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Khamenei Mohammed bin Salman

Mohammed bin Salman gegen Ajatollah Ali Khamenei: Es geht um die Vorherrschaft im Nahen Osten. bild: ap/watson

Der Kampf zwischen Saudi-Arabien und Iran eskaliert weiter – die Folgen sind verheerend

Nach dem «Arabischen Frühling» und der Ausrufung des «IS»-Kalifats ist ein alter Konflikt im Nahen Osten neu entbrannt: Saudi-Arabien und Iran kämpfen um die Macht in der Region. Die Folgen sind verheerend.

Dominik Peters



Ein Artikel von

Spiegel Online

«Abenteurertum» war das Wort, das Aussenminister Sigmar Gabriel unlängst wählte, um die Regionalpolitik von Saudi-Arabien in den vergangenen Monaten zu beschreiben. Riad ist seither verstimmt, sagte den Besuch eines hochrangigen Offiziellen in Berlin ab und rief sogar seinen Botschafter zurück.

Der junge saudische Kronprinz Mohammed bin Salman betrachtet seine Aussenpolitik sicher nicht als «Abenteurertum», sondern vermutlich mehr als eine Art «Great Game» des 21. Jahrhunderts - mit ihm als strategischem Mastermind.

Das «Grosse Spiel» war der historische geostrategische Konflikt zwischen dem russischen Zarenreich und dem British Empire in Zentralasien im 19. Jahrhundert. Heute findet der Kampf um die Vorherrschaft im Nahen Osten statt - zwischen Saudi-Arabien und Iran.

Die jahrzehntelange Rivalität zwischen der sunnitischen Monarchie und der schiitischen Theokratie eskaliert vollends, seit Mohammed bin Salman im Sommer zum Thronerben ernannt wurde. Da sind der Katar-Konflikt, der brutale Stellvertreterkrieg im Jemen und das Hickhack um Libanons Premier Saad Hariri.

Saudi-Arabien hat in allen drei Krisen bislang das Nachsehen: Das Emirat Katar trotzt der Blockade und erhält öffentlich Rückendeckung aus Iran. Die Weltöffentlichkeit kritisiert Riad für das Vorgehen im Jemen weit mehr als Teheran, das den Konflikt aber ebenfalls befeuert. Und der Rücktritt vom Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten Hariri lässt Mohammed bin Salman als den Anfänger dastehen, der er ist.

Showdown in Zeitlupe

Genau darin liegt das Problem. So wenig sich der 32-jährige Monarch in spe von einem geschäftsführenden SPD-Aussenminister öffentlich abkanzeln lässt, so wenig wird er im Ringen mit Iran nachgeben - auch wenn die Islamische Republik militärisch weit überlegen ist.

Die Gefahr ist gross, dass der künftige Herrscher der Hegemonialmacht Saudi-Arabien nun noch mehr den Konflikt sucht, um Iran doch noch zu schwächen. Das Geld dazu hat er, ebenso die Unterstützung: US-Präsident Donald Trump hält offenkundig grosse Stücke auf den saudischen Prinzen, selbst Israel stellt sich auf die Seite Riads. Einen ersten Vorgeschmack lieferte Mohammed bin Salman bereits. In der «New York Times» bezeichnete er Irans Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei nun als «neuen Hitler».

Ein offener Krieg zwischen Iran und Saudi-Arabien ist dennoch unrealistisch. Wahrscheinlich ist, dass die Auseinandersetzung weiter durch «unordentliche Kriege» wie im Jemen oder politische Konflikte wie den libanesischen eskaliert, die direkt oder indirekt miteinander zusammenhängen. Die Folgen sind verheerend.

Länderübergreifendes Chaos

Seit vor fast sieben Jahren der «Arabische Frühling» ausbrach und mehr als drei Jahre nachdem die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) ihr Kalifat ausgerufen hat, ist die Region politisch und ökonomisch noch instabiler geworden, als sie ohnehin bereits war.

Dort, wo auf die Diktatorenstürze keine Bürgerkriege folgten, die bis heute anhalten (Libyen und Jemen), starteten die alten, korrupten und repressiven Eliten Gegenrevolutionen und sind nun mal mehr (Ägypten), mal weniger (Tunesien) zurück an der Macht. «Brot, Freiheit, soziale Gerechtigkeit», also das, was die Revolutionäre einst forderten, gibt es bis heute kaum. Im ehemaligen Herrschaftsgebiet des «IS» ist die Situation noch schlimmer (Syrien und Irak). Ausserdem gibt es noch Nationalkonflikte wie den kurdischen und die katastrophale Lage von Minderheiten wie den christlichen oder jesidischen.

Dieses länderübergreifende Chaos bietet ideale Bedingungen für Pyromanen wie den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman und Irans Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei.

Diktatoren und Warlords gibt es genug

Zwar hält sich Teheran im Vergleich zu Riad in diesen Tagen rhetorisch zurück. Doch die Islamische Republik destabilisiert mit ihren Milizen die Region seit Jahren und kontrolliert mittlerweile de facto die Regierungen in Bagdad, Damaskus, Sanaa und Beirut.

Image

Vom Persischen Golf bis ans Mittelmeer: In Saudi-Arabien wächst die Angst vor einem schiitischen Halbmond. bild: spiegel online

Es ist keine Frage, ob, sondern nur wann Iran und Saudi-Arabien ihre Macht und ihre finanziellen Ressourcen erneut nutzen werden, um den jeweils anderen im sunnitisch-schiitischen Stellungskrieg zu schaden. Warlords, Diktatoren, religiöse Extremisten und dysfunktionale Staaten, die sie kurzzeitig für ihre eigenen langfristigen Ziele nutzen können, gibt es genug.

Weit entfernt von Gleichberechtigung, aber schon viel näher

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Don Alejandro 27.11.2017 21:05
    Highlight Highlight Kushner hat ja kürzlich noch einen grossen Waffendeal mit den Saudis abgeschlossen. Die sind bis auf die Zähne bewaffnet.
  • Bert der Geologe 27.11.2017 15:35
    Highlight Highlight Was wir im Westen nicht verstehen wollen, ist das Grundsatzprinzip im Nahen Osten: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Daher ist es auch nichts als logisch, dass Israel Saudiarabien als Feind seines Erzfeindes und somit als Freund betrachtet. Die grosse Kunst ist es, sich weder von der einen, noch von der anderen Seite vereinnahmen zu lassen.
    • Liselote Meier 27.11.2017 18:17
      Highlight Highlight Unsinn. Der Feind meines Feindes ist mein Freund, ist ein sehr altes Prinzip, was der "Westen" auch sehr gut kennt und anwendet, sicherlich nicht auf Nahost begrenzt.

      Oder weshalb waren z.b. die Briten und Franzosen im Krimkrieg auf Osmanischer Seite?

      Ja mei, die halbe US-Aussenpolitik im kalten Krieg fusste auf dem Prinzip, wer gegen die SU war, ist Freund, egal ob Diktator (Pinocchet, Re usw.) Islamisten (Moslembrüder Agypten, Taliban usw.).




    • Liselote Meier 27.11.2017 19:22
      Highlight Highlight Aber gewiss, gibt schon einige im "Westen" welche dieses Prinzip nicht kennen. Wie die Identitären z.b.

      Kennen wohl den Peloponnesischen Krieg nicht wo Sparta den Persern die östlichen grichische Gebiete überliess für Unterstützung im Kampf gegen Athen. Der Feind....

      Nennt man in solchen Kreisen normalerweise "volksverräter" ;)

