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FILE - In this file photo taken onIn this Sunday, Sept. 24, 2017 photo released by the Saudi Culture and Information Ministry, the image of King Salman and Crown Prince Mohammed bin Salman are projected on the Kingdom Tower during National Day ceremonies in Riyadh, Saudi Arabia. . Saudi Arabia announced on Monday, Dec. 11, 2017 it will allow movie theaters to open in the conservative kingdom next year, for the first time in more than 35 years, in the latest social push by the country’s young crown prince. (Saudi Culture and Information Ministry via AP, File)

Das Kingdom Centre in der saudischen Hauptstadt Riad. Bild: AP/Saudi Culture and Information Ministry

Rakete auf Riad gefeuert – jetzt erreicht der Jemenkrieg das Herz von Saudi-Arabien

Seit tausend Tagen führt Saudi-Arabien Krieg im Jemen. Der Raketenangriff auf Riad belegt das Scheitern der Militäroffensive gegen die Huthi-Rebellen - für den saudischen Kronprinzen eine Blamage.

Christoph Sydow



Ein Artikel von

Spiegel Online

Am frühen Nachmittag erschüttert ein lauter Knall die saudi-arabische Hauptstadt Riad. Zeugen sehen zwei Rauchsäulen über der Stadt. Die Ursache: Das saudi-arabische Militär hat eine Rakete aus dem Jemen abgefangen.

Der Rauch über Riad ist noch nicht verzogen, da meldet sich über Twitter der Sprecher der jemenitischen Huthi-Rebellen zu Wort: Die Miliz habe eine ballistische Rakete auf den Yamama-Palast in Riad abgefeuert, twitterte Mohammed Abdulsalam. In der offiziellen Residenz von Saudi-Arabiens König Salman findet zu diesem Zeitpunkt ein Treffen der führenden Mitglieder des Herrscherhauses statt.

In this photo provided by the Saudi Press Agency, King Salman attends a swearing in ceremony in Riyadh, Saudi Arabia, Monday, Nov. 6, 2017. The king has sworn in new officials to take over from a powerful prince and former minister believed to be detained in a large-scale sweep that has shocked the country and upended longstanding traditions within the ruling family. (Saudi Press Agency, via AP)

König Salman. Bild: AP/Saudi Press Agency

Mit dem Raketenangriff habe ein neues Kapitel im Krieg begonnen, tönen die Huthis. Tatsächlich ist die Attacke nur das jüngste Beispiel dafür, dass sich der Jemenkonflikt nach der Tötung des Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh Anfang des Monats weiter verschärft. Am 4. Dezember erschossen die Huthis den 75-jährigen Saleh, nachdem dieser sein militärisches Zweckbündnis mit den Rebellen aufgekündigt und seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien erklärt hatte.

Die Huthis tragen den Krieg nach Saudi-Arabien

In den zwei Wochen seither sind bei Luftangriffen Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 136 Zivilisten getötet worden. Die Toten sind das Ergebnis von Fehlern der Anti-Huthi-Koalition bei der Zielauswahl: So flog Saudi-Arabien etwa am 13. Dezember sieben Luftangriffe auf ein Gefängnis in Sanaa, in dem die Huthis Anhänger des von Saudi-Arabien unterstützten Präsidenten Abd Rabbuh Mansur Hadi internierten. Die Folge: Saudi-Arabien tötete mindestens 45 Kriegsgefangene, die eigentlich auf ihrer Seite kämpften.

Gleichzeitig haben die Huthi-Rebellen in Sanaa nach dem Mord an Saleh regelrecht Jagd auf seine Anhänger gemacht. Sie töteten oder verschleppten Dutzende angebliche Sympathisanten des Ex-Präsidenten, darunter auch Journalisten und Geschäftsleute.

Seit ein paar Wochen versuchen die Huthis zudem verstärkt, den Krieg nach Saudi-Arabien zu tragen. Schon seit Beginn des Konflikts im März 2015 haben die Rebellen mehrfach Raketen auf den Nachbarn im Norden abgefeuert, zumeist zielten sie dabei jedoch auf grenznahe Gebiete. Am 4. November griffen sie erstmals die Hauptstadt Riad an. Damals ging eine Huthi-Rakete in der Nähe des Hauptstadtflughafens nieder. Saudi-Arabien behauptet, man habe sie mit einer Patriot-Flugabwehrrakete abgefangen, doch Militärexperten bestreiten das. Unstrittig ist, dass die Rakete, wie bisher alle Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien, ihr Ziel verfehlte.

