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Brutstätten des Hasses: Saudi-Arabien, Katar und der Terror

Saudi-Arabien hat Katar zum neuen Schurken in der arabischen Welt erklärt. Der Grund: Das kleine Emirat unterstützt Islamisten zwischen Bagdad und Bengasi. Aber auch im Königreich gibt es geistige Brandstifter.

Dominik Peters



epa05661086 A handout photograph made available by the Saudi Press Agency (SPA) showing Qatari Emir, Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani (C-R) receiving Saudi King Salman bin Abdulaziz Al Saud (C-L) in Doha, Qatar, 05 December 2016. Saudi King arrived in Qatar on a two-day official visit.  EPA/SAUDI PRESS AGENCY / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Da sprachen sie noch miteinander: Der Emir von Katar und der saudische König. Bild: EPA/SAUDI PRESS AGENCY

Ein Artikel von

Spiegel Online

«Werft sie hinaus! Werft sie hinaus – aus euren Gotteshäusern, aus euren Gemeinschaften, von eurem heiligen Land und von dieser Erde!» Mit diesen Worten rief US-Präsident Donald Trump die Führer der arabischen Welt bei seiner Rede in Riad im Mai dazu auf, radikale Islamisten zu bekämpfen.

Nun hat Saudi-Arabien eine Allianz der Autokraten geschmiedet. Sie gibt vor, den Kampf gegen einen der Hauptunterstützer des islamistischen Terrors zu führen: Katar.

Denn das schwerreiche Emirat unter der Herrschaft der Thani-Familie hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur bei Volkswagen eingekauft und ist im Besitz des Fussballklubs Paris Saint-Germain, sondern unterstützt auch radikale Islamistengruppen in der Region:

epa06011227 (FILE) - An aerial view of high-rise buildings emerging through fog covering the skyline of Doha, as the sun rises over the city, in Doha, Qatar, 15 February 2014 (reissued 05 June 2017). According to media reports, Egypt, Saudi Arabia, Bahrain and the United Arab Emirates cut off diplomatic ties with Qatar on 05 June 2017, accusing Qatar of supporting terrorism.  EPA/YOAN VALAT

Doha von oben. Bild: YOAN VALAT/EPA/KEYSTONE

Katar beherbergt ausserdem eine Vielzahl radikaler Islamisten. Einer von ihnen ist der Gelehrte Jussuf al-Karadawi. Der ägyptische Prediger darf regelmässig mithilfe des staatlichen Fernsehsenders Al Jazeera seine Hassbotschaften in der Region verbreiten. Er erreicht dadurch Millionen, seine Worte sind wie Waffen.

Vor diesem Hintergrund scheint die konzentrierte Aktion gegen Katar logisch. Aber Saudi-Arabien ist für den Westen ebenfalls ein problematischer Partner.

Exportschlager: Öl und Wahhabismus

Das Land beliefert die Welt seit Jahrzehnten nicht nur mit Öl, sondern auch mit einer Form des Islam, der den Terror fördert: dem Wahhabismus. Diese puritanische und gleichsam radikale Auslegung des Islam ist Staatsreligion in Saudi-Arabien. Sie ist ein Exportschlager. Die Dschihadisten der Gegenwart wären ohne den Wahhabismus nicht denkbar.

Riad unterstützte bereits in den Achtzigerjahren die Mudschahidin in Afghanistan im Kampf gegen die Kommunisten der Sowjetunion. Damals mit dabei: ein Mann namens Osama Bin Laden. Auch waren 15 der 19 Selbstmordattentäter der von ihm geplanten Attentate vom 11. September 2001 saudi-arabische Staatsbürger.

2003 geriet Saudi-Arabien selbst ins Visier von al-Qaida. Das Terrornetzwerk al-Qaida verübte blutige Anschläge. Das Herrscherhaus rüstete mithilfe der USA auf. In Sicherheitsfragen arbeitet Riad seither eng mit Washington zusammen.

Gleichzeitig lässt das weitverzweigte Herrscherhaus Moscheen von Usbekistan bis Nigeria bauen. Die Prediger gibt es gratis dazu. Die Folge: Junge Männer und Frauen radikalisieren sich von Asien bis Afrika. Aber auch in Europa, besonders auf dem Balkan. Von dort aus brechen immer öfter Dschihadisten Richtung Naher Osten auf – und kehren auch zurück.

Saudi-Arabien – Brutstätte des weltweiten Islamismus

In this Tuesday, June 6, 2017 photo released by Saudi Press Agency, SPA, Saudi King Salman bin Abdulaziz Al Saud, receives Kuwait's Emir Sheikh Jaber al-Ahmad al-Sabah in Jiddah, Saudi Arabia. Sheikh Sabah aims resolving a diplomatic crisis between Qatar and other Arab nations. (Saudi Press Agency via AP)

König Salman von Saudi Arabien. Bild: AP/Saudi Press Agency

Daneben betreibt Saudi-Arabien auch im eigenen Land Missionszentren. Die dort ausgebildeten sunnitischen Kleriker bringen den Wahhabismus häufig zurück in ihre Heimatländer.

