitsteilung in der russischen Politik, die nach dem Schema «Good Cop – Bad Cop» verlief. Der Böse war Präsident Wladimir Putin. Und die Rolle des Guten spielte der heutige Ministerpräsident Dmitrij Medwedew. Er war der «Reformer», das freundliche Gesicht der russischen Führung, er sprach sanft und zurückhaltend.

Diese Arbeitsteilung gibt es nicht mehr. Auf der Sicherheitskonferenz in München sahen die versammelten Aussen- und Sicherheitspolitiker einen russischen Premier, der auftrat wie ein Wiedergänger von Präsident Putin: das gehetzte Stakkato seiner Rede, das die Übersetzerin zur Verzweiflung trieb, das Trommelfeuer der Vorwürfe, Sätze wie Salven – bis in die Sprechweise erinnerte Medwedews Auftritt mit seiner harschen Rhetorik und den zwischen den Zähnen hervorgestossenen Vorwürfen an den aktuellen Kreml-Herrn.

Nicht zufällig nahm Medwedew selbst Bezug auf Putins Rede in München vor neun Jahren, mit der dieser damals die Welt schockierte. Seither, so Medwedew heute, hätten sich die Beziehungen stark verschlechtert. Wie damals Putin hielt Medwedew in München eine Rede, die aufrütteln sollte mit einer dramatischen, schonungslosen Bilanz. Eine Brandrede.

Enttäuschte Russen

Die «neue Ära des Kalten Krieges», von der Medwedew sprach, drückt auch die Enttäuschung Russlands über das Vierteljahrhundert aus, das seit dem Ende des «ersten Kalten Kriegs» vergangen ist. Aus der Sicht Moskaus hat sich statt der echten Partnerschaft, auf die man gehofft hatte, eine neue Konfrontation entwickelt, weil der Westen mit der Erweiterung von Nato und EU die Schwäche Russlands ausnutzte. Es war in seiner Aggressivität auch ein selbstbewusster Auftritt. Medwedews Botschaft lautete: Russland ist zur Zusammenarbeit bereit, aber nicht zu den Bedingungen des Westens.

Medwedew warf dem Westen Doppelstandards vor und beschuldigte die EU, mit den Sanktionen gegen sein Land internationales Recht zu verletzen. «Wer ist schuld?», fragte der russische Premier mit Blick auf die verfahrenen Konflikte in der Ukraine und in Syrien. Und die Antwort lautete: der Westen. Zwischen den scharfen Schuldzuweisungen ging Medwedews Bekenntnis zur Zusammenarbeit, seine Betonung von gemeinsamen Interessen im Kampf gegen den IS und bei der Bewältigung der «neuen Völkerwanderung» fast unter.

Aussenminister Frank-Walter Steinmeier versuchte in seinem Auftritt eine Stunde später fast verzweifelt, den Worten Medwedews ein wenig die Schärfe zu nehmen. Der russische Premier habe nicht einen neuen Kalten Krieg ausgerufen, er habe nur davor warnen wollen, so das Verständnis des deutschen Aussenministers.

Aus deutschen Delegationskreisen hiess es, bei den Gesprächen hinter verschlossenen Türen seien die Russen deutlich konzilianter aufgetreten. Allerdings war auch der Beitrag von Aussenminister Sergej Lawrow auf dem Podium in München kein Beitrag zur Entspannung. Demonstrativ gelangweilt las der Minister seinen Text ab. In der Sache nahm er nichts zurück, im Gegenteil: Am Ende zog Lawrow sogar den in den Tagen zuvor mühsam ausgehandelten Kompromiss für eine Feuerpause in Syrien in Zweifel.

Wenig spricht dafür, dass die Russen ihren Auftritt in München bewusst dramatisch gestaltet haben, um Alarm zu schlagen. Viel eher war es eine ehrliche Bestandsaufnahme eines zerrütteten Verhältnisses. Das Misstrauen, das inzwischen zwischen Moskau und dem Westen herrscht, erinnert tatsächlich bisweilen an die Zeiten des Kalten Kriegs. Mit ihrer Schärfe und den klaren Worten standen die Beiträge der Russen in Kontrast zur Atmosphäre der Konferenz, bei der ansonsten ratlose Minister Zusammenarbeit, Verantwortung und Solidarität beschworen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Sandokan 14.02.2016 02:08
    Highlight Highlight Russland hat wirtschaftlich nicht viel zu verlieren , Energie Rohstoffe und Know-how sind vorhanden. Allianzen mit China und anderen Staaten werden geschmiedet. Der Westen ist kurz vor einer weiteren Finanzkrise.Falls es zu Krieg kommen wird zwischen Nato und Russland dann wird über Nacht das Geld nichts mehr Wert sein. Darum kann Russland jetzt machen was es will. Ich glaube Russland ist jetzt am längeren Hebel und wird dies ausnützen.
    • Der Beukelark 14.02.2016 09:09
      Highlight Highlight Russland ist bereits in einer Finanzkrise...
  • Sandokan 14.02.2016 02:07
    Highlight Highlight Man muss bedenken dass die Natostaaten und der Westen die Lage Russlands ausgenützt haben und dabei das Land hintergangen haben. In der Zwischenzeit hat sich Russland wieder militärisch gefestigt. Das vertrauen in den Westen ist futsch und wird nicht wieder zurückkehren. Die wirtschaftlichen Sanktionen bewirken nur das sich Russland noch mehr isoliert. Die Frage die mach sich stellen muss: Sind wir die guten oder sind es die Anderen?
    • FrancoL 14.02.2016 11:33
      Highlight Highlight Es bist keine GUTEN und SCHLECHTEN es gibt nur Interessen und da wandelt mal das Gute zum Schlechten und umgekehrt.
  • The Destiny // Team Telegram 14.02.2016 01:32
    Highlight Highlight @Watson, Habt ihr es langsam mit den SPON Artiekln ?
    • Beobachter24 14.02.2016 19:09
      Highlight Highlight "Obsessiv" triff es gut. Das zieht sich leider durch grosse Teile der Medienlandschafts Deutschland. ZDF ist fast noch übler als Spiegel. Und die CH Medien machen da munter mit. Vgl. NZZ, Tagi, SRF, etc.

      Was ich mich frage bei Watsons "Content-Partnerschaft" mit dem Spiegel: Darf Watson auswählen, was sie übernehmen. Müssen sie gewisse Artikel übernehmen? Oder isses irgend ein Mix?
      @Watson? Wollt Ihr was dazu sagen?
    • Kian 14.02.2016 19:32
      Highlight Highlight watson entscheidet selbst, was von SPON übernommen wird. Gerne würde ich auch auf inhaltlich auf eure Kritik eingehen, aber ich kann bislang nicht erkennen, was ihr genau an diesem Artikel schlecht findet.
    • Beobachter24 14.02.2016 20:37
      Highlight Highlight @Kian
      Dieser Artikel ist noch einer der "besseren" innerhalb einer langen Reihe von verunglimpfenden und verzerrenden Artikel über die Russische Regierung, über Putin und für was alles die bösen Russen verantwortlich sein sollen. Daher wohl das "obsessiv" von The_Destiny, dem ich zustimme.

      P. wird regelrecht zum Feindbild aufgebaut. Watson mal partiell ausgenommen fahren die deutschen Medien - spon ganz weit mit vorne - eine regelrechte Kampagne - man kann das auch als Propaganda bezeichnen.

      Die Frage ist halt, ob das berechtigt ist, und auch, ob "man" (als Zeitung) dabei mitmachen soll.
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