Die Raketen treffen jedoch das Selbstbewusstsein der Saudis: Denn sie zeigen, dass zweieinhalb Jahre nach Beginn des Jemenkriegs die militärische Stärke der Huthis ungebrochen ist. Für Kronprinz Mohammed bin Salman, die treibende Kraft hinter dem Feldzug, ist das eine Blamage. Er hatte seinen Landsleuten 2015 einen schnellen Triumph versprochen. Nun muss er seinen Landsleuten erklären, dass seine Hauptstadt am helllichten Tag mit einer Rakete angegriffen wird. Welche Wirkung das für die Menschen in Saudi-Arabien hat, die seit Generationen zwar sporadisch mit islamistischem Terror, aber ohne Angst vor Angriffen aus dem Ausland leben, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Die USA und Saudi-Arabien suchen Beweise gegen Iran

Die USA und Saudi-Arabien machen Waffenlieferungen aus Iran für die Stärke der Huthis verantwortlich. In der vergangenen Woche legte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, angeblich «unwiderlegbare Beweise» dafür vor, dass Iran die Huthis aufrüstet. Unter anderem präsentierte sie auf einer Militärbasis in den USA die Trümmer jener Rakete, die am 4. November auf den Flughafen von Riad abgefeuert worden sein soll.

U.S. Ambassador to the U.N. Nikki Haley gestures as she speaks in front recovered segments of an Iranian rocket during a press briefing at Joint Base Anacostia-Bolling, Thursday, Dec. 14, 2017, in Washington. Haley says

Nikki Haley vor Raketenteilen. Bild: AP/FR170079 AP

Zuvor hatten auch Uno-Experten die Fragmente untersucht. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Rakete tatsächlich der iranischen Qiam-Rakete ähnele. Ein Teil der Trümmer trägt zudem das Logo der Shahid Bagheri Industrial Group, die zum Firmennetzwerk der iranischen Revolutionswächter zählt und gegen die internationale Sanktionen in Kraft sind. Doch die Uno-Experten identifizierten auch ein Bauteil, das in den USA hergestellt wurde.

Möglich ist deshalb, dass die Huthis die Rakete selbst aus Beständen des jemenitischen Militärs herstellten, möglicherweise mithilfe iranischer Ausbilder. Doch eindeutige Beweise für iranische Waffenlieferungen sind Saudi-Arabien und seine Verbündeten bislang schuldig geblieben. Seit April 2015 hat Saudi-Arabien eine nahezu vollständige Blockade gegen Jemens Küste verhängt, um Nachschub für die Huthis zu verhindern. Trotzdem haben sie bislang noch nie ein Schiff mit Raketen oder Raketenteilen hochgenommen.

Die US-Regierung von Donald Trump und Saudi-Arabiens Führung um Kronprinz Mohammed bin Salman lehnen das Atomabkommen mit Iran ab. Sie wollen belegen, dass Iran die Huthis mit Mittelstreckenraketen aufrüstet, möglicherweise sogar mit solchen, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Denn dann hätten sie Argumente in der Hand, um den Nukleardeal mit Teheran aufzukündigen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alnothur 20.12.2017 08:15
    Highlight Highlight Und als Hintergrund eine riesige "CoD: WWII"-Werbung - welch Ironie ^^
  • ....ich weiss nicht aber: 20.12.2017 07:47
    Highlight Highlight @Dä Brändon
    Eigentlich sind wir alle kleine oder grössere Schurken. Nämlich dann wenn es um Geld geht. Wir würden wohl staunen, wenn ganz genau der Zusammenhang Börse und Waffengeschäfte, offengelegt würde....
  • Töfflifahrer 20.12.2017 01:32
    Highlight Highlight Das mit den Fake Beweisen hatten wir dich schon mal.
    War doch auch ein Republikaner nicht?
    • Alnothur 20.12.2017 08:13
      Highlight Highlight > War doch auch ein Amerikaner, nicht?

      FTFY
  • stan1993 19.12.2017 23:31
    Highlight Highlight In den zwei Wochen seither sind bei Luftangriffen Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 136 Zivilisten getötet worden.

    Wer sind die Verbündeten? Kriegt man hier nur die Lösung wenns China odr das böse Russland ist?
  • Stop Zensur 19.12.2017 23:29
    Highlight Highlight Ich verstehe zwar wie manche hier gewisse Schedenfreude verspüren. Solche Attacken auf Riad werden aber leider nur zur Eskalation führen.

