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In this June 2, 2020 photo, a demonstrator exhales smoke while wearing a face mask during a  protest against the tobacco ban outside parliament in Cape Town, South Africa. An effort to lift South Africa

Rauchen aus Protest gegen das Tabak-Verkaufsverbot. Bild: keystone

Den Südafrikanern raucht der Kopf – weil die Regierung 10 Millionen auf Entzug setzt

Zur Bewältigung der Coronakrise hat die südafrikanische Regierung im März einen Tabakbann verhängt. Die Wirkung davon ist umstritten, profitieren tut vor allem der Schwarzmarkt.



Um was geht's?

Katlego Tshiloane (34) raucht vor Wut – allerdings nur im übertragenen Sinne. «Dieser Tabak-Bann macht keinen Sinn», schimpft der Südafrikaner aus Johannesburgs Vorort Soweto.

Früher hat er zwischen 10 und 20 Zigaretten pro Tag geraucht – das war vor den Ende März verhängten strikten Corona-Beschränkungen. Seitdem gab es zwar diverse Lockerungen, doch der Tabakbann hat sehr zum Ärger der Raucher des Landes bis heute Bestand.

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De facto befindet sich damit eine ganze Nation seit mehr als drei Monaten in der wohl grössten Raucher-Entzugskur der Geschichte. Die Tabakindustrie ist auf den Barrikaden, Verbraucherschützer wittern schwere Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte, Ökonomen warnen vor Steuerverlusten.

In this  June 2, 2020 photo, a demonstrator smokes, during a protest against the tobacco ban outside parliament in Cape Town, South Africa. An effort to lift South Africa’s ban on cigarette sales during the country’s coronavirus lockdown has failed. The High Court in the capital, Pretoria, on Friday, June 26, 2020 dismissed a bid by the Fair Trade Independent Tobacco Association, which represents smaller manufacturers. (AP Photo/Nardus Engelbrecht)

Ein Demonstrant raucht aus Protest vor dem Parlamentsgebäude in Cape Town eine Zigarette. Bild: keystone

Viele Raucher bedienen sich auf dem Schwarzmarkt mit dubiosem Ersatz wie Rooibosch-Zigaretten. «Ich habe es sogar mal mit grünem Tee in der Pfeife versucht», gesteht Philip Newmarch (75). Der Kapstädter hat als 18-Jähriger mit dem Rauchen begonnen – und war plötzlich von allem Nachschub abgeschnitten, als die Vorräte aufgebraucht waren. «Die letzte richtige Zigarette habe ich Mitte April geraucht», sagt er.

«Die letzte richtige Zigarette habe ich Mitte April geraucht.»

Philip Newmarch (75)

Wie wird der Tabak-Bann begründet?

Die zuständige Ministerin Nkosazana Dlamini-Zuma hatte den Bann damit begründet, dass Raucher gefährdeter für Komplikationen durch Covid-19 seien und das Gesundheitssystem strapazieren könnten.

In this June 2, 2020 photo, a demonstrator holds a placard during a protest against the tobacco ban outside parliament in Cape Town, South Africa. An effort to lift South Africa’s ban on cigarette sales during the country’s coronavirus lockdown has failed. The High Court in the capital, Pretoria, on Friday, June 26, 2020  dismissed a bid by the Fair Trade Independent Tobacco Association, which represents smaller manufacturers. (AP Photo/Nardus Engelbrecht)

Bild: keystone

Zwar hatte ein Gericht Anfang Juni befunden, der Tabakbann und ähnliche Massnahmen stünden rational nicht im Zusammenhang mit einer Begrenzung der Covid-19-Infektionen. Doch vergangenen Freitag gab ein anderes Gericht in Pretoria der Ministerin Recht und wies eine Klage der unabhängigen FITA-Tabakproduzenten ab. Dabei hatte Johnny Moloto gewarnt: «Der fortwährende Bann für den legalen Tabakverkauf bedroht das Überleben des Tabaksektors.» Der Manager vertritt die Interessen des Tabakkonzerns British American Tobacco South Africa (BATSA), mit einem Marktanteil von 78 Prozent Südafrikas grösster Tabakkonzern.

