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FILE - In this July, 23, 2017 file photo, Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman poses while meeting with Turkey's President Recep Tayyip Erdogan in Jiddah, Saudi Arabia. Known simply as MBS, the crown prince, oversees nearly every major aspect of the country’s defense, economy, internal security, social reforms and foreign policy. He’s also widely believed to be the force behind the kingdom’s decision late on Tuesday, Sept. 26, 2017, to grant women the right to drive. (Presidency Press Service/Pool Photo via AP, File)

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman schüttelt das Machtgefüge im Wüstenstaat durcheinander. Bild: AP/Presidency Press Service

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed – was wirklich hinter seinen Festnahmen steckt

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman gibt den Kämpfer gegen Korruption. Doch das ist nur ein Vorwand, um unliebsame Rivalen aus dem Weg zu räumen. Ob der junge Mann damit Erfolg hat, ist völlig offen.

Christoph Sydow



Ein Artikel von

Spiegel Online

Das «Ritz Carlton» in Riad ist komplett ausgebucht. Bis zum 1. Dezember sind laut Internetseite des Luxushotels weder Gästezimmer noch Suiten verfügbar.

Doch die Gäste, die derzeit in dem palastartigen Komplex residieren, sind nicht freiwillig dort. Seit Samstagabend ist das Hotel ein goldener Käfig, in dem Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman Dutzende hochrangige Persönlichkeiten aus der Elite des Königreiches festhält. Zuvor hatte die Hotelleitung alle Gäste aufgefordert, ihre Zimmer «wegen unvorhergesehener Umstände» bis Samstag 23 Uhr zu verlassen. Die Rezeption ist telefonisch nicht mehr erreichbar, die Leitung ins «Ritz Carlton» tot.

Nun hat Kronprinz Mohammed die Luxusherberge zu einem Gefängnis für elf Prinzen, vier amtierende Minister und Dutzende frühere Regierungsmitglieder gemacht. Ihnen wird Korruption vorgeworfen. «Einige schwache Seelen» hätten ihre Interessen über die Interessen der Öffentlichkeit gestellt, «um illegal Gelder anzuhäufen», heisst es in einer offiziellen Erklärung des Königshauses.

Bild

Goldener Käfig: Das Ritz Carlton in Riad. bild: tripadvisor

Niemand in Saudi-Arabien bestreitet, dass die Selbstbereicherung der Tausenden saudischen Prinzen den Staat Jahr für Jahr Milliarden kostet. Das Land ist nach der Herrscherfamilie Al-Saud benannt, entsprechend führen sich die Mitglieder der weitverzweigten Sippe auch auf - so, als ob ihnen das Land und seine Reichtümer allein gehören.

Gleichzeitig gehen Öl und Gas, aus deren Exporten sich Saudi-Arabien zu rund 90 Prozent finanziert, langsam aber sicher zur Neige. König Salman und sein Kronprinz Mohammed stehen also durchaus unter Handlungsdruck. Doch solange das Staatsoberhaupt selbst in seinem einmonatigen Sommerurlaub in Marokko mehr als 100 Millionen US-Dollar ausgibt und sein designierter Nachfolger und selbsternannter Korruptionsbekämpfer mehr als 500 Millionen Dollar für eine Jacht ausgibt, wirkt der Kampf gegen die Verschwendungssucht der Verwandtschaft bestenfalls wie ein Scheingefecht.

Stattdessen steckt hinter der Verhaftungswelle vom Samstag ein knallharter Machtkampf innerhalb des saudischen Regimes. Der erst 32 Jahre alte Kronprinz Mohammed versucht, weitere potenzielle Rivalen aus dem Weg zu räumen:

Mit seiner Machtkonzentration bringt Kronprinz Mohammed das seit Jahrzehnten bewährte Herrschaftsgefüge in Riad gehörig durcheinander. Seit der Ausrufung des Königreiches 1932 war es üblich, dass die Macht zwischen Staatsgründer Abdulaziz und seinen Söhnen, die er mit verschiedenen Frauen hat, aufgeteilt wird. Wichtige Entscheidungen am Hof sind in grosser Runde getroffen worden, die insgesamt mehr als 40 Söhne des ersten Königs wurden mit Posten und Geld versorgt und so weitgehend ruhiggestellt.