Unter den Alumni sind mittlerweile auch solche zu finden, die sich von Saudi-Arabien losgelöst haben. Sie agitieren aktiv gegen das Königreich, weil es mit den USA kooperiert. Einige sind sogar zur Terrormiliz «Islamischer Staat» übergelaufen, deren radikale Ideologie eng mit dem Wahhabismus verwandt ist. Beispiele gibt es viele.

Einer dieser Männer ist Mirsad O., ein Mittdreissiger, der im vergangenen Jahr in Graz zu 20 Jahren Haft verurteilt worden ist. Unter dem Kampfnamen «Ebu Tejma» hatte der gebürtige Bosnier Dutzende junge Männer einer Gehirnwäsche unterzogen, um sie für den gewaltsamen Dschihad des «IS» zu rekrutieren.

Die geistigen Brandstifter und Finanziers radikaler Gruppen im Nahen Osten sitzen also nicht allein in Katar. Sie kommen auch aus Saudi-Arabien, der Brutstätte des weltweiten islamistischen Terrors. Aus dem Königreich, das US-Präsident Trump seit seinem Aufenthalt dort lobt wie kaum ein anderes Land.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gummibär 07.06.2017 19:50
    Highlight Highlight Nichts würde den Nachbarstaaten besser gefallen als ein Grund Katar zu besetzen. Aegypten, UAE , Bahrein und Saudi Arabien hängen alle vom Gas ab, das durch die Dolphin pipeline geliefert wird.
    Trump, seine Hintermänner und seine Freunde, die Saudis sind daran unter einem Vorwand 13 % aller Gasreserven der Welt einzusacken.
  • Menel 07.06.2017 18:06
    Highlight Highlight Wir sollten einfach mal vom Erdöl wegkommen. Energiewende ist das Stichwort. Wenn wir das hinbekommen, dann ziehen wir ganz vielen Tigern die Zähne und Krallen.
    • Nicosinho 07.06.2017 19:12
      Highlight Highlight schön gesagt 😊
    • FrancoL 07.06.2017 19:35
      Highlight Highlight @Aron777; Sie hat auch nicht gesagt das es einfach wird. Das Oel für Werkstoffe kann gut auch von weniger verfänglichen Quellen bezogen werden. Perfekt ist wohl kein Lieferant, aber allemal weniger belastend als zB die Saudis.
    • Menel 07.06.2017 19:35
      Highlight Highlight @Aron777, stell dir vor, dass ich das sogar weiss, weil ich ein bisschen Ahnung von Chemie habe und weiss, wie wichtig Erdöl dort ist. Aber das meiste Erdöl wird nicht für Produkte verwendet, sondern einfach schlicht verbrannt für Energie.
    Weitere Antworten anzeigen
  • FrancoL 07.06.2017 17:25
    Highlight Highlight Wenn das Palmarès von 2 Schurkenstaaten aufgelistet wird dann sieht es sehr düster aus. Sehe da nicht wer hauchdünn im Vorsprung sein könnte.
    • Fulehung1950 07.06.2017 18:57
      Highlight Highlight Spannend ist auch noch, welche "Ausrüsterverträge" die 2 Schurkenstaaten haben. D, F, GBR sind jedenfalls in Katar grosse Sponsoren, selbst die Schweiz hat Pirhanas geliefert. Hauptaktion der Amis ist ein gemeinsames Heavy brigade combat team (HBCT)-Ausrüstungslager (APS) der Army, der Air Force, der Navy und der Marines mit 430 Angehörigen.

      In Saudi-Arabien sind die USA Hauptsponsor, D liefert Panzer und lässt STGew in Lizenz herstellen. Franzosen liefern Haubitzen, Cruise missiles aus Pakistan und China sowie den USA. Und die Amis erhöhen bekanntlich.

      Kurz: es gibt noch mehr Schurken....
    • Makatitom 07.06.2017 20:01
      Highlight Highlight Die Schweiz liefert auch Überwachungs-Sofware und Munition
    • Gummibär 07.06.2017 20:03
      Highlight Highlight Hier geht es nicht um Terrorismusbekämpfung sondern um einen Business-Deal.
      USA liefert Waffen für 50 Milliarden an Saudi Arabien, welches mit dem Erlös aus Erdgas bezahlen wird, das aus dem in die Knie gezwungenen Katar stammt.
  • Wilhelm Dingo 07.06.2017 17:01
    Highlight Highlight Es gibt nur eine Lösung: nehmt diesen Typen das Geld! Energiewende ohne Öl und Gas! Und isoliert diese Typen politisch.
  • saukaibli 07.06.2017 16:48
    Highlight Highlight Also wenn man den IS als Terrororganisation betrachtet, wieso wird das saudische Regime dann nicht als Terrororganisation betrachtet? Nur weil es bereits länger an der Macht ist? Oder einfach, weil es bei der Machtergreifung die Hilfe der Engländer hatte? An den Gesetzen kanns ja nicht liegen, die sind ja praktisch identisch: http://www.spiegel.de/politik/ausland/bild-1014231-802075.html
    • Helona 07.06.2017 17:43
      Highlight Highlight Ganz einfach, weil dort genug Geld vorhanden ist um dem Westen Rüstungsgüter in Milliardenhöhe abzukaufen.

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