    Bisher haben die Saudis es sich so bequem und einfach gemacht wie es nur geht. Die Houthi Rebellen wurden eher Eingedämmt als frontal bekämpft.

    Nun werden leider härtere Massnahmen kommen.



    • Fabio74 20.12.2017 07:26
      Highlight Highlight Eindämmen nennst du das Sperren von Häfen zum Zweck des Ausgungerns? Ich nenne dies Völkermord. Zurück beim Faschismus wie die Wehrmacht 1941 Leningrad ausgehungert hat.
      Und wie damals kehrt der Krieg zurück dorthin wo er losgetreten wird.
      Es wird Zeit, dass die offizielle Schweiz, die Beziehungen zu Riad abbricht und jede Gelder in die Schweiz blockiert.
  • Ohniznachtisbett 19.12.2017 22:06
    Highlight Highlight Tja wer Wind säht...
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 19.12.2017 21:59
    Highlight Highlight "jetzt erreicht der Jemenkrieg das Herz von Saudi-Arabien"
    Ich kann leider nicht anders aber: "LOL"?
    Was glauben die Saudis dann bitte wird passieren, nachdem sie den Jemen erfolgreich zusammengebombt und militärisch "gewonnen" haben?
    All die jungen und älteren Herren, die jetzt schon gegen SA kämpfen oder noch werden, legen nach der Niederlage die Waffen nieder und ergreifen die Pflugscharen?
    Die Saudis sollten mal einen Blick in den Irak, nach Afganistan oder nach JIsrael werfen...
    • Posersalami 19.12.2017 22:41
      Highlight Highlight Welche Niederlage? Der Krieg dauert an.. dass die SA Armee bisher nix erreicht hat ausser einer humanitären Katastrophe spricht jetzt auch nicht gerade für einen Sieg.
  • Fabio74 19.12.2017 21:44
    Highlight Highlight wenn der Krieg nach Hause zurück kommt. Mussten schon andere Faschisten 1945 lernen...
  • Sebastian Wendelspiess 19.12.2017 21:33
    Highlight Highlight Haha die USA immer mit ihrer Show. Mal ein Fläschchen, mal ein irgendein Raketenteil. Hauptsache eine Ausrede für den Krieg. Die USA und Saudi Arabien sollen aufhören sich im Jemen einzumischen und gehört sanktioniert!
    • Fabio74 20.12.2017 07:28
      Highlight Highlight @silent Europa und die CH sind einfach feige.
      Aber unsere Bürgerlichen Politiker überbieten sich ja im Bücken wenn einer Geld bringt, egal wie viel Blut dran klebt
  • Dä Brändon 19.12.2017 21:23
    Highlight Highlight Was soll die Beweissuche gegen Iran? Sie unterstützen, im Gegensatz zu dem Amis, nicht die Schurken.
    • Luku luku 19.12.2017 22:40
      Highlight Highlight Sie sind wahrscheinlich genauso Schurkern wie die USA auch, jedoch nur lokal, während die USA der globale "Friedensbringer" sind und dazu ihre Schurkereien auch noch durch solche Dinge wie "iranische" Raketen in einem doch blockierten Yemen gutreden wollen.
    • Beobachter24 20.12.2017 02:50
      Highlight Highlight Die Beweissuche gegen Iran dient dazu Gründe zu suchen den Iran anzugreifen.
      Teile des US-Machtapparats drängen auf einen offenen Krieg gegen den Iran, Niki Haley ist ein Sprachrohr dieser Fraktion. Andere Fraktionen warnen davor dies zu tun.
      Auch Israel würde gerne, traut sich aber nicht allein, ähnliches kann man von den Saudis sagen.

      Wer der "Schurke“ ist, das bestimmen weitgehend die Medien. Aufgeweckte Leser wie "Dä Brändon" durchschauen das, eine grosse Mehrheit ist aber zu blöd dafür.
    • _kokolorix 20.12.2017 08:14
      Highlight Highlight @Beobachter24
      Als einer der wohl 'zu Blöden', möchte ich schüchtern anmerken, dass die Huthi mir auch nicht gerade wie Friedensengel vorkommen, auch wenn die Bomardierungen der Saudis, mit Unterstützung der USA und anderen Staaten zweifellos ein Verbrechen sind
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