Der warnt vor den ökonomischen Folgen und argumentiert, dass die Branche dem Fiskus 2019 rund 13 Milliarden Rand (rund 678 Millionen Euro) an Steuern in die Staatskassen spülte. Sein Eil-Antrag vor Gericht auf Abschaffung des Banns wurde zuletzt überraschend auf Anfang August verschoben.

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Der Schwarzmarkt regelt

Lisa Williams (61) aus Pretoria, die seit 20 Jahren dem Tabakgenuss frönt, glaubt daher nicht an eine baldige Aufhebung.

«Anfangs habe ich Vorräte für drei Wochen angelegt, dann war Schluss», sagt die Yoga-Lehrerin. Noch hat sie keine Entzugserscheinungen: Wie andere auch hat sie den Schwarzmarkt entdeckt. Dort ist viel starker Tobak dubioser Qualität zu haben, meint der Johannesburger Pocha Ngulube, der seine Zigaretten einzeln kauft. «Früher kostete eine 3 Rands», sagt er. Heute hat er sie mit viel Glück für 5 Rands gekauft.

In this June 2, 2020 photo a demonstrator holds a placard during a protest against the tobacco ban outside parliament in Cape Town, South Africa.  An effort to lift South Africa’s ban on cigarette sales during the country’s coronavirus lockdown has failed. The High Court in the capital, Pretoria, on Friday, June 26, 2020  dismissed a bid by the Fair Trade Independent Tobacco Association, which represents smaller manufacturers. (AP Photo/Nardus Engelbrecht)

Ein Demonstrant hält vor dem Parlamentsgebäude in Cape Town ein Protestschild hoch. Bild: keystone

Auch Tshiloane bestätigt, dass Zigaretten problemlos zu haben seien. Die Preise sind aber hoch. Kostete die Stange Markenzigaretten einst 420 Rands (21.50 Euro), so fordern Schwarzmarkthändler nun 650 Rands (33.30 Euro). «Bei Markenzigaretten reichen die Preise sogar bis zu 1800 Rands (92.20 Euro)», weiss Williams. Der Autor Max Du Preez rügt daher, der Bann habe die grösste Verbrechenswelle in Südafrikas Geschichte ausgelöst, legt man die Zahl der individuellen Überschreitungen zugrunde. Millionen Bürger hätten erstmals Gesetze gebrochen. «Tausende Jobs sind in der Wirtschaft gefährdet, während die Kriminalität zur neuen Normalität wird», klagt Manager Moloto.

Rauchen jetzt weniger?

Die Regierung dagegen glaubt, dass durch den Schwarzmarkt teilweise die negativen ökonomischen Folgen des Tabakbanns kompensiert werden. Sie hofft zudem, dass gut 10 Prozent der Raucher ihr Laster aufgeben – bei knapp zehn Millionen Rauchern im Lande wär das eine Million.

«Ich habe seit 33 Jahren geraucht, bin aber panisch geworden bei der Ausweitung des Lockdown.»

Susan Gordon

Bei Susan Gordon war das der Fall. Bis zu den Coronabeschränkungen war sie eine starke Raucherin. «Ich habe seit 33 Jahren geraucht, bin aber panisch geworden bei der Ausweitung des Lockdown» erklärt die 50-Jährige aus Johannesburg und meint: «Ich wusste, ich würde nicht genügend Zigaretten vorhalten können und hatte das Rauchen sofort drastisch reduziert». Als sie merkte, dass es auch ohne geht, beschloss sie mit medizinischer Unterstützung aufzuhören. «Aber ich denke dennoch, dass der Bann einfach lächerlich ist», kritisiert sie.

In this June 2, 2020 photo, a demonstrator exhales smoke during a protest against the tobacco ban outside parliament in Cape Town, South Africa. An effort to lift South Africa’s ban on cigarette sales during the country’s coronavirus lockdown has failed. The High Court in the capital, Pretoria on Friday, June 26, 2020  dismissed a bid by the Fair Trade Independent Tobacco Association, which represents smaller manufacturers. (AP Photo/Nardus Engelbrecht)

Bild: keystone

Auch bei einigen Fans der ebenfalls verbotenen E-Zigaretten zeigt der Bann Wirkung. Nachdem der Akademiker Salim Vally sich zunächst über dubiose Quellen mit Nachschub eingedeckt hat, gab er vor drei Wochen auf. «Der Bann hat bei mir wie ein Katalysator gewirkt», gibt er zu. (jaw/sda/dpa)

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