    • Bert der Geologe 28.11.2017 16:44
      Highlight Highlight @Liselote Meier: Da gibt es aber viele andere Beispiele für den Westen. Im Westen gilt eher, der Feind meines Freundes hat auch mein Feind zu sein. Siehe z.B. die ganze Vorgeschichte des ersten Weltkrieges oder wie die Amis in den Vietnamkrieg gerutscht sind. Wollten ja nur kurz dem Freund helfen, weil da so ein Vertrag war.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Xi Jinping 27.11.2017 12:49
    Highlight Highlight Ich sehe Weltkriegs Potenzial... :(
  • malu 64 27.11.2017 11:26
    Highlight Highlight Der junge Freund Trumps soll da wohl ein bisschen Agressor spielen! Wenn der Konflikt eskaliert, werden die Amerikaner den Saudis sofort zu Hilfe eilen. Der Iran soll mit allen Mitteln schlecht gemacht werden.
    • Xi Jinping 27.11.2017 12:50
      Highlight Highlight Und die Russen halten zunden Iranis... Nehme ich mal an...
    • Zarzis 27.11.2017 12:59
      Highlight Highlight @malu64
      Nur so kann Trump den Vertrag mit Iran kündigen ohe als Aggresor zu gelten. Den nicht Vergessen die Iraner haben den Vertrag mit der USA, GB, D, R F und China, abgeschlossen. Da kann Trump seinen erkärten Feind Iran nicht angreifen. Aber da provozieren die Saudis sicher gern einen Konflikt. Aber das ist einer dieser Konflikte der als grösster Fehler des jahrhunderts eingehen wird! Folgen, nicht Abschätzbar!
      Vorteile, danach, keine mehr!
    • midval 27.11.2017 14:25
      Highlight Highlight Der eine kauft waffen von de amis der andere nicht. Bin voll bei dir.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Billy the Kid 27.11.2017 10:53
    Highlight Highlight Mit dem Irakkrieg, seinen unzähligen Folgen für die Region und den immensen Waffenlieferungen an Saudiarabien - haben vor allem die USA die Büchse der Pandora geöffnet. Nun wundern sie sich darüber, dass der Iran langfristig davon profitierte und giessen noch mehr Öl ins Feuer.
    • Laut_bis_10 27.11.2017 12:48
      Highlight Highlight Haha, Öl ...
    • Max Dick 27.11.2017 14:03
      Highlight Highlight Jaja der Irakkrieg und die bösen Amis...ja das 2003 war eine Dummheit, aber was jetzt alles eine angebliche Folge davon sein soll, ist nun wirklich lächerlich. Am Konflikt zwischen Saudi Arabien und Iran sind nur zwei Schuld. Saudi Arabien und Iran selber.
    • Fabio74 27.11.2017 14:40
      Highlight Highlight @dick Die Amerikaner tragen ebenso Verantwortung wie Russland und Europa.
      Waffenlieferungen ohne Ende. Dazu das bedingungslose Anbiedern des Westens an die Saudis trotz Völkermord im Jemen
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wilhelm Dingo 27.11.2017 10:47
    Highlight Highlight Weg vom Öl! Dreht den Suadis endlich den Geldhahn ab.
  • Sebastian Wendelspiess 27.11.2017 10:37
    Highlight Highlight Wann werden die Saudis für ihr Kriegstreiben mal zur Rechenschaft gezogen?
    • De Shipi 27.11.2017 10:50
      Highlight Highlight und wann die Amis?
    • chnobli1896 27.11.2017 11:10
      Highlight Highlight So wie es momentan ausschaut nie, aber die politische Lage kann schnell drehen und dann wirds hoffentlich bald der Fall sein.
    • mogad 27.11.2017 11:10
      Highlight Highlight Wann fliegen ihnen ihre Menschenrechtsverletzungen um die Ohren. Wann steht die ganze weibliche Hälfte der Bevölkerung endlich dagegen auf.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Domino 27.11.2017 10:34
    Highlight Highlight Dabei geht es darum Flüchtlingsströme zu generieren und diese gegen Europa zu treiben. Der Westen wird in wenigen Jahrzehnten nicht mehr abhängig von Erdöl sein. Eine islamisierung der westlichen Welt ist die einzige Möglichkeit den Einfluss nicht zu verlieren.
    • raues Endoplasmatisches Retikulum 27.11.2017 10:54
      Highlight Highlight Quelle Ken Jebsen, Daniele Ganser oder direkt Info Wars?
      Auch Flüchtlinge sind keine willenlose Masse, die man beliebig manipulieren und Steuern kann.
    • loquito 27.11.2017 10:56
      Highlight Highlight Wooow... was für ein Stuss. "Der westen word nicht mehr abhängig sein von Öl" Ja hab ich den etwas verpasst? USA und viele andere Länder wollen gar keine aenergiewende... Auch in der CH hält man lieber an altem fest. Islamisierung? Ja klar, genauso wie die Juden die Welt beherrschen und Terror nur von Moslems begangen werden kann... So einfach schürt man Ängste... Aber wenns darum geht nach Dubai in die Ferien zu gehen oder Waffen den Saudis zu verkaufen.... Ja dann vergisst man gerne die Islamisierung....
    • mogad 27.11.2017 11:15
      Highlight Highlight Islamisierung ginge ja noch. Aber offenbar muss der radikal-islamische Salafismus/Wahabismus für den Saudiarabien steht, zuerst mal die gemässigteren Schiiten eliminieren, bevor man sich Europa einverleiben kann - auch über eine weitere Destabilisierung des nahen und mittleren Ostens.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Enzasa 27.11.2017 10:14
    Highlight Highlight Hoffentlich steht Trump bzw. Amerika zu ihrer Verantwortung und werden dann den größten Teil der Flüchtlinge übernehmen, die sie durch ihre Waffenverkäufe an Saudi Arabien generieren
    • chnobli1896 27.11.2017 10:36
      Highlight Highlight Und die Schweiz auch?
      https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/bundesrat-bewilligt-export-von-kriegsmaterial/story/30706650

      Auch wenn der Umfang der verkauften Waffen wohl eklatant kleiner ist macht es das nicht besser in meinen Augen.
    • Enzasa 27.11.2017 10:45
      Highlight Highlight Stimme dir zu
    • mogad 27.11.2017 11:16
      Highlight Highlight Auch Mutti-Deutschland hofiert die Saudis.
    Weitere Antworten anzeigen

«Für mich sieht der Fall Khashoggi sehr orchestriert aus»

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