Der amtierende Monarch Salman wird der letzte von Abdulaziz' Söhnen auf dem Thron in Riad sein. Sein designierter Nachfolger Mohammed, der das Land schon jetzt faktisch regiert, zeigt einen anderen Führungsstil. Er trifft seine Entscheidungen in kleiner Runde und scheut nicht davor zurück, hart gegen die eigene Verwandtschaft vorzugehen.

Doch noch ist längst nicht klar, ob Mohammeds Weg erfolgreich sein wird. Kurz nachdem er 2015 Verteidigungsminister wurde, startete er eine Militärkampagne gegen die Huthi-Rebellen im Nachbarland Jemen.

Er versprach eine zügige Armeeoperation, die den gestürzten Präsidenten Abd Rabbuh Mansur Hadi, wieder an die Macht bringen sollte. Zweieinhalb Jahre später ist Saudi-Arabien tief in den Jemenkrieg verstrickt. Und just, als in Riad die Verhaftungen begannen, feuerten die Huthis am Samstagabend eine Mittelstreckenrakete auf die saudi-arabische Hauptstadt ab. Die Armee fing die Rakete in der Nähe des Flughafens ab, die Explosion war in der ganzen Stadt zu hören. Saudi-Arabiens Regime bezeichnete den Beschuss als «kriegerischen Akt» Irans, das die Huthi-Rebellen unterstützt.

Der Jemenkrieg ist nicht das einzige Projekt, in dem sich Mohammed zu verzetteln droht. Allein seitdem ihn sein Vater im Juni zum Kronprinzen kürte, hat er mehrere Projekte angestossen, deren Erfolg äusserst fraglich ist:

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Idberg 07.11.2017 00:29
    Highlight Highlight Dass die der Korruption Beschuldigten in einem Luxushotel festgehalten werden, entbehrt nicht einer gewissen Ironie...
  • Asmodeus 06.11.2017 22:39
    Highlight Highlight Bin ich böse wenn ein Teil von mir hofft, dass dieser Machtkampf dazu führt, dass sich ein Grossteil dieser Familie gegenseitig aus dem Weg schafft?
    • SemperFi 07.11.2017 12:36
      Highlight Highlight Böse vielleicht nicht, eher naiv, wenn Sie nämlich glauben sollten, dass sich Saudiarabien dann in einen friedlichen Ponyhof verwandeln würde und nicht in eine weitere Terrorhölle.
  • Theor 06.11.2017 20:57
    Highlight Highlight Bei einem Land wie Saudi-Arabien, welches nachweislich die meisten Terrororganisationen der Welt unterstützt, den Frauen auch nur die einfachsten Grundrechte verweigert und die Adelsfamilien auf Kosten der uterdrückten Bevölkerung in Saus und Braus leben, von einem "bewährten Herrschaftsgefüge" zu schrieben, erscheint mir schlichtweg zynisch.
    • alessandro 06.11.2017 22:32
      Highlight Highlight Es gibt unterschiedliche Bewertungsstandards. Wie Trump auch jenen eines Vierjährigen geniesst und so mit beschissenen orthografischen Sätzen davonkommt.
    • The Destiny // Team Telegram 06.11.2017 23:24
      Highlight Highlight Ist ein Spiegelartikel, da erwartet man ja auch nicht wirklich etwas anderes. Müssen ja Atlantikbrücken konform schreiben.
    • supremewash 06.11.2017 23:52
      Highlight Highlight "Bewährt" muss ja nicht wertend sein. Es beschreibt meinem Verständnis nach (in Bezug auf Staatsformen) eine Ordnung von längerer Dauer und Stabilität. Das hat leider nicht zwingend mit Demokratie und Menschenrechten zu